Mein neues Dividendenziel für 2024 und alle Dividenden analysiert

Dividendenziel 2024
4.8
(133)

Für einen Jahresrückblick ist es noch zu früh, schließlich haben die Börsen noch geöffnet und bei der Depotentwicklung kann sich noch etwas tun.

Die letzte Dividendenzahlung des Jahres ist aber schon versucht und so kann ich meine Dividendenerträge bereits analysieren. Aufgrund des stärker als erwartet performenden US-Dollars war ich relativ früh sicher, mein Jahresziel zu erreichen. Hinzu kamen einige deutliche Dividendenerhöhungen, die meine Verkäufe des Vorjahres teilweise gut kompensiert haben.

Und so ist der Ticker auf der Webseite schon im November in den fünfstelligen Bereich gesprungen. Ein beruhigendes Gefühl, das ich ausbauen will!

Wie jedes Jahr werfe ich in diesem Beitrag einen Blick auf alle Dividendenzahlungen, ranke meine Depotwerte nach ihren Ausschüttungen und zeige Dir auch meine persönlichen Dividendenrenditen (Yield on Cost) für das Jahr 2023. Und ich lüfte auch mein Dividendenziel für das neue Jahr.

Gesamtergebnis (netto aktualisieren)

Über die Netto-Dividenden im Dividendendepot hatte ich ausführlich in einzelnen Beiträgen berichtet und der Zähler in der Menüleiste zeigte die Entwicklung auch an. Er allein schaffte es schon auf 10.729,50 €.

Seit 2022 zählen auch die Dividendenerträge aus dem Optionsdepot mit für die Erreichung meines Dividendenziels. Einfach deshalb, weil ich einige Titel umgebucht hatte und ja am Ende des Tages alles in einer Kasse landet.

Im Optionsdepot werden die Dividenden bei US-Titeln zunächst steuerfrei gebucht, es werden lediglich 15% Quellensteuer abgezogen. Ich habe die Erlöse jeweils in meinen Monatszusammenfassungen aufgeführt und nun für diesen Beitrag eine kalkulatorische Steuer errechnet – um das exakte Nettodividendenergebnis zu ermitteln. Im Optionsdepot erhielt ich demnach 787,24 € an manuell errechneten Nettodividenden.

In der Addition aus beiden Depots habe ich damit mein Jahresziel von 10.500 € um 9,7% übertroffen – insgesamt sind es 11.516,74 € als Nettodividenden geworden.

Damit bewege ich mich in der Range der letzten Jahre:

JahrNetto-Dividenden
202311.516,74 €
202211.438,98 €
202111.978,58 €
202010.036,40 €
Historie meiner Nettodividenden

Allerdings gab es 2 Faktoren, die ich beim Vergleich berücksichtigen muss: 2021 gab es eine Sonderausschüttung der Pennon Group, die allein 918,26 € netto betrug. Und ich erhielt eine Quellensteuererstattung aus der Schweiz über 234,89 €. Für 2022 und 2023 habe ich den Antrag noch nicht gestellt, sondern bewahre mir das quasi als stille Reserve auf. Wenn ich diese beiden Sondereffekte bereinige, dann ist 2023 für mich sogar zum Dividenden-Rekord-Jahr geworden!

Brutto erreichten die Dividenden übrigens einen Wert von 15.574,06 € – das stellte keinen Rekordwert dar, ist aber immerhin mein zweitbestes Ergebnis.

JahrBrutto-Dividenden
202315.574,06 €
202216.022,66 €
202115.262,71 €
202013.598,18 €
Historie meiner Bruttodividenden

Starker US-Dollar wirkte sich auf Dividenden aus

Mein Jahresziel war bewusst 500 € niedriger als das Jahresziel 2022 und sogar knapp 1.000 € niedriger als das tatsächliche Ergebnis angesetzt.

Denn ich hatte doch einige Verkäufe von Titel mit hoher Dividendenrendite getätigt. Begünstigt wurde das Resultat aber durch den starken US-Dollar. Ihn hatte ich zum Euro mit 1,15 kalkuliert. Diesen Wert erreichte er jedoch nicht, sondern bewegte sich kontinuierlich in der Region zwischen 1 und 1,10.

38% meiner Dividenden werden in US-Dollar gezahlt. Der Währungseinfluss ist also immens – jedenfalls für die Zielerreichung. Ist der Dollar – im Jahresmittel – 10% stärker als erwartet, macht das gute 3,5% Mehrertrag aus. Oder in absoluten Zahlen rund 400 € netto in einem Jahr. Das ist ziemlich genau der Betrag, um den ich mein Jahresziel übertroffen habe.

Ein Effekt, den ich in 2023 sehr gerne mitgenommen habe. Für 2024 kann er sich aber genauso ins Gegenteil drehen. Denn in den letzten Wochen sehen wir ja schon eine deutliche Erholung des Euro. Und die angekündigten Zinssenkungen der US-Notenbank werden diesen Trend begünstigen.

Der Regelfall bei meinen Dividendenwerten: Dividendenerhöhungen

Der Großteil der Aktien im Dividendendepot hat in 2023 seine Dividenden erhöht. Ihre Ausschüttungen stabil gehalten haben BASF, GrainCorp und Omega Healthcare Investors aus dem Dividendendepot. Im Optionsdepot veränderten B2Gold und Viatris ihre Ausschüttungen nicht.

Eine Dividendenkürzung gab es lediglich bei der Deutsche Beteiligungs AG und bei BB Biotech. Im Optionsdepot setzte PetMed Express nach drei stabilen Quartalsdividenden die Dividende komplett aus. Ich habe den Titel postwendend verkauft.

Für 2024 keine Kürzungen in Sicht

Anders als im letzten Jahr rechne ich für 2024 bisher mit keinen Kürzungen bei den Dividendenzahlungen. Das Jahr 2023 war zwar wirtschaftlich herausfordernd, es führte aber bei meinen Depottiteln nicht zu größeren Verwerfungen.

Lediglich die Dividende von Omega Healthcare Investors steht unter Druck, hier wäre eine Kürzung keine Überraschung. Allerdings setzte das Management bisher alles daran, die Dividende stabil zu halten. Und deshalb rechne ich auch mit einer Fortsetzung der Zahlungen.

Trotzdem könnten zum Ende des Jahres 2024 einige Titel weniger Brutto-Dividende gezahlt haben als noch 2023. Denn wenn der US-Dollar schwächer wird, dann reichen marginale Dividendenerhöhungen wie es sie z.B. bei Medtronic oder 3M gab, nicht aus, den Währungsverlust zu kompensieren.

Das Ranking der Dividendenzahler

Meine größten Depotwerte waren wieder einmal auch meine größten Dividendenzahler. Allerdings gibt es mit Microsoft und Novo Nordisk inzwischen zwei Schwergewichte unter den TOP 4, die eine unterdurchschnittliche Dividendenrendite haben.

WertpapierBrutto-Dividende 2023KaufpreisYoC
Munich Re1.450,0022.231,256,52%
Allianz1.425,0019.239,037,41%
Omega Healthcare Investors739,617.984,359,26%
TERNA678,0910.154,956,68%
Johnson & Johnson655,5813.619,234,81%
VINCI567,0011.226,015,05%
PepsiCo537,769.938,845,41%
Siemens510,0011.477,904,44%
3M475,2313.551,773,51%
BlackRock460,459.893,584,65%
B2Gold423,5212.776,133,31%
Protector Forsikring ASA358,554.327,298,29%
Procter & Gamble343,456.877,664,99%
General Mills342,677.242,314,73%
Realty Income Corporation340,3010.069,373,38%
Taylor Wimpey328,835.650,905,82%
Talanx300,004.060,177,39%
Microsoft284,229.252,313,07%
Novo Nordisk283,507.602,953,73%
Veolia Environnement268,805.080,475,29%
Novartis260,396.449,464,04%
Medtronic250,318.701,822,88%
Verizon Communications237,168.674,712,73%
Transurban Group234,865.407,584,34%
Fortescue Metals Group Limited211,772.739,177,73%
Givaudan201,213.994,195,04%
ENAV196,703.580,945,49%
Global X NASDAQ 100 Covered Call ETF188,672.030,019,29%
DEFAMA178,208.436,422,11%
Viatris177,844.930,163,61%
The Coca-Cola Company170,091.886,769,01%
BASF170,003.166,255,37%
PetMed Express167,804.861,913,45%
Civitas Social Housing161,019.576,861,68%
Deutsche Beteiligungs AG160,002.691,715,94%
MSCI Inc.153,473.639,644,22%
Siemens Healthineers142,503.206,434,44%
BayWa120,002.706,304,43%
BB Biotech114,293.139,003,64%
Cisco Systems106,394.165,162,55%
Texas Instruments106,154.483,502,37%
Lam Research104,986.802,201,54%
Itochu100,216.659,681,50%
BCE91,191.423,956,40%
McDonald’s86,23576,4514,96%
Sekisui House76,431.363,355,61%
Partners Group75,831.744,304,35%
BMO Laddered Preferred Share Index ETF74,111.652,034,49%
Medion AG69,001.260,005,48%
GrainCorp Limited65,321.349,124,84%
Kenvue64,554.011,421,61%
L’Oréal60,363.549,001,70%
Hertha BSC Anleihe 18/2552,50730,957,18%
Österreich-Anleihe 2,1%42,001.398,233,00%
Pennon Group29,392.535,571,16%
Marubeni25,751.639,871,57%
AT&T25,472.437,381,04%
Touax20,003.022,120,66%
Nippon Sanso12,341.622,000,76%
Weng Fine Art6,05502,981,20%
LVMH5,50691,070,80%
SAP2,05123,461,66%
Symrise1,05119,850,88%
HORNBACH Baumarkt AG0,9051,051,76%
Centrotec SE0,841.225,700,07%
Vantage Towers0,64528,600,12%
Summe15.574,06347.744,784,48%
alle Angaben in Euro

In der Tabelle habe ich die Brutto-Dividenden aufgeführt, um eine bessere Vergleichbarkeit zu erreichen. Ansonsten wären Titel, die früh im Jahr ausschütten und bei denen mein Freistellungsauftrag noch greift stark bevorteilt. Und aufgrund von Anleihenkäufen und den damit gezahlten Stückzinsen habe ich auch unterjährig teilweise „brutto für netto“ erhalten. Statt der aktuellen Dividendenrendite, die ja mit jeder Veränderung des Aktienkurses schwankt, habe ich meine persönliche Ausschüttungsrendite des Jahres 2023 (YoC – Yield on Cost) aufgeführt. Für mich als Langfristanleger ist sie besonders aufschlussreich. Mich motiviert es enorm, wenn ich auf mein eingesetztes Kapital solche prozentualen Ausschüttungen erhalte. Und mit jeder zukünftigen Dividendenerhöhung steigt der Wert weiter.

Spannend finde ich den YoC-Wert für mein gesamtes Dividendendepot. Gegenüber dem Vorjahr (4,36%) ist er wieder gestiegen und erreicht nun 4,48%. Und das trotz einiger Zukäufe und Verkäufe von dividendenstarken Titel wie Verizon.

Mein Dividendenziel für 2024

Ich habe mir aus der Analyse dieser Erträge einige Gedanken gemacht, die ich in den nächsten Tagen im Rahmen der Divantis-Anlagestrategie für 2024 vorstellen werde. An meiner grundsätzlichen Ausrichtung wird sich nichts ändern. Ich setze weiterhin auf Dividendenwerte.

Sie sind die Grundlage all meiner Investments, da sie laufende Erträge generieren. Ähnlich wie eine vermietete Immobilie oder auch ein Gehalt in einer Anstellung. Sinnvoll ergänzt mit Werten mit garantierter Dividende und Anleihen sorgen sie für einen festen Strom eingehender Zahlungen.

Wiederholt habe ich für mich festgestellt, dass mich die Dividenden zur Langfristanlage motivieren. Bei Aktien, die keine Dividende zahlen, müsste ich mich stattdessen immer damit beschäftigen, ob ich die Aktienposition teilweise oder vollständig verkaufe. Denn nur dadurch lassen sich Erträge generieren. Und ein Verkauf ist meines Erachtens immer auch eine Entscheidung gegen das Unternehmen. Wenn ich aber eigentlich von ihm überzeugt bin, dann komme ich nicht mehr an mein Geld.

Aus der obigen Tabelle habe ich einige Titel im Laufe des Jahres 2023 verkauft, sie fallen als Dividendenzahler weg. Dafür habe ich aber auch einige Nachkäufe getätigt, die ihre volle Wirksamkeit erst ab 2024 entfalten werden.

Verabschieden mussten sich BayWa, Civitas Social Housing, Pennon Group und Verizon. Zudem liefern AT&T, PetMed Express und Viatris im Optionsdepot keine Erträge mehr. Gegenüber den bisherigen Dividendenberechtigungen halbiert habe ich die Position bei der Deutschen Beteiligungs AG und jeweils um ein Drittel habe ich Siemens Healthineers und Givaudan reduziert. Diese Verkäufe stehen insgesamt für eine Reduzierung der Dividendenerträge von 1.113 € brutto.

Durch Aufstockungen werden sich dafür die Dividendenzahlungen bei Realty Income, Nippon Sanso, Itochu, B2Gold, Fortescue Metals Group, GrainCorp, Texas Instruments, Novartis, PepsiCo, LVMH, BCE, Touax, Prestige International, Kenvue und Cisco Systems erhöhen. Das sollte einem Plus von rund 641 € brutto entsprechen. Zudem werden meine Anleihen 347 € brutto ausschütten. Da ich in sie statt in Dividendentitel investiert habe, zähle ich die Anleihenzinsen zu meinen Dividendeneinkünften. Schließlich habe ich in 2023 in verschiedene Titel investiert, die über Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträge garantierte Dividenden („Ausgleichszahlungen“) haben. Dort werde ich 202 € brutto erhalten.

Die Zukäufe des Jahres 2023 sorgen unterm Strich dafür, dass die Verkäufe ausgeglichen werden. Grob kalkuliert müsste ich sogar etwa 77 € mehr an Brutto-Dividenden erhalten.

Darin sind Dividendenerhöhungen allerdings noch nicht berücksichtigt. Ich erwarte insbesondere bei den Schwergewichten im Depot Munich Re und Allianz weitere Steigerungen der Ausschüttungen. Positive Signale gab es zudem bereits von Siemens und auch bei VINCI und TERNA erwarte ich Dividendenerhöhungen. Bei den US-Werten bin ich hingegen schon zufrieden, wenn die Erhöhungen, die ja über das Jahr verteilt erfolgen und nicht für alle vier Quartalsdividenden wirksam sind, ausreichen, um den gegenüber 2023 voraussichtlich schwächeren US-Dollar auszugleichen.

Ich bin bekanntlich ein Freund realistischer Planung. Den US-Dollar kann ich nicht vorhersagen. Das wird immer ein wenig Glück sein, ob ich meine Ziele insofern auch eintreffen.

Für 2024 weiß ich allerdings jetzt schon, dass ich keine Einlagen in das Dividendendepot tätigen werde. Vom Optionsdepot sind alle Reserven gehoben und im Anti-Depot sammeln sich u.a. die Anleihen. Ich werde also mit den Werten leben müssen und wollen, die sich zum Jahreswechsel schon im Depot befinden. Denkbar sind zwar Umschichtungen – und sie werden bestimmt auch stattfinden. Aber auch sie können zu einer Reduzierung von Dividendenerträgen führen, wenn ich z.B. auf Titel mit niedrigerer Dividendenrendite setze.

Mein Zielwert für 2024 beträgt deshalb 11.000 € netto. Das ist dann gegenüber dem Ziel von 2023 (10.500 €) eine Steigerung von 4,8%. Vor allem bringt sie mich meinem langfristigen Ziel von 12.000 € netto (= 1.000 € pro Monat) wieder näher.

Gegenüber dem tatsächlichen Ergebnis von 2023 bedeutet das Ziel eine Senkung. Sie ist aber vor allem dem schwächeren US-Dollar zum Jahreswechsel geschuldet.

Eine Erkenntnis zum Schluss

2023 war ein sehr gutes Börsenjahr. Dass ich mein Dividendenziel übertroffen habe, lief dabei für mich aber irgendwie so nebenher. Denn die Kursentwicklung des Depots war es – da musste ich mir häufiger die Augen reiben.

Für das nächste Jahr erwarte ich eine schwächere Entwicklung und mein Fokus wird sich deshalb wieder mehr auf die Dividenden lenken.

Mit dem neuen Dividendenziel würde ich zwar etwas weniger Dividenden einnehmen als 2023. Aber das Ziel selbst ist höher als das bisherige Ziel. Und das ist es, was für mich zählt. Denn mit dem Ziel kalkuliere ich auch unterjährig. Wenn es übertroffen wird, umso besser. Aber das ist dann ein Bonus, auf den ich im Vorfeld nicht setzen kann.

Mein langfristiges Ziel sind ja 12.000 € Netto-Dividenden im Jahr. Es zu erreichen, wäre mit etwas Umschichten im Depot leicht möglich. Ich könnte Titel mit niedriger Dividendenrendite gegen solche mit höherer austauschen. Dann wären durchaus auch mehr als 12.000 € möglich. Aber das will ich nicht!

Ich möchte eine ausgewogene Mischung im Depot haben und nicht auf Teufel komm raus die letzte Dividende ausquetschen. Denn meine besten Performer waren rückblickend Aktien, die wenig Dividende gezahlt haben, sie aber Jahr für Jahr deutlich steigern. Beispiele dafür sind MSCI Inc., Microsoft und Novo Nordisk.

Und für mich ist das die Königsdisziplin: ausreichend hohe Dividendenerträge und gleichzeitig eine positive Entwicklung des gesamten Depots. Und das schaffe ich nur mit einer ausreichenden Diversifikation und unterschiedlichen Dividendenrenditen.

Über alle Dividendenzahlungen werde ich auch in 2024 in gewohnter Ausführlichkeit und Transparenz berichten. Wenn Du also immer auf dem Laufenden bleiben möchtest, dann schau regelmäßig auf dem Divantis-Blog vorbei und registriere Dich für den Newsletter:

Hier gratis für den Newsletter registrieren!

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?

Dann bewerte ihn mit einem Klick!

Durchschnittliche Bewertung: 4.8 / 5. Anzahl der Stimmen: 133

Gib die erste Bewertung für diesen Beitrag ab!

Schade, dass Dir der Beitrag nicht gefallen hat!

Unterstütze die Qualitätsverbesserung!

Möchtest Du mir einen Hinweis geben, was ich besser machen kann?

27 Gedanken zu „Mein neues Dividendenziel für 2024 und alle Dividenden analysiert“

  1. Mein Rückblick #1 (von 2): „Bewertung 2023 mit Fokus auf Dividendenentwicklung“
    (Disclaimer: Ich scheue mich via Internet absolute Zahlen zu nennen, aus bekannten Gründen. Verhältniszahlen teile ich hingegen gerne 😉. Ich bitte um Verständnis…)

    Die 47 Wertpapiere (davon 3 ETFs) in meinem Depot:

    73% davon haben vier Auszahlungstage im Jahr (der Rest verteilt sich auf 1, 2, 3, 12 Zahltage im Jahr). Wie Ben es schreibt, motivieren mich Dividendeneingänge ungemein. Zumal ich situativ entscheiden kann: Nutze ich den Eingang eher für Konsumausgaben, Rechnungsbegleichungen oder zur Wiederanlage (letzteres ist die Regel).

    Fast zwei Drittel der Titel haben eine Dividendenrendite von 2 bis 5%, 20% der Titel eine unter 2%, 10% über 5%. Die durchschnittliche Dividendenrendite liegt bei 2,5%, ein Wert, der mir gut gefällt.
    Nur Alphabet schüttet keine Dividende aus (persönliche Gründe haben mich veranlasst, in 2023 noch stärker auf Dividendentitel zu setzen; deshalb flogen Qualys, Berkshire, Shockwave Medical, PagSeguro, Mercadolibre, Moderna, TradeDesk, Clearfield und InMode wieder aus dem Depot).

    Meine Dividenden“maschine“ läuft erst in 2022/23 so richtig an. Mit jährlich 171 Zahltagen (voraussichtlich) sind nahezu wöchentlich Dividenden zu erwarten. Der Nettoertrag liegt jährlich im höheren fünfstelligen Bereich.

    Meine drei Dividenden“könige“ (höchste Ausschüttung per anno) in 2023 waren der VanEck DivLeaders, gefolgt von RioTinto und MunichRe (dahinter Allianz und Deutsche Post). Fazit: Es ist kein Fehler, auch gute DAX-Aktien im Depot zu halten 😉. Bewusst halte ich jedoch auch Titel wie ASML, LVMH, MSFT, DHR, SPGI oder Linde, alle mit einer Dividende von 1% oder geringer. Warum? Weil entweder das Dividendenwachstum exzellent ist (hier schneiden zu CAGR 5Y nach Divvydiary am besten ab: ASML mit 33%, Equinor 31%, Nintendo 25%, Vale 21%, AVGO 19%) oder die Kursentwicklung sehr erfreulich oder positiv zu erwarten ist (z.B. Danaher, LVMH, UNH, SPGI).

    Kurzer Ausblick zum Thema: Ich setze mir bewusst KEINE Vorgaben mit Bezug zu Dividenden. Ganz einfach, weil ich es zuwenig steuern, beeinflussen, kontrollieren kann. Es ist schön zu sehen, wenn sich Dividendenerträge erhöhen. Garantieren kann ich es nur indirekt, über Neu- und Nachkäufe von Aktien und ETFs.

    Anfang 2024 teile ich auch gerne einige meiner persönlichen Lektionen des Börsenjahres 2023…

  2. Hole mir hier immer wieder Ideen, mein Depot habe ich aber auf höhere Ausschüttungen getrimmt. Im letzten Jahr einige BDC’s, preferreds und Reits ins Depot gepackt. Bin zu Corona eingestiegen und YoC liege ich bei 6,7%, auf inkl. investition der Dividenden 5,7% und auf Depotwert 4,2%. Es ist schon spannend zu betrachten, wie der Cashflow sich entwickelt. Was ich allerdings noch nicht geschafft habe, aufzuhören nachzukaufen. Ein wenig geht halt immer noch. Reduktion der Arbeitszeit auf drei Tage ist jetzt schon zwei Jahre alt. Einiges der Zeit investiere ich aber auch um mit dem Depot am Ball zu bleiben. Mache weiter so und ich bleibe gerne ein treuer Fan. Einen guten Rutsch und gute Renditen 2024.

    1. Hallo Arndt , meiner Beobachtung nach geht mit „ maximiertem“ Ausschüttungsdepot aber meistens nur eine Seitwärtsbewegung, wenn nicht sogar eine leicht fallende Kursbewegung des Gesamtkurswert Depots einher.
      Die Mischung aus Ausschüttung und Kurswachstum finde ich persönlich eher aussichtsreicher.
      Aber kann ja jeder nach seinem Geschmack gestalten…
      Grüsse

      1. Hallo Thomas: das ist mir schon bewusst. 2022 waren es 5,1% und 5,8%. Ich habe jetzt aber auch angefangen ein paar Werte mit mehr Potential der Dividenden Steigerungen ins Depot zu packen. Wenn ich sehe, was ich an Steuern bezahlt habe bei den Dividenden für die Reinvestments kann ich schon meine Strategie ein wenig anpassen. Man lernt ja nie aus!

  3. Hallo Ben,

    zwei Fragen:
    1.) Auf Optionen fällt kein Soli an? Wie Spock sagen würde: faszinierend!
    2.) LVMH? Habe ich etwas verpasst? Was bewog Dich zum Kauf?

    Ich verfolge übrigens kein Dividendenziel, um nicht zu High Dividend Papieren verführt zu werden. Das Steigen der Dividenden Jahr für Jahr ist für mich hinreichend.
    Ebenso erspare ich mir die Bruttodividende zu erfassen. Hier muss ich allerdings sagen, ich veröffentliche ja nicht meine Zahlen wie YoC und für mich ist die Auswertung in Portfolio performance ausreichend, wenn auch nicht genau.

    Allen einen Guten Rutsch ins Jahr 2024. Und möge das Glück mit uns sein. :)

  4. Hallo in die Runde,

    mal wieder ein Investment-Philosophisches Thema. Und das Gesagte soll niemanden kritisieren oder belehren (das würde ich mir nicht anmaßen), sondern wie immer zum Nachdenken anregen und wird mit einer Hoffnung auf Rückmeldung erfahrener Investoren geschrieben. ;-)

    Nach einem fast schon beiläufigen Satz von Andreas Beck in einem Interview zuletzt und bei deinen Zahlen hier, Ben, komme ich hinsichtlich des Themas Dividenden echt ins Nachdenken.

    Hinweis von Andreas Beck (vereinfacht): Jede Dividende über dem Sparerpauschbetrag wird in voller Höhe versteuert. Ausländische Dividenden meistens schon darunter. Wenn ich keine Dividenden hätte aber Anteile verkaufen würde, dann wird nur ein Teil versteuert und zwar der Gewinn. Das ist also per se immer steuerlich effektiver.

    Zahlen von Ben: 15.500 EUR Bruttodividenden vs. 11.500 EUR Nettodividenden. Delta 4.000 EUR.

    Mal ein paar Thesen dazu:

    Dividenden und realisierte Gewinne ungefähr bis zur Höhe des Sparerpauschbetrags sind steuerlich fast optimal (Quellensteuer geht ja bei Dividenden dennoch ab, deswegen fast). Da beide Steuertöpfe nicht miteinander verrechnet werden können, kann man noch nicht einmal Verlustrealisierungen gegenrechnen.
    Sobald man in der Depotaufbauphase über den Sparerpauschbetrag hinaus kommt, unterstützt man den lieben Chr. Lindner anstatt den Zinses-Zins arbeiten zu lassen. Siehe die 4k von Ben. Bei den Erträgen im höheren 5-stelligem Bereich von Matthias dürfte es noch wesentlich mehr sein. Wenn man das mal über 10 Jahre hochrechnet, ist das schon beachtlich.
    Selbst in der Entnahmephase scheint ein Verkauf von Anteilen steuerlich günstiger als Dividenden.

    Und ein paar Schlussfolgerungen (nicht abschließend, ich muss weiter drüber nachdenken):

    Investition in immer noch gut wachsende Unternehmen mit sehr niedriger oder gar keiner Ausschüttung ist in der Aufbauphase (und ggf. auch in der Entnahmephase) zu bevorzugen. Beispiele wäre Microsoft, Alphabet, Visa, Novo Nordisk und ähnliche Unternehmen.
    Unternehmen mit höherer Dividendenrendite sollten nur dann ins Depot wandern, wenn gleichzeitig ein deutliches Kurs- bzw. Erholungspotential zu erwarten ist. Z.B Realty Income im Oktober.

    Da durch ein solches Vorgehen evtl. die Motivation, die aus Dividendenerträgen eindeutig hervorgeht (grad in schwachen Börsenphasen), leidet, wäre es evtl. sinnvoll über ein Substitut zu den Dividendenzahlungen nachzudenken (Quasi um sich selbst zu überlisten). Zum Beispiel die Owners-Earnings oder vereinfacht der freie Cashflow den die Depotpositionen auf die Waage bringen. Und dies im Verhältnis zum Einstandspreis, also analog YoC. Dann würde man auch eine gute Entwicklung sehen, die dann aber nicht zu einem Viertel an den Staat geht sondern zu großen Teilen wieder in „meine“ Unternehmen re-investiert werden. Denn eigentlich sind Aktienrückkäufe oder Schuldentilgung für einen Eigentümer ja effektiver als Dividenden. Und Invest in neues Geschäft oftmals ebenfalls.

    Wie denkt ihr denn über diese Thematik?

    Beste Grüße und kommt gut in das neue Jahr!
    Chrischaan

    1. Ich sehe dies trotz einem gewissen Depotvolumen nicht so wissenschaftlich. Die Gewichtung von Dividenden hängt von der persönlichen Lebenssituation ab. Wenn du wenig Vermögen hast, solltest du mehr auf Wachstum als auf Ausschüttung setzen. Ab einem gewissen Alter spielt dann der Vermögenserhalt bzw. der Vermögens-verzehr eine Rolle. Und nicht vergessen, die Lebenszeit ist begrenzt. Die Vermögensbildung kann Spass machen, aber sollte nicht der ausschliessliche Lebenszweck sein. Ab einem gewissen Alter wirst du feststellen, dass dir dein Vermögen verpasstes nur bedingt ersetzen kann.

    2. Lieber Chrischaan,

      wie kommst Du darauf, dass Dividenden höher besteuert werden als Gewinne?
      Lediglich bei Aktien-ETF werden 70% vom Wert angerechnet.

      Deine Ansicht klingt auch eher nach Zinssicht als Dividendensicht. Mit jeder Dividende wird die Aktie um den ausgezahlten Betrag vermindert. Der Zuwachs der Aktie ist also geringer.

      Auch nicht vergessen: wer auf Aktienverkäufe im Alter setzt, erhält nur 74% des Kursgewinnes – den Rest frisst die Steuer und Soli. Aus 10.000 € werden dann eben auch nur 7.400 €, dazu kommt das Kursrisiko, ob ich bei einer schwachen Phase verkaufen muss, weil ich Geld benötige. Bei starken Unternehmen mit wachsenden Dividenden und Kurs, weiß ich, wieviel Netto ich jeden Monat erhalte, plus dem Kurs (zum ggfls. Verkauf).
      Das gibt in der Rentenphase einen ruhigeren Schlaf.

      Aber auch in der Ansparphase sind laufende Dividenden ein (Geld-)Segen. unbestritten dass die eigene Leistung deutlich mehr beiträgt für das mögliche Invest-Kapital, erfreuen Dividenden, halten mich bei der Stange und vergrößern mein einsetzbares Kapital.
      Prinzipiell gilt natürlich, je jünger man ist (Ansparphase), desto mehr Wagnis kann man in Aktien eingehen, da das „Humancapital“ mögliche Verluste leichter ausgleichen kann als im Rentenalter oder kurz zuvor. Aber auch hier nicht vergessen, soll das eingesetzte Kapital irgendwann für ImmoKauf o.ä. verwendet werden, gilt diese Aussage nicht! Es zählt immer der Zeitpunkt des Bedarfs.

      Wer natürlich auf reine Dividendenaktien (ohne Kursgewinne) setzt, dem ist nicht zu helfen (meine Ansicht).
      Irgendwo in den Tiefen dieses Blogs habe ich bereits den Reiz steigender Dividenden für Langfristanleger fiktiv errechnet – wenn auch nur auf 10 Jahre.

      Wo ich zustimme, dass Dividenden innerhalb des Freibetrages „optimal“ sind. Nur ich gebe zu bedenken, Invest auf Basis der optimalen Steuer ist meist negativ für das Gesamtkonstrukt, oder wollt Ihr nicht weiterhin in Aktien investieren, weil Ihr auf Dividenden über dem Freibetrag Steuern zahlt?

      Für mich gilt weiterhin: solide Firma mit steigendem Kurs und mit steigenden Dividenden ist ein gutes Investment solange mindestens die Inflation ausgeglichen wird!

      Bitte vergesst auch nicht, dass Andreas Beck (unbestritten ein Fachmann, dem ich gerne zuhöre) in erster Linie sein Portfolio One verkauft. Das ist nicht verwerflich und nicht bewertend (schon gar nicht abwertend) und in seinem Portfolio sind mit Sicherheit 90% Aktien mit Dividendenzahlungen. ;)
      Es zählt immer: die individuelle Situation!

      1. „Dividenden innerhalb des Freibetrags“.

        Hierzu ein Hinweis in Bezug auf den Nachwuchs, den viele nicht auf dem Schirm haben, wobei dieser natürlich auch nicht unbedingt aus tatsächlichen Gründen für jeden relevant ist: Den Freibetrag für den Nachwuchs kann man signifikant erhöhen durch die Beantragung einer Nichtveranlagungsbescheinigung.

        Einnahmen sind ganz grundsätzlich für jede Person erst in einer Höhe von rund 11.000 Euro p.a. steuerpflichtig. Man kann also für den Nachwuchs, wenn er denn keine Einnahmen in dieser Höhe hat (was wohl der Normalfall sein dürfte) eine entsprechende NV-Bescheinigung beim Finanzamt beantragen (ich vermute, dass dann das Depot zwingend im Namen des Nachwuchs geführt werden muss – was ja nicht jedermanns Sache ist; ob das auch anders geht, entzieht sich meiner Kenntnis). Hier kann man für den Nachwuchs bis zum Beginn einer Ausbildung oder anderem Eintritt in das Erwerbsleben den vollen Compounding-Vorteil über viele Jahre zu Gute kommen lassen.

        Ob das im Sinne einer philosophischen Betrachtung fair ist? Ausgerechnet die erwachsenen Personen, die über solche Mittel verfügen, überhaupt erst für das Kind solche signifikanten Beträge anzulegen um tatsächlich in diese Rückfluss Dimensionen zu gelangen, können die Einnahmen ihrer Kinder optimieren. Erwachsene Personen, die nicht mal etwas übrig haben, überhaupt für ihre Kinder gut aufzukommen, können von dieser Luxus-Vorgehensweise nur träumen – doppelte Ungerechtigkeit aus Sicht eines jungen Menschen. Es ist aber jedenfalls so, und meines Erachtens ist niemand moralisch verpflichtet, Geld an den Staat herzuschenken.

        Falls also hier jemand solche Vermögen für seine Kinder veranlagt, kann sich das ja mal anschauen. Beispiel: Bereits ab einem Aktienvermögen von „nur“ 50.000 Euro und 2 Prozent Dividenden-Rendite wäre ein „normaler“ Freistellungsauftrag verbraucht. Es lohnt sich also recht schnell – den Wiederanlageeffekt über viele Jahre muss man in diesem Forum ja nicht eklären.

        1. Hallo Tobs,
          alles richtig was Du schreibst. Nur der Vollständigkeit halber: Man sollte sich dann bewusst sein, dass bei einer vollen Ausnutzung der NV-Bescheinigung das Kind eigene Beiträge zur Krankenversicherung abführen muss. Da gibt es auch eine entsprechende Grenze, die man in die Berechnungen einbeziehen sollte.
          Viele Grüße Ben

          1. Hallo Ben,
            vielen Dank.

            Zunächst: Das würde man vermutlich mit seinem Steuerberater besprechen bzw. einstiehlen.

            Worauf Du Dich beziehst, betrifft meines Erachtens gegenständlich die „kostenlose Mitversicherung“ eines Kindes in der (gesetzlichen !) Krankenkasse. Wer wie die Schwellen genau festlegt, weiß ich nicht. Hab bei kursorischer Suche im WWW was von rd. 500 Euro p.m. gelesen, was schon mal nicht schlecht wäre. Ob das die jeweilige Krankenkasse individuell festlegt, weiß ich nicht.

            Und Kinder, die von ihren Eltern privat krankenversichert sind, berührt es gar nicht bzw. schränkt es nicht ein.

            Aber wie gesagt, das stiehlt man besser mit seinem Berater ein. War nur als Impuls an dieser Stelle gedacht, weil ich vermute, einige nutzen das Compounding schlicht mangels Wissens nicht vollständig für ihre Kinder aus.

            Viele Grüße, Tobias

              1. Danke, Chrischaan, ja, dort im Video fasst er es noch mal gut zusammen. Er spricht ja auch von einer Grenze von 485 Euro p.m., aber die kostenlose, gesetzliche Krankenversicherung kippt. Im WWW las ich an einer Stelle, dass das eine Aussage der TK sei. Ob andere Kassen andere Schwellen ansätzen, weiß ich nicht. Könnte man aber ja individuell leicht erfragen.

                Überhaupt schreit das Thema doch mal nach einem eigenständigen Beitrag von @Ben, nicht wahr? :-) Mal eine gesamthafte Betrachtung, angefangen von geeignetem Broker für Junior Depot bis über die Frage Depotführung im Namen des Kindes (so mache ich es) oder im eigenen Namen bis hin zu solchen Themen wie NV-Bescheinigungen…Für viele hier sicherlich ist das ein ausgelutschter Drops, für andere aber möglicherweise einordnend, interessant…

                VG Tobs

        2. Ein guter Hinweis; wie immer halt vielschichtig:
          1) Geld gehört dann auch dem Kind und man kann sich das nicht einfach irgendwann zurücküberweisen (hätte vermutlich steuerrechtliche und strafrechtliche Konsequenzen)
          2) wenn die Kinder auf die schiefe Bahn geraten oder die falschen Freunde haben oder mit 18 Jahren dann alles auf den Putz hauen ist das vielleicht nicht im Sinne der Eltern, aber nicht zu verhindern
          3) für BAFÖG etc. ist eigenes Vermögen natürlich zu berücksichtigen (auch das der Eltern, klar)
          4) bei gesetzlicher Krankenkasse kostenfreie Mitversicherung nur bei eigenen Gesamteinkommen (Zinsen, Dividende, Veräußerungserlöse etc.) bis € 505/monatlich (2024), § 10 III SGB V

          und wahrscheinlich sind noch zig andere Aspekte zu bedenken.

  5. Lieber Börenhai,

    vielen Dank für die ausführliche Antwort. Und auf jeden Fall zählt die individuelle Situation. Und man muss sich auch selbst kennen wie Matthias von Mitzlaff immer wieder betont, sprich Dividenden könnten in unruhigen Zeiten durchaus das Gemüt stabilisieren. ;-)

    Ein, zwei Antworten:
    „Deine Ansicht klingt auch eher nach Zinssicht als Dividendensicht.“

    Das ist tatsächlich überhaupt nicht der Fall. Letztlich wird der Wert eines Unternehmens um die ausgeschüttete Dividende geschmälert. Sowohl im Kurs (Abschlag am Ex-Dividenden-Tag) als auch fundamental, sprich bilanziell (weniger Gewinnrücklagen oder Schuldentilgung).

    „wer auf Aktienverkäufe im Alter setzt, erhält nur 74% des Kursgewinnes – den Rest frisst die Steuer und Soli. Aus 10.000 € werden dann eben auch nur 7.400 €“

    Hier setzt der Punkt von Andreas Beck an:

    Wenn ein Depot im Jahr 10.000 EUR Dividenden brutto ausschüttet (und um diesen Betrag werden die Wertpapierpositionen gemindert), gehen 1.000 EUR Sparerpauschbetrag ab und es werden ca. 2370 EUR Steuern fällig. Es bleiben also die von dir genannten 7.430 EUR übrig.

    Wenn in einem vergleichbarem Depot ohne Dividendenausschüttungen nun durch Verkauf die gleiche Wertminderung stattfindet, sprich Anteile im Wert von 10.000 EUR verkauft werden, hängt die Besteurung nun vom Anteil des Gewinns ab. Angenommen der investiertierte Wert hat sich durchschnittlich verfünffacht, sprich 400% Gewinn. Dann sind von den 10.000 EUR nur 8.000 EUR steuerpflichtig, da ja 2.000 EUR dem Einsatz entsprechen. Davon ab die 1.000 EUR SPB ergibt das 1.850 EUR Steuern. Es bleiben also 8.150 EUR zum Leben.

    Wenn jemand schon sehr viel länger erfolgreich anlegt und das investierte Kapital sic schon höher verzinst hat, verringert sich der positive Effekt natürlich.

    In der Aufbauphase wäre der Effekt aber noch größer, da ja bei nichtausschüttendem Depot die vollen 10.000 EUR „wiederangelegt“ (sprich gar nicht erst entnommen) würden, während im ausschüttendem Depot nur die 7.430 EUR wieder angelegt werden.

    Das ist nun die Theorie. Aber wie Lars in seinem Kommentar geschrieben hat, muss man für den Alltag ja praktikable Leitplanken finden, damit nicht zuviel Zeit drauf geht. Und die hab ich vereinfacht schon oben mal niedergeschrieben.

    Noch wichtiger ist allerdings das was du oder auch Ben geschrieben haben. Man muss sich bei seinem Stil wohlfühlen. Und da ist der Verkauf von Anteilen definitiv unbequemer als der Erhalt der Dividende.

    Außerdem dem gebe ich dir völlig recht, Unternehmen die nicht wirkliches Kurswachstum versprechen, sondern nur Dividende sind definitiv auch nicht mein Fokus.

    Beste Grüße an Alle!
    Chrischaan

    1. BTW

      Ich hab mir in den letzten Tagen auch mal das Thema Owners Earnings / Free-Cashflow angeschaut. Und das ist eine wirklich hochinteressante Metric. Stellt sie doch viel besser dar, was ein Unternehmen uns als Eigentümern erwirtschaftet. Dividenden sind ja nur ein Bruchteil davon. Aktienrückkäufe, Schuldentilgung, Investition in neue Ideen oder einfach Cashaufbau werden oft vernachlässigt. Und all das kann ein Unternehmen machen mit dem FCF. Allerdings ist es etwas aufwendig zu ermitteln und somit wahrscheinlich nicht so ohne weiteres alltagstauglich.

      Bevor Lars seine berechtigten Einwände bringt: Ich hab mir das wirklich nur an ein, zwei Beispielen abends in meiner Nothing-Box-Zeit angesehen. Wenn Kinder und Frau schon schlafen. ;-)

      Und um das hier ein bisschen aufzuheitern der Link zu einem Youtube-Video der die Nothing-Box auf wirklich lustige Art und Weise erläutert:

      A Tail of Two Brains: https://youtu.be/3XjUFYxSxDk?si=foEShWeug7_tveRH

      Ich lache jedes mal wieder Tränen… Wem von den Herren geht es ähnlich?

      1. hi chrischaan again !

        der “ owners earnings “ wurde von wb mitte der achziger jahre definiert als :

        FCF , abzueglich dem teil der CapEx-investitionen, der einzig der vergroesserung der firma diehnt.

        der maintenance teil der CapEx wird also weiter zugelassen. das problem ist dabei , diesen maintenance anteil abzuschaetzen.
        eine sehr rudimentaere methode ist : die maintenance = den Abschreibungen., denn der abschreibungszeitraum entspricht in den seltensten faellen auch der lebensdauer einer maschine.

    2. Hallo,

      das nimmt an, dass sich Aktienkurse von nicht ausschüttenden Unternehmen immer besser entwickeln. Hier müsste man sich die Studienlage mal anschauen, aber ich meine, dass das eben nicht so ist, wenn man den Durchschnitt der Compounder und Dividendentiteln betrachtet.

      1. Lieber Titus,

        gute Frage die du aufwirfst. Allerdings wäre ich vorsichtig mit Durchschnitten. Wenn müsste man 2 sehr ähnliche Unternehmen vergleichen (oder 2 Gruppen). Sprich es müsste ein ähnliches Wachstum, ähnliche FCF Marge usw. vorhanden sein. Dies sehe ich tatsächlich als schwierig an. Aber wenn du da was findest wäre ich sehr interessiert.

        Wie Manfred oben geschrieben hat, stammt die Idee der Owners Earnings von Warren Buffett. Und erstaunlicherweise hat eben dessen Unternehmen nie Dividenden ausgeschüttet. Das höchste der Gefühle waren Aktienrückkäufe in den letzten Jahren. Viel lieber hat er das Geld in das eigene Geschäft gesteckt. Und für die Aktionäre war das kein schlechter Deal.

        Mir ist auch aktuell kein Unternehmen bekannt welches eine signifikante Dividendenrendite (>2,5-3%) hat und so ein richtiger Outperformer war. McDonalds könnte man hernehmen. Die hatten in den letzten 20 Jahren fast 14% p.a. Aber man muss bedenken, dass sie bei einem Kauf im Jahr 2003 auch nur 1-1,5% aufzuweisen hatten und evtl. durch das Raster eines klassischen Dividendeninvestors gerutscht wären.

        Ich möchte hier auch gar nicht gegen Dividenden argumentieren!! Bitte nicht falsch verstehen. Ich versuche nur meine eigene Anlagenstrategie im Dialog mit anderen zu schärfen. :-) Und ganz auf Dividenden verzichten, möchte ich auch nicht.

        Beste Grüße,
        Chrischaan

    3. Hallo Chrischaan,

      bei dem Satz:
      „In der Aufbauphase wäre der Effekt aber noch größer, da ja bei nichtausschüttendem Depot die vollen 10.000 EUR „wiederangelegt“ (sprich gar nicht erst entnommen) würden,“ zuckte ich.

      Was willst Du „wiederanlegen“, wenn kein Rückfluss kommt. ;)
      Wiederanlegen kann ich nur Gewinne, woher die auch kommen. Wahrscheinlich aus dem Human-Capital. ;) Oder wird etwas verkauft? Dann kommen doch wieder die 25% plus … Abzug.

      Situation: Ich habe 4 Amazonaktien vor 4 Jahren gekauft. Sagen wir zu 70€. Dann habe ich einen Buchgewinn von 100%, heute 140 €. Ich verkaufe nichts, wo also ist die „Wiederanlage“? Wovon soll ich also neue andere Papiere kaufen?
      Ich glaube Du hast ihn missverstanden, da Du in Deiner Betrachtung nicht den Einsatz (das gebundene Kapital) mitrechnest. Wenn ein Depot 10.000€ Dividenden abwirft, sind wir auf einen Niveau von ca 500.000€ in Aktien. Und wenn deren Kurs steigt …

      Aktien sind nicht einfach nur „Dividenden-Papiere“ sondern eine Beteiligung an einem Unternehmen!

      1. Ich versuche jetzt meinen letzten Kommentar zum Thema zu schreiben, um nicht den ein oder anderen zu langweilen.

        @Börsenhai:
        Jetzt willst du aber frotzeln. ;-) Natürlich kann aus einem Depot was nichts ausschüttet auch nichts wiederangelegt werden. Was du beschrieben hast, hab ich in versucht in einen Satz zu packen mit Gänsefüßchen und Erläuterung in Klammern. Tut mir leid, wenn ich etwas missverständlich formuliert habe.

        Nichtausschüttendes Depot: Natürlich weder Reduktion im Wert noch Wiederanlage.
        Auschüttendes Depot: Reduktion um 10.000 EUR (Wertpapiere in Cash) und Wiederanlage von 7430 EUR ergibt ein Delta von -2570 EUR und Aufwand.

        @Titus
        Dein Einwand ist wie schon geschrieben sehr interessant. Es hat die Frage aufgeworfen, was sehe ich als Compounder? Unternehmen die gar nichts ausschütten? Oder Unternehmen die den Großteil einbehalten? In meinem Depot hat eine kurze Analyse ergeben, dass Unternehmen die weniger als 50% des FCF ausschütten (meist 20-40%) in den vergangenen 4 Jahren sogar besser performt haben als diejenigen die nichts ausgeschüttet haben. Die Gruppe die mehr als 50% über Dividende auskehrt, war am schlechtesten. Das ist nicht repräsentativ und liegt auch nicht am Steuerthema. Aber hält ein paar gute Thesen bereit. In dieser besten Gruppe sind eben so Unternehmen wie Microsoft, MSCI Inc., Visa, Amgen, Graco, Hexpol AB usw. Unternehmen die schon so gefestigt sind, dass sie FCF erwirtschaften. Aber meistens auch noch gut wachsen.

        So nun aber genug. Euch vielen Dank!

  6. Ich habe meinem Depot einen Anteil von etwa 10% BDCs und das schätze ich sehr, weil diese Firmen nicht
    durch Gewinne wachsen, sondern alle Gewinne ausschütten. Es ist nämlich nicht gesagt das Gewinne die im Unternehmen bleiben auch wieder gewinnbringend investiert werden. Bei den BDCs entscheide ich was mit den erwirtschafteten Gewinnen geschieht. Wer sich in der Niedrigzinsphase BDCs zugelegt hat kann jetzt übrigens auch schöne Kursgewinne sehen und hat YoCs von beeindruckender Höhe. Ich komme da im letzten Jahr auf YoC von bis zu 20% netto bei einzelnen BDCs .

  7. …ich hatte nach einem Branchenvergleich überlegt, bei Mainstreet (MAIN) einzusteigen (auch Hercules gefiel mir, da ausschließlich Venture-Capital-orientiert), mir wird aber wohl erstmal reichen, bei Ares Capital (ARCC) eingestiegen zu sein.
    Es ist auch ein Altersthema der Investoren. Wenn ich über 60 wäre, wären BDC noch deutlich attraktiver für mich, da ich dann stärker auf Dividenden schauen werde (statt auf Kursentwicklung).
    U40 Investoren würde ich wohl einen Einstieg in BDCs eher abraten ;-)

Kommentar verfassen