Was Dich hier erwartet:
Mit dem heutigen Beitrag starte ich eine neue Kategorie auf dem Blog, die Divantis Academy. Darin werde ich – abseits vom tagesaktuellen Börsengeschehen – grundlegende Themen behandeln und Dir helfen, noch mehr Erfolg an der Börse zu haben.
Die Divantis Academy startet mit einer Serie zum Optionshandel. Im diesem 1. Teil der Serie stelle ich Dir den Optionshandel in Grundzügen vor und erkläre, warum er eine sinnvolle Ergänzung meines Dividendendepots ist. Du wirst schnell merken, dass es dabei nicht um Zockerei geht, sondern um eine Optimierung langfristiger Geldanlage.
Mein Dividendendepot
Wie Du jetzt schon einige Jahre auf meinem Blog mitverfolgen kannst, liegt mein persönlicher Ansatz an der Börse in einer langfristigen Anlage in Dividendenaktien. Im Idealfall kaufe ich Aktien und behalte sie für immer. Ich freue mich dann zwar über Kurssteigerungen. Wenn ich die Aktien aber nie verkaufe, dann handelt es sich lediglich um Buchgewinne. Auf meinem Konto sehe ich davon nichts.
Deshalb sind die Dividendenerträge das A und O meines Dividendendepots. Im Idealfall steigen sie regelmäßig, weil die ausgewählten Aktien ihre Dividenden erhöhen.
Der Optionshandel
Mit dem Optionshandel lassen sich die Erträge aus einem Dividendendepot aber noch optimieren. Du kannst Deine Aktien billiger erwerben und dadurch eine höhere Dividendenrendite erreichen. Und Du kannst die Aktien während Deiner Haltezeit veroptionieren. Und damit eine Prämie zusätzlich zur Dividende kassieren. Im Fachjargon geht es um Short Puts und Covered Calls.
In der Serie über den Optionshandel werde ich die einzelnen Instrumente detailliert erläutern und die möglichen Erträge anhand von Beispielen aufzeigen. Hier geht es erst mal um einen Einstieg in die Thematik.
Was ist eine Option?
Optionen sind Termingeschäfte. Zu einem bestimmten Zeitpunkt verbriefen sie das Recht, eine Aktie zu einem vorher festgelegten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Es gibt 4 Grund-Optionen, je nachdem ob Du Käufer oder Verkäufer der Option bist und es sich um das Recht zum Kauf oder Verkauf der Aktie handelt:
Long Call: Du kaufst Dir das Recht, eine Aktie zu erwerben.
Long Put: Du kaufst Dir das Recht, eine Aktie zu verkaufen.
Short Call: Du verkaufst jemandem das Recht, eine Aktie zu erwerben.
Short Put: Du verkaufst jemandem das Recht, eine Aktie an Dich zu verkaufen.
Long und Short-Strategien
Die Long-Strategien sind klassische spekulative Strategien. Statt eine Aktie zu kaufen, kaufst Du Dir eine Call-Option, um mit viel weniger Geldeinsatz an einer von Dir erwarteten Kurssteigerung zu profitieren (Long Call). Oder Du willst damit Geld verdienen, dass eine Aktie im Kurs sinkt. Dann kaufst Du eine Put-Option, die bei einem Kurssturz deutlich im Wert steigt (Long Put).
Die Short-Strategien, die ich in dieser Serie vorstelle, sind hingegen in ihrer gedeckten Variante (dazu später mehr!) konservative Strategien. Sie sind im Kern genau das Geschäft, das Banken betreiben, wenn sie Optionsscheine an Privatanleger verkaufen. Und genau dieses Geschäft kannst Du mit dem nötigen Wissen auch selbst betreiben!
Der klassische Aktienkauf
Hast Du Dich entschieden, eine Aktie neu in Dein Dividendendepot zu kaufen, dann gibst Du normalerweise einen Kaufauftrag über Deine gewünschte Stückzahl zu Deinem Kauflimit auf. Oft liegt das Limit etwas unter dem aktuellen Börsenpreis, damit Du die Aktien erst bei einem Kursrückgang kaufst. Du kaufst dann z.B. 100 Aktien von Red Eléctrica zum Kurs von 16,00 €. Dafür zahlst Du 1.600 € (Kaufgebühren fallen z.B. beim Smartbroker über gettex nicht an!). Bei einer aktuellen Dividende von 1,05 € liegt Deine Brutto-Dividendenrendite bei 6,56%.
Der optimierte Kauf mittels Short Put
Du kannst aber auch einen Put als Option verkaufen (Short Put). Du verkaufst damit an den Käufer das Recht, Dir zu einem bestimmten Zeitpunkt 100 Aktien von Red Eléctrica zum Kurs von 16,00 € zu verkaufen. Dafür erhältst Du sofort eine Prämie, die Du in jedem Fall behalten darfst. Sie ist von verschiedenen Faktoren (die ich im 2. Teil der Serie erklären werde) abhängig und beträgt in unserem Beispiel 55 €. Für den Verkauf der Option werden Dir – je nach Broker – 3 € Gebühren berechnet, so dass Du 52 € gut geschrieben bekommst. Liegt der Aktienkurs zum Fälligkeitstermin unter 16,00 € werden Dir die Aktien „angedient“. Du zahlst dann also für die Aktien Deine geplanten 1.600 € (ebenfalls gebührenfrei). Nun hast Du aber für den Verkauf der Option schon 52 € erhalten. Unterm Strich musstest Du deshalb nur 1.548 € für die 100 Aktien bezahlen. Deine Brutto-Dividendenrendite beträgt bei gleicher Dividende jetzt schon 6,78%!
Zwischenfazit
Mit diesem Kniff sparst Du bei jedem Aktienkauf Geld. Und hast kein weiteres Risiko, weil Du die Aktie ja sowieso kaufen willst und das Geld bereitliegen hast. Leider brauchst Du unter Umständen sehr viel Geld, um alle Aktienkäufe mittels Short Puts zu optimieren. Denn Optionen beinhalten immer eine feste Anzahl von Aktien, die Du selbst nicht verändern kannst. Während Du im realistischen Beispiel mit Red Eléctrica lediglich 1.600 € brauchst, müsstest Du bei einer Option auf die Allianz-Aktie bereits 18.000 € (bei einem Aktienkurs von 180 €) haben. Das ist die Einschränkung, die ich fairerweise an dieser Stelle machen muss.
Die Halteoptimierung mittels Covered Calls
Hast Du die Aktie einmal im Depot, kannst Du Deine Erträge steigern, indem Du eine Call-Option darauf verkaufst. Du verkaufst damit an jemand anderen das Recht, die Aktie (meistens wieder 100 Stück!) zu einem vorher festgelegten Kurs an einem bestimmten Termin zu kaufen. Da Du die Aktien ja als Langfristinvestor in Wirklichkeit behalten möchtest, wählst Du eine kurze Laufzeit und einen Aktienkurs deutlich oberhalb des aktuellen Kurses. Die Optionsprämie, die Du dafür erhältst, ist dann nicht besonders hoch. Mit etwas Geschick und Erfahrung kannst Du das aber häufig wiederholen. Und Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist.
In unserem Red Eléctrica-Beispiel kannst Du z.B. eine Call-Option mit einem Basispreis von 17,50 € und einer Laufzeit von 30 Tagen verkaufen. Direkt nachdem Du die Aktie für 16 € gekauft hast. Die Aktie müsste also gute 10% in einem Monat steigen, damit Du sie wieder aus Deinem Depot „verlierst“. Als Prämie kriegst Du in dem Beispiel 15 € (abzgl. 3 € Gebühren). Damit hast Du – ohne dass ein Dividendentermin anstand – 0,75% Ertrag innerhalb eines Monats generiert. Und nach dem Verfall der Option kannst Du wieder eine Call-Option verkaufen. Vielleicht ist die Aktie in der Zwischenzeit auf 17 € gestiegen. Dann verkaufst Du die neue Option mit einem Basiswert von 18,50 €. Immer so, dass Du Dir denkst, da geht der Aktienkurs bestimmt nicht hin.
Die Risiken
Beide Short-Strategien habe ich als gedeckte Varianten vorgestellt. Das bedeutet, dass Du entweder das Geld für den Kauf zur Verfügung hast (Short Put) oder sich die Aktien in Deinem Depot befinden (Covered Call). Nur dann hast Du kein Risiko, böse überrascht zu werden.
Was bei anderen Strategien passieren kann
Verkaufst Du einen Call (Short Call) ohne die Aktien zu haben (das nennt sich dann „naked“), dann kriegst Du zwar auch die Optionsprämie. Im ersten Moment sieht das toll aus: Du kriegst ohne Einsatz eine Prämie. Dein Risiko besteht aber darin, dass Du auch bei einer Explosion des Aktienkurses die Aktien liefern musst. Und dazu musst Du sie teuer an der Börse kaufen. Die Verlusthöhe ist damit quasi unbegrenzt. Davon rate ich dringend ab!
Verkaufst Du einen Put (Short Put) ohne das Geld für die Aktien zu haben, dann wirst Du sie – nach einem Kurssturz – trotzdem kaufen und bezahlen müssen. Und wenn Du sie dann sofort wieder verkaufst, realisierst Du den Kursverlust. Du hast dann zwar anfangs eine Optionsprämie erhalten, erleidest aber einen beträchtlichen Verlust. Deshalb rate ich auch davon dringend ab! Verkaufe nur Put-Optionen, wenn Du die Aktien auch haben willst und sie Dir leisten kannst!
Was Dir schlimmstenfalls passieren kann
Völlig risikolos sind auch die Short-Strategien nicht. Allerdings bewegt sich das Risiko mehr in einem Ärgern über verpasste Chancen. Bei einem Short Put willst Du die Aktien ja kaufen, weil Du langfristig investieren willst. Du erhältst (neben der Prämie) die Aktien aber nur dann angedient, wenn der Aktienkurs unter dem Basispreis der Option notiert. Du hättest also, wenn Du gewartet hättest, die Aktien auch zu diesem günstigeren Kurs kaufen können. Und wenn der Aktienkurs immer nur steigt, dann erhältst Du nur die Optionsprämie, wirst die Aktie aber nicht in Dein Depot bekommen.
Beim Short Call kann es Dir passieren, dass der Aktienkurs über den Basiswert der Call-Option steigt. Dann werden die Aktien zum Basiswert der Option aus Deinem Depot ausgebucht. Du verpasst dann Kurschancen und verkaufst unterhalb des aktuellen Aktienkurses. Das ist ärgerlich, aber Du hast immer noch Gewinn gemacht.
Nächster Teil: Die Optionsprämie
So viel erst mal zum Einstieg. Du hast erfahren, wie sich mit dem Optionshandel theoretisch ohne großes Risiko ein günstigerer Einstiegskurs erzielen lässt und wie Du die Haltezeit einer Aktie zum Geldverdienen nutzen kannst. Im nächsten Teil der Divantis Academy geht es um die Optionsprämie. Wie wird sie berechnet und welche Einflussfaktoren spielen eine Rolle? Das ist etwas mathematischer, aber wichtig zu verstehen. Denn schließlich ist die Optionsprämie ja das, was Du für Deinen Optionsverkauf erhalten möchtest.
In weiteren Teilen der Serie werde ich Dir den Ausübungsprozess einer Option vorstellen und anhand von Beispielen gelungene Optionsstrategien für Dividendeninvestoren zeigen. Dann werden wir uns dem optimalen Broker für den Optionshandel zuwenden, ich werde weitergehende Fachliteratur vorstellen und schließlich Möglichkeiten zur Risikominimierung suchen.
Fragen?
Der erste Teil der Serie soll wirklich nur zum Einstieg dienen. Wenn Du jetzt schon Fragen hast, dann stell die gerne in den Kommentaren. Ich werde sie dann in den nächsten Teilen der Serie an passender Stelle mit behandeln. Ich werde zu diesem Zeitpunkt ganz bewusst noch nicht schreiben, wie Du selbst Optionen handeln kannst und bei welchem Broker das kostengünstig möglich ist. Zuerst musst Du – ich formuliere das so drastisch! – alles verstanden haben. Denn sonst gerätst Du in die Versuchung, einfach drauf los zu handeln. Und das wird Dich viel Geld kosten. Deshalb freu Dich schon mal auf die nächsten Teile der Serie und am Ende kannst Du dann kompetent entscheiden, ob Du es selbst mal ausprobieren willst. Oder Du merkst für Dich, dass Dir der Aufwand oder das Risiko zu groß ist. Genau für diese Entscheidung gebe ich Dir eine Anleitung!


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