Was Dich hier erwartet:
Im heutigen 3. Teil der Serie zum Optionshandel erkläre ich einen Begriff, den Du als Aktienanleger sicher schon einmal gehört hast. Der „Hexensabbat“ gehört zum Ausübungsprozess einer Option und in diesem Beitrag erfährst Du alle Details dazu. So lernst Du die Grundlagen des Optionshandels und das Wissen hilft Dir, die Entwicklung von Aktienkursen besser zu verstehen.
Du profitierst also auch, wenn Du keine Optionen handelst. Denn am Hexensabbat lassen sich einige Schnäppchen machen oder manchmal ist es auch besser, an der Seitenlinie zu bleiben.
Kurzer Rückblick auf die ersten beiden Teile der Serie
Im ersten Teil der Serie zum Optionshandel habe ich Dir in Grundzügen die Funktionsweise von Optionen erklärt und einen Schwerpunkt auf die Short-Strategien gelegt. Ich habe Dir erläutert, wie Du den Kauf von Aktien optimieren kannst und wie Du während der Haltezeit einer Aktie zusätzliche Erträge generieren kannst. Hier kannst Du den 1. Teil noch einmal vollständig nachlesen.
Im zweiten Teil der Serie zum Optionshandel habe ich Dir beschrieben, wie sich die Optionsprämie zusammensetzt. Du hast gelernt, welchen Einfluss der Aktienkurs, die Volatilität und der Zeitwert haben. Und wie Du von der sinkenden Restlaufzeit profitieren kannst. Hier kannst Du den 2. Teil noch einmal vollständig nachlesen.
Der Ausübungsprozess einer Option
Jede Option hat ein Laufzeitende. Denn nur darauf lässt sich der Zeitwert berechnen. Und kein Verkäufer einer Option würde sich unendlich binden wollen.
Es gibt allerdings unterschiedliche Ausübungsvarianten einer Option und auch unterschiedliche Laufzeitenden.
Die unterschiedlichen Laufzeitenden
Es gibt drei Arten von Optionen und ihren Laufzeitenden:
– die wöchentlichen Optionen („Weekly Options“ oder „Weeklys“)
– die monatlichen Optionen („Monthly Options“)
– die quartalsweisen Optionen („Quarterly Options“)
Die wöchentlichen Optionen werden nur bei sehr liquiden Aktien angeboten. Ihr Handelsvolumen wiederum ist geringer als bei den anderen Optionen. Das führt dazu, dass der Spread oftmals nicht so günstig ist. Der Zeitwert spielt bei diesen Optionen naturgemäß eine geringere Rolle. Sie eignen sich bei unseren Strategien gut dazu, wenn Du eine Aktie kurzfristig kaufen möchtest, aber noch eine Optionsprämie vereinnahmen willst. Dann nimmst Du eine Weekly Option mit einem Ausübungspreis nahe (oder etwas darüber) am aktuellen Aktienkurs und am folgenden Freitag kann die Aktie schon in Deinem Depot sein. Ebenso kannst Du natürlich wöchentliche Calls auf Deine Bestände verkaufen.
Die monatlichen Optionen sind der Standardfall von Optionen. Sie enden am dritten Freitag des Monats. Ihr Handelsvolumen ist hoch und die Spreads dadurch niedrig. Einfach deshalb, weil sich die meisten Marktteilnehmer auf diese Optionen konzentrieren. Angeboten werden die Optionen nicht nur für den laufenden Monat, sondern auch für die Folgemonate. Du kannst also auch eine monatliche Option wählen, die in drei Monaten endet.
Die quartalsweisen Optionen sind eher selten und enden am letzten Handelstag des Kalender-Quartals. Auf manche Aktien werden nur die quartalsweisen Optionen angeboten. Da Du nur viermal im Jahr mit diesen Optionen handeln kannst, sind sie für unsere Optionsstrategien allerdings ungeeignet. Du bist viel zu lange gebunden und die Entwicklung von Aktien ist über diesen Zeithorizont zu unbeständig.
Die Ausübungsvarianten
Es gibt Optionen auf amerikanische und europäische Aktien. Und es gibt eine amerikanische und eine europäische Ausübungsvariante einer Option. Das hat nichts miteinander zu tun! Was ist aber der Unterschied?
Bei der europäischen Ausübungsart kann der Käufer der Option sein Recht nur zum Fälligkeitstermin ausüben. Als Verkäufer bist Du also geschützt davor, dass während der Optionslaufzeit eine Ausübung stattfindet. Das ist z.B. beim Verkauf von Calls wichtig, wenn dazwischen ein Dividendentermin liegt und Du die Dividende in jedem Fall erhalten möchtest.
Im Gegensatz dazu – Du kannst es Dir schon denken – hat der Käufer der Option bei der amerikanischen Ausübungsart, das Recht, die Option jederzeit während der Laufzeit auszuüben. Üblicherweise wird er dieses Recht aber nur dann ausüben, wenn der aktuelle Aktienkurs sehr weit vom Ausübungskurs entfernt ist. Und wenn der Zeitwert in der Optionsprämie nur noch eine geringe Rolle spielt. Denn mit der Ausübung ist die Optionsprämie ja für den Käufer „verloren“.
Die Optionsprämien für den Verkäufer sind bei den amerikanischen Varianten etwas höher, da er ja auch ein höheres Risiko trägt. Zu manchen Aktien gibt es beide Varianten von Optionen und da lassen sich die Prämienunterschiede gut sehen.
Wie Du den Unterschied erkennst
Zunächst kannst Du eigentlich immer davon ausgehen, dass Du eine Option mit der amerikanischen Ausübungsvariante handelst. Sie ist die Gebräuchlichste an den Terminbörsen und Standard bei Optionen auf Aktien oder ETFs.
Optionen auf Indizes sind hingegen meistens europäischen Typs.
Du bist auf der sicheren Seite, wenn Du als Verkäufer immer davon ausgehst, eine amerikanische Option zu verkaufen. Wenn Du Dir unsicher bist oder als Optionskäufer agieren willst (was ich im Rahmen dieser Serie nicht empfehle!), dann kannst Du Dich auf den Webseiten der Eurex oder der CBOE über die Bedingungen der einzelnen Optionen informieren.

Was passiert am Laufzeitende?
Das Heft des Handelns hat der Käufer einer Option in der Hand. Er entscheidet, ob er eine Option ausübt oder nicht. Dabei schaut er sich an, ob sich die zugrunde liegende Aktie für ihn in die gewünschte Richtung entwickelt hat. Der Käufer kann die Option manuell ausüben oder sie wird am Ende der Laufzeit automatisch ausgeübt, wenn die Option im Geld ist.
Dazu wird (vereinfacht) der Schlusskurs am letzten Tag der Optionslaufzeit genommen. Liegt er bei einem Put unter dem Ausübungskurs oder einem Call über dem Ausübungskurs, dann wird die Option ausgeübt. Ansonsten verfällt sie. Als Schlusskurs wird dabei ein vorher definierter Zeitpunkt genommen. Er ist an der EUREX je nach Herkunftsland der Aktie gestaffelt (Übersicht hier). Bei amerikanischen Aktien kann auch noch der nachbörsliche Handel mit einbezogen werden.
Lernerfolg und Kontrolle
Am letzten Handelstag einer Option kann es zu größeren Kursschwankungen kommen, da größere Spieler im Markt versuchen, die Aktienkurse so zu beeinflussen, dass ihre Optionen verfallen oder ins Geld kommen. Das kannst Du Dir ruhig einmal von der Seitenlinie aus ansehen. Und interessanter Weise sind an einem solchen dritten Freitag des Monats bei einigen Aktien die Schlusskurse ziemlich nah an einem geraden Kurs. Da schließt dann eine Aktie schon mal mit xx,99 € oder xx,01 €. Und dann weißt Du, dass bei xx,00 € ein beliebter Strike für Optionen gelegen hat.
Und was ist jetzt der Hexensabbat?
Viermal im Jahr, nämlich am dritten Freitag des dritten Monats im Quartal, kommt es zum Hexensabbat. An diesem Tag im März, Juni, September und Dezember spricht man vom „großen Verfallstag“, weil dort Futures und Optionen zugleich auslaufen. Über den Tag verteilt werden an der EUREX die Abrechnungspreise für die Aktienindizes und die Aktien festgestellt. Und um jeden Indexstand und jeden Aktienkurs wird womöglich mit großen Umsätzen „gerungen“. In den USA werden die Abrechnungspreise in der letzten Handelsstunde (15-16 Uhr Ortszeit) für Aktienoptionen, Aktienindexoptionen und Aktienindexfutures festgestellt. Der Hexensabbat findet an allen wichtigen Börsen weltweit am gleichen Tag statt. Als Privatanleger halte ich mich an diesen vier Tagen des Jahres mit Aktienkäufen oder -verkäufen generell zurück.
Was Dich in den nächsten Teilen der Serie zum Optionshandel erwartet
In weiteren Teilen der Serie werde ich Dir anhand von Beispielen gelungene Optionsstrategien für Dividendeninvestoren zeigen. Dann werden wir uns dem optimalen Broker für den Optionshandel zuwenden, ich werde weitergehende Fachliteratur vorstellen und schließlich Möglichkeiten zur Risikominimierung suchen.



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