3 Ideen, wie Du Deine Dividendenerträge ohne Aktienverkäufe erhöhen kannst

Viele Dividendeninvestoren kommen irgendwann an die Stelle, wo sie sich fragen, ob es noch einen Weg gibt, neben den Dividendeneinnahmen weitere Einkünfte aus den Bestandsaktien zu erzielen.

Die Aktien liegen im Depot und sollen (bis auf Weiteres) nicht mehr verkauft werden. Sie werfen quartalsweise oder jährlich Dividenden ab. Aber sonst? Da muss doch noch mehr möglich sein – abgesehen vom Verkauf mit Kursgewinnrealisierung.

Ich stelle Dir in diesem Beitrag 3 Ideen zur Erhöhung Deiner Einnahmen vor und beleuchte die Vor- und Nachteile.

1. Idee: Depotübertragsprämien einsammeln

Eine Möglichkeit besteht darin, die Aktien regelmäßig per Depotübertrag zwischen Online-Brokern hin und her zu schieben. Und dafür im Rahmen von Depotübertragsprämien zusätzliche Zahlungen zu erhalten. Das ist ein Angebot, von dem ich auch hin und wieder Gebrauch mache. Die Prämie liegt meistens bei 0,5% des übertragenen Depotvolumens. Das ist nicht schlecht. Ist aber auch nicht mehr als ein nettes Zubrot. Die übertragenen Aktien unterliegen nämlich im Anschluss einer Haltefrist, oft ist auch das gesamte Depot von der Haltefrist betroffen. Man kann also nicht monatlich von Broker zu Broker wechseln, sondern eher jährlich.

Um die 0,5% auf das gesamte Depotvolumen zu erzielen, muss man regelmäßig mit dem gesamten Depot „umziehen“ und darf es auch nur bei einem Online-Broker führen. Das kommt für mich nicht in Frage, weil ich gerne bei verschiedenen Brokern meine Depots habe und jeder Broker Vor- und Nachteile hat. Den perfekten Online-Broker habe ich noch nicht gefunden. Deshalb „verschiebe“ ich immer nur einzelne Aktienpositionen, löse aber mein Depot dann nicht auf. Im Ergebnis erziele ich so natürlich keinen 0,5% Zusatzertrag auf das gesamte Depotvolumen, sondern nur auf einzelne Positionen.

Depotwechselprämie bei Maxblue
Beispiel für eine Depotwechselprämie bei Maxblue

Zu beachten ist auch noch, dass die Prämien steuerpflichtig sein können. Aber das sind Dividendenerträge ja auch.

2. Idee: Aktien an Shortseller verleihen

Shortseller müssen beim Leerverkauf von Aktien die Aktien an die Käufer liefern können. Das machen sie, indem sie sich die Aktien ausleihen. Und Verleiher dieser Aktien kannst Du sein.

Deutsche Broker bieten das meines Wissens jedoch für Privatanleger nicht an. Hast Du aber ein Depot im Ausland, z.B. über CapTrader (hier alle Infos zur Depoteröffnung*) oder LYNX (hier alle Infos zur Depoteröffnung*), dann kannst Du diese Idee umsetzen.

Für das Verleihen von Aktien musst Du diese natürlich in Deinem Depot haben. Sie müssen auch voll bezahlt sein, dürfen also nicht über einen Wertpapierkredit beliehen sein. Der Broker kümmert sich um alles Weitere, wenn Du einen Haken in Deiner Kontoverwaltung setzt, dass Du Aktien verleihen möchtest. Das nennt sich etwas schwafelig „Maßnahmen zur Verbesserung der Rendite eines Aktien-Portfolios“ oder auch „Aktienrendite-Optimierungsprogramm“.

Aktienrendite-Optimierungsprogramm bei CapTrader
Mit einem Haken per Mausklick startet das Aktienverleih-Programm.

Die großen Reichtümer sind aber auch damit nicht zu machen. Denn einerseits wird realistischerweise nur ein Teil des Portfolios verliehen, denn jemand muss die Aktien ja auch ausleihen. Nicht für alle Aktien gibt es einen Bedarf von Shortsellern.

Und es wird auch nur die Hälfte der Verleihzinsen ausgeschüttet. Die andere Hälfte streicht der Broker ein. Zu erwarten sind Zinsen im niedrigen Nachkommabereich.

Du solltest Dir allerdings gut überlegen, ob Du mit Deinem Depot Shortseller unterstützen möchtest. Schließlich bist Du ja auf eine Langfristanlage ausgerichtet. Und Shortseller sind der Meinung, dass Deine Aktien völlig überbewertet sind. Nur deshalb verkaufen sie leer und wollen – nachdem der Kurs dann in die Knie gegangen ist – die Aktien wieder günstiger zurückkaufen. Und damit die Leihe bei Dir dann beenden.

Wenn Du Dir allerdings sagst: Ach egal, sollen die sich doch mit ihren Leerverkäufen die Zähne an meinen tollen Aktien ausbeißen, dann ist das ebenfalls ein nettes Zubrot.

3. Idee: Covered Call Writing

Die 3. Idee ist im Vergleich zu den ersten beiden Ideen komplexer und bedarf mehr Aufwand.

Sie ist nur für Anleger geeignet, die über größere Erfahrung an der Börse verfügen. Ob sie überhaupt Sinn macht, musst Du selbst entscheiden.

Hinter der Idee versteckt sich der Verkauf von Aktienoptionen in Form von Call-Optionen. Du wirst quasi selbst zur Bank, indem Du Aktienoptionen an andere Anleger verkaufst. Um Dein Risiko zu begrenzen, machst Du das aber nur mit Aktien, die Du auch tatsächlich in Deinem Depot hältst.

Das funktioniert wie folgt:

Du brauchst zunächst mindestens 100 Aktien eines Unternehmens in Deinem Depot. Aktienoptionen sind immer über 100 Stück oder ein Vielfaches davon. Als Beispiel bieten sich aus meinem Depot die Aktien von Red Electrica an. Mit einem Kurs von etwa 19,00 € brauchst Du also für 1.900 € Aktien in Deinem Depot.

Red Electrica zahlt zweimal im Jahr eine vergleichsweise üppige Dividende, nämlich Anfang Januar und Anfang Juli. Als Langfristanleger möchtest Du zu diesen Zeitpunkten im Besitz der Aktien sein, aber das halbe Jahr dazwischen hast Du nichts direkt davon.

Du könntest deshalb die Option verkaufen, dass jemand anderes Dir die 100 Aktien zu einem bestimmten Termin zu einem vorgegebenen Kurs abkaufen darf. Und für diese Option erhältst Du eine Optionsprämie. Zusätzlich zur Dividende!

Um in dem Beispiel zu bleiben, siehst Du auf dem nachfolgenden Bild die Optionsprämien für Optionen, die im September auslaufen. Den September habe ich ausgewählt, weil es da meistens ein Kurstief bei Red Electrica gibt, da er genau zwischen zwei Dividendenzahlterminen liegt.

Ein Screenshot aus der Traders Workstation von CapTrader

Würdest Du also davon ausgehen, dass der Kurs von Red Electrica im September nicht über 19,00 € liegt, dann wäre die entsprechende Option mit 0,47 € zu 0,64 € bepreist. Willst Du sie verkaufen, dann erhältst Du – da es ja 100 Aktien sind – 47,00 €. Abgezogen wird davon noch die Provision des Brokers.

Die Optionsprämie entspricht in dem Beispiel ungefähr der halben Jahresdividende. Verkauft man zweimal im Jahr so eine lang laufende Option, dann lässt sich die Dividende also verdoppeln.

So jedenfalls die Theorie.

Denn jetzt kommen wir zum Aber! Liegt der Aktienkurs zum Fälligkeitstag der Option über den 19,00 €, dann ist die Aktie weg. Du erhältst nur die 19,00 € (bzw. 1.900 €, da es ja 100 Aktien sind), hast aber nichts mehr von einem höheren Kurs. (Die nächste Dividende bekommst Du auch nicht, da Du ja die Aktien nicht mehr hast.)

Das ist aus meiner Sicht auch das größte Risiko an dieser Idee. Entgangene Kursgewinne! Du nimmst Dir die Kurssteigerungsphantasie für alle Aktien, auf die Du Covered Calls geschrieben hast. Klar, Du kannst einen höheren Bezugskurs (Strike) wählen. Aber dann ist die Prämie deutlich geringer und zu weit aus dem Geld findest Du überhaupt keine Käufer für die Option. In dem Beispiel könntest Du lediglich noch eine Call-Option mit Strike 20,00 € verkaufen und erhieltest 0,14  € Prämie (also 14 € abzüglich Gebühren!).

Die Gebühren sind das nächste Thema. Bei deutschen Brokern sind Aktienoptionen für Privatanleger verdammt teuer. Dir bleibt deshalb nichts anderes übrig als Dich im Ausland umzuschauen. Bei CapTrader (*) würdest Du z.B. für den Verkauf der Red Electrica-Option eine Gebühr von 3,00 € zahlen.

Solche Strategien bieten sich bei stagnierenden oder sinkenden Aktienkursen an. Da stellt sich aber ohnehin die Frage, ob es nicht besser wäre, die Aktien dann direkt zu verkaufen und das Geld in andere Titel zu stecken.

Mein Fazit

Covered Call Writing hört sich gut an und man kann damit sicher ein paar Euros extra verdienen. Zu meiner Anlagestrategie passt es aber nicht. Ich will langfristig investiert bleiben und brauche den Nervenkitzel, ob zu einem bestimmten Termin ein bestimmter Kurs unterschritten wird, nicht.

Die zusätzlich möglichen Erträge wiegen die Gefahr, bei einer Übernahme nicht profitieren zu können, bei Weitem nicht auf. Ich habe in den letzten Jahren mehrfach (allein seit Bestehen des Divantis-Blogs bei Abertis, Unilever und Dr Pepper Snapple, früher z.B. auch schon bei Heinz, Gillette oder Mannesmann) erhebliche Übernahmeprämien erhalten. Diese Kursgewinne durch angekündigte Übernahmen gehen Dir verloren, wenn Du Calls verkauft hast. Und die entgangenen Gewinne wären so groß, so viele Calls lassen sich in einem Börsenleben gar nicht verkaufen.

Für mich bleiben deshalb die Dividenden das A und O der Erträge. Hin und wieder reichere ich sie mit Depotübertragungsprämien an. Nur für die möglichen Verleihzinsen für leer verkaufte Aktien, eröffne ich kein Depot bei einem ausländischen Broker. Etwas anderes sind die niedrigen Kauf- und Verkaufsgebühren gerade an internationalen Börsen. Das ist aber eine andere Motivation und sprengt den Rahmen dieses Beitrags.

Setzt Du eine oder mehrere dieser Ideen bereits um? Oder hast du weitere Vorschläge, die Du mit uns teilen möchtest? Dann schreib einen Kommentar unter diesen Beitrag und diskutiere mit uns!

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2 Gedanken zu „3 Ideen, wie Du Deine Dividendenerträge ohne Aktienverkäufe erhöhen kannst“

  1. Hi Ben,

    ich mache auch Depotübertragungen. Habe auch mehrere Depots deswegen such immer nur mit Teilen.

    Mann muss aber zum Teil auch aufpassen, dass keine Übertragsgebühren anfallen. Das kann dann schon mal einen Teil der Prämie wegknabbern.

  2. Wie wäre es denn mit Put Optionen, auf Aktien die man eh wenn der Kurs runter geht kaufen oder nachkaufen will?
    Du willst Red Eléctrica nachkaufen, falls sie unter 18,00 fallen? Warum dann nicht auch noch dafür belohnen lassen.
    Ok, fallen sie bis auf 17,00 musst Du sie trotzdem für 18,00 nehmen, das könnte Dir aber auch passieren wenn Du ohne Option nachkaufst.
    Oder habe ich die Put Option da gänzlich falsch verstanden?

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