Halbjahresverlust nur im Kleingedruckten – verkauft!

Ein BayWa-LKW auf freier Fahrt
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Manchmal verändern sich die Umstände bei einer Aktiengesellschaft, in die ich investiert habe. Und zwar zum Negativen. Dann ist es Zeit, eine Neubewertung vorzunehmen. Und womöglich auch einen Schlussstrich zu ziehen.

Mehr als fünf Jahre hatte ich das Unternehmen aus der Agrarbranche in meinem Dividendendepot. Und ich wollte es ursprünglich auch noch länger halten.

Das war der Grund, warum ich bei Höchstkursen nicht verkauft habe und eine zwischenzeitliche Verdoppelung nicht zum Ausstieg genutzt habe.

Ob der Verkauf jetzt zum richtigen Zeitpunkt war, weiß ich nicht. Darum geht es mir auch nicht. Wenn ich eine Entwicklung nicht mehr mittrage, dann steige ich aus. Und lege mein Geld in anderen Unternehmen an.

Denn das ist ja bei börsengelisteten Unternehmen der Vorteil: Wenn ich will, kann ich „ewig“ an Bord bleiben. Oder aber jederzeit verkaufen.

Meine Motive und wie viel Gewinn am Ende doch noch übrig geblieben ist, erfährst Du in diesem Beitrag. Außerdem dokumentiere ich, was ich mit dem Verkaufserlös neu gekauft habe.

Im Jahr 2018 habe ich die BayWa ins Dividendendepot genommen, um an der Entwicklung des Agrargeschäfts zu partizipieren. Hier habe ich das Unternehmen ausführlich vorgestellt. Später ist dann der Bereich der erneuerbaren Energien zu einer weiteren Säule des Konzerns geworden.

Der 10-Jahres-Chart zeigt meine günstigen Einstiegskäufe im Jahr 2018 zu 24,95 € und 28,70 € und das Allzeithoch bei 48,80 € im letzten Jahr. Vor dort ging es dann jedoch wieder deutlich abwärts:

10-Jahres-Chart der BayWa-Aktie

Aktienverkauf

Bereits am 09.08.2023 verkaufte ich 99 Aktien der BayWa zum Kurs von 33,45 €. 1 Aktie habe ich behalten, um die Aktie besser beobachten zu können und um auch zur Hauptversammlung eingeladen zu werden. Der Verkauf erfolgte aus meinem Depot bei maxblue im Direkthandel, so dass ich Gebühren von 8,90 € zahlte. Der Veräußerungsgewinn von 621,54 € wurde mit dem Aktienverlusttopf verrechnet, so dass mir keine Steuern abgezogen wurden. Ich erhielt einen Nettoerlös von 3.302,65 €. Er wurde mit Wertstellung 11.08.2023 gutgeschrieben.

BayWa Aktienverkauf im August 2023

Verkaufsgründe

Bei meinem ausführlichen Bericht über die diesjährige Dividendenzahlung hatte ich davon berichtet, dass BayWa plant, den Bereich des Handels mit Solarmodulen zu veräußern. Bisher ist es nicht dazu gekommen.

Wirklich mit Sorge erfüllt hat mich jedoch der Wechsel des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Klaus Josef Lutz auf den Aufsichtsratsvorsitz. Zwischen den beiden Ämtern lagen lediglich 2 Monate Abkühlungsphase – ein Witz.

Ich hatte ja schon im Juni angekündigt, dass ich die Entwicklung in den nächsten Monaten genau verfolgen wollte und die BayWa-Aktie für mich eine Verkaufskandidatin war. Vor allem dann, wenn ich auf die Suche nach Kapital für andere Investments gehen müsste.

Kurz vor meinem Verkauf meldete BayWa seine Halbjahresergebnisse. Sie waren dann der Auslöser, dass ich mich konkret mit dem Verkauf beschäftigte. Zwar ging der Umsatz nur um 2,8% zurück, aber gleichzeitig brach das EBITDA um 29,3%, dsa EBIT um 43,0% und das EBT um 87,0% ein . Das Konzernergebnis ging schließlich um 86,9% zurück.

Was prozentual schon deutlich ist, wird in absoluten Zahlen noch klarer: Statt eines Gewinns von 177,6 Mio. € blieben nur noch 23,2 Mio. € übrig. Und der Gewinn je Aktie von 3,33 € im 1. Halbjahr 2022 verschwand komplett. Ausgewiesen wurde ein Verlust von 0,01 € je Aktie. Wie das passieren kann? Vom Konzerngewinn gingen 22,7 Mio. € als Gewinnanteil an Minderheitsgesellschafter. Und das Konzern-Gesamtergebnis lag damit statt bei 243,0 Mio. € im 1. Halbjahr 2022 bei -2,1 Mio. € im 2. Halbjahr 2023.

Vieles davon ist natürlich verständlich, da sich die Lage an den Rohstoffmärkten und im Agrarhandel deutlich entspannt hat. Und sich damit die hohen Margen der BayWa nicht wiederholen ließen.

Aber auch andere Sektoren, insbesondere der Bau, gingen stark zurück. Und dort sehe ich auf Sicht der nächsten Zeit auch wenig Besserung. Die Zinsen werden das frühere Niveau nicht mehr erreichen und die Baukosten weiterhin hoch bleiben.

Die hohen Zinsen, verbunden mit der hohen Verschuldung des BayWa-Konzerns, sorgten für eine ungefähre Verdoppelung des Zinsaufwands von 77,9 Mio. € auf 154,2 Mio. €.

Was mich besonders störte: im Fließtext findet sich keine Aussage zu dem Halbjahresverlust. Stattdessen wird von einem „starken Halbjahr“ geschrieben.

Ich bin ein Anhänger von Offenheit und Transparenz. Die sehe ich aktuell bei der BayWa nicht. Gepaart mit einer katastrophalen Corporate Governance ist es einfach kein Unternehmen mehr, in das ich investiert sein möchte.

Insgesamt ist meine finanzielle Bilanz gleichwohl positiv. Für die nun verkauften 99 Aktien habe ich 2.681,12 € bezahlt und 3.302,65 € erlöst. Zusätzlich habe ich 404,56 € an Netto-Dividenden erhalten. Insgesamt habe ich damit 1.026,09 € Gewinn gemacht. Das entspricht 38,3% in rund 5 Jahren.

Auf einen Blick:

Unternehmen:BayWa AG
ISIN:DE0005194062
Im Divantis-Depot seit:03.05.2018
Letzter Nachkauf am:24.10.2108
Stückzahl im Divantis-Depot:1
Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren:25,18 €
Gesamtkaufpreis:25,18 €
durch Teilverkauf am 9.8.2023 realisierter Gewinn (Kurs & Dividenden):1.026,09 €
Bisher erhaltene Netto-Dividenden:4,09 €
Aktuelle Strategie:Halten und Dividende kassieren

Wie ich den Verkaufserlös neu investiert habe

Mit dem frischen Geld auf meinem Konto habe ich einige Käufe durchgeführt, die ich in den letzten Tagen und Wochen schon auf dem Divantis-Blog angekündigt hatte. Es war kein 1:1 Tausch, insgesamt habe ich sogar etwas mehr neu investiert:

Zunächst habe ich im Hinblick auf den baldigen Sandoz-Spin-off meine Novartis-Position aufgerundet. Ich kaufte am 08.09.2023 20 Novartis-Aktien zum Kurs von 92,25 € im Direkthandel in mein Depot bei der ING. Als Provision wurden 9,51 € fällig, insgesamt zahlte ich 1.854,51 €.

Aktienkauf Novartis im September 2023

Dann hatte ich ausführlich berichtet, warum ich jetzt 100-jährige Anleihen kaufe und angekündigt, insgesamt 10.000 € nominal investieren zu wollen. Über die ersten 2.000 € hatte ich schon im Beitrag berichtet. Die nächsten 4.000 € habe ich jetzt umgesetzt.

Am 11.09.2023 kaufte ich 2.000 € nominal der Österreich-Anleihe A19PCG. Sie ist am 20.09.2117 fällig und hat eine Nominalverzinsung von 2,1%. Ich kaufte die Anleihe in mein Depot bei flatex im Direkthandel zu einem Kurs von 68,00%. Ich zahlte dafür 7,90 € Gebühren. Die enthaltenen Stückzinsen wurden direkt mit zuvor einbehaltenen Steuern verrechnet, so dass ich insgesamt 1.398,23 € zahlte. Der Zinstermin der Anleihe ist zudem bereits am 20.09., so dass ich die gezahlten Zinsen schon nach einer Woche Haltedauer zurückerhalte.

Kauf Österreich-Anleihe im September 2023

Außerdem kaufte ich am 18.09.2023 die NRW-Anleihe NRW0L1. Sie ist am 15.01.2120 fällig und hat eine Nominalverzinsung von 1,375%. Ich kaufte die Anleihe in mein Depot bei der Consorsbank im Direkthandel mit der Baader Bank zu einem Kurs von 45,00%. Ich zahlte dafür 9,15 € Gebühren. Die enthaltenen Stückzinsen wurden zunächst nicht verrechnet, so dass ich insgesamt 927,76 € zahlte. Die Consorsbank nimmt die steuerliche Verrechnung erfahrungsgemäß etwas später vor.

Kauf NRW-Anleihe 1,375% im September 2023

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6 Gedanken zu „Halbjahresverlust nur im Kleingedruckten – verkauft!“

  1. Ich fahr hier immer an ner baywa vorbei und und hab mich immer gefreut daran beteiligt zu sein.
    Nachdem der Chart schon seit Jahren mehr oder weniger auf der Stelle tritt und Timing über mäßigen Erfolg hier entscheidet kommt mit der Info von Bens tollem Beitrag hier nun auch meine Trennung von einer weiteren deutschen Aktie und stecke das Geld wieder in ne Aktie. Und wiedermal über den großen Teich wo die Aktienkultur einfach ne andere ist. Echt spannende Entwicklung die ich da mit mache. Mittlerweile interessiert mich meine Verteilung immer weniger und ich wähle immer sorgfältiger aus wohin mein Geld geht. Da hilft auch der europäische „bias“ nichts wenn wir es einfach nicht auf die Reihe kriegen. Weniger und nich krasser ausgewählter ist da wohl wieder mehr.
    Da helfen auch die Dividenden nichts.

    Auch ist der Verkauf des solarthemas hier ein für mich interessanter Hinweis was hier so passiert. Trotz all dem Geld das in den Bereich auf Teufel kommt raus gewalttätig rein gedrückt wird und überall wie blöd geworben wird flüchten die Firmen.
    Viessmann hat es an andere stelle auch schon vorgemacht. Gründe nun mal hin oder her. Achja off topic – auch AVM (die Fritzbox) will sich verkaufen. Mal schauen wer hier den Zuschlag bekommt.

  2. Tja Wurzel, genau das ist das Problem bei der Baywa. Wenn man sich den Kursverlauf der letzten 35 Jahre anschaut, ich habe die Kurse seit 02.01.1987 bis heute, stellt man fest, Gewinne waren nur möglich beim perfekten Timing. Von 1987 bis 1966 ging es bergauf, dann ging es bis März 2003 über 65% bergab, dann ging es bis Oktober 2007 fast 800% bergauf, um jetzt sage und schreibe 16 Jahre nur auf und ab zu schwanken.Teilweise wären fette Gewinne von 100% bis 200% beim perfekten Timing möglich gewesen. Tja beim perfekten Timing, aber wer schafft das schon? Hinterher sind wir alle schlauer, aber nicht ganz. Bestimmte Dinge kann man erahnen oder vermuten. Wenn man sich die Kurshistorie von Aktien anschaut, kann man schon gewisse Dinge rauslesen, ohne die Fundamentaldaten der letzten 35 Jahre analysieren zu müssen. Was kann man aus einem solchen Kursverlauf lesen?

    1. Vermutlich keine stabile Umsatz und Ertragslage der Firma.
    2. Kursverlauf wird getragen von der Euphorie der Anleger, wenn es nach schwachen Geschäftsjahren, wieder starke Geschäftsjahre gab. In der Euphorie steigt der Kurs schneller als die Fundamentaldaten.
    3. In schwachen Jahren überwiegt der Pessimismus der Anleger und schicken die Aktie auf Talfahrt.

    Was könnte man für die Zukunft lernen?

    Es ist einfach zu befürchten, dass die Geschäftsentwicklung zyklisch weitergehen wird und der Kurs auch in Zukunft so schwanken wird. Wer nicht der optimalen Einstiegszeitpunkt erwischt, oder vorzeitig die Nerven verliert und aussteigt, wird sich auch in Zukunft nur ein blaues Auge holen. Wer den Nervenkitzel nicht möchte, oder Angst davor hat, den falschen Einstiegszeitpunkt zu erwischen, da gibt es nur eines, Hönde weg von solchen Aktien.

    Aber selbstverständlich wird man auch in Zukunft, beim optimalen Einstiegszeitpunkt vorausgesetzt, gute Gewinne machen können und alle anderen auslachen. Leider weiß man bei solchen Aktien nie, wann ist unten oder oben. Ich empfehle Aktien für Dummies. Bei einer Trefferquote von 75% ist das ausreichend besser zu sein als die Indices.

    Und eines muss man bei der Baywa Aktie auch noch sagen, seit dem Hoch der Baywa im Oktober 2007 bis zum neuen Altimehigh im Novemeber 2022 hat die Baywa ein Plus von ca. 10% geschafft. Ein ETF auf den DAX hätte 80% geschafft. Die Kursentwicklung ging aber schon seit dem Jahr 2007 weit auseinander. Selbstverständlich hätte es auch anders laufen können. Aber eines der teuersten Särtze an der Börse ist: „Diesmal ist alles anders.“

    Geschichte lehrt, auch die Börsenhistorie, nur die Menschen lernen nichts.

    Ich vermute mit der Baywa geht es auch so die nächsten Jahre weiter. Vielleicht gibt es ein Übernahmeangebot oder sonstige außergewöhnliche Dinge passieren. Oder man hat Glück und erwischt den optimalen Einstiegszeitpunkt, oder, oder, oder………..

  3. Ich habe mir den Artikel in der Wiwo vom 15.03. mal durchgelesen. Du scheinst den richtigen Riecher gehabt zu haben, Ben.
    Schon harter Tobak. Anscheinend reiner Nepotismus, überteuerte Beraterverträge und Posten und viel zu hohe Vergütung von Lutz & Friends, dazu interne Machtkämpfe…das braucht man nicht.
    Also Shareholder value ist anders…
    https://www.wiwo.de/my/unternehmen/industrie/agrarkonzern-was-wirklich-hinter-dem-machtkampf-bei-der-baywa-steckt/29703574.html

      1. Was ist den los wieder mal hier…. Die deutschen Firmen tragen nicht mal annähernd dazu bei sich auf der Basis Vertrauen aufzubauen, warum jemand Aktionär sein sollte an so ner Klitsche muss ich ja schon sagen. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen sinkt das Niveau immer mehr und lässt echt nach. Was soll denn das?! Dann bleibt doch in privater Hand. Find ich unter aller Sau und super schwach sowas von wohl angesehenen Firmen. Kann ich da was machen außer nichtmehr investieren und einen weiten Bogen drum machen?

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