So sicherst Du Dir im Optionshandel eine faire Optionsprämie – Divantis Academy

Divantis Academy
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Mit dem heutigen Beitrag füllt sich die junge Kategorie auf dem Blog, die Divantis Academy. Darin behandle ich – abseits vom tagesaktuellen Börsengeschehen – grundlegende Themen und helfe Dir, noch mehr Erfolg an der Börse zu haben.

Mit dem 2. Teil der Serie zum Optionshandel wenden wir uns dem Kernstück des Optionshandels zu: der Optionsprämie. Denn nur wegen der Prämie macht der Optionshandel überhaupt Sinn. Und mit der in dieser Serie vorgestellten Strategie kassierst Du attraktive Optionsprämien und sorgst so für eine Ergänzung Deiner Dividendeneinnahmen.

Wie die Optionsprämie berechnet wird und wann sie attraktiv ist, erfährst Du in diesem Beitrag.

Kurzer Rückblick auf den 1. Teil der Serie

Im ersten Teil der Serie zum Optionshandel habe ich Dir in Grundzügen die Funktionsweise von Optionen erklärt und einen Schwerpunkt auf die Short-Strategien gelegt. Ich habe Dir erläutert, wie Du den Kauf von Aktien optimieren kannst und wie Du während der Haltezeit einer Aktie zusätzliche Erträge generieren kannst. Hier kannst Du den 1. Teil noch einmal vollständig nachlesen.

Das Ziel: Eine attraktive Optionsprämie

Beim Short Call verkaufst Du jemandem das Recht, eine Aktie zu erwerben. Beim Short Put verkaufst Du jemandem das Recht, eine Aktie an Dich zu verkaufen. Für beide Verkäufe erhältst Du eine Prämie, die sogenannte Optionsprämie.

Wer zahlt die Optionsprämie an wen?

Die Optionsprämie zahlt der Optionskäufer an den Optionsverkäufer. Verkaufst Du also eine Option, dann zahlt der Käufer die Optionsprämie an Dich.

Wenn Du die verkaufte Option zurückkaufen willst (“glattstellen”), dann zahlst Du Du die Optionsprämie an den ursprünglichen Käufer zurück. Und da sich die Optionsprämie sehr schnell ändern kann, ist es wichtig zu wissen, wie Du voraussichtlich weniger Optionsprämie zurückzahlst. Falls Du überhaupt glattstellen willst.

Wie wird die Optionsprämie berechnet?

Die Höhe der Optionsprämie setzt sich aus drei Faktoren zusammen:

a) dem aktuellen Kurs der Aktie (Basiswert)

b) der aktuellen Schwankungsbreite der Aktie (Volatilität)

c) dem jeweiligen Zeitwert (Restlaufzeit der Option bis zum Ausübungsdatum)

Die Rolle des Aktienkurses

Ist der Basispreis einer Option 11 € und die Aktie notiert derzeit nur bei 10 €, dann liegt der innere Wert der Option bei 1 €. Denn bei einem Put hat ja der Optionskäufer die Möglichkeit, die Aktien genau 1 € höher zu verkaufen als der aktuelle Börsenkurs ist. Da in der Regel 100 Aktien in einer Option verkörpert sind, läge die Optionsprämie bereits bei 100 €. Hinzu kommen aber noch die anderen Faktoren.

Der innere Wert der Option verändert sich entsprechend mit dem aktuellen Kurs der Aktie: Bei einem Put sinkt die Optionsprämie, wenn der Kurs der Aktie steigt. Sinkt der Aktienkurs, dann steigt die Optionsprämie.

Bei einem Call ist es umgekehrt: Die Optionsprämie sinkt, wenn der Kurs der Aktie fällt. Und sie steigt, wenn der Aktienkurs steigt.

Die Volatilität

Mit der Volatilität wird die Schwankungsbreite des Marktes bezeichnet. Je höher die aktuelle Volatilität ist, desto mehr steigt die Optionsprämie. Sinkt die Volatilität, fällt auch die Optionsprämie.

Bei besonders schwankungsarmen Aktien spielt die Volatität deshalb nur eine geringe Rolle auf die Optionsprämie. Bei Aktien, die gerade stark steigen oder fallen, ist die Volatilität aber ein wesentlicher Faktor der Optionsprämie und kann die Prämie für den Aktienkurs sogar um ein Mehrfaches übersteigen.

Mit kühlem Kopf lassen sich so in solchen Phasen sehr attraktive Optionsprämien erzielen.

Der Zeitwert

Als weiterer Faktor fließt der Zeitwert in die Optionsprämie ein. Der Zeitwert ist umso größer, je länger die Laufzeit bis zum Ablaufdatum der Option ist. Und ein größerer Zeitwert erhöht die Optionsprämie.

Der Zeitwert nimmt mit jedem Handelstag ab. Bei sehr langlaufenden Optionen (z.B. über mehrere Jahre) ist das nicht spürbar. Bei sehr kurz laufenden Optionen (nur noch wenige Tage) beschleunigt sich der Zeitwertverfall. Die Optionsprämie sinkt dann rasch – jedenfalls wenn die anderen Faktoren unverändert bleiben.

Als Stillhalter (Verkäufer von Optionen) profitierst Du vom Zeitwertverfall: Du verkaufst anfangs teure Optionen, die dann immer weniger wert werden.

Welche anderen Einflussfaktoren spielen eine Rolle auf die Optionsprämie?

Weitere nicht zu vernachlässigende Einflussfaktoren auf die Optionsprämie sind der Spread und die Handelsgebühren.

Als Spread wird die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs bezeichnet. Bei Optionen, die wenig gehandelt werden (exotische Basiswerte, sehr entfernter Ausübungspreis oder fernes Ausübungsdatum) kann der Spread sehr hoch sein. Dann erhältst Du bei einem Verkauf einer Option einen deutlich geringen Preis als die faire Optionsprämie betragen würde.

Und bei geringen Optionsprämien können die Gebühren für das Handeln der Option einen wesentlichen Teil der Optionsprämie aufzehren. Da Du beim Verkauf einer Option immer auch die Möglichkeit im Hinterkopf halten solltest, die Option zurückzukaufen, solltest Du die anfallenden Gebühren kalkulatorisch verdoppeln (Kauf und Verkauf). Und dann sicherstellen, dass die Optionsprämie trotzdem auskömmlich ist.

Die hohen Gebühren deutscher Broker sind auch ein Grund, warum Du für den Optionshandel unbedingt einen günstigen Broker brauchst.

Praxisbeispiel

Anhand des folgenden Screenshots kannst Du die unterschiedlichen Optionspreise nachvollziehen:

Optionen auf die BASF-Aktie im Oktober 2020

Ausgewählt sind Optionen auf die Aktie von BASF, die noch 11 Tage Laufzeit bis zum Ausübungstag haben. Der Aktienkurs liegt bei 52,82 €. Für den Verkauf einer Put-Option würdest Du bei einem Ausübungspreis von 53 € 1,51 € Optionsprämie erhalten. Der innere Wert läge jedoch nur bei 0,18 €. Die übrigen 1,33 € der Optionsprämie sind der Zeitwert und die Volatilität. In den nächsten 11 Tagen würde sich – vorausgesetzt der Aktienkurs bleibt exakt gleich – die Optionsprämie auf 0,18 € reduzieren.

Wenn es Dir jetzt vor allem darauf ankäme, eine Optionsprämie zu verdienen und Du die Aktie wirklich haben möchtest, dann würdest Du nach einem Ausübungspreis deutlich unterhalb des aktuellen Aktienkurses schauen. Bei einem Basispreis von 47 € würdest Du eine Optionsprämie von 0,15 € erhalten. Du hättest dabei einen Abstand zum aktuellen Aktienkurs von 5,82 € oder 11%.

Wenn Du an eine positive Entwicklung der Aktie glaubst, aber es Dir egal ist, ob Du sie jetzt oder erst nächsten Monat kaufst, dann würdest Du den Abstand zum Aktienkurs verringern. Bei einem Basispreis von 50 € hättest Du noch einen Puffer von 2,82 € oder 5,3%. Er ist also nur noch halb so hoch wie im vorigen Beispiel. Du würdest aber eine Optionsprämie von 0,50 € erhalten. Sie ist damit mehr als dreimal so hoch.

Lernerfolg und Kontrolle

Theoretisch weißt Du jetzt, wie sich der Preis einer Option (Optionsprämie) zusammensetzt. Bevor Du mit dem Optionshandel startest, solltest Du einige Optionspreise beobachten. Du wirst dann sehen, wie sich die Preise verändern, wenn sich der Aktienkurs verändert. Und vor allem wirst du sehen, dass das nicht linear geschieht. Das macht den Optionshandel gerade so spannend.

Was Dich in den nächsten Teilen der Serie zum Optionshandel erwartet

In weiteren Teilen der Serie werde ich Dir den Ausübungsprozess einer Option vorstellen und anhand von Beispielen gelungene Optionsstrategien für Dividendeninvestoren zeigen. Dann werden wir uns dem optimalen Broker für den Optionshandel zuwenden, ich werde weitergehende Fachliteratur vorstellen und schließlich Möglichkeiten zur Risikominimierung suchen.

Zum Abschluss ein Hinweis in eigener Sache

Nach Veröffentlichung des ersten Teils der Optionsserie wurde ich richtigerweise gefragt, welche Erfahrung ich denn selbst mit Optionen habe. Wie Du als aufmerksamer Leser meines Blogs weißt, war ich viele Jahre in Banken tätig. Dort unterlag ich den Vorgaben der Bankenaufsicht für Mitarbeitergeschäfte. Ich musste meine Depots der Complianceabteilung offenlegen und alle Transaktionen gingen in Kopie an sie (meistens sogar direkt von der Depotbank). Ich durfte deshalb keine Depots im Ausland haben. Der Optionshandel auf eigene Rechnung war mich deshalb nicht möglich. Sonst hätte ich auch schon viel früher mit der Optionsserie begonnen und auch über meine Optionsgeschäfte berichtet.

Das ist die eine Seite der Geschichte. Ich hatte aber auch schon geschrieben, dass Du mit Stillhaltergeschäften die Rolle der Bank übernimmst. Und genau diese Rolle habe ich in der Vergangenheit eben auch miterlebt. Ich war in meiner Laufbahn auch in Anlageausschüssen und Depot A-Komitees, in denen der Eigenhandel der Bank begleitet wurde. Und dort wurde selbstverständlich mit Optionen gehandelt. Aber eben auf Rechnung der Bank. Meine Erfahrungen versuche ich nun in dieser Serie weiterzugeben.

Und natürlich habe ich in der Vergangenheit im Familienkreis auch schon Optionsstrategien zur Anwendung gebracht. Wäre doch schade gewesen, wenn ich mein Wissen nicht gewinnbringend hätte einbringen können.

Da ich nun von den Bankregularien “befreit” bin, werde ich auch auf eigene Rechnung in den Optionshandel einsteigen. Ich plane, in meiner Anlagestrategie für 2021 einen entsprechenden Punkt vorzusehen und dann – in Ergänzung zum bisherigen Aktienhandel – genau entsprechend der in der Optionsserie vorgestellten Strategien mit einem eigenen Budget zu handeln. Dazu werde ich bis Jahresende ein entsprechendes Depot eröffnen und dann transparent und nachvollziehbar 1-2 Transaktionen pro Monat darstellen.

Es gibt noch eine Überraschung

Wenn Du auch ein Depot bei einem Broker zum Optionshandel eröffnen willst, dann lohnt es sich, noch ein bißchen zu warten. Wenn ich Dir meine Empfehlung für einen Broker in einem der nächsten Teile der Optionsserie vorstelle, dann gibt es dazu auch eine Aktion mit Vorzugskonditionen.

Da ich aber sicher sein will, dass Du Optionen genauso defensiv und sorgfältig wie ich einsetzen kannst, musst Du Dich noch etwas gedulden. Erst die Theorie, dann die Praxis!

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6 Gedanken zu „So sicherst Du Dir im Optionshandel eine faire Optionsprämie – Divantis Academy“

  1. Hallo Ben,

    vielen Dank für die Serie zum Optionshandel. Das hört sich alles sehr interessant an! Ich freue mich schon auf die nächste Folge. Bitte warte nicht so lang mit der Veröffentlichung!

    Beste Grüße

    Jürgen

    1. Hallo Manfred,

      mein Praxisbeispiel ist ein Screenshot aus der “Trader Work Station”, die Kunden von Interactive Brokers haben. Etwas anders graphisch aufbereitet, findest Du aber auf der Seite der EUREX eine Übersicht zu den Optionen einzelner Aktien (z.B. heute ganz interessant: die SAP-Optionen). Für US-Aktien ist außerdem die CBOE-Seite zu empfehlen.

      Viele Grüße Ben

  2. Hallo Manfred;

    Tabelle im Netz ? Na, einfach mal im Netz gucken.

    Du bist der Einzige hier, der zu diesen ungewöhnlichen Zeiten hier herumagiert, was wohl der Zeitumstellung auf deiner Corona – Insel ( wie du es selber mal beschrieben hast ) zu verdanken ist, oder ? Bei dir ist es jetzt vielleicht Frühstückstime ? Papua Neuguinea, jetzt eine Baumfrucht oder Erdfrucht statt Brötchen genießen ? Inseln über oder unter dem Winde mit einer Kokosnuß zum Frühstück ? Oder von welchem Erdteil beglückst du die Divantis – Community mit deinen Fragen / Anregungen ?
    Ich glaube auch langsam, du bist dort irgendwo im Regenwald auf den Salomon Inseln im Busch geboren ( unter Aufsicht eines deutschen Missionars wegen der Sprache ) oder auf irgendeiner dieser Inseln im Lendenschurz herumrennend , Archipel, unter dem Winde, mit dem Winde, über oder auf dem Winde oder sonst was für Winde, nicht wahr ? Du tust nur so, als wenn du Deutscher wärest und irgendwo coronamäßig ohne Ausweg gestrandet bist, dabei hast du über deiner Palmenhütte ein kleines Solardingsbums installiert, welches mal ab und an Börsenfrequenzen über die Weltmeere sendet. Schöne Welt. Du mußt den Divantis Lesern schon mitteilen, aus welchem Stall du kommst : Finsterwalde oder irgendetwas mit dem Winde, ohne Winde, Salomon, was weiß ich.
    Manfred, take it easy, ist nicht ernst gemeint, du selber hast ja mal gesagt, du lebst auf einer Corona Insel, wahrscheinlich mit einer anderen Zeiteinteilung als bei uns. Tröstlich für dich, die Aktienverluste siehst du vielleicht erst Stunden später als wir in Europa.
    Und ich als Nachteule eiere auch noch um diese Uhrzeit im Netz herum, normalerweise wäre ich am Wochenende in den Clubs der Stadt. Aber alles – wen wundert‘s – geschlossen seit Monaten.
    Und um mich regionsmäßig zu outen : Meine Heimat ist Helgoland, wer hätte es gedacht ?

    1. Michael !

      Helgoland ! Das ist doch diese Insel bei Berlin um die Ecke ?

      Gar nicht so schlecht, deine Vermutung ! Papua Neuguinea liegt von hier ein Steinwurf entfernt. Wenn man Tarzan ist. Und als fruehstueck gibt es mango, ananas, papaya und litschies . Danach ab in die Hängematte. Links einen Long Drink, rechts ein Smart Phone, und am Kopfende eine Inselschönheit, die die Hängematte anschaukelt ! Hehe.
      es gibt hier sogar Aktien ! Die wurden vor 30 Jahren noch mit cocosnuessen bezahlt. Und wir haben 15 cocospalmen im Garten. Pro Palme etwa 50 cocosnuesse im Jahr !!! Wir sind reich !!!! Hehe.
      Neidisch geworden ? Dann komm doch einfach vorbei. Wir haben bestimmt noch eine freie Hütte, mit Gras bedeckt. Ist auch garantiert taifun- und Gewitter sicher !

      Katawa, katawa, katawa, kung bassa ko suwat nimo.

      Jetzt kannste im Netz nachforschen, um welche Sprache es sich hier handelt. Ist aber ein Dialekt, keine Amtssprache. Das macht die Nachforschung spannender !

      Viele Grüsse vom Traumstand !

      PS : hab mir gerade ein paar SAP spendiert.

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