Was Dich hier erwartet:
Vor wenigen Jahren hätte ich mir nicht vorstellen können, dass so ein Unternehmen einmal den Weg in mein Dividendendepot finden würde. Zu zyklisch ist das Geschäftsmodell und zu wenig berechenbar sind auch die Ausschüttungen.
Und wenn ich auf die Entwicklung des Aktienkurses der letzten Jahre schaue, dann ist die Aktie auch optisch nicht günstig.
Aber das ist ein Trugschluss: Denn die Rekordgewinne der jüngsten Zeit nutzt das australische Unternehmen und transformiert sich zu einem klimaneutralen Rohstoffproduzenten. Hohe Investitionen in erneuerbare Energien sorgen neben hohen Dividenden für einen attraktiven Mix.
So attraktiv, dass ich dafür auch Schwankungen in Kauf nehme und mit einem langfristigen Horizont einen der zukünftig weltweit führenden Anbieter von grünem Wasserstoff in meinem Depot haben werde.
Was sich genau hinter dieser Geschichte verbirgt und warum jetzt genau der richtige Zeitpunkt für meinen Einstieg sein könnte, erfährst Du in dieser ausführlichen Unternehmensvorstellung.
Mit dem Aktienmarkt in Australien habe ich zuletzt gute Erfahrungen gemacht. Sie waren so gut, dass mir 2 Depottitel von Private-Equity-Gesellschaften weggekauft wurden (Sydney Airport und Spark Infrastructure). So blieb die Transurban Group einige Monate mein einziger australischer Depotwert. Grund genug, mir das Buch „Top Stocks 2022 – A Sharebuyer’s Guide to leading Australian Companies“ von Martin Roth zu kaufen und durchzuarbeiten.

Beim Durcharbeiten des Buches bin ich auf die Fortescue Metals Group gestoßen und habe mich dann näher mit ihr beschäftigt. Nun kann ich sie Dir vorstellen:

Geschäftsgegenstand
Die Fortescue Metals Group wurde 2003 in Perth gegründet und hat sich zu einem der weltweit führenden Eisenerzproduzenten entwickelt. Mehrere Eisenerzminen befinden sich im Portfolio, alle in der australischen Region Pilbara. Als Besonderheit verfügt Fortescue über ein eigenes Bahnsystem, bestehend aus Schienen und Güterzügen, das die Minen mit dem Herb-Elliott-Hafen in Port Hedland verbindet. Rund 90% des Eisenerzes werden nach China exportiert. Weitere Absatzmärkte sind Japan und Südkorea.
Ein Gefühl für die Größe des Eisenerztransports habe ich über Google Maps bekommen. Du kannst Dir aber auch dieses Unternehmensvideo (vom Marketing nicht beeindrucken lassen!) anschauen:
2012 stand die Fortescue Metals Group aufgrund hoher Schulden kurz vor der Insolvenz. Seitdem hat sie große Anstrengungen unternommen, finanziell stabiler zu werden. In 2021 ist das dann so weit gegangen, dass aus einer Nettoverschuldung eine Nettocashposition von fast 3 Mrd. US$ wurde. Dabei hat der hohe Preis für Eisenerz natürlich einen Beitrag geleistet. Aber insgesamt hat sich FMG vom Wackelkandidaten zu einem soliden Player entwickelt.
Während die Produktionskosten für eine Tonne Eisenerz im Jahr 2012 noch bei 50 US$ lagen, gehört FMG mittlerweile zu den Produzenten mit den niedrigsten Produktionskosten weltweit.
Besonders interessant finde ich den Transformationsprozess, in dem sich Fortescue aktuell befindet. Die Gesellschaft befindet sich auf dem Weg zum grünen Unternehmen. Mit entsprechenden Decarbonisationsinitiativen soll bereits 2030 die CO2-Neutralität erreicht werden. Dazu wurde jüngst Williams Advanced Engineering (WAE) akquiriert, um Infinity Train zu entwickeln. Das soll der weltweit erste batteriebetriebene Eisenerzzug sein, der sich zudem durch Rekuperation selbst auflädt und damit ohne Diesel auskommt.
Neben Eisenerz wird in kleinerem Rahmen auch Eisenmagnetit-Konzentrat gewonnen. Aber viel spannender ist der wachsende Bereich der Fortescue Future Industries (FFI). Dieses 100%-ige Tochterunternehmen befindet sich auf dem Weg zu einem weltweit führenden Anbieter von grünem Wasserstoff. Dazu wurden jüngst Kooperationsverträge u.a. mit E.ON und Airbus abgeschlossen. Im Jahr 2030 sollen so 5 Mio. Tonnen grüner Wasserstoff nach Europa geliefert werden. Und zudem die Flugzeugindustrie dekarbonisiert werden.
Grüner Wasserstoff
Grüner Wasserstoff ist erstmal ganz normaler Wasserstoff. Er entsteht mittels Elektrolyse, bei der Wasser in seine Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff zerlegt wird. Dafür werden große Mengen Strom benötigt. Kommt dieser Strom aus regenerativen Quellen, dann wird der Wasserstoff als grün bezeichnet. Fortescue baut große Solarfelder auf und kann mit dem gewonnenen Strom die Elektrolyse betreiben. Die Bedingungen für Sonnenenergie sind in weiten Teilen Australiens besonders gut.
Der Transport des grünen Wasserstoffs wird dann per Schiff erfolgen, dabei sind verschiedene Varianten möglich: als verflüssigter Wasserstoff (LH2), in Form der Wasserstoff-Folgeprodukte Ammoniak, Methanol oder in speziellen Speichermedien (LHOC: liquid organic hydrogen carriers). Noch in der Entwicklung befinden sich die Vorgaben für Wasserstoff als Kraftstoff für die Schiffe. Denn es macht keinen Sinn, wenn die Schiffe mit Diesel betrieben werden – der Wasserstoff wäre nicht mehr grün.
Geschäftszahlen
Im Geschäftsjahr 2021 (bis Juni 2021) beliefen sich die durchschnittlichen Produktionskosten auf 13,93 US$ je Tonne. Der Verkaufspreis stieg in dem Jahr durchschnittlich um 72% auf 135 US$ je Tonne. Kein Wunder, dass es ein hervorragendes Jahr für die Fortescue Metals Group war. Abgebaut wurden 182,2 Mio. Tonnen, ein Plus von 2% gegenüber dem Vorjahr. Für das laufende Geschäftsjahr wurde zunächst eine Produktion von 180-185 Mio. Tonnen erwartet.
Die FMG berichtet jeweils halbjährlich Geschäftsergebnisse und quartalsweise Produktionsdaten. Zum Ende März 2022 wurden demnach bereits 139,5 Mio. Tonnen Eisenerz abgebaut, ein Rekordwert. Die Produktionskosten lagen bei 15,78 US$, während der Verkaufserlös durchschnittlich bei rund 100 US$ je Tonne lag. Die Gewinnspanne des Vorjahres wird damit voraussichtlich nicht erreicht werden. Die Zahlung der Zwischendividende führte zudem zu einem (geplanten) Aufbau einer Nettoverschuldung. Die Produktionsprognose wurde gleichzeitig auf 185-188 Mio. Tonnen angehoben. Negativ wirken sich aber höhere Kosten aus, erwartet werden nun Produktionskosten von 15,75-16,00 US$ je Tonne. Das ist aber immer noch ein vergleichsweise niedriger Wert.
In den Bereich der Fortescue Future Industries (FFI) werden in diesem Geschäftsjahr voraussichtlich 400-600 Mio. US$ investiert.
Management
Das Board von Fortescue besteht aus 8 Direktoren, die bereits langjährig im Amt sind. Der Chairman Andrew Forrest amtiert seit 2003, die CEO Elizabeth Gaines gehört dem Board seit 2013 an. Die Hälfte der Direktoren ist weiblich. Und auch das wichtige Tochterunternehmen FFI, zuständig für die regenerativen Energien, wird mit Julie Shuttleworth von einer Frau geleitet. Sie ist zugleich Vize-CEO von Fortescue. Der CFO Ian Wells ist seit 2018 im Amt und hat die solide finanzielle Aufstellung in den letzten Jahren gestaltet.
Aktienkurs
FMG ist seit 2003 an der Börse Sydney (ASX) gelistet. Der Aktienkurs hat sich bis Mitte 2008 stetig aufwärts entwickelt, bevor er dann im Rahmen der Finanzkrise um 80% einbrach. Bis Ende 2018 – also 10 Jahre lang – bewegte er sich dann in einer Range zwischen 2 und 5 AUD seitwärts.
Beginnend mit 2019 stieg der Aktienkurs dann bis Mitte 2021 auf 26 AUD. In den folgenden Monaten korrigierte er auf 14 AUD und legte in diesem Jahr wieder bis auf 22 AUD zu.

Insgesamt ist die Fortescue-Aktie kein Links-unten-nach-Rechts-Oben-Papier. Zu abhängig ist das Geschäftsergebnis von der Entwicklung der Stahlproduktion und damit des Preises für Eisenerz.
Das muss Dir bei einem Investment bewusst sein. Aus meiner Sicht wird sich daran erst etwas ändern, wenn der Transformationsprozess zu einem grünen Unternehmen abgeschlossen ist und die regenerativen Energien einen wesentlichen Ergebnisbeitrag liefern.
Aktienkauf
Ich kaufte am 6. Juni 2022 20 Aktien der Fortescue Metals Group zum Kurs von 14,454 € im Direkthandel über Lang & Schwarz in mein Depot beim Smartbroker. Ich zahlte dafür 4,00 € Kaufprovision und damit insgesamt 293,08 € für diesen Aktienkauf.

Die Order habe ich über Lang & Schwarz aufgegeben, da dort zum Kaufzeitpunkt der günstigste Kurs gestellt wurde und ich eine schnelle Ausführung wollte. Für meine Nachkäufe werde ich aber entspannter ein Kauflimit in den Markt legen und auf die Ausführung warten.
Genau wie ich es dann auch schon zwei Wochen später erstmals getan habe. Da konnte ich 50 Aktien der Fortescue Metals Group zum Kurs von 11,59 € über gettex in mein Depot beim Smartbroker kaufen. Ich zahlte dafür am 22. Juni 2022 keine Kaufprovision und somit insgesamt 579,50 € für diesen Aktienkauf.

Gegenüber meinem Erstkauf war der Aktienkurs damit 20% niedriger. Der Eisenerzpreis war in diesen zwei Wochen ebenfalls zurückgegangen.
Dividendenhistorie
In vielen Statistiken wird die Fortescue Metals Group mit einer zweistelligen Dividendenrendite aufgeführt. Das liegt an den hohen Ausschüttungen in Jahr 2021, stimmt aber für 2022 nicht. Deshalb solltest Du Dich davon nicht irritieren lassen. 2021 war ein Rekordjahr aufgrund des hohen Eisenerzpreises. Fortescue schüttete fast 80% des Gewinns aus. 2022 wird sich das nicht wiederholen.
Die tatsächliche Dividendenrendite wird aber wohl trotzdem attraktiv sein. Generell ist FMG aber kein Investment, bei dem die Dividende jährlich steigt. Stattdessen ist mit Schwankungen zu rechnen, die sich am jährlichen Gewinn orientieren.
Die Dividenden werden in Australischen Dollar (AUD) ausbezahlt und unterliegen damit für einen Aktionär aus dem Euro-Raum einem Währungsrisiko. Gleichzeitig birgt das auch eine Chance auf Währungsgewinne.
Die letzten Dividendenzahlungen sahen so aus:
| exDividende | Zahltag | Betrag |
| 28.02.22 | 30.03.22 | 0,86 |
| 06.09.21 | 30.09.21 | 2,11 |
| 01.03.21 | 24.03.21 | 1,47 |
| 31.08.20 | 02.10.20 | 1,00 |
| 02.03.20 | 06.04.20 | 0,76 |
| 02.09.19 | 02.10.19 | 0,24 |
| 22.05.19 | 14.06.19 | 0,60 |
| 28.02.19 | 22.03.19 | 0,30 |
Aus der Dividendenhistorie lässt sich zumindest ableiten, dass in der Regel Ende März und Ende September Ausschüttungen erfolgen und die September-Zahlung meist höher ist als die März-Zahlung.
Mit der Ergebnispräsentation für das Geschäftsjahr am 29. August 2022 sollte die September-Dividende für 2022 bekannt gegeben werden.
Nachhaltigkeitsfaktor
FMG ist als Nachhaltigkeitsführer in seiner Branche mehrfach ausgezeichnet worden und im Dow Jones Sustainability Index gelistet (sowohl weltweit als auch Australien und Asien-Pazifik).
Unter den größten Aktionären der Fortescue Metals Group sticht als größter Anteilseigner mit rund 30% die Minderoo Foundation hervor. Sie ist eine philanthropische Stiftung, die ihre Mittel u.a. in Projekte für eine bessere Welt investiert.
Weitere Strategie
Mit der Fortescue Metals Group habe ich ein Unternehmen in mein Dividendendepot aufgenommen, dessen Branche bisher nicht darin vertreten war. Denn mit dem Abbau von Eisenerz gehört FMG zum Rohstoffsektor.
Da dieser zyklisch ist, habe ich bisher einen großen Bogen um den Bereich gemacht. Denn die Gleichung ist hier relativ einfach: Eisenerz wird für die Stahlerzeugung benötigt. Stahl wird für den Bau großer Objekte verwendet. Kommt die Wirtschaft in eine Rezession, wird weniger gebaut und weniger Stahl nachgefragt.
Bei FMG ist die Situation aber aus meiner Sicht etwas differenzierter. Denn die Lieferung des Eisenerzes erfolgt nahezu ausschließlich nach China. China ist ohnehin der weltweit größte Stahlproduzent. Und die Nachfrage nach dem Rohstoff dürfte ausreichend hoch bleiben. Schwieriger haben es da schon andere Stahlproduzenten, wie z.B. ThyssenKrupp. Sie können ihre Kosten unter Umständen nicht schwankenden Stahlpreisen anpassen.
Die FMG wiederum ist relativ autark. Das abgebaute Eisenerz wird mit einem eigenen Zug- und Schienennetz an den Hafen gebracht und dort nach China verschifft.
Und zusätzlich lockt die Transformation zum Produzenten von grünem Wasserstoff. Das ist mein Hauptaspekt, warum ich ein Investment eingegangen bin. Bereits 2030 wird FMG CO2-neutral produzieren und damit einen wichtigen Beitrag zum Erreichen der Klimaziele leisten.
Mein Investment ist auf einen Zeithorizont von mindestens 10 Jahren angelegt. Ich stelle mir vor, dass ich in den nächsten 8 Jahren einen Großteil meines Investments durch Dividendenausschüttungen zurückerhalten werde. Und dann quasi gratis in ein klimaneutrales Unternehmen investiert sein werde.
Dazu möchte ich mein Engagement kurzfristig, d.h. noch in 2022, deutlich erhöhen. Und mein Ziel für 2023 ist dann eine Position, die sich mit meinem zweiten australischen Titel, der Transurban Group, in etwa die Waage hält. Das entspricht einem Depotanteil von rund 1,5%.
Insgesamt bin ich bei australischen Titeln etwas vorsichtiger in der Depotgewichtung, da der Newsflow eben doch etwas weniger stark in Deutschland wahrnehmbar ist. Zwar kann ich mir alle wichtigen Informationen auch selbst zusammenstellen, aber ich habe weder Zeit noch Lust, jeden Tag auf australischen Nachrichtenseiten zu schauen, ob sich etwas Wichtiges ereignet hat.
Bei der Fortescue Metals Group gehe ich aber davon aus, dass ich die Aktie weitgehend unbeachtet lassen kann und mir lediglich zu den Geschäftszahlen näher anschauen werde. Dabei liegt mein Fokus dann immer darauf, ob der Transformationsprozess fortschreitet und wie sich der Eisenerzpreis und damit die Dividenden bis dahin entwickeln.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Fortescue Metals Group |
| ISIN: | AU000000FMG4 |
| Im Divantis-Depot seit: | 06.06.2022 |
| Letzter Nachkauf am: | 29.08.2024 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 224 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 13,10 € |
| Gesamtkaufpreis: | 2.935,03 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 523,73 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividenden reinvestieren |

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