Eine historische Chance für Dividendenjäger?

BCE Beitragsbild
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Bei einer zweistelligen Dividendenrendite werde ich hellhörig. Jedenfalls dann, wenn sie auch verdient wird. Ganz soweit ist diese Aktie noch nicht, aber sie kratzt immerhin an der 9%-Marke.

Und damit liegt die Dividendenrendite schon über meiner langfristigen Zielmarke für ein Aktienengagement. Damit drängt sich ein Investment fast schon auf. Aber natürlich nur „fast“. Denn es kommt auch auf die Nachhaltigkeit der Dividende an.

Denn was nützt mir eine solche hohe Dividende, wenn sie demnächst gekürzt wird? Deshalb lasse ich mich nicht von der nackten Zahl treiben, sondern schaue mir zunächst die Geschäftsergebnisse und die Perspektiven an.

Und dann entscheide ich mich, ob ich auf dem jetzigen Niveau noch mal zugreife. Denn schließlich habe ich die Aktie bereits im Depot und befinde mich damit inzwischen leider im Kursminus.

Für Neuinvestoren ist die Lage damit womöglich noch attraktiver. Ohne Altlasten können sie sich die Dividendenrendite sichern. Jedenfalls für den Moment.

Wie die Zukunft aussieht, kann ich natürlich auch nicht mit Gewissheit sagen. Meine Gedanken dazu teile ich jedoch in diesem Beitrag. Und vielleicht inspirieren sie Dich zu einer eigenen Entscheidung.

Das kanadische Telekommunikationsunternehmen BCE (hier habe ich es ausführlich vorgestellt) hat aktuell diese bemerkenswerte Dividendenrendite.

Zustande gekommen ist sie – wie sollte es wohl sein – durch einen deutlichen Kursrückgang in der letzten Zeit. Gleichzeitig hat das Unternehmen seit meinem Einstieg die Dividende auch jedes Jahr angehoben.

Im Kurschart in der Heimatwährung des kanadischen Dollars ist die Talfahrt seit dem Allzeithoch im April 2022 – und damit vor 2 Jahren – signifikant:

BCE-Aktie im 10-Jahres-Chart (in CAD)

Dividendenzahlung

BCE zahlt erstmals eine Quartalsdividende von 0,9975 CAD je Aktie (zuvor: 0,9675 CAD). Das ist eine Erhöhung um 3,1%. Für die 40 dividendenberechtigten Aktien in meinem Depot beträgt die Brutto-Dividende damit 39,90 CAD. Die Umrechnung in Euro erfolgte durch maxblue zum Kurs von 1,4716. Bei Trade Republic erfolgte die Umrechnung zu 1,4717. Bei der Quellensteuer werden die Unterschiede zwischen den beiden Brokern deutlich: maxblue hat erneut lediglich 15% Quellensteuer berechnet und sie vollständig auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet. Trade Republic hat – wie es auch die anderen Banken mit Ausnahme von maxblue machen – 25% Quellensteuer abgezogen, jedoch nur 15% auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet. Nach den Steuerabzügen verbleibt somit insgesamt eine Netto-Dividende von 19,85 €. Die Dividende wurde bei Trade Republic mit Wertstellung 15.04.2024 überwiesen, bei maxblue war es der 17.04.2024.

Dividendengutschrift BCE im April 2024 maxblue
Abrechnung bei maxblue
Dividendengutschrift BCE im April 2024 Trade Republic
Abrechnung bei Trade Republic
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Für kanadische Aktien ist maxblue meine erste Wahl. Die Quellensteuer wird genauso angerechnet, wie ich das von US-Aktien kenne. Das habe ich so einfach bei anderen Brokern nicht gefunden. Wenn Du noch kein Depot bei maxblue hast, dann schau Dir hier alle Infos zu dem depotgebührenfreien Depot an und profitiere zukünftig auch von der Anrechnung der kanadischen Quellensteuer.

Annualisiere ich die Quartalsdividende, werden in einem Jahr 3,99 CAD Dividende gezahlt. Bei einem Aktienkurs von 44,66 CAD entspricht das einer Dividendenrendite von 8,98%. Die nächste Dividendenerhöhung könnte erneut im April 2025 erfolgen, so dass die tatsächliche Jahresdividende bei einem heutigen Kauf etwas höher liegen könnte.

Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost – YoC) bezieht sich auf meinen Einstand. Für die 40 Aktien habe ich insgesamt 1.423,95 € bezahlt. Nehme ich die Brutto-Quartalsdividende von 39,90 CAD und vervierfache sie, dann erhalte ich innerhalb eines Jahres 159,60 CAD brutto. Umgerechnet mit dem Wechselkurs von maxblue (dort hin sollen die Aktien ja zusammengeführt werden) ergibt das 108,45 €. Und damit ein YoC von 7,6%.

Perspektive

2 Jahre Abwärtstrend mit kurzen Erholungsphasen zwischendurch. Das ist schon erstaunlich. Und so notiert die Aktie aktuell auf ihrem tiefsten Stand der letzten 10 Jahre. Selbst das Corona-Tief wurde mittlerweile unterschritten.

Gleichzeitig wird mit der jüngsten Erhöhung die höchste Dividende der Unternehmensgeschichte bezahlt. In der Addition ergibt das dann eben eine Dividendenrendite, die bemerkenswert ist.

Und damit kommen wir direkt zur Frage aller Fragen: Steht eine Kürzung bevor oder lässt sich mit dieser Dividende auch langfristig kalkulieren?

Sicher weiß ich das natürlich nicht. Ich kann mich an die Antwort auch nur herantasten. Zunächst einmal fand ich die jetzige Erhöhung ein starkes Signal. Eine Erhöhung um 3 Cent macht man nicht, wenn man kurz darauf die Dividende kürzen muss. Denn um den Track-Record der stetigen Dividendenerhöhungen (jetzt 16 Jahre in Folge) beizubehalten, wäre ja auch 1 Cent Erhöhung ausreichend gewesen. Und vermutlich hätten die Investoren das auch akzeptiert.

Bei Telekommunikationsunternehmen stellt die Dividende ein wichtiges Instrument dar. Wachstum gibt es ja kaum noch, da die Marktanteile bereits groß sind und eher von kleineren Wettbewerbern angegriffen werden. Die Dividenden stehen damit in direkter Konkurrenz zu Anleihezinsen. Und das erklärt auch zuallererst den Anstieg bis 2022 und dann den Absturz. In einem Niedrigzinsumfeld war BCE eine sehr gute Alternative für Einkommen suchende Investoren. Und mit Beginn des Zinsanstiegs gab es dann wieder attraktive Alternativen.

Der kanadische Zinsmarkt unterscheidet sich auch etwas vom US-Zinsmarkt. Während die Fed Zinssenkungen in der 2. Jahreshälfte zumindest diskutiert, ist das in Kanada nicht der Fall. Dort bleiben die Zinsen zunächst auf hohem Niveau, da die Inflation ebenfalls weiterhin hoch ist. Das einzige dortige Signal war, dass es keine weiteren Zinserhöhungen geben wird. Aber auch dafür gibt es keine Garantie, wenn die Inflation weiter voranschreitet.

Was die Aktie von BCE damit weiter unter Druck setzt, sind zusätzlich die hohen Refinanzierungskosten für das Unternehmen. Denn nicht nur, dass Anleihen attraktiver geworden sind. BCE muss selbst für Neuemissionen oder Prolongationen deutlich mehr Zinsen bezahlen. Und das schlägt sich in den Geschäftsergebnissen nieder.

Als eine Maßnahme hat BCE deshalb angekündigt, 9% seiner Belegschaft abzubauen (4.800 Beschäftigte). Innerhalb der letzten 30 Jahre ist das die einschneidenste Personalmaßnahme des Unternehmen. Sie führt zu Einsparungen von jährlich 250 Mio. CAD. Bereits in diesem Jahr sollen davon 150-200 Mio. CAD erreicht werden.

Das führt sicherlich zu einer Verbesserung der Kostenstruktur. Aber es zeigt auch, in welcher Verfassung sich der Konzern aktuell befindet. Und üblicherweise führen solche Massenentlassungen auch zu Unzufriedenheit und Sorge bei den verbleibenden Beschäftigten. Denn niemand kann sicher sein, dass es sich um die letzte Maßnahme handelt. Wenn sie nicht ausreicht, könnte schließlich die nächste Entlassungswelle starten.

BCE wird zusätzlich den Glasfaserausbau drosseln. Die Investitionen werden deutlich zurückgefahren und um rund 1 Mrd. CAD innerhalb von zwei Jahren reduziert.

Für mich stellt sich das wie ein Unternehmen im Rückwärtsgang dar. Aber welche Alternative gibt es dazu?

2023 legte der operative Umsatz zwar um 2,1% zu. Aber die stark gestiegenen Kosten und Zinsen drückten auf die Margen und die Gewinne. Der Nettogewinn sank um 20,5% und der Gewinn je Aktie um 23,5%. Verdient wurden noch 2,28 CAD nach 2,98 CAD im Vorjahr. Bereinigt waren es angabegemäß 3,21 CAD nach 3,35 CAD (-4,2%).

Die letztjährige Dividende wurde damit nicht durch Gewinne verdient. Und auch der neue Satz von 3,99 CAD für ein ganzes Jahr liegt deutlich über den Gewinnen. Allerdings wird die Dividende ja aus dem Free Cash Flow bezahlt und dieser konnte 2023 immerhin um 2,5% zulegen. Absolut erreichte er 3,144 Mrd. CAD.

BCE hat das Ziel, eine Payout-Ratio von 65% bis 75% des Free Cash Flow zu erreichen. 2022 lag sie allerdings bei 108% und 2023 stieg sie sogar noch an und erreichte 111%. Die Dividende ist also nur durch die Aufnahme neuer Schulden möglich. Und das in einem Umfeld stark gestiegener Zinsen!

Und auch 2024 wird sich die Payout-Ratio deutlich über der Zielmarke bewegen – das wird auch im Geschäftsbericht erwähnt:

Auszug aus dem BCE-Geschäftsbericht 2023
Auszug aus dem BCE-Geschäftsbericht 2023, Seite 80.

Das Management bezeichnet 2024 als Jahr der Transformation. Wenn man das glaubt und ihm vertraut, dann werden die Kostensteigerungen zurückgehen und sich der Free Cash Flow in den Jahren ab 2025 sukzessive wieder erhöhen.

Für mich scheint das Management jedenfalls willens, die Dividende beizubehalten und auch in 2025 wieder zu erhöhen. Wirklich sinnvoll ist das natürlich nicht. Hier hätte durchaus ein Beibehalten der Dividende oder sogar eine Kürzung seine Berechtigung gehabt.

Angesichts dieser Situation muss ich unweigerlich an meinen Ausstieg von Verizon vor einem Jahr denken (hier nachzulesen). Dort war ich mit einer ähnlichen Perspektive konfrontiert und habe die Aktien abgestoßen. Allerdings lag die Dividendenrendite dort „nur“ bei 6,95% und die Dividendenerhöhungen bewegten sicher über Jahre hinweg unter 2%.

Ein weiterer Pluspunkt für BCE ist für mich die Diversifikation in die kanadische Währung. Wie bei Aktien selbst möchte ich auch bei den Dividenden nicht alle Eier in einen Korb legen. Und da ist die hohe Dividendenrendite dann eine gute Möglichkeit, die Dividendeneinnahmen in kanadischem Dollar günstig zu steigern.

Trotzdem tue ich mich schwer mit einem Nachkauf. Ich habe ihn noch nicht getätigt. Einfach weil ich das Geschäftsmodell derzeit nicht besonders attraktiv finde. Die Investitionen werden ja nun zurückgefahren. Aber sie sind eigentlich notwendig, um auch in Zukunft konkurrenzfähig zu sein. Und in ein rückläufiges Unternehmen will ich nun wirklich nicht investieren.

Deshalb kann ich keine wirkliche Antwort auf die Frage geben, ob das nun eine historische Chance ist. Ich sehe die Möglichkeit, dass die Dividende so hoch bleibt und auch 2025 weiter erhöht wird. Aber ob die eingeleiteten Maßnahmen auch dazu führen werden, dass das Unternehmen wieder auf die Beine kommt und durch Wachstum die Dividende wieder in gesunde Relationen kommt? Ich habe da meine Zweifel…

Trotzdem kann es sein, dass ich mir demnächst einfach noch 10 Aktien von BCE dazu kaufe. Das ist absolut ja kein großer Betrag und ich „runde“ damit meinen Bestand auf 50 Stück auf. Und wenigstens kann ich dann im Nachhinein sagen, dass ich die historische Chance genutzt habe. Wenn es denn eine gewesen sein sollte!

Auf einen Blick:

Unternehmen:BCE Inc.
ISIN:CA05534B7604
Im Divantis-Depot seit:27.07.2020
Letzter Nachkauf am:19.10.2023
Stückzahl im Divantis-Depot:40
Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren:35,60 €
Gesamtkaufpreis:1.423,95 €
Bisher erhaltene Netto-Dividenden:237,76 €
Aktuelle Strategie:Halten und Dividende kassieren

für diesen Beitrag verwendete Quellen:
BCE reports 2023 Q4 and full-year results, announces 2024 financial targets and 3.1% annual dividend increase to $3.99 per share
BCE 2023 Integrated annual report

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23 Gedanken zu „Eine historische Chance für Dividendenjäger?“

  1. Lieber Ben,

    durch Deine Ausführungen bin ich immer aufs Beste gedanklich stimuliert. Herzlichen Dank!

    Es stellt sich mir eine Frage. Inwieweit korrelierst Du Anlagealternativen mit Zweifelsfällen wie der hiesigen BCE? Gibt es denn nicht andere Werte für Dich bei denen mehr grüne Bewertungspunkte BCE übertrumpfen?

    VG Frank

  2. Hi Ben,

    die Company ist für mich ein klassischer Fall von „A great business at a fair price is superior to a fair business at a great price.“

    Cheers,

    Stefan

    1. ich frag mich, wie eine telekom firma, die keine konkurrenz hat, so schlecht performt…..

      besser kddi oder verizon ( unsere telekom ist bilanziell viel schlimmer dran als verizon)

      1. Ich weiß nicht ob DTE viel schlimmer dran ist. Die Schuldenquote ist mit knapp 50% ähnlich. Das Verhältnis von Gewinn zu Schulden ist bei DTE doppelt so hoch wie bei VZ, aber bezogen auf den Free Cashflow sind beide Ähnlich unterwegs. Die Tilgungskraft der Telekom liegt unter 7 Jahre, bei VZ sind es über 20 Jahre.

  3. Habe BCE schon letztes Jahr rausgeschmissen. Die Dividende wird schon länger nicht mehr verdient. Ein ganz klares KO-Kriterium für mich. Verizon ist komplett anders anders aufgestellt, die haben ein Ausschüttungsverhältnis von 60% bezogen auf Gewinn und Free Cashflow! Ich würde auch jetzt noch BCE in VZ tauschen. Kann ich nicht nachvollziehen, wie man VZ verkauft aber an BCE festhält.

  4. Hallo Ben,

    Danke für Deine Analyse.
    Die Telekom-Branche ist definitiv interessant für Divi-Jäger.
    Ich habe nicht so viel know-how wie Du.
    Aber hier wäre mir das Payout-Ratio zu hoch.
    Ich habe BCE auch, aber als Preferred-Stock, da ist die Divi vorrangig gegenüber
    der „normalen“ Aktie. Ist halt aber eher eine Art Anleihe. Und es gibt keine Divi-Steigerungen.

    Wenn Du in andere Währungsräume investieren willst,
    schau Dir mal die beiden an:

    -Spark New-Zealand, die haben quasi einen Burggraben. Zuletzt auch gefallen.
    -China Mobil, der Mega-Player in China. Ist im Aufwärtstrend.

    Beide stabile Divi-Zahler und (das letzte mal als ich danach geschaut habe)
    noch ordentliche Geschäftszahlen.

    Wobei das Thema Zinsen, 5G, Glasfaser etc. so ziemlich alle Anbieter belastet denke ich.

    Gruß

    Joe

  5. Hallo Ben,

    erst einmal Danke für Deine Gedanken. Sie sind wie immer sehr hilfreich für eine eigene Entscheidung.

    Ich halte nur den Ansatz „dann habe ich wenigstens keine Chance verpasst“ für die falsche Begründung eines Investments. BCE hat bisher unbenommen die Dividenden erhöht und wie Du richtig ausführst, sie wird derzeit nicht verdient. Und das wäre für mich ein Grund auszusteigen oder zu halten und Dividenden zu kassieren, aber nicht für einen Kauf.

    telecom ist ist eine sehr spezielle Branche, die Dt. Telekom hatte früher mehr Schulden als ganze Staaten (Türkei).
    Das liegt an Ihren erforderlichen Investments, die erst Jahre später zurückfließen (z.B. derzeit 5G). Andere Plattformen nutzen diese Infrastruktur und verdienen Geld an den Telecomunternehmen vorbei. Nicht umsonst macht Telecom in meinem Portfolio nur 1,8% aus.
    Dein Betrag ist zwar klein, aber ich würde ihn dennoch in andere Papiere investieren, obwohl ich glaube, dass BCE weiter die Dividende erhöht und Sie auch in Zukunft bezahlen kann.

    1. Übrigens auch Telus (CAN) ein langjähriger Dividendenzahler geht gegen Süden.
      Es scheint ein kanadisches Problem zu sein, denn kaum andere Papiere gehen derzeit in dem Bereich so gegen Süden.

      1. Maroc Telecom, MTN (Südafrika) und Vodafone (UK) gehen auch südwärts. Auch die australische Telstra kann man nicht wirklich als Kursrakete bezeichnen. Nur um mal ein paar nicht-kanadische Beispiele zu nennen.

  6. Hi Ben,

    vielen Dank für den Artikel! Wie immer regt er zum Nachdenken an. Bei mir über Unternehmen aus den CAD-Währungsgebiet.

    Zu BCE: Wie schon immer mal erwähnt, checke ich die aktuelle Bewertung gern über die Kombination FCF-Yield und erwartetes Wachstum. Und für den FCF-Yield ziehe ich den EnterpriseValue heran und nicht die Marktkapitalisierung. Unter diesen Gesichtspunkten liegt BCE bei gerade mal 4,5% (FCF=3,7 CAD/Aktie / Nettoverschuldung ca. 37,7 CAD/Aktie und Preis aktuell 44,4 CAD pro Aktie). Ist eher so mittel. Wenn man sich dann das Wachstum anschaut, bewegt sich der FCF pro Aktie seit 20 Jahren seitwärts (2003=3,4 CAD/Aktie 2011=2,10 CAD/Aktie 2019=4,4 CAD/Aktie 2023=3,7 CAD pro Aktie). Auch beim Umsatz nur sehr schwaches Wachstum. Ich weiß nicht ob dies durch Abspaltung verzerrt ist.
    Darüber hinaus hat das Unternehmen zwar einen starken Burggraben, aber eben auch viele Investitionen zu stemmen. Da der komplette FCF aktuell ausgeschüttet wird (wie du beschreibst), sind auch die Spielräume für Wachstum aus Aquisitionen dünn bzw. nur durch mehr Schulden machbar oder Dividendenkürzung. Also auch von der Seite ist kein wirklicher Impuls erwartbar, der nicht andere Probleme mit sich bringt.

    Fazit: Wäre für mich aktuell kein Thema.

    Hier 3 interessante Werte im CAD-Währungsgebiet:

    Canadian National Railway – aktuell etwas teuer (FCF-Yield 3%), aber wächst etwas mehr als BCE und hat ebenfalls einen riesengroßen Burggraben. Wäre aber gerade auch kein Fall zum Nachkauf für mich.

    Alimentation Couche-Tard – Ebenfalls mittlere Bewertung (FCF-Yield = 4,3%), gutes Wachstum. Und bei deinen Halteperioden hast du in 10 Jahren evtl. sogar einen höheren YoC als bei BCE auch wenn die Dividendenrendite heute nur bei einem Zehntel von BCE liegt.

    Enghouse Systems – Gute Bewertung (FCF-Yield 7,3%), gutes Wachstum, Nettocash on hand. Sicher nicht so ein großer Burggraben wie BCE oder CNI. Geschäftsmodell Richtung Bechtle / Reply so wie ich es verstanden habe. Sehr wenig kapitalintensiv, da bleibt fast der gesamte OCF als FCF übrig. Jetzt wo ich das schreibe, werde ich mir die noch mal genauer ansehen.

    Was haltet ihr von den genannten Werten?

    Beste Grüße,
    Chrischaan

    1. Hi Chrischaan,

      Alimentation Couche-Tard habe ich bereits länger auf meiner WL. Und seit einiger Zeit auch die vergleichbare Casey’s, die allerdings anders als ACT ausschließlich den amerikanischen Markt bedient und interessanterweise auch der drittgrößte Pizza-Verkäufer in den USA ist (Preis sehr stark, viele Familien gehen dort hin und genießen ihre Pizza). Boah, beide Aktien sind teuer. Ich hätte sie gerne. Meine Strategie: Ich warte bis die Bewertungen von Nvidia und Konsorten implodieren und – meine kecke These – erstmal den gesamten Markt runterziehen (risk-off Modus sozusagen). Dann möchte ich mir solche Titel aufladen, die ich mir im Moment ob ihres Preises einfach nicht leisten will. Übrigens im Kontext von Convience-Geschichten habe ich als analogen Play für Straßen die SSP für Bahn und Flughafen auf dem Schirm. Hat sich nach Corona nicht richtig erholt. Hier muss ich aber etwas mehr Research reinstecken, was ich von ihr wirklich halten soll.

      1. Hi Tobs, Hi Crischaan,
        Canadian National Railway scheint wirklich ein sehr robustes Unternehmen zu sein.
        Solche Unternehmen sind eigentlich das, was wir suchen. Kurs nach oben und Dividende nach oben.
        Hier Daumen hoch. Leider kann man (ich) nicht alles haben… Da scheint jeder Einstiegszeitpunkt richtig.
        Alimentation Couche-Tard scheint nach dem Rücksetzer nach dem ATH vom März ein guter Einstiegszeitpunkt zu sein, wenn keine Bad News unterwegs sind, habe hier aber nicht nachgesehen.
        zu Enghouse Systems hätte ich gar keine Meinung, die können jetzt nichts besonderes, was andere nicht auch könnten,für mich eher nichts.
        Frage an Tobs, was gefällt Dir denn an Vodafone? Auch wenns Invest grad nicht viel kostet?
        ja, es gibt 10% Dividende, aber wenn man sieht, das sie ihre frühere Tugend einer etwa doppelt so hohen Schlußdividende auch schon über Bord geworfen haben, dann ist es bis zur Kürzung auch nicht mehr weit. Und dann brechen sowieso alle Dämme.
        Was billig ist, muß nicht unbedingt gut sein…
        Und Deinen Satz “ Meine Strategie: Ich warte bis die Bewertungen von Nvidia und Konsorten implodieren und – meine kecke These – erstmal den gesamten Markt runterziehen (risk-off Modus sozusagen). “
        möchte ich mit folgendem Bild beantworten
        https://finviz.com/map.ashx?t=sec
        Ich war am Ende der Woche trotzdem im grünen Bereich, weil Financial/Insurance/ConsumerDefensive/Energy und wieder mal Pharma stabil laufen.
        Der Prozess zum Wechsel in Value findet gleichzeitig statt. Nicht erst, dass alle warten am Seitenrand und der Gruppenleiter sagt, so jetzt dürft ihr wieder einsteigen.
        Auf den großen Absturz zu warten für den Einstieg klappt glaube ich nicht. Zum Einstieg wird an der Börse nicht geklingelt.
        schönes WE

        1. und letzte Ergänzung, wer Lust hat, kann sich ja mal die Liste der meisten „Telekomer „ansehen
          https://www.finanzen.net/branchen/telekommunikation
          hab viele durchgetickert und es sehen alle irgendwie blaß aus.
          Höchstens Swisscom lebt Shareholdervalue und T-Mobile US wäre es auch gewesen. Hatten erste keine Dividende und zahlen jetzt doch. Aber hätte hätte…

        2. Hallo Thomas,

          #Bewertungen/Dein Bild: Durchaus beeindruckend, nur mag es in der Interpretation wenig bringen da es letztlich eine Beschreibung des Ist-Zustands ist. Mich nehmen solche zugegebenermaßen eindrückliche Charts weniger gefangen. Meines Erachtens sind die Aktien der Chip Hersteller so gepreist, als wenn es niemals dazu käme, dass der Wettbewerb intensiver wird und die Margen unter Druck kommen. Die Erfahrung lehrt, dass wenn ein Geschäfts gut läuft, andere auch partizipieren. Oder kennst Du einen Heinz Sielmann-Film, in dem der Löwe völlig ungestört von anderen Herausforderer-Löwen seine Löwinnen begatten darf? Dazu kommt, im Moment steht bei diesen Chips (damit meine ich besonders die techmäßig überlegenen wie Nvidia) China ausschließlich auf der Nachfrageseite. Das die Chinesen gerade von den USA versucht werden aus den Handelsketten zu drängen wird meines Erachtens mittelfristig nur als Katalysator dazu führen, dass die Chinesen solche Chips in Zukunft herstellen können. (Ernst gemeint: Am Besten mal die Shareholder Letter von RV Capital lesen, der immer wieder eindrückliche Updates seiner Fernost-Reisen gibt und ein Gefühl dafür bekommen, we hart die Menschen dort jeden Tag an ihrer Zukunft arbeiten). Dann entfällt China aber nicht nur als Abnehmer, sondern flutet selber damit den Weltmarkt. Letztlich wäre es ein Segen, weil es eine disinflationäre Wirkung bedeuten würde. Bedeutet aber, dass sich die Preise dann nie im Leben halten lassen. Das ist meine Primitiv-Sicht und darum glaube ich, dass die Chip-Aktien eine Jahrhunderüberwertung darstellen. Ist aber nur meine Meinung und wir vertreten hier im Forum ja gerne gegenteilige Ansichten.

          #Vodafone
          Ich habe nur 2 Telefon-Aktien: AT&T und Vodafone. Und ich habe hier auch nicht so viel allokiert. Die Titel habe ich auch nicht gekauft, weil ich einfach nur so quotenmäßig in diesem Sektor exponiert sein wollte, sondern weil ich angenommen hatte, dass die Konstellation downside protection versus anständiger Renditeerwartung günstig ist. Es ist aus meiner Sicht eine Art von Arbitrage, wo ich ohne Inkaufnahme zusätzlicher Risiken mindestens eine ordentliche Aktienmarktrendite bekomme (so jedenfalls meine Investment-These).

          Aber nun zu konkret zu Vodafonde, ein zugegebenermaßen irgendwie häßliches Loch – noch. :-)

          Es gibt eine doppelte Strategie die Cashflows zu stabilisieren und attraktivere Kapitalrenditen zu verdienen. Und erste Früchte zeigen sich sehr gut, ich bin daher zufrieden:

          Einmal der klassische Schnack, operative Kosten runterkriegen. Da hat Vodafone (Stand letzte Berichterstattung) die erste Hälfte von den angepeilten 1 Mrd. Pfund/Euro (weiß ich jetzt gerade gar nicht welche Währung) geschafft.

          Und dann Disinvestments um auf margenstärkere Kernmärkte zu setzen: Ungarn = Raus (Erlös weiß ich gerade nicht). Spanien = Raus (5 Mrd. Erlös). Italien = Raus gesigned, noch nicht geclosed (8 Mrd. Erlös!). Das Verhältnis Schulden/EBITDA ist heute bereits vor Closing Italien rund 2,5 – für einen Telefonladen gut.

          Weiterhin, viele haben das nicht auf dem Schirm: Hohes Exposure in Afrika! Dort wächst man voraussichtlich dieses Jahr (Umsatz) mit rund 8-9%! Europageschäft hat den Wendepunkt geschafft, nach rückläufigen Zahlen rund 1-1,5% (wobei: hier geht ja auch noch was Geschäft raus).

          Im Ziel hat man viele weniger Schulden, funktionierende Core Markets (allerdings: mit dem margenschwachen, weil wettkampfintensiven Deutschland – definitiv ein Sorgenkind) und Afrika.

          Vodafone steckt voll im Turnaround. Ob es nachher der Knaller wird – weiß ich nicht. Cashflow-Stabilität und hoffentlich Deckung der Dividende…es gibt nach laufender Execution des Plans zumindest Evidenzen dafür. Insoweit finde ich persönlich den Kurs gerade sehr attraktiv und habe daher hier jetzt was gemacht. So meine Herangehensweise ohne Gewähr auf Erfolg. :-)

          1. Hi Tobs,

            Punkt Vodafone, ich sehe, Du beschäftigst Dich intensiver damit und bist informativ dran.
            Also good Luck und no risk, no fun, da ändert sich auch nie was dran.
            Meine Firma (in der ich arbeite) ist Groß/Industriekunde bei Vodafone und da sind (leider) immer mal Netzstörungen (totalausfall-seltener) aber absolute Laststörungen (gaanz langsames Internet) leider oft wöchentlich an der Tagesordnung. Wir wissen dann immer schon, ob es an unserer eigenen IT liegt oder an Vodafone.
            Da wir aber nicht essentiell davon abhängig sind, wenn es mal temporär langsamer wird, wird der Preis für unsere Geschäftsleitung ausschlaggebend sein.(Also weiß ich, das Vodafone auch hier wieder der Billigheimer ist) Privat leiste ich mir die völlig teurere Deutsche Telekom Mobil und Festnetz, da das mein einziger Luxus ist den mir leiste, informativ stets und ständig auf der Höhe der Zeit zu sein (zu können).

            Punkt Chip-Aktien,
            kann sein, das die mal abwerten, kann sein, vielleicht 50 % ? Aber von welchem Niveau? wann denn?
            Wo liegt denn der fair Value von Nvidia, weiß das denn jemand?
            Da fällt mir immer der Spruch ein,
            America innovates, China replicates, Europe regulates
            auch unter dem Aspekt des jüngsten IT Ausforschungsskandals bei VW (nordkorea wird es wohl nicht gewesen sein)
            kein schönes Bild für China, die Null Respekt vor geistigem Eigentum haben. America wird als freier Markt immer im Vorteil gegenüber sozialistischen Systemen wie zur Zeit in China sein.

            Jedenfalls, worauf ich hinaus will ist, das wenn es dann mal soweit ist, das wenn Nvidia aggressiv fällt, smart Money schon lange bei Value zu (heute noch günstigen) Preisen eingestiegen ist.
            Wenn Du solange wartest, dann kaufst Du später Value teurer als heute und hast auch nichts gekonnt.
            Wer mir tatsächlich gut gefällt sind zur Zeit Versicherungen. Für die sind es doch geradezu ideale Zeiten.
            Wenn der liebenswerte und etwas störrische Jerome Powell die Zinsen nicht senken will, (vielleicht anheben?)
            schön für Versicherungen (und Banken), Anleihen handeln können die und ihre Kapitalreserven können sie optimal verzinsen/arbeiten lassen. Sinken die Zinsen, steigen die Kurse sowieso.
            Inflation? Aufs Preise anheben verzichtet sowieso keiner freiwillig.
            Stress im Nahen Osten? Es schadet nicht, auch etwas Energy zu haben. Shell auf ATH. Und wir wissen alle, das Öl nicht mehr (wesentlich) billiger wird.
            Ich suche immer wieder Quality oder Value, auch wenn es ab und an was anderes ist.
            Ist mir angenehmer, als Resterampen abzugrasen.

  7. Hallo in die Runde,

    ich wundere mich seit einiger Zeit, dass die Zinssenkungsfantasien fast widerspruchslos von vielen Marktteilnehmern hingenommen werden. Ich persönlich sehe bislang keine Anzeichen für größere Zinssenkungen. Historisch betrachtet sind die Zinsen ja auch nicht hoch; nur der rasante Anstieg in kurzer Zeit war bemerkenswert. Aber das ist meiner Meinung nun verarbeitet. Was noch nicht in allen Kursen eingepreist wurde, ist die mittelfristige Perspektive. Wenn die Zinsen auf dem Niveau bleiben oder evtl. erhöht werden, wie Ben ja zu Recht schreibt, stehen einige Titel vor einer drastischen Neubewertung. Dazu müsste dann BCE genauso wie auch andere höher verschuldete Unternehmen gehören. Ich persönlich habe einen Großteil meiner Aktien vor zwei Wochen verkauft (Gewinnmitnahme) und warte nun erstmal etwas ab. Hängt aber auch damit zusammen, dass ich damit einen größeren Teil vom Hauskredit ablöse. Safety first. ;-) Oder german angst???

    Ben, deine angeführten Argumente sprechen eher für „halten“ als für „nachkaufen“. Ein Nachkauf wäre zu viel Prinzip Hoffnung.

    Beste Grüße
    Arne

    1. Hi Arne:
      „Hängt aber auch damit zusammen, dass ich damit einen größeren Teil vom Hauskredit ablöse. Safety first. ;-)“
      Da ist absolutely richtig. Ich habe mit Aktien erst angefangen, nachdem ich mein eigener Herr auf dem Grundstück geworden bin. Seitdem gilt für mich grundsätzlich keine Schulden…
      Schulden sind immer das teuerste Geld. Man stelle sich nur mal vor, die Zinsen steigen weiter…
      Da ich keine Kredit habe ist mir das wurscht.

  8. mein Exit bei BCE war am 09.08.2023 zu einem Kurs von 38,06 €
    Kurs heute 30,20 €

    Das Hauptproblem, ist das der weitere Netzausbau (Personal, Material, Baufirmen, Maschinen, Reglementierung etc.) arschteuer ist und immer teurer wird.
    Die Telekomfirmen weltweit verschenken ihre eigentlich kongeniale Leistungen aber über Flatrate.
    bei eigentlich immer weiter steigenden Datenvolumina (das ist als sicher anzunehmen) hab ich als Kunde immer den selben Preis,
    ob ich nun 1000 oder 100 tausend oder eine Milliarde Datenpakete mit meinen Devices verkonsumiere.
    schräger Vergleich : Man stelle sich mal vor, DHL(ehemals deutsche Post), UPS oder FEDEX würden eine Paketflatrate anbieten,
    es wäre egal ob ich ein Paket, 100 Pakete oder 100 000 Pakete im Monat versenden, alles zum gleichen Preis.
    Würden die Logistiker never ever machen. da wird nach tatsächlicher Leistung abgerechnet.
    Und das müßten die Datenlogistiker eigentlich auch machen, so wie sie es am Anfang auch gemacht haben. dann hat jemand die Flatrate erfunden und jetzt haben sie den Salat und einen extrem harten Wettbewerb. Der Kunde kauft nur noch Flatrate. Und die Telekomer bauen immer neue und bessere und schnellere Leitungen… für den Preis der Flatrate. Und die Prozessoren von Nvidia fressen die Daten schon vorm Frühstück.

    Natürlich wird der Markt das korrigieren. Wann? Wer gewinnt?

    hab mir aber jetzt selbst die Woche für uns zu Hause ( nach zwei Jahren Lauerstellung) bei der old Deutsche Telekom einen Glasfaser-anschluß bestellt. Hab gesehen das die Monteure schon im Dorf sind und hab es schnell noch für lau gekriegt. Hab auf dem Dorf noch 6000 DSL ;-). Die Telekom scheint ihre Hausaufgaben zu machen.
    Adtran Holdings ist mir negativ aufgefallen, da der Glasfaserausbau sich zumindestens allgemein weltweit stark zu verzögern scheint.
    Es gibt aber dynamische und weniger dynamische Anbieter im Glasfaserproduzentenbereich, da lassen sich keine Verallgemeinerungen treffen.
    Grundsätzlich sind bei mir jetzt TelekomFirmen für die nächsten paar Jahre uninteressant.

  9. auch noch nicht genannte Beispiele für Negativperformance sind zum Beispiel die BT Group (British Telekom)
    die seit Jahren knapp über Pennystock-Niveau liegen , Orange als ehemalige France Telekom, die auch ein recht mürrisches Gesicht machen und als absolutes Negativbeispiel Vodafone. Die kleineren, Telekom Austria, Telenor,
    ob es die Telekom Italiens oder Portugals oder Ungarns ist, braucht man sich gar nicht anzusehen. Überall das gleiche Bild.
    Und es ist auch klar warum.
    Der Versorgungsauftrag eines x-beliebigen Landes mit Telefonie- und Internetdienstleistungen ist inzwischen genauso essentiell geworden wie die Versorgung des Landes mit Nahrung oder dem Gesundheitswesen. Nirgendwo ist aber die Verquickung des Staatsapparates mit den entsprechenden Unternehmen deutlicher zu sehen als hier.
    Die Kontrolle des Internets im wahrsten Sinne des Wortes tangiert die Sicherheitsinteressen des jeweiligen Landes unmittelbar direkt. Der Staat muß und will hier vollen Zugriff haben über das was passiert. Über die wirtschaftlichen Resourcen genauso.
    Aber überall, wo der Staat im Übermaß seine Hände im Spiel hat, kann kein Unternehmertum gedeihen.
    und sicher gibt es überall auf den payroll`s der Unternehmen genügend ehemalige Politiker, die zwar keine Ahnung von irgendwas haben, aber mit einem goldenen Handschlag auf einen schönen Posten abserviert und ruhiggestellt wurden. Und die BCE ist als ehemalige Bell Canada nunmal der historisch traditionelle halbstaatliche Telekombetrieb in Canada.
    je mehr man dahin sieht, desto weniger attraktiv wird es für Anleger.

    Und auch mal das kurz lesen
    https://www.handelsblatt.com/finanzen/anlagestrategie/trends/alleaktien-boersenbrief-anbieter-bucht-unerwartete-zahlungen-ab/100032517.html

    1. Meines Erachtens gibt es überwiegend individuelle Gründe, weswegen die Kurse von Telefonanbietern unter Druck kommen, sind also oft unterschiedlich gelagert. Mal ist es ein unglückliches Händchen in der Auswahl der Märkte oder einfach Pech, dass die Hauptmärkte besonders wettbewerbsintensiv sind (Beispiel: Vodafone). Ein anderes Mal ist es schlicht ein Fall schlechter Kapitalallokation, weil neue Geschäftsfelder erschlossen werden, die ihre Versprechungen nicht einlösen können (Beispiel: AT&T).

      Ganz grundsätzlich glaube ich auch, dass es einfach zunehmend en vogue geworden ist, in weniger kapitalintensive Geschäftsmodell zu investieren. Das Thema Asset light, also ohne zu viel FK Cash generativ zu wachsen, ist einfach die Investment-Story der letzten 20 Jahre geworden, auch durchaus verständlich, wie ich finde. Vermutlich korrespondiert das auch irgendwie zu der Globalisierung der letzten 20/30 Jahre, wo zunehmend Aufgaben so organisiert werden, dass sie verschiedenen Beteiligten zugeordnet sind. Die Telefonbuden müssen aber immer noch wie in Urzeiten enorm viel CAPEX aufwenden (OPEX sicherlich auch) und alle Jährchen wieder irrwitzig teure Lizenzen ziehen. Darum verdienen sie alle auch bescheidene ROA, und nur durch gewaltige FK-Hebel – woran sich viele Investoren wie auch hier im Forum dran stoßen – verdienen sie manierliche ROE. So zum Beispiel: Vodafone nur um die 5% ROA und nur Dank einer Menge FK etwas unter 20% ROE.

      Ist das schlimm? Letztlich können die Telefonanbieter das Geschäft der Bilanz-Hebelung dank ihrer sehr langfristigen Erträge gut aussteuern und refinanzieren. Zugleich ergibt sich eine Art Oligopol wegen des kapitalintensiven Geschäftsmodells. Das ist für sich gesehen auch nicht schlecht.

      Man wird also vermutlich mit einem Exposure bei diesen Anbietern in einem langsam, aber stabilen Markt mit nach oben wachsen, wenn man unterstellt, dass die Digitalisierung unaufhörlich ist, wovon man wohl guter Dinger ausgehen kann. Nur wird man hier wohl nicht klassisch im Total return attraktive Kurszuwächse erzielen.

      Eigentlich sind die Telekomanbieter ein wenig mit den Pharma-Aktien vergleichbar: Hohe CAPEX (bei Telekom die Investition in Infrastruktur und bei Pharma die Forschung/Akquisition anderer Unternehmen) sowie Lizenzierungskosten (bei Telekom die Kosten für Neulizenzen und bei Pharma die Kosten für auslaufende Lizenzen). In beiden Sektoren beobachtet man eher nicht, dass man wie bei einem Compounder eine LuRo Aktie bekommt. Eher ist man Schwankungen unterworfen, aber der Cash Flow kommt, zwar in Wellen, aber nie flach. Das muss man einfach für sich sauber bewerten, ob man vom eigenen Investment-Style hiermit zu Recht kommen mag. Wer eine Bestätigung über einen langfristigen Kurszuwachs sucht, also neben möglichst steigenden Dividenden auch langfristig steigende Aktienkurse sehen möchte, wird hier eher auf trockenes Gras beißen.

      Ich persönlich fahre daher gerade in diesen beiden Sektoren einen echten Primitiv-Ansatz: Ich kaufe die Teile dann ein, wenn sie – historisch – vergleichsweise günstig sind und sie gerade niemand haben möchte (sozusagen 3-U-Strategie á la Peter E Huber). So hatte ich es mit ATT vor nicht langer Zeit und mit Vodafone jüngst gemacht und aktuell auch gerade mit Pfizer. Wunder erwarte ich mir keine davon, aber eine sehr gute downside protection und eine faire, halbwegs manierliche Rendite.

  10. Wie immer eine super Analyse. Aber als Nichtaktionär und dadurch einen einigermaßen unverschleierten Blick, bin ich wieder mal sehr skeptisch und entscheide mich für Hände weg. Der Chart ist wie eine Fieberkurve und fallende Kurse signalisieren Krankheit. Und kranke Aktien kann ich in meinem Depot nicht gebrauchen. Die Dividendenrendite ist verlockend. Das war sie bei AT&T, Verizon , 3M und Konsorten auch. Das ist Ende ist bekannt.
    Ich bevorzuge das Schnäpchen auszuschlagen und verzichte. Mit Telekom Aktien war langfristig weltweit einfach kein Geld zu verdienen. Kurzfristig und spekulativ sieht das anders aus. Und ich wüsste nicht warum der Trend sich umkehren solte. Die Märkte sind besetzt, kaum oder kein Wachstum, schneller technischer Fortschritt, welcher unentwegt gigantische Investitionen in Infrastrukturausbau notwendig machen, immer schnellere Datenübertragung zu sinkenden Preisen. Da gib es Besseres auch wenn die Dividendenrendite verlockend ist. Was auch noch zu denken geben sollte, wenn der Kurs einer Aktie fällt, die Märkte aber in dieser Zeit deutlich steigen oder gestiegen sind.
    Meine Meinung, wer interessiert ist, sollte mindestens eine Kursberuhigung im Abwärtstrend abwarten. Ansonsten könnte man sich die Finger verbrennen.

  11. nach weiterer betrachtung :
    ! ein traumtanz auf traumwolke 7 !
    doie haben es nichtmal geschaft 2021, also in der zeit des lockeren geldes, eine positive fcf-auschuettungsrate zu erzeugen. …und jetzt wollen die 65% anpeilen.
    wo riesige investitionen wegen G6 um die ecke lauern, bei hoeheren zinsen als zuvor . vielleicht schaffen es ja Siegfried & Roy aus las vegas, deren bilanzen noch rumzubiegen. oder die firma wird irgendwann fuer einen apfel und ein ei uebernommen. aber von wem ? so ziemlich alle telekoms straucheln. bliebe noch eine verstaatlichung uebrig, irgendwann…
    investmentchance ? man sollte beim investieren doch besser ein
    chance/risiko verhaeltnis einberechnen !

    wie sagt warren buffet :
    wenn die flut sich zurueckzieht, sieht man, wer nackt gebadet hat

    1. … ach ja, noch was vergessen : in den letzten 6 jahren ist der umsatz von
      bce gerade mal um 10% gestiegen, die summe aller schulden aber um 44% ! hier werden loecher gestopft

      . wenn ich eine aktie anfasse, frag ich mich immer : moechte ich von dieser firma der chef sein. bei bce wohl kaum. ich frag mich allerdings, wie moodies denen ein top risk rating gibt ! unverstaendlich ! vielleicht einfach was verschlafen ?!

      @tops : beim vergleich von telcoms mit pharmas faellt aber auf, dass pharmas meist sehr viel liquider sind : mehr cash, mehr liquid assetts, mehr working capital

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