Lohnt sich der Besuch einer Hauptversammlung für einen Kleinanleger?

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Als Aktionär ist man Miteigentümer einer Aktiengesellschaft. Und wo könnte man sich besser über “sein” Unternehmen informieren als auf der jährlich stattfindenden Hauptversammlung? Oder etwa nicht?

Was bringt der Besuch einer Hauptversammlung wirklich? Und welche Alternativen gibt es? 

Ich habe in den letzten 20 Jahren an verschiedenen Hauptversammlungen teilgenommen. Ich war bei großen Hauptversammlungen wie z.B. bei der Deutschen Bank AG (hier lesen, warum mir die Deutsche Bank nicht mehr ins Depot kommt!), aber auch bei Kleineren wie z.B. bei den heute nicht mehr börsennotierten Marseille-Kliniken AG oder Interseroh AG. Insgesamt habe ich etwas mehr als 10 Hauptversammlungen besucht.

Hingegangen bin ich eigentlich jedes Mal deshalb, weil ich die handelnden Personen, also den Aufsichtsratsvorsitzenden und den Vorstand, einmal live sehen wollte. Dafür ist eine Hauptversammlung bestens geeignet. Es ist schon etwas anderes, ob diese Personen im Fernsehen auftreten, einen Videobeitrag gestalten oder eben “live und in Farbe” Rede und Antwort stehen.

Aus meiner Sicht ist es das aber auch schon. Man erfährt in der Regel nicht mehr als man auch durch das intensive Lesen des Geschäftsberichtes und der Präsentationen auf den Investor Relations-Seiten der Aktiengesellschaften erfahren würde. Und dieses Studium ist schneller und entspannter. Denn so ein Hauptversammlungsbesuch ist meistens ziemlich langatmig und anstrengend. Viele Formalien und Redner, die sich gerne selbst reden hören. Und das Essen ist auch nicht so herausragend, dass sich deshalb ein Besuch lohnt.

Deshalb kommt für mich eigentlich kein Hauptversammlungsbesuch mehr in Frage. Was ich aber mache, ist von meinem Stimmrecht Gebrauch machen, wenn es dazu die Möglichkeit gibt. Gerade bei Namensaktien ist es inzwischen üblich, dass man über ein Aktionärsportal seine Weisungen erteilen kann.

Leicht verständlich und komfortabel gemacht: Das Aktionärsportal der Munich Re

Auch wenn meine Stimmen nicht wirklich ausschlaggebend sind – als Kleinanleger ist der Einfluss definitiv begrenzt. Trotzdem ist es mir wichtig, meine Eigentümerrechte auszuüben. Und wenn es so leicht gemacht wird, dann nehme ich mir zumindest dafür die Zeit.

Stimmabgabe vom Sofa aus: Weisungen zu jedem Tagesordnungspunkt der Hauptversammlung

Wie handhabt Ihr das mit den Hauptversammlungen? Geht Ihr hin oder macht Ihr das auch – wenn angeboten – über das Aktionärsportal? Und warum? Schreibt es in die Kommentare!

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7 Gedanken zu „Lohnt sich der Besuch einer Hauptversammlung für einen Kleinanleger?“

  1. Was machst Du mit Deinen Stimmrechten? – Das war die Frage im Newsletter.

    Nun, i. d. R. lese ich die Tagesordnungspunkte der HV und bilde mir meine Meinung. Bin ich mit den Vorschläge der Verwaltung einverstanden, dann mache ich nichts. Bei einer abweichenden Haltung erteile ich i. d. R. der Depotbank eine entpsrechende Weisung.

    Teilweise nehme ich an der HV auch selbst teil und übe mein Stimmrecht aus. So bin ich in den 90ern tatsächlich mit meinem alten Wagen die 700 km nach Stuttgart gefahren. Die Daimler-Benz AG (WKN 550000 damals noch) hatte die außerordentliche HV einberufen, um über die geplante Fusion mit Chrysler abzustimmen. Natürlich war mir klar, dass ich diesen Unsinn nicht verhindern konnte. Aber es war mir ein Anliegen, mich zumindest mit allen erdenklichen Mitteln dagegen zu wehren. Dazu gehörte in diesem Falle auch die Präsenz. Das haben auch viele andere so gesehen.Statt der damals üblichen ca. 4.000 Teilnehmer waren es zu diesem Termin rund 16.000 – das Vierfache! Es war knapp vor 24 Uhr, als die Versammlung offiziell beendet wurde. Wenige Minuten später, und die Abstimmung hätte wiederholt werden müssen – was durchaus auch die Intention einiger Redner/Aktionäre war.

    Aktien sind Unternehmensbeteiligungen und sollten keinesfalls auf den Ertrag, die Dividende redzuziert werden. Meine Meinung.

  2. Also ich sehe dies anders:
    Wenn man in eine Gesellschaft investiert hat und dort viele Aktien hält, empfiehlt es sich immer, an der HV teilzunehmen. Der Grund ist sehr einfach::
    Ich bin DeFaMa-Aktionär, war vor 3 Jahren erstmals auf der HV und habe dort meine Fragen an den Vorstand gestellt und diese sind ausnahmslos zu meiner Zufriedenheit beantwortet worden. Danach noch eine Einladung zu einem (hervorragendem Essen beim Buffet) gehabt und mit dem einen oder anderen Aktionär einen regen Austauch gehabt. Später ins DeFaMa Forum von w:o gegangen, dort meine Fragen (waren anfangs ziemlich unbedarft) gestellt. Diese wurden allsamt sehr gut von Leuten, die die Gesellschaft sehr gut verstehen und auch kennen beantwortet. Bin mit einem näher ins Gespräch über Boardmail gekommen und er hat mich zu einem Aktionärsstammtisch am Vorabend der HV eingeladen. Dort waren wir insgesamt zu sechst. Alles prima Leute, wobei einer ein unheimlich gutes Hintergrundwissen hat, von dem ich immer wieder mal profitiere und mich mit ihm per privater Mail austausche. Bei dieser HV dann den Vorstand auch etwas näher kennengelernt (und zu schätzen, da er keine leeren Worthülsen gebraucht und ehrlich ist). Mittlerweile ruft mich der CEO auch schon mal persönlich an, wenn er mal eine andere Meinung hören möchte. Seit letztem Jahr fährt auch mein Sohn mit zur HV und wir besuchen den Stammtisch am Vorabend immer (Pflichtveranstaltung).

    Einen schönen Restsonntag Abend noch.

    1. Hallo Michael,

      das freut mich, dass Du so positive Erfahrungen gemacht hast! Die Defama ist aber (leider) ein Sonderfall, da sie sehr klein ist und Mathias Schrade als Vorstand sehr engagiert und umtriebig ist. Ich folge ihm schon lange bei Twitter (@kungler) und schätze ihn sehr.
      Meine Erfahrungen beziehen sich im Wesentlichen auf Aktiengesellschaften, die auch meine Anlagekriterien hinsichtlich der Marktkapitalisierung von mindestens 1 Mrd. € erfüllen.

      Viele Grüße Ben

  3. Ja, das mit den großen Gesellschaften >1 Mrd. bei den HV ist mir bekannt, Ben. Auch finde ich Deine Vorgehensweise, nur diese großen Gesellschaften ins Depot zu lassen, löblich, vor allem dann, wenn man berücksichtigt, dass man sich strikt an seine eigenen Vorgaben hält.
    Aber was hältst Du denn von folgender Idee?
    Du hast ein großes Depot mit ausschließlich großen Werten.
    Weitere Gelder werden ausschließlich in kleinere Unternehmen investiert, die eine Marktkapitalisierung von < 1 Mrd. haben, bis ein gewisser %Satz im Depot aufgebaut ist?

    Ich frage Dich deshalb, da es bei mir genau umgekehrt ist. Auch ich habe ein relativ großes Depot mit bisher fast ausschließlich kleinen Werten und ich bin jetzt dabei in der aktuellen Krise mir noch einige große Depotwerte wie Microsoft, IBM, Gilead, Johnson & Johnson zuzulegen. Erstens möchte ich gerne außerhalt Deutschlands investieren und zweitens eine größere Deversifikation auch in der Größe der Einzelwerte vornehmen, wobei jetzt mein USA-Anteil voll ist und ich jetzt z.B. an Deine Idee denke, ein Depot bei der DKB zu eröffnen und dort ein paar Französische Titel hineinzulegen.

    Gruss,

    Michael.

    1. Hallo Michael,

      solche Ideen schwirren auch in meinem Kopf herum. ;) Aber sie sind noch nicht ausgereift. Einerseits ist die Informationslage bei vielen kleineren Aktiengesellschaften dürftiger und deshalb sind die Investments deutlich riskanter. Natürlich bieten sich dementsprechend auch größere Kurschancen.
      Ich möchte mit Divantis aber nicht zu einer Seite verkommen, die kleine Werte pusht. Bei den großen Werten ist es für den Börsenumsatz völlig egal, was ich darüber schreibe. Bei kleinen Werten wird das aufgrund der inzwischen erreichten Reichweite von Divantis unter Umständen kursbeeinflussend sein. Und dann wird es gefährlich. Einerseits für mich, weil ich aufpassen muss, nicht mit dem Wertpapierhandelsgesetz in Konflikt zu geraten (Frontrunning usw.) und andererseits für die Leser, weil sie womöglich überteuert einkaufen.
      Aber, wie gesagt, die Idee finde ich interessant. An der Umsetzung hapert es noch im Detail.

      Viele Grüße Ben

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