Was Dich hier erwartet:
Wenn Du schon länger den Divantis-Blog liest, dann ist es Dir sicher aufgefallen: Hin und wieder habe ich davon geschrieben, dass ich mich als Business Angel betätige bzw. die Absicht habe, in Start-ups zu investieren.
Heute möchte ich Dir davon konkret berichten und Dir einen Einblick in diesen Investmentbereich geben. Ich habe mittlerweile ausreichend Erfahrungen gesammelt, um detailliert auf die Chancen und Risiken einzugehen. Und Dir auch davon zu berichten, was ich selbst in diesem „verschlosseneren“ Teil der Kapitalmarkts gelernt habe.
Nach dem Lesen dieses Beitrags verstehst Du, dass es nicht um den Angelsport geht, es aber manchmal trotzdem schwierig ist, sich ein begehrtes Start-up zu angeln. Und dass Angel hier eigentlich für einen Engel steht.
Der Engel ist das Synonym für einen besonderen Investor: er hat nämlich 2 Flügel. Während bei allen anderen Kapitalanlagen nur ein Flügel notwendig ist (nämlich das anzulegende Kapital), steht der zweite Flügel des Angels für seine Persönlichkeit, die er in das Start-up-Investment mit einbringt. Das kann sein Netzwerk sein, aber auch seine Kompetenzen und Erfahrungen oder besondere Skills, die dem Start-up entscheidend weiterhelfen können.
Ein Business Angel beteiligt sich also mit eigenem Geld an einem Start-up und bietet den Gründer:innen zusätzlich seine persönliche Unterstützung an.
Der Unterschied zum sonstigen Kapitalmarkt, vor allem zum Aktienmarkt, ist gewaltig: Ich muss viel intensiver suchen, um ein spannendes Investment zu finden. Dann kann ich aber nicht einfach eine Kauforder aufgeben und auf eine positive Entwicklung hoffen. Sondern ich muss die Gründer:innen von mir überzeugen und von ihnen überzeugt sein. Und Kompetenzen mitbringen, die das Start-up auch benötigt. Und nach dem Investment beginnt dann erst die Arbeit.
Das Ganze macht natürlich nur Sinn, wenn für den erhöhten Aufwand auch eine höhere Chance auf eine positive Rendite besteht.
Welche Chancen bietet ein Start-up-Investment?
Und diese Chance liegt vor allem in der frühen Phase eines Investments. Business Angels sind in der Regel die ersten Investoren in ein Start-up. Sie profitieren daher besonders vom hohen Wachstumspotenzial eines Start-ups. Und genau das gilt es herauszufinden: Hat das Start-up das Potenzial für ein schnelles und beachtliches Wachstum. Denn wenn das Start-up erfolgreich wird, kann der Wert einer Investition erheblich steigen. Renditen mit dem 10- oder 20-fachen Einsatz sind dann keine Seltenheit.
Für das Wachstumspotenzial hilfreich sind innovative Technologien und Ideen. Ich stelle mir deshalb die Frage, ob ein Start-up neue Technologien und Konzepte entwickelt, die die Art und Weise, wie wir leben und miteinander interagieren, grundlegend verändern oder verbessern? Ist das nicht der Fall, dann sind die Erfolgsaussichten in der Regel gering.
Für mich ist allein die Beschäftigung mit Start-ups und ihren Ideen schon sehr spannend. Ich lerne dabei sehr viel Neues und bilde mich allein schon dadurch weiter. Das hilft mir in vielen Lebenssituationen und natürlich auch bei meinen Investments im Aktienmarkt. Denn die Start-ups sind die Ersten, die neue Trends aufzeigen oder Disruptionen bewährter Geschäftsmodelle versuchen.
Und Investments in Start-ups können auch zur Diversifikation eines Investment-Portfolios beitragen. Sie sind eine alternative Anlageklasse, die ein anderes Risikoprofil als der Aktien- oder Anleihemarkt hat.
Schließlich bietet der zweite Flügel des Engels auch die Möglichkeit zur Persönlichen Beteiligung: Ich kann durch meinen persönlichen Einsatz aktiv die Entwicklung des Start-ups beeinflussen. Mein Wissen und mein Netzwerk können die Erfolgsaussichten steigern und ich bin nicht nur ein x-beliebiger Investor.
Die Risiken sind jedoch immens
Die Chancen lesen sich natürlich gut, besonders der Punkt mit einer Vervielfachung des eingesetzten Kapitals. Es wäre aber zu einfach, wenn das so leicht zu erreichen wäre. Denn die meisten Start-ups scheitern! Ein Angel-Investment birgt daher ein hohes Verlustrisiko. Und das ist nicht nur ein trockener Warnhinweis, sondern Realität. Erfahrene Angel-Investoren sprechen davon, dass von 10 Start-ups nur 1 Start-up wirklich erfolgreich wird. Und wenn bei 90% der Investments der Totalverlust steht, dann braucht es eben auch eine so hohe Rendite bei dem einen erfolgreichen Start-up. Nur dann ist das Gesamtinvestment halbwegs erfolgreich.
Und das führt zwangsläufig auch dazu, dass ein hoher Kapitaleinsatz erforderlich ist, wenn Du selbst als Business Angel aktiv werden möchtest. Die niedrigste Schwelle für ein Investment im Markt liegt bei 10.000 €. Und wenn Du in 10 Start-ups investierst, dann sind das schon 100.000 €. Die Krux dabei ist aber, dass Du die spannendsten Start-ups nicht bekommst, wenn Du nur 10.000 € investieren kannst oder willst. Da werden dann Ticketgrößen von 25.000 € oder 50.000 € als Mindestinvestment aufgerufen.
Wenn Du jetzt trotzdem sagst: Ich kann es ja mal versuchen, dann kommt das nächste Thema um die Ecke. Die mangelnde Liquidität Deines Investments. Üblicherweise wirst Du GmbH-Gesellschafter des Start-ups und darfst Deine Anteile nicht frei verkaufen. Abgesehen davon, dass es auch keinen liquiden Markt für solche Anteile gibt. Start-ups sind schließlich keine börsennotierten Aktiengesellschaften. Wenn es gut läuft, dann werden Business Angels nach einigen Jahren aus ihrem Investment von einem Venture Capital Fonds herausgekauft. Tendenziell sind das dann aber auch nur die Start-ups, die für die positive Rendite sorgen. Bei allen anderen Investments bleibst Du über viele Jahre an Bord. Bis zur Insolvenz oder dem Verkauf der werthaltigen Assets an ein anderes Start-up. Dein Kapital ist in jedem Fall für eine längere Zeit gebunden.
Und nicht nur das – womöglich musst Du auch noch Kapital nachschießen. Rechtlich bist Du dazu zwar nicht verpflichtet. Du könntest nach dem initialen Investment auch einfach weiterziehen und schauen was passiert. In der Praxis willst Du aber natürlich, dass Dein Start-up erfolgreich wird. Und da können dann schnell Situationen entstehen, die vorher nicht geplant waren. Verzögerungen in der technischen Entwicklung oder bis zur Marktreife eines Produkts sind eher üblich als ungewöhnlich. Und dann stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, jetzt schon den Stecker zu ziehen oder nicht lieber, etwas frisches Geld zu investieren, um damit die nächste Finanzierungsphase zu erreichen. Und damit Dein Investment zum Erfolg zu führen bzw. Dir die Chance dafür zu erhalten.
Schließlich bist Du zwar als Angel-Investor viel näher am Unternehmen selbst dran. Aber trotzdem erhältst Du im Vergleich zu etablierten Unternehmen oft nur begrenzte Informationen. Einfach weil das Start-up noch nicht lange existiert und Du Dir nicht die Jahresabschlüsse der letzten drei Jahre anschauen kannst. Und es keine Investor Relations-Seite im Internet gibt, auf der Analystenberichte veröffentlicht werden usw.
Kurz und knapp
Zusammengefasst lässt sich sagen, dass Investitionen in Startups die Möglichkeit bieten, in vielversprechende Unternehmen zu investieren und von deren Erfolg zu profitieren. Allerdings ist es genauso wichtig, der potenziellen Gefahr bewusst zu sein, das gesamte investierte Kapital zu verlieren. Um erfolgreich in Startups zu investieren, ist es von entscheidender Bedeutung, eine umfassende Due-Diligence-Prüfung durchzuführen, das Risiko durch Diversifikation zu minimieren und realistische Erwartungen hinsichtlich der Investitionen zu haben.
Staatliche Förderung mitnehmen
Wenn Du Dich konkret mit Start-up-Investments beschäftigst, wirst Du über kurz oder lang auf die Möglichkeit stoßen, eine staatliche Förderung in Anspruch zu nehmen. Das Programm heißt INVEST und wird vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontolle (BAFA) verwaltet.
Es handelt sich dabei um einen steuerfreien Zuschuss von 25% für Investments in förderungsfähige Start-ups ab 10.000 €. Maximal 100.000 € Zuschuss kannst Du als Business Angel erhalten. Dafür müsstest Du dann 400.000 € in verschiedene Start-ups investieren. Die Beantragung des Zuschusses ist relativ einfach, aber die Auszahlung dauert dann aufgrund der Bearbeitungszeiten des Amtes sehr lang. Das kann dann auch schon mal ein Jahr nach der Erstinvestition in das Start-up sein. Die Förderung sollte kein Grund sein, in ein Start-up zu investieren. Denn 75% musst Du ja trotzdem selbst finanzieren. Aber es ist eine Unterstützung der Gründungsszene, die wichtig ist und Investments von Business Angels erleichtert. Eine Fördervorgabe ist übrigens, dass Du 3 Jahre in dem Start-up investiert bleibst. Das unterstreicht den langfristigen Charakter des Angel-Investings.
Wie ich vorgegangen bin
Ich habe mich schon einige Zeit mit dem Angel-Investing beschäftigt, bevor ich mein erstes Investment in ein Start-up eingegangen bin. Im Jahr 2019 besuchte ich dann auch einen Workshop für neue Business Angels (veranstaltet von den Business Angels Frankfurt/Rhein-Main) und nahm seitdem regelmäßig an Matchingveranstaltungen verschiedener Organisationen teil. Eine gute Übersicht über solche Veranstalter bietet das Mitgliederzeichnis des Business Angels Deutschland e.V. (BAND). Bei diesen Matchingveranstaltungen pitchen dann eingeladene Start-ups ihre Geschäftsidee und die anwesenden Investorinnen und Investoren bekunden im Anschluss ihr Interesse, vertiefte Gespräche zu führen.
Wer schon mal „Die Höhle der Löwen“ gesehen hat, wird das Format schnell wiedererkennen.
Ich selbst bin auch Mitglied eines solchen regionalen Netzwerks geworden und gehöre zum Kreis der Personen, die ein Votum abgibt, ob ein Start-up zur Machtingveranstaltung eingeladen wird. Das hat dazu geführt, dass ich mir inzwischen mehr als 500 Pitch-Decks von Start-ups angeschaut und viele davon auch intensiver durchgearbeitet habe. Wie viele Präsentationen von Start-ups ich inzwischen live gesehen habe, kann ich nur hochrechnen. Es müssten inzwischen mehr als 100 sein. Und ich habe einzelne Start-ups gecoacht, um sie auf der Suche nach Investoren und der Schärfung ihres Business-Plans zu unterstützen.
Sehr empfehlen kann ich auch die BANDakademie, die regelmäßig veranstaltet wird und jeweils einen anderen Schwerpunkt typischer Investmentfragestellungen adressiert.

Neben zielgerichteten Gesprächen bis hin zu Verhandlungen über konkrete Investments mit verschiedenen Start-ups, habe ich selbst bisher in ein Start-up investiert. Insgesamt ist – im Vergleich zu Aktien – ein viel höherer Zeitaufwand notwendig, um zu einem Investment zu kommen. Dafür kann ich aber meine Kompetenzen, mein Netzwerk und meine Erfahrungen mit einbringen und den Gründer:innen einen echten Mehrwert liefern.
Nachdem die Zinswende die Finanzierungsmöglichkeiten für Start-ups zunächst stark eingeschränkt hatte, ist nun zu beobachten, dass Start-ups, die ein profitables Geschäftsmodell haben bzw. kurz vor dem Break-even stehen, sehr viel leichter an Geld kommen. Ich habe es nun schon mehrfach erlebt, dass plötzlich größere Fonds aufgetaucht sind und die Start-ups dann auf die kleineren Investments von Business Angels verzichtet haben.
Bietet Crowdfunding eine Alternative?
Wenn Du Dich im Internet umschaust, wirst Du einige Plattformen finden, die den Zugang zu Start-ups erleichtern wollen. Dort werden dann Investitionen schon ab wenigen Euro (z.B. 250 €) angeboten. Die Möglichkeiten sind dabei vielfältig, seien es Genussrechte, stille Beteiligungen oder tokenisierte Anteile.
Mir fehlt die Erfahrung, um das abschließend beurteilen zu können. Ich habe schlichtweg noch nie über eine solche Plattform in ein Start-up investiert. Klar ist aber, dass es sich dabei nicht um ein Angel-Investment handelt. Denn das Investment wird – wie beim Aktienmarkt – nur auf den Kapitalflügel begrenzt. Du hast keinen direkten Draht zu den Gründer:innen und Dein Netzwerk oder Deine Kompetenzen sind auch nicht gefragt.
Der Ruf der Start-ups, die über solche Plattformen Geld einsammeln, ist auch nicht der Beste („Resterampe“). Ich gehe davon aus, dass kein Start-up im ersten Schritt an eine Crowdfunding-Kampagne denkt, sondern zunächst die klassischen Wege sucht. Und warum sollte ich dann in ein Start-up investieren, das von den erfahrenen Investor:innen abgelehnt wurde?
Eine noch weitgehend unbekannte Plattform
Nicht alles ist schwarz oder weiß. Manches ist auch grau und das in unterschiedlichen Farbnuancen. Eine solche Plattform ist Companisto. Dort gibt es zwei Bereiche – den Crowdbereich („Investment Club“) und den Angel Club. Im Crowdbereich kannst Du Genussanteile an Start-ups erwerben. Und das ab 250 €. Das ist sehr ähnlich wie bei den klassischen Crowdfunding-Plattformen. Es gibt aber einen großen Unterschied: zuvor werden die Start-ups dem Angel Club vorgestellt und die dortigen Nutzer:innen können direkte GmbH-Beteiligungen erwerben. Diese Investments starten ab 10.000 €. Der Vorteil dabei ist, dass Companisto das Screening übernimmt und Dir eine Investment-Analyse zur Verfügung stellt und einen Gründerpitch ausstrahlt. Du kannst Fragen stellen und in den aufbereiteten Unterlagen recherchieren. Wenn Du dann interessiert bist, gibst Du ein Gebot ab und die 20 höchsten Gebote im Angel Club dürfen investieren. Deshalb ist nicht garantiert, dass Du mit dem Mindestinvest von 10.000 € auch zum Zuge kommst. Trotzdem ist es aus meiner Sicht eine gute Möglichkeit, ein Portfolio in relativ kurzer Zeit aufzubauen und zu diversifizieren. Als Angel-Investor über Companisto bist Du dann zwar direkt an dem Start-up beteiligt, Deine Stimmrechte werden aber gepoolt. Im Vorfeld einer Gesellschafterversammlung stimmen die „Companisten“ zunächst intern ab und der Poolführer (ein Vertreter von Companisto) gibt dann die Stimmen einheitlich ab. Deine individuelle Mitsprache ist damit begrenzt. Genauso bist Du als Investor auch etwas weiter von dem Start-up entfernt als bei einem klassischen Angel-Investment. Das schließt den persönlichen Kontakt zu den Gründer:innen nicht aus. Aber allein schon die Anzahl von 20 Companisten zeigt, dass der zweite Flügel des Engels hier deutlich gestutzt ist.
Bedenken solltest Du auch, dass das Start-up Gebühren an Companisto zahlen muss. Neben einer laufenden Verwaltungsgebühr ist auch eine Erfolgsprovision auf die Finanzierungssumme fällig. Und sie wird im Endeffekt von Deinem Investment bezahlt und mindert die Erfolgsaussicht des Start-ups. Schließlich verpflichtest Du Dich im Exitfall, einen Anteil des Gewinnes an Companisto abzuführen.
Dieser Minderung Deiner Rendite steht der Komfort beim Investment gegenüber. Und Du hast zumindest eine theoretische Ausstiegsmöglichkeit: denn Companisto organisiert auch einen Sekundärmarkt für die Investments auf der Plattform. Du kannst also Deine GmbH-Anteile an andere Companisten verkaufen oder auch selbst später noch einmal zukaufen. Im Ergebnis ist es eine Abwägung, die Du selbst für Dich entscheiden musst.
Companisto zeigt die Entwicklung aller Finanzierungsrunden in einer aggregierten Übersicht auf seiner Webseite. Dort werden auch die Erfolgsstories dargestellt. Sichtbar ist aber auch dort, dass es – zumindest bisher – mehr Ausfälle als erfolgreiche Exits gibt.

Ich schaue mir jedenfalls alle neuen Finanzierungsrunden bei Companisto an und habe auch schon mehrfach ein Gebot abgegeben. Ich wurde aber jedes Mal überboten und so ist es noch zu keinem Investment über die Plattform gekommen. Mein Fokus liegt aber auch nur auf dem Angel-Club.
Keine Details zu meinem Investment
An dieser Stelle würde ich gerne, so wie Du das auf diesem Blog kennst, mit Details zu meinem bisherigen Start-up-Investment einen tieferen Einblick geben. Aber auch das ist ein Unterschied zum Aktienmarkt: Ich darf es nicht. Durch meinen Beteiligungsvertrag bin ich zur Geheimhaltung verpflichtet. Und das aus guten Gründen: es sind schließlich Geschäftsgeheimnisse „meines“ Start-ups, welche Investoren zu welcher Bewertung wie viel Geld investiert haben. Was ich aber machen werde und darf: in einem separaten Beitrag werde ich über das Thema schreiben, mit dem sich mein Investment beschäftigt. Es hat nämlich mit Finanzen zu tun und passt deshalb auch gut auf den Blog.
Für den im Text erwähnten Companisto Angel Club kannst Du Dich über diesen Link bewerben. Du unterstützt damit den Divantis-Blog – natürlich ohne Mehrkosten für Dich.

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