Was Dich hier erwartet:
Das Börsenjahr 2022 ist nun Geschichte. Zwischenzeitlich sah es dramatisch negativ aus, im letzten Quartal konnte aber wieder einiges an Terrain zurückgewonnen werden.
Zu einem grünen Ergebnis hat es für die großen Börsenindizes allerdings nicht mehr gereicht. Das hätte auch nicht zu dem gepasst, was wir an Veränderungen erlebt.
Der russische Angriffskrieg, zweistellige Inflationsraten und die größten Zinsschritte der Notenbanken der Geschichte. Und das waren nur einige Themen, die die Börsen bewegten.
Mein Dividendendepot hat sich in diesem Umfeld durchgängig gut behauptet und die Indizes outperformt. Trotzdem bin ich nicht zufrieden mit dem Jahr, denn vor allem in meinem Optionsdepot hatte ich hohe Verluste zu verkraften.
Alle Details, die besten und die schlechtesten Aktien und Käufe, dazu die Entwicklung meiner anderen Geldanlagen in 2022 – all das erfährst Du in diesem Beitrag.
Wenn Du Dir den Spaß gönnen willst, dann wechselst Du an dieser Stelle einfach noch mal zu meiner Anlagestrategie für 2022. Und vergleichst dann, was davon im Rückblick eingetreten ist.
Abgesehen vom russischen Angriff auf die Ukraine am 24. Februar, den ich so nicht erwartet hatte, lag ich thematisch mit meiner Prognose ziemlich richtig. Nur die Ausmaße der Inflation und der Zinserhöhungen hatte ich in dieser Höhe nicht auf dem Schirm.
Einheitliches Bild an den weltweiten Aktienmärkten
Nach dem positiven Börsenjahr 2021, in dem der MSCI World z.B. noch 30% zugelegt hatte, war ich für 2022 schon zurückhaltend. Ich hatte trotzdem noch mit einem kleinen Plus von 3-8% gerechnet.
Am Ende wurde es dann für die großen Märkte ein Verlustjahr. Der S&P500 verlor 19,5%, der Nasdaq 100 sogar 33,0%. Der MSCI World gab 19,5% ab und der DAX 12,3%. Und auch Nebenwerte-Indizes wie der SDAX (-27,3%) oder der MDAX (-28,4%) boten keine Alternative.
Ein durchwachsenes Jahr 2022 für mich
2021 hatte mich verwöhnt: Mit meinen damals drei Depots (Dividendendepot, Anti-Depot und Optionsdepot) hatte ich in Summe ein Plus von 23,3% erzielt.
2022 hingegen ergab sich ein Minus von 10,7% für meinen inzwischen vier Depots (neu kam noch das Zitronen-Depot hinzu).
Dabei war mein Dividendendepot mein Zugpferd. Sein Minus betrug „nur“ 7% und konnte damit die großen Indizes deutlich outperformen. Was sich nicht schlecht anhört, ist unterm Strich aber trotzdem ein Minus. Und damit nicht zufriedenstellend.
Mein erstes und oberstes Ziel bleibt es, mit meinen Geldanlagen ruhig schlafen zu können. Immerhin ist mir das in 2022 gelungen. Belastet haben mich nicht die Aktien, sondern meine Gedanken kreisten gerade im ersten Halbjahr vor allem um den Krieg und dann auch die Energieversorgung bei uns.
Seit 1.1.2017 (Gründung des Divantis-Blogs) habe ich nun mit dem Dividendendepot einen internen Zinsfuß von 7,6% erreicht und liege damit unter meiner eigenen Zielmarke von 8%. Vor einem Jahr lag der Wert noch bei 10,7%.

Meine Dividendenerträge im Jahr 2022
Das Dividendenziel von 11.000 € netto habe ich mit 11.438,98 € netto übertroffen. Ausschlaggebend dafür war vor allem der starke US-Dollar.
In diesem separaten Beitrag habe ich meine Dividendenerträge 2022 ausführlich analysiert. Und dort findest Du auch zu jedem Dividendenzahler meine persönliche Yield on Cost für das Jahr 2022.
Damit konnte ich mein Dividendenniveau auf hohem Level halten, obwohl ich im Vorjahr einige Sondereffekte hatte.

Meine Aktienkäufe im Jahr 2022
Es war einiges an Bewegung in meinen Depots. Die folgende Übersicht zeigt alle Käufe im Dividendendepot des Jahres 2022. Nachrichtlich gibt es die Aktienkurse zum Jahresende dazu. Unberücksichtigt sind die erzielten Dividenden, die oft noch zu den Käufen hinzukamen:
| Kaufdatum | Aktie | Kaufkurs | Jahresschlusskurs | Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| 17.01.2022 | Defama | 27,20 | 23,00 | -15,4% |
| 04.02.2022 | Protector Forsikring | 12,38 | 11,97 | -3,3% |
| 10.02.2022 | L’Oréal | 368,90 | 336,90 | -8,7% |
| 24.02.2022 | Protector Forsikring | 10,80 | 11,97 | +10,8% |
| 12.04.2022 | Givaudan | 3.837,00 | 2.877,00 | -25,0% |
| 28.04.2022 | Protector Forsikring | 9,88 | 11,97 | +21,5% |
| 19.05.2022 | Cisco Systems | 39,97 | 44,39 | +11,1% |
| 01.06.2022 | Defama | 25,00 | 23,00 | -8,0% |
| 09.05.2022 | Hornbach Baumarkt | 53,50 | 53,80 | +0,6% |
| 06.06.2022 | Greencoat UK Wind | 1,84 | 1,66 | -9,8% |
| 06.06.2022 | Fortescue Metals Group | 14,45 | 13,07 | -9,6% |
| 20.06.2022 | Hornbach Baumarkt | 48,00 | 53,80 | +12,1% |
| 22.06.2022 | 3M | 123,00 | 112,12 | -8,8% |
| 22.06.2022 | GrainCorp | 6,20 | 4,73 | -23,7% |
| 22.06.2022 | Fortescue Metals Group | 11,59 | 13,07 | +12,8% |
| 13.07.2022 | Lam Research | 396,85 | 391,45 | -1,4% |
| 03.08.2022 | Novo Nordisk | 100,24 | 126,50 | +26,2% |
| 12.09.2022 | Texas Instruments | 167,50 | 153,88 | -8,1% |
| 12.10.2022 | Fortescue Metals Group | 10,99 | 13,07 | +18,9% |
| 10.11.2022 | Deutsche Beteiligungs AG | 26,85 | 27,65 | +3,0% |
| 15.12.2022 | VINCI | 94,27 | 93,29 | -1,0% |
| 15.12.2022 | TERNA | 7,30 | 6,90 | -5,5% |
Besonders erfreulich ist, dass sich zahlreiche Käufe im Depot im Laufe des Jahres den Markt outperformt haben. Mein bester Nachkauf war Novo-Nordisk, wo ich eine Gewinnwarnung beherzt nutzte und meine Depotposition deutlich vergrößerte. Zum Jahresende notiert die Aktie auf All-Time-High. Gegenüber meinem Nachkauf im April 2021 hat sie sich sogar mehr als verdoppelt.
Das Divantis-Depot
Das Divantis-Depot (mein klassisches Dividendendepot) hatte zu Jahresbeginn einen Wert von 479.603,66 €. Zum Ende des Jahres beträgt der Depotwert 403.387,10 €. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ich insgesamt 43.529,50 € entnommen haben. Das tatsächliche Depotminus beträgt also „nur“ 32.687,06 €.
Die zeitgewichtete Depotperformance des Jahres beträgt -6,98%.
Die Volatilität des Depots lag im gesamten Jahr bei 14,7%. 2021 lag sie noch bei 9,9%.
Top-Performer im Divantis-Depot im Jahr 2022 war General Mills mit einem Plus von 36,0%. Der Vorjahressieger Novo Nordisk (2021: +73,7%) erreichte in diesem Jahr mit +33,2% den beachtlichen 2. Platz. Auf Platz 3 schaffte es mein Depotschwergewicht Munich Re mit +22,4%.
Die Nr. 2 des letzten Jahres Lam Research war mit -37,0% in diesem Jahr der drittschwächste Wert. Schwächer waren mit -39,0% nur Taylor Wimpey und die Partners Group mit -41,5%.

Das Anti-Depot
Zum Beginn des Jahres 2021 neu aufgesetzt hatte ich das Anti-Depot. Meine Motivation damit habe ich hier ausführlich beschrieben. Es erreichte im Startjahr eine Performance von 40,8% erreicht.
In diesem Jahr drehte sich die Performance allerdings komplett und mit -58,8% sind alle Gewinne des Vorjahres wieder weg. Ausschlaggebend dafür war die schwache Performance des Bitcoins (-61,9%).

Das Optionsdepot
Ebenfalls neu in 2021 aufgesetzt hatte ich das Optionsdepot. Dort verfolge ich im Wesentlichen eine Stillhalterstrategie und verkaufe Optionen. Nach einer positiven Performance von 9,2% im Startjahr erlebte ich in 2022 ein Desaster und beendete es mit -36,6%.
Hauptgrund für diesen Verlust waren die vielen Kryptowerte im Depot, die durch die Bank rund 90% ihres Kurswertes verloren. Da half der Verkauf von Covered Calls leider auch nur marginal, um die Verluste zu reduzieren.
Ich wurde hier auf dem falschen Fuß erwischt, da ich erwartet hatte, dass die steigende Inflation gerade zu einer Preissteigerung bei den großen Kryptowerten führen würde. Das Gegenteil war allerdings der Fall.
Ich habe zum Jahresende 2022 nun eine Bereinigung vorgenommen und starte ohne diese Titel in das Jahr 2023. Auf der einen Seite nehme ich mir dadurch die Chancen auf eine Kurserholung.
Aber mir ist es viel wichtiger, nun in 2023 tatsächlich auf Dividendenwerte im Optionsdepot zu setzen und diese mit entsprechenden Stillhaltergeschäften zu begleiten.


Das Zitronen-Depot
In 2022 neu aufgesetzt habe ich das Zitronen-Depot, mit dem ich an Squeeze-Outs teilnehme und dadurch ein Portfolio von Nachbesserungsrechten aufbaue. Der Plan ist, dadurch zunächst (vertretbare) Kosten zu produzieren und dann in einigen Jahren verzinste Nachzahlungen auf die Abfindungsbeträge zu erhalten. Im Durchschnitt erwarte ich mir dadurch eine positive Rendite bei kalkulierbaren Risiken.
Zum Ende des Jahres 2022 habe ich nun schon Nachbesserungsrechte aus Abfindungen in Höhe von 78.640,80 € erworben. Das Zitronen-Depot erzielte eine zeitgewichtete Performance von -1,4%.
Aufgrund der verfolgten Strategie wird diese Performance in den ersten Jahren immer negativ sein. Denn in der Regel kaufe ich die Aktien zu einem Kurs über dem Abfindungsbetrag und erziele damit zunächst einen Verlust.

Gesamtperformance aller Depots
Mit meinen vier Depots habe ich das Jahr jeweils negativ abgeschlossen. Und daraus ergibt sich das folgende Gesamtbild für 2022:
| Depot | 1.1.22 | Einlagen | 31.12.22 | Netto-Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Dividendendepot | 479.603 | -43.529 | 403.387 | -32.687 |
| Anti-Depot | 8.665 | 2.886 | 7.692 | -3.859 |
| Optionsdepot | 52.111 | -1.669 | 33.589 | -16.853 |
| Zitronen-Depot | 0 | 12.666 | 7.981 | -4.685 |
| Summe | 540.379 | -29.646 | 452.649 | -58.085 (-10,7%) |
Nachdem mein Wertpapiervermögen in 2021 noch um fast 100.000 € angewachsen war, ist es nun in 2022 um knapp 60.000 € gesunken.
Was ich hätte besser machen können
Mit der Performance des Dividendendepots bin ich wirklich zufrieden. Und auch die Bewegungen im Depot waren aus meiner Sicht in Ordnung. Ich erinnere mich z.B. gerne an den Tausch von KONE in Novo-Nordisk zurück. Die nachgekauften Aktien des dänischen Insulinherstellers legten um gute 25% zu, während der finnische Aufzughersteller auf der Stelle trat.
Enttäuschend war das Optionsdepot. Hier ist meine Strategie, deutlich weniger zu handeln, nicht aufgegangen. Es sorgte zwar dafür, dass ich dort weniger Zeit investieren musste, aber ich hätte viel früher die Reißleine bei den Kryptominern ziehen müssen. Denn die ersten Verluste sind bekanntlich die kleinsten.
Insgesamt bin ich mit meinem Anlageverhalten angesichts der weltweiten Umstände aber ganz zufrieden.
Investitionen in P2P-Kredite in 2022
Bei den P2P-Krediten habe ich mich im Laufe des Jahres 2022 zu einem Ausstieg entschieden. Steigende Zinsen und die Situation im Baltikum, nah an der russischen Grenze, veranlassten mich, das Thema zu beenden. Im Laufe des Jahres konnte ich bei allen Plattformen Auszahlungen vornehmen. Mein Bestand zum Jahresende besteht damit nur noch aus Krediten in Rückforderung bei Mintos (384,22 €) und einem letzten Bestand bei viainvest( 70,05 €). Entsprechend ist der Bestand von 1.780,62 € auf 454,27 € zurückgegangen.
Insgesamt habe ich ordentliche Erträge mit meinen Investments in P2P-Kredite erzielt. Trotz des Verlustes beim Betrugsfall Grupeer und der offenen Forderungen bei Mintos habe ich mit einem positiven Gesamtergebnis abgeschlossen. Im Jahr 2022 erhielt ich insgesamt noch 27,40 € Zinsen aus meinen P2P-Krediten.
Da nun aber wieder Zinsen auf andere Anlagen gezahlt werden, ist aus meiner Sicht die Zeit von P2P-Krediten erst einmal vorbei.
Crowdinvestments
Spannender finde ich weiterhin Crowdinvestments, in die ich in den letzten Jahren investiert habe. In diesem Beitrag habe ich darüber ausführlich berichtet. Meinen Bestand habe ich konstant gehalten und Fälligkeiten reinvestiert. Zum Jahresende 2022 bin ich bei ecoligo mit 4.460 € (+360 €), bei Engel & Völkers Digital Invest mit 700 € (-300 €) und bei Bergfürst mit 400 € (-100 €) investiert.
Im Laufe des Jahres erhielt ich Zinsen in Höhe von 234,00 € für meine Crowdinvestments.
Für ein Investment von 100 € erhältst Du somit einen zeitnahen Bonus von 26 € und profitierst mit Deinem vollen Einsatz von den attraktiven Zinsen und der Tilgung bis zum Laufzeitende.
Immobilie
Über meine Wohnung in Leipzig habe ich mit einem Update berichtet. In 2022 stand ein Mieterwechsel an, der mich Maklercourtage gekostet hat. Der Überschuss war deshalb in 2022 geringer, er belief sich auf 2.763,48 €. Der Cash-Flow ist allerdings negativ, da ich insgesamt 11.405,35 € des Kredites getilgt habe.
Gold
2022 war – Dank des starken US-Dollars – ein positives Jahr für Gold. Der in US-Dollar ermittelte Goldpreis stagnierte jedoch weitgehend und konnte erneut von den gemeldeten hohen Inflationsraten nicht wirklich profitieren. Wie schon in 2021 habe ich in 2022 0,5 Unzen Gold zugekauft und dafür 906,25 € bezahlt. Physisches Gold ist für mich weiterhin eine langfristige Versicherung.
Meine persönliche Entwicklung
2022 war das zweite Jahr, in dem ich durchgängig ausschließlich selbstständig war. Aber anders als 2021, das finanziell sehr erfolgreich war, war es nun ein Jahr, das durchgängig rote Zahlen produzierte. Und zusätzlich verteuerten sich durch die Inflation die privaten Lebenshaltungskosten erheblich.
Rückblickend kann ich sagen, dass es mir auch in 2022 gut gelungen ist, meine Selbstständigkeit zu genießen. Ich habe mich nicht in eine Festanstellung zurückgesehnt. Auch wenn ich natürlich keinen Energiekostenzuschuss oder Inflationsausgleich erhalten habe.
In schwierigen Phasen hat mir auch wieder das Schreiben geholfen. Wenn ich meine Gedanken in den Blog tippe, dann schafft mir das mir selbst Klarheit und sorgt für eine Fokussierung. Ich habe in 2022 160 neue Beiträge veröffentlicht. Das sind zwar deutlich weniger als in 2021 (da waren es 183), aber mit durchschnittlich 3 Beiträgen pro Woche war ich weiterhin auf einem hohen Produktivitätsniveau.
Wie Du sehen konntest, veröffentliche ich meine Beiträge mittlerweile mit einem Foto von mir. Um Dir einen noch persönlicheren Eindruck von mir zu verschaffen, wird es in den nächsten Tagen einen weiteren Jahresrückblick geben. Darin werde ich über persönliche Erlebnisse in 2022 berichten und keine Statistiken oder prozentualen Entwicklungen meiner Geldanlagen bringen.
Denn solche Erlebnisse gehören ja auch zu meinem Motto: nachhaltig sorgenfrei leben. Und ich freue mich, dass ich nach Jahren der kompletten Anonymität nun dem Divantis-Blogs eine noch persönlichere Note geben kann.


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