Was Dich hier erwartet:
Das Börsenjahr 2023 ist nun Geschichte. Alle Börsen sind zu und die Jahresschlusskurse sind bekannt. Endlich kann ich meinen großen Jahresrückblick erstellen.
An sich ist es ja unsinnig, genau hier und jetzt ein Break zu machen. Denn direkt nach Neujahr geht ja weiter und die Aktienkurse starten nicht bei Null. Und trotzdem ist ein guter Moment, um Bilanz zu ziehen.
Ich berichte diesmal nicht nur über meine finanziellen Veränderungen, sondern auch über einige Punkte, die sich im Jahr 2023 für mich persönlich ergeben haben. Denn das gehört zu einem Jahresrückblick ja auch dazu.
Im Vordergrund stehen natürlich – es ist schließlich ein Finanzblog – die Geldthemen. Für mich persönlich gehen sie aber ineinander über, da ich nun mal darüber schreibe und das inzwischen ein großen Teil meines Tages ausmacht.
Überraschend ein finanziell erfolgreiches Jahr für mich
Unter dem Eindruck des äußerst schwachen Jahres 2022 hatte ich für 2023 zwar eine Besserung erwartet. Sie sollte sich aber nur darin äußern, dass das Minus kleiner werden würde.
Und wie es oft so ist: Wenn der Pessimismus an den Märkten nur groß genug ist, dann drehen die Aktienmärkte in positives Terrain. So auch direkt im Januar und damit war die Grundlage für ein positives Jahr gelegt.
Mein Dividendendepot konnte zweistellig zulegen. Seit Bestehen des Divantis-Blogs hat sich damit nun ein positives an ein negatives Jahr gereiht. Glücklicherweise sind die positiven allerdings deutlich stärker als die negativen. Und so ergibt sich über die Zeit eine ansprechende Performance, die in einem internen Zinsfuß von 8,78% mündet. Mein langfristiges Ziel liegt dafür bekanntlich bei 8,5%.
| Jahr | Performance (True Time-Weighted Rate of Return) |
|---|---|
| 2023 | +16,58% |
| 2022 | -6,97% |
| 2021 | +22,82% |
| 2020 | -1,36% |
| 2019 | +29,34% |
| 2018 | -3,72% |
| 2017 | +9,77% |
| 2017-2023 | +79,61% |
| interner Zinsfuß | 8,78% p.a. |

Meine Dividendenerträge im Jahr 2023
Das Dividendenziel von 10.500 € netto habe ich mit 11.516,74 € netto übertroffen. Ausschlaggebend dafür war erneut der starke US-Dollar.
In diesem separaten Beitrag habe ich meine Dividendenerträge 2023 ausführlich analysiert. Und dort findest Du auch zu jedem Dividendenzahler meine persönliche Yield on Cost für das Jahr 2023.
Meine Aktienkäufe im Jahr 2023
Im Rückblick merke ich nun, dass ich im Jahr 2023 einige Aktienkäufe durchgeführt habe, die in meiner Erinnerung teilweise schon länger zurücklagen. Vermutlich lag es daran, dass ich die Titel schon so lange auf meiner Watchlist hatte und sie mir deshalb gar nicht mehr so neu vorkamen.
Das Jahr startete damit, dass ich die Gelegenheit einer zweistelligen Dividendenrendite bei meinem Depotwert Omega Healthcare Investors nutzte und beherzt zugriff. Im Jahresverlauf erholte sich der Aktienkauf auch wieder etwas, so dass sich das – zumindest vorerst – als historische Chance erwies.
Im Rahmen der Analyse von Dividendenabrechnungen und der Praxis der einzelnen Banken, wie sie ausländische Dividenden in Euro umrechnen, entschied ich mich zum Kauf des Monatszahler Realty Income. Die Besonderheit: ich kaufte jeweils 10 Aktien in 17 verschiedene Depots. Und erhalte damit jeden Monat 17 Dividendenabrechnungen, die ich direkt miteinander vergleichen kann. Das Ergebnis des Jahres 2023 präsentierte ich im Januar.
Jahrelang hatte ich mit Sekisui House einen japanischen Titel im Depot. In diesem Jahr haben sich nun mit Nippon Sanso, Itochu, Marubeni und Prestige International vier weitere Unternehmen aus dem Land der aufgehenden Sonne hinzugesellt.
Im Gesundheitsbereich spaltete Johnson & Johnson das Verbrauchergeschäft Kenvue ab und Novartis trennte sich von Sandoz. So wurden aus zwei Depottiteln vier.
In Deutschland beschäftigte ich mich intensiv mit Beherrschungs- und Gewinnabführungsverträgen und nahm neu AGROB Immobilien, Medion und Pfeiffer Vacuum Technologies in mein Dividendendepot auf. Sie haben garantierte Dividenden in Form von Ausgleichszahlungen durch ihre Großaktionäre und stabilisieren so meine Dividendenerträge.
Nachkäufe bei meinen Depotwerten Touax, Texas Instruments, Cisco, BCE und PepsiCo komplettierten das Jahr 2023.
Meine Aktienverkäufe im Jahr 2023
In positiven Börsenjahren fällt es mir psychologisch leichter, an Aktienpositionen festzuhalten. Denn dann steigt die Mehrheit meines Depots und ich sehe keinen größeren Handlungsbedarf.
Ich habe mich deshalb nur von einigen Titeln getrennt und über meine Beweggründe jeweils ausführlich berichtet. Mein Depot verließen:
Swiss Re – die Umstellung der Dividende auf US-Dollar missfiel mir.
Civitas Social Housing – der REIT wurde übernommen.
Verizon – ich schätzte die Perspektiven negativ ein.
Pennon Group – die Dividende wird nicht mehr verdient.
BayWa – mangelnde Corporate Governance und intransparente Kommunikation.
Das Divantis-Depot
Das Divantis-Depot (mein klassisches Dividendendepot) hatte zu Jahresbeginn 2023 einen Wert von 403.450,10 €. Zum Ende des Jahres 2023 beträgt der Depotwert 468.724,03 €. Dabei ist zu berücksichtigen, dass ich 956,83 € zusätzlich eingelegt haben. Das tatsächliche Depotplus beträgt also „nur“ 65.273,93 €.
Die zeitgewichtete Depotperformance des Jahres beträgt +16,58%.
Die Volatilität des Depots lag im gesamten Jahr bei 9,3%. 2022 lag sie noch bei 14,7%.
Top-Performer im Divantis-Depot im Jahr 2023 war Lam Research mit einem Plus von 81,8%. Platz 2 ging an die Partners Group mit +61,9x%. Auf Platz 3 schaffte es Taylor Wimpey mit +54%.
Novo Nordisk hat es in diesem Jahr mit +49,2% „nur“ auf den sechsten Platz geschafft. Im letzten Jahr war der Titel der zweitbeste Performer (2022: +33,2%) und im Jahr davor sogar der Topwert (2021: +73,7%). Die Munich Re, mein größter Depotwert, belegte nach Platz 3 (+22,4%) in 2022 in diesem Jahr Platz 16 mit +27,8%.
Schwächste Titel waren: die BayWa (-23,5%), General Mills (-22,9%) und Touax (-19,5%).

Das Anti-Depot
Zum Beginn des Jahres 2021 neu aufgesetzt hatte ich das Anti-Depot. Meine Motivation damit habe ich hier ausführlich beschrieben. Es erreichte im Startjahr eine Performance von 40,8% erreicht.
2022 drehte sich die Performance allerdings komplett und mit -58,8% waren alle Gewinne des Vorjahres wieder weg. 2023 habe ich nun weitere Umschichtungen vorgenommen und vor allem 100-jährige Anleihen hinzugefügt. Damit setzte ich auf die absehbare Zinswende und konnte bereits zweistellige Kursgewinne bei diesen Anleihen erzielen.
Das Anti-Depot erzielte in 2023 eine Jahresperformance von +16,4%. Seit 2021 liegt es trotzdem im negativen Bereich. Der interne Zinsfuß beträgt -2,2% p.a.

Das Optionsdepot
Ebenfalls neu in 2021 aufgesetzt hatte ich das Optionsdepot. Dort verfolge ich im Wesentlichen eine Stillhalterstrategie und verkaufe Optionen. Nach einer positiven Performance von 9,2% im Startjahr erlebte ich in 2022 ein Desaster und beendete es mit -36,6%. Kaum zu glauben, aber auch 2023 war ein negatives Jahr: -10,0%.
Größter Verlustbringer war Pet Med Express, die kontinuierlich im Kurs sanken, dann ihre Dividende strichen und weitere 40% Kursverlust hinnehmen musste.
Ich habe daraus meine Lehren gezogen und mittlerweile hat das Depot mit B2Gold nur noch eine Position. Ich werde nun noch sorgfältiger agieren und sehe 2024 als Entscheidungsjahr. Gelingt es mir nicht, dann ein positives Ergebnis zu erzielen, werde ich das Optionsdepot auflösen.

Das Zitronen-Depot
In 2022 neu aufgesetzt habe ich das Zitronen-Depot, mit dem ich an Squeeze-Outs teilnehme und dadurch ein Portfolio von Nachbesserungsrechten aufbaue. Der Plan ist, dadurch zunächst (vertretbare) Kosten zu produzieren und dann in einigen Jahren verzinste Nachzahlungen auf die Abfindungsbeträge zu erhalten. Im Durchschnitt erwarte ich mir dadurch eine positive Rendite bei kalkulierbaren Risiken.
In der Aufbauphase des Zitronen-Depots ist mein Hauptziel, das Volumen der Nachbesserungsrechte zu steigern. In das Jahr 2023 war ich mit 78.640,80 € gestartet. Hinzu kamen 63,127,42 €, so dass mein Nachbesserungsvolumen aus Abfindungen nun bei 141.768,22 € liegt. Das Zitronen-Depot erzielte in 2023 eine zeitgewichtete Performance von -19,5%. Das ist allerdings ein wenig aussagekräftiger Wert, da ich bewusst einen Verlust beim Squeeze-Out in Kauf nehme.
Aufgrund der verfolgten Strategie wird die Performance in den ersten Jahren immer negativ sein. Denn in der Regel kaufe ich die Aktien zu einem Kurs über dem Abfindungsbetrag und erziele damit zunächst einen Verlust.

Gesamtperformance aller Depots
Mit meinen vier Depots habe ich das Jahr ziemlich unterschiedlich abgeschlossen. Und daraus ergibt sich das folgende Gesamtbild für 2023:
| Depot | 1.1.23 | Einlagen | 31.12.23 | Netto-Veränderung |
|---|---|---|---|---|
| Dividendendepot | 403.387 | 956,83 | 468.724 | +16,6% |
| Anti-Depot | 7.692 | 15.785,19 | 25.054 | +16,4% |
| Optionsdepot | 33.589 | -21.961,82 | 10.148 | -10,0% |
| Zitronen-Depot | 7.981 | 6.203,13 | 9.848 | -19,5% |
| Summe | 452.649 | 930,33 | 513.774 | +62.071 (+13,2%) |
Insgesamt ist das nichts für schwache Nerven. 2021 war mein Wertpapiervermögen noch um fast 100.000 € angewachsen, 2022 ging es dann um knapp 60.000 € zurück und in 2023 dann wieder 62.000 € aufwärts.
Was ich hätte besser machen können
Insgesamt bin ich mit meiner Gesamtperformance sehr zufrieden. Bei verschiedenen Käufen hatte ich ein glückliches Händchen und blicke so mit einem Lächeln auf 2023 zurück. Besonders positiv war, dass einige meiner größten Depotpositionen (insbesondere Microsoft und Munich Re) auch zu den Outperformern des Jahres zählten.
Enttäuschend war erneut das Optionsdepot. Hier hat es sich als nachteilig erwiesen, dass ich Gelder davon abgezogen und keine Neuinvestitionen mehr getätigt habe. Dadurch habe ich die Chancen der steigenden Börsen nicht wahrnehmen können und war stattdessen auf meinen Bestand im Depot angewiesen. Und da dieser dann geschwächelt hat, kam eine erneute Negativperformance zustande. Hier wäre es also besser gewesen, mit frischem Geld die eigentliche Stillhalterstrategie umzusetzen.
Insgesamt war das aber eine bewusste Entscheidung und ihr standen auf der anderen Seite eben auch Gewinne gegenüber. Vor allem der Kauf extrem langlaufender Anleihen im Anti-Depot war dadurch möglich und das war dann auch eine richtige Entscheidung.
Immobilie
Über meine Wohnung in Leipzig habe ich mit einem Update berichtet. 2023 war ein komplett ruhiges Jahr ohne Mieterwechsel oder andere Aufwendungen. Der Überschuss vergrößerte sich deshalb gegenüber 2022 von 2.763,48 € auf 4.452,77 €. Der Cash-Flow bleibt allerdings negativ, da ich insgesamt 11.530,87 € des Kredites getilgt habe.
Aufgrund der absehbar höheren Zinsen nach Ablauf der Festzinsphase ab Oktober 2028 habe ich begonnen, durch einen Sparplan in ein iBonds-Produkt einen gewissen Puffer aufzubauen. Zum Jahresende 2023 sind dort jetzt 300 € investiert (Kurswert: 308,81 €). Meine Motive und Vorgehensweise dazu habe ich hier veröffentlicht.
Balkonkraftwerk
Ende 2022 habe ich ein Balkonkraftwerk bei mir zu Hause aufgestellt. Damit produziere ich eigenen Strom, der in mein Hausnetz eingespeist wird und so meinen Stromverbrauch senkt. Es handelt sich dabei um ein Modul mit 330 Watt Leistung aus deutscher Produktion (aleo solar) und Aufständerung. Der Stromertrag könnte sicherlich noch etwas höher sein, wenn ich es besser zur Sonne ausrichten würde. Dafür fehlt aber der Platz, da der sonnigste Teil der Terrasse mit Sitzmöbeln belegt ist. Mir geht es auch nicht um die letzte Optimierung, sondern um das Gefühl, ein klein wenig autonom im Stromverbrauch zu sein. Jedenfalls produzierte das Balkonkraftwerk in 2023 insgesamt 198,77 kWh Strom. Das entspricht – monatsgenau mit meinem jeweiligen Stromtarif berechnet – einer Einsparung von 85,08 €. Bei Anschaffungskosten von 1.148 € (inkl. Aufständern, Lieferung, MwSt. und WLAN-Stromzählsteckdose) ist das hinsichtlich des Return on Invests eine wirklich langfristige Anlage. Gemeinsam mit der kurzen Produktion in 2021 habe ich damit 7,5% meines Investments zurück. Die erheblichen Preisrückgänge im Markt für Balkonkraftwerke lassen Neuanschaffungen sicherlich um einiges profitabler werden. Ich habe mich allerdings bewusst für Qualität und eine 25-jährige Herstellergarantie entschieden.
Meine persönliche Entwicklung
2023 war das dritte Jahr, in dem ich durchgängig ausschließlich selbstständig war. Und natürlich bin ich froh, dass die Verluste des Jahres 2022 nun wieder ausgeglichen wurden.
Denn das ist die Crux an der Entscheidung, auf das „große Gehalt“ zu verzichten: Verluste kann ich nicht durch frische Gelder ausgleichen. Um so wichtiger ist es dann natürlich, in starken Börsenphasen voll investiert zu sein.
Und ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht sicher bin, ob ich das ohne den Divantis-Blog in 2023 auch wirklich gewesen wäre. Denn nach dem „bitteren“ Jahr 2022 und meiner Prognose für 2023 mit einer negativen Performance hätte ich womöglich als Nichtblogger einen Teil meines Einsatzes vom Tisch genommen.
Für mich ist der Blog weiterhin ein ganz wichtiges Instrument für meine eigenen Investments. Indem ich über meine Motive und meine Strategien schreibe, mache ich sie mir selbst immer sehr klar. Und diese Klarheit hilft mir dann, ein besserer und entspannterer Investor zu werden.
Auch 2023 habe ich wieder viel veröffentlicht. Insgesamt sind es 146 Beiträge geworden. Das sind erneut weniger als in den Vorjahren (2022: 161, 2021: 183), dafür sind sie aber durchschnittlich umfangreicher geworden. Und weiterhin erscheinen pro Woche durchschnittlich 3 Beiträge.
Ein Rekordjahr für den Blog war die Anzahl der Besucher und die abgegebenen Kommentare. Damit konnte das bisher beste Jahr 2020 (in Folge des Corona-Crashs stieg die Aufmerksamkeit für Finanzthemen kurzzeitig sehr an) übertroffen werden.
Neben meinen Aktivitäten in sozialen Netzwerken führte auch mein Gastauftritt im Investor Stories Podcast zum Jahresende 2022 neue Leser auf den Blog. Zudem wurde ich vom Business Insider porträtiert.
Mein persönliches Highlight waren aber verschiedene Treffen im realen Leben. So nahm ich 2023 an insgesamt drei Analystenkonferenzen teil (Frühjahrs- und Herbstkonferenz des Equity Forums, Deutsches Eigenkapitalforum) und traf dort neben den präsentierenden Vorständen vieler Unternehmen auch einige Bloggerkollegen. Gemeinsam mit Jonathan Neuscheler, dem Gründer von Abilitato und Preisträger des comdirect finanzblog awards 2022, traf ich in Frankfurt die beiden Vorstände der Defama Matthias Schrade und Matthias Stich zu einem Hintergrundgespräch.

Die Welt der sogenannten Finfluencer wird immer bunter und leider gibt es darunter neben den vielen seriösen Kolleginnen und Kollegen auch einige schwarze Schafe. Ich habe deshalb sehr gerne an einer Qualitätsstudie teilgenommen, in der Kriterien zur objektivierten Beurteilung von Finfluencer entwickelt werden. Ich selbst werde weiterhin an meinen hohen Standards zur Transparenz und bei Kooperationen festhalten. Meine Unabhängigkeit und meine Reputation stehen weiterhin an erster Stelle.
Freuen kannst Du Dich schon auf 2024. Denn dann werde ich noch aktiver werden und endlich auch andere Kanäle bespielen. Natürlich bleibt der Divantis-Blog mit seinem Motto nachhaltig sorgenfrei leben meine unangefochtene Heimat.
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