Was Dich hier erwartet:
Johnson & Johnson macht endlich ernst. Nachdem die Sparte für Consumer Health aus dem Konzern ausgegliedert und im Mai als „Kenvue“ an die Börse gebracht wurde, steht nun ein Split-Off an.
Dafür liegen die Details jetzt vor und jeder Aktionär von Johnson & Johnson (JNJ muss sich entscheiden, ob er sich an dem Split-Off beteiligen will.
Ich habe mir die Unternehmensinformationen angeschaut und für mich bereits eine Entscheidung getroffen. In Kürze erwarte ich die Nachricht meiner Depotbank und werde dann entsprechend handeln.
Welche Optionen bestehen und wie der Zeitplan aussieht, beschreibe ich ausführlich.
Und selbst wenn Du keine JNJ-Aktien im Depot hast, erfährst Du, ob sich ein Investment in Kenvue womöglich auch so lohnt.
Am 24. Juli veröffentlichte JNJ die Details des Split-Offs der Consumer Health-Sparte. Er soll noch im August über die Bühne gehen und vermutlich erhalten JNJ-Aktionäre deshalb recht kurzfristig eine Info ihrer Depotbank, auf die sie dann reagieren können.
JNJ selbst habe ich hier ausführlich vorgestellt. Kenvue habe ich jüngst hier vorgestellt, ging da aber noch von einem Spin-Off aus.
Interessanterweise sind die Produkte aus der Consumer Health-Sparte die bei Verbrauchern bekannteren Produkte von JNJ. Und ich habe seinerzeit auch wegen ihnen die Aktie von Johnson & Johnson gekauft. Dazu gehört z.B. die berühmte Penaten-Creme, die mir meine Eltern schon als Baby auf den Po geschmiert haben.

Split-Off anstelle eines Spin-Offs
Bisher hatte JNJ es immer offen gelassen, ob es einen Spin-Off oder einen Split-Off von Kenvue geben würde.
Bei Vorlage der Quartalszahlen am 20. Juli gab es dann den Hinweis, dass das Management wohl eher beabsichtige, einen Split-Off durchzuführen.
Beim Spin-Off erhält jeder Aktionär zusätzliche Aktien der abzuspaltenden Sparte in sein Depot eingebucht. Den gibt es nun also nicht.
Beim Split-Off hingegen, wählt jeder JNJ-Aktionär aus, wie viele seiner JNJ-Aktien abgespalten werden sollen. Diesen Aktien werden dann in Aktien von Kenvue umgewandelt.
Transaktion anhand meines Aktienbestandes
Ich habe 150 Aktien von Johnson & Johnson in meinem Dividendendepot. Ich könnte jetzt z.B. sagen, dass ich mit 15 Aktien davon teilnehmen möchte. Dann werden diese 15 JNJ-Aktien zunächst umgebucht und dann mit einem Discount von ca. 7% in Aktien von Kenvue gewandelt.
Das Umtauschverhältnis richtet sich nach dem Verhältnis der Aktienkurse der beiden Aktien zueinander. Es wird dabei ein Durchschnittskurs vom 14. bis 16. August gebildet. Maximal erhältst Du für 1 JNJ-Aktie 8,0549 Kenvue-Aktien.
Nach Abschluss der Transaktion hätte ich in meinem Beispiel dann nur noch 135 JNJ-Aktien und zusätzlich ca. 120 Kenvue-Aktien im Depot.
Die genaue Bewertung und die Entwicklung der Durchschnittskurse wird regelmäßig aktualisiert und auf der Webseite jnjseparation.com veröffentlicht. Dort findest Du auch alle offiziellen Unterlagen zu dem Umtauschangebot.
Was sagt das deutsche Finanzamt dazu?
Ich bin kein Steuerberater und dieser Artikel ist auch keine Steuerberatung.
Für einen Spin-Off gibt es inzwischen Urteile, dass sie – bei Vorliegen entsprechender Voraussetzungen – auch bei ausländischen Aktiengesellschaften für deutsche Anleger steuerneutral sein können.
Ich befürchte allerdings, dass die deutsche Finanzverwaltung einen Split-Off steuerlich schlechter als einen Spin-Off behandelt. Denn es werden ja die Aktien von Johnson & Johnson „aufgegeben“ und die neuen Aktien von Kenvue „erworben“. Meine Befürchtung ist, dass das steuerlich als Verkauf der JNJ-Aktien und anschließendem Kauf von KVUE-Aktien gewertet wird. Mit dem Effekt, dass ein etwaiger Veräußerungsgewinn mit Kapitalertragsteuer belastet wird. Und aufgrund des First-In-First-Out-Prinzips würde sich das für mich allein schon deshalb nicht rechnen. Meine ersten 25 JNJ-Aktien habe ich 2012 ins Depot gekauft. Damaliger Kurs (inkl. Gebühren): 56,08 €. Ich hätte also mit jeder getauschten JNJ-Aktie rund 100 € Kursgewinn. Und damit würde mir der Discount von 7% nichts nützen, da ich gleichzeitig 25% Kapitalertragsteuer (und 5,5% Solidaritätszuschlag darauf) auf diese 100 € je Aktie zahlen müsste.
Welche Alternativen gibt es?
Um die steuerlichen Nachteile zu vermeiden, kannst Du Dir zusätzlich zu Deinen JNJ-Aktien einfach Kenvue-Aktien kaufen. Dann hast Du die abgespaltene Sparte wieder in Deinem Depot, brauchst aber natürlich zusätzlich Kapital zum Aktienkauf.
Etwas trickreicher ist die Möglichkeit, jetzt einfach noch ein paar JNJ-Aktien in ein separates Depot zu kaufen und sie komplett zum Umtausch anzumelden. Dann erhältst Du die Kenvue-Aktien mit dem Discount von 7%. Und da Du die JNJ-Aktien gerade erst erworben hast, wird auch kein (oder nur ein geringer) steuerpflichtiger Veräußerungsgewinn anfallen. Denn durch den Kauf in ein separates Depot findet keine Vermischung mit Deinen anderen JNJ-Aktien statt. Wenn Du noch kein separates Depot hast, dann hast Du auch noch genügend Zeit, es jetzt noch zu eröffnen (hier habe ich veröffentlicht, welchen Broker ich für welche Aktien bevorzuge).
Der Haken ist allerdings, dass Du bis zum Umtausch ein Kursrisiko hast. Denn die Aktienkurse können sich ja auch gegenläufig entwickeln und das Umtauschverhältnis für JNJ-Aktionäre schlechter werden.
Ich vermute, dass Profis diesen Weg wählen werden und am letzten Tag der Angebotsfrist JNJ-Aktien kaufen und zum Umtausch einreichen werden. Denn dann stehen die Umtauschverhältnisse im Wesentlichen fest und der 7%ige Discount ist zum Greifen. Und das Kursrisiko von Kenvue bis zur Einbuchung der frischen Aktien können die Profis durch Put-Optionen oder Leerverkäufe absichern. Das ist aber für uns Kleinanleger in Deutschland kaum durchzuführen. Denn welche Depotbank ist in der Lage, kurz vor Toresschluss gekaufte Aktien noch fristgerecht zum Umtausch einzureichen? Deshalb rate ich davon ab, diesen Weg zu gehen.
Ich bin mir aber sicher, dass er von großen Adressen und insbesondere Hedge-Fonds versucht wird. Und deshalb ist der nächste Punkt auch eher ein Hoffnungsschimmer.
Was passiert mit den Aktien von Kenvue, die nicht ertauscht werden?
JNJ will sich so weit von Kenvue trennen, dass das neue Unternehmen nicht mehr beherrscht wird. Deshalb steht in den Umtauschbedingungen auch der schöne Satz, dass die Kenvue-Aktien, die sich nach dem Umtauschprozess noch bei JNJ befinden, als Sachdividende an die Aktionäre von Johnson & Johnson ausgeschüttet werden sollen.
In anderen Worten: Nach dem Split-Off ist vor dem Spin-Off. Aber nur dann, wenn vom Kuchen noch ein paar Krümel übrig sind. Und wenn meine Vermutung zutrifft, dass sich Profianleger kurz vor Toresschluss mit JNJ-Aktien eindecken, um sich den Discount zu sichern, dann wird es auch keinen Spin-Off von Kenvue-Aktien geben.
Wann muss ich JNJ-Aktien haben, um an dem möglichen Spin-Off teilzunehmen?
Für den Fall, dass wirklich noch Kenvue-Aktien in den Büchern von Johnson & Johnson übrig bleiben und sie deshalb als Spin-Off an die JNJ-Aktionäre gegeben werden, wird der Record Day 7 Geschäftstage nach dem Endtag der Umtauschaktion sein. Da der Endtag derzeit für den 18. August 2023 geplant ist, wird das also der 29. August 2023 sein. Üblicherweise werden Aktien jedoch schon am Börsentag vor dem Record Day exDividende gehandelt. Und deshalb wäre der letzte Handelstag mit Bezugsrecht auf die möglichen Kenvue-Aktien aus dem Spin-Off der 25. August 2023. Das wiederum ist auch der exDividende-Tag für die reguläre Quartalsdividende von JNJ.
Um also beide Dividenden (die Cash-Dividende in Höhe von 1,19 US$ je Aktie und die möglicherweise nicht getauschten Kenvue-Aktien als Spin-Off) mitzunehmen, solltest Du bereits am 24. August 2023 JNJ-Aktien halten.
Was macht Kenvue?
Kenvue selbst bezeichnet sich als weltweite Nr. 1 im Consumer Health-Bereich und ist mit einem Umsatz von 15 Mrd. US$ in 2022 ein Schwergewicht in diesem Markt. Es verfügt über etablierte Marken wie Tylenol, Neutrogena, Listerine, Johnson’s, Band-Aid, Aveeno, Zyrtec und Nicorette. Der Markt selbst wird auf 369 Mrd. US$ eingeschätzt und Kenvue möchte in den nächsten Jahren durchschnittlich um 3-4% wachsen.
10 Marken von Kenvue generierten im letzten Jahr einen Umsatz von jeweils mindestens 400 Mio. US$. 7 Marken sind weltweite Marktführer, daneben sind viele Marken regionale Marktführer. Der Umsatz verteilt sich auf die drei Segmente Self-Care (40%), Skin Health & Beauty (29%) und Essential Health (31%).
Zahlt Kenvue auch eine Dividende und ist sie höher als bei JNJ?
Kenvue hat jüngst angekündigt, eine Quartalsdividende von 0,20 US$ zu zahlen. Es ist ein einfaches Rechenbeispiel, wenn es Dir „nur“ um eine höhere Dividende geht: JNJ zahlt eine Quartalsdividende von 1,19 US$. Damit hättest Du schon bei einem Umtausch in 6 Kenvue-Aktien eine höhere Dividende. Da das Umtauschverhältnis aber bei Veröffentlichung der Split-Off-Bedingungen aber schon bei über 7 liegt und auf bis zu über 8 steigen kann, wäre Kenvue unter diesem Aspekt attraktiver als Johnson & Johnson.
Vorteil für JNJ durch den Split-Off
Die Abspaltung seitens JNJ erfolgt zwar offiziell, weil damit Werte für die Aktionäre geschaffen werden sollen. Aber faktisch sind die bei JNJ verbleibenden Sparten wachstumsstärker als die Consumer Health-Sparte. Kenvue hat das schwächere Wachstum, die Margen sind niedriger und die Produkte stehen in scharfem Wettbewerb.
Durch die Durchführung des Split-Offs verbessern sich auch die Kennzahlen für JNJ. Die zum Tausch eingereichten Aktien werden nämlich zunächst wie über die Börse zurückgekaufte eigene Aktien betrachtet, im Anschluss dann aber eingezogen. Und damit fällt zwar auf der einen Seite der Gewinnanteil der Kenvue-Sparte in der JNJ-Bilanz weg. Durch die geringere Anzahl ausgegebener Aktien steigt dann aber der Gewinn je JNJ-Aktie. Denn die beiden verbleibenden Bereiche sind ja gewinnstärker. Und zugleich kann Johnson & Johnson seine hohe Dividende beibehalten, obwohl die Erträge aus einer Sparte fehlen. Denn die Dividende muss ja nach der Transaktion an weniger Aktien ausgezahlt werden.
Wie groß der Effekt tatsächlich sein wird, wird sich dann nach Abschluss der Transaktion zeigen.
Was ich jetzt mit dem Umtauschangebot mache
Ich bin langfristiger JNJ-Aktionär und will das auch bleiben. Wie dargelegt, sind mir die steuerlichen Risiken eines Umtauschs zu groß. Ich werde deshalb das Umtauschangebot nicht annehmen. Wenn meine Depotbank mir schreibt, wird der Brief nicht beantwortet.
Gleichzeitig bin ich etwas traurig darüber (ja, ich weiß, dass ist eine Emotion und keine rationale Aussage), dass ich nicht mehr in die Consumer Health-Produkte investiert bin. Denn ich bin immer noch fasziniert von der Stärke mancher Marke und glaube auch, dass sich daran wenig ändern wird.
Und genauso wie ich seit mittlerweile über 11 Jahre Aktien von Johnson & Johnson in meinem Depot halte, möchte ich auch Kenvue-Aktien langfristig im Depot liegen haben. Ich werde deshalb eine Position Kenvue aufbauen. Völlig unabhängig von einem Split-Off oder einem Spin-Off. Wie bei allen Unternehmen, in die ich investiere, schaue ich mir da aber auch die Bewertung an. Und so attraktiv ist die bei Kenvue aktuell nicht. Denn die Aktie ist – bezogen auf den Gewinn je Aktie – verhältnismäßig teuer. Deshalb werde ich zunächst mit einer kleinen Position beginnen und dann schauen, ob ich sie bei einer niedrigeren Bewertung erhöhen kann.
So komisch das klingt – aber ich möchte ab der ersten jemals von Kenvue gezahlten Quartalsdividende dabei sein. Und exDividende-Termin für diese erste Quartalsdividende ist der 25. August 2023. Vorher gibt es also eine Kauforder von mir. Und die 150 JNJ-Aktien bleiben auch im Depot!


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