Was Dich hier erwartet:
Im September wird eine außerordentliche Generalversammlung von Novartis über den Spin-off von Sandoz-Aktien beschließen, die dann im Oktober allen Aktionären eingebucht werden sollen.
Was das genau für die Novartis-Aktien bedeutet, in welchem Verhältnis der Spin-off erfolgt, was mit krummen Aktienbeständen passiert und ob es sich überhaupt lohnt, Sandoz-Aktien im Depot zu halten, dazu habe ich mir erste Gedanken gemacht und teile sie mit Dir in diesem Beitrag.
Denn noch ist etwas Zeit, sich bis zur Ausschüttung zu positionieren und womöglich auch noch Novartis-Aktien zu kaufen oder zu verkaufen.

Für das Schweizer Pharmaunternehmen Novartis ist es bereits der zweite Spin-off in den letzten Jahren. Ich selbst habe erstmals 2018 in die Aktien investiert, bin dann aber vor dem letzten Spin-off wieder ausgestiegen, um im Anschluss eine neue Position aufzubauen.
Erfahrungen aus dem Alcon-Spin-off
2019 hat Novartis seine Augenchirurgiesparte Alcon an seine Aktionäre abgespalten. Damals gab es für je 5 Novartis-Aktien 1 Alcon-Aktie gratis. Ich hatte Sorge vor einer steuerlichen Belastung des Spin-offs und damals auch „nur“ 25 Novartis-Aktien. 5 Alcon-Aktien waren mir zu wenig und so „verpasste“ ich diesen Spin-off (hier mein damaliger Bericht dazu). Im Nachhinein war das ein Fehler, wie der Chartverlauf von Alcon seit dem Spin-off zeigt. Die Aktie ist aktuell gute 50% im Plus und die Transaktion war für deutsche Anleger auch steuerfrei.

Neben der positiven Kursentwicklung zahlte Alcon seit dem Spin-off in jedem Jahr auch eine Dividende, in diesem Jahr wurden 0,21 CHF je Aktie ausgeschüttet. 2022 gab es 0,20 CHF, 2021 waren es 0,10 CHF und 2020 0,19 CHF.
Was macht Sandoz?
Natürlich kann die Entwicklung des Alcon-Spin-offs nicht einfach als Blaupause auf den Sandoz-Spin-off übertragen werden. Dazu sind die Geschäftsfelder zu unterschiedlich. Aber trotzdem wird deutlich, dass Novartis zwar erneut einen Bereich identifiziert hat, der die eigenen Renditeziele nicht erfüllt, die langfristige Entwicklung als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen aber nicht unbedingt schlecht sein muss.
Historisch ist dabei spannend, dass Novartis selbst erst durch die Fusion der damaligen Ciba-Geigy mit Sandoz entstanden ist. Mit der Abspaltung endet damit 28 Jahre später die gemeinsame Geschichte. Allerdings bestand Sandoz zum Zeitpunkt der damaligen Fusion aus weiteren Bereichen, die nicht abgespalten werden. Die Marke Sandoz wurde zunächst nur noch für frei verkäufliche Arzneimittel verwendet.
2003 wurde Sandoz dann als Novartis-Sparte reaktiviert und dort das Generika-Geschäft gebündelt. Generika sind Arzneimittel, deren Wirkstoff von einem bereits früher zugelassenen Arzneimittel stammt. Diese Arzneimittel unterliegen einer vereinfachten Zulassung und werden erst nach Auslaufen des Patentschutzes des ursprünglichen Präparates in Verkehr gebracht. Generika sind als Nachahmer in der Regel günstiger als die Originale. Schließlich muss keine aufwändige Forschung betrieben und dem Kunden bzw. den Krankenkassen ein Anreiz zum Kauf gegeben werden. Bekanntestes Beispiel ist ASS-ratiopharm als Generikum zu Aspirin von Bayer.
2005 übernahm Novartis Hexal und machte damit die Sandoz-Sparte zu einem der größten Generikahersteller weltweit. Aktuell befindet sie sich mit Viatris aus den USA und Teva aus Israel unter den Top 3.
Neben Generika ist Sandoz auch im Bereich der Biosimilars tätig. Das sind Nachahmerprodukte von Biopharmazeutika. Die Wirkstoffe dieser Biotechnologie-Erzeugnisse sind nicht völlig identisch mit dem Originalwirkstoff und erfordern deshalb aufwändigere Zulassungsverfahren und Überwachungsmaßnahmen als die klassischen Generika.
Umfassende Informationen zu Sandoz findest Du im Börsenzulassungsprospekt, der allerdings nur in englischer Sprache veröffentlicht wurde (hier als PDF).
Der Ablauf des Spin-offs
Am 15. September 2023 findet die außerordentliche Generalversammlung von Novartis statt. Sie enthält als Tagesordnungspunkt 1 die „Ausserordentliche Ausschüttung einer Sachdividende zur Durchführung des Spin-off der Sandoz Group AG“ (hier gibt es die Einladung als PDF). Das Ausschüttungsverhältnis wird wieder so wie beim Alcon-Spin-off sein:
für je 5 Novartis-Aktien gibt es 1 Sandoz-Aktie
Für meine aktuell 80 Novartis-Aktien erhalte ich also 16 Sandoz-Aktien. Wichtig ist dabei der Unterschied zu einem Split-off (wie er gerade bei Johnson&Johnson mit Kenvue stattfand): Ich behalte meine 80 Novartis-Aktien. Die 16 Sandoz-Aktien werden mir zusätzlich in mein Depot eingebucht und die ISIN CH1243598427 erhalten.
Wann muss ich Novartis-Aktien haben, um die Sandoz-Aktien zu erhalten?
Der Zeitplan ist etwas anders als bei einer normalen Dividende. Da musst Du die Aktien ja normalerweise am Tag der Hauptversammlung (bzw. in der Schweiz Generalversammlung) im Depot haben, um die Dividende zu erhalten.
Bei diesem Spin-off steht der genaue Termin noch nicht fest, da nach der Beschlussfassung der außerordentlichen Generalversammlung noch behördliche Zustimmungen eingeholt werden müssen. Beabsichtigt ist aber, dass der 3. Oktober 2023 der letzte Handelstag ist, an dem die Novartis-Aktien mit dem Dividendenanspruch gehandelt werden. Bereits am nächsten Tag, also am 4. Oktober 2023, soll dann der erste Handelstag der Sandoz-Aktien sein.
Kriege ich die Sandoz-Aktien geschenkt?
Die Sandoz-Aktien werden als Dividende ausgeschüttet. Und genauso wie bei einer normalen Bardividende gibt es auch hier einen Dividendenabschlag. In der Theorie wird der Kurs jeder Novartis-Aktie deshalb am 4. Oktober 2023 um ein Fünftel des Sandoz-Kurses sinken. Ein Fünftel deshalb, weil es ja für 5 Novartis-Aktien 1 Sandoz-Aktie gab.
Bleibt die Novartis-Aktie bis zum Spin-off beispielsweise bei einem Kurs von 90 CHF und erfolgt die Erstnotiz von Sandoz zu 20 CHF, dann wird der Novartis-Kurs auf 86 CHF sinken. Für einen Anleger mit 100 Novartis-Aktien sieht das Depot damit vor und nach dem Spin-off so aus:
vor dem Spin-off:
100 Novartis-Aktien zu 90 CHF -> 9.000 CHF
nach dem Spin-off:
100 Novartis-Aktien zu 86 CHF -> 8.600 CHF
20 Sandoz-Aktien zu 20 CHF -> 400 CHF
Die Theorie ist damit klar: Das Vermögen bleibt gleich und es gibt nichts geschenkt.
Die Börse wäre aber nicht so interessant, wenn alles nach der Theorie verliefe. Es kann genauso sein, dass der Novartis-Aktienkurs viel stärker fällt. Wenn nämlich Anleger, die nur die Sandoz-Aktien haben wollten, direkt wieder Kasse machen und ihre Novartis-Aktien auf den Markt werfen. Und auch der Sandoz-Kurs kann bis zum Ende des ersten Handelstages deutlich fallen, wenn nämlich viele Anleger diese Aktien gar nicht im Depot haben wollen.
Und es ist natürlich auch das Gegenteil möglich: der optisch niedrigere Novartis-Kurs kann Anleger anlocken, die Aktie zu kaufen. Und damit kann der Dividendenabschlag ganz oder teilweise schnell aufgeholt sein. Und auch die Sandoz-Aktie kann davon profitieren, dass Anleger ihre krumme Position (ich hätte ja z.B. 16 Aktien) durch Nachkäufe aufrunden oder generell auf eine größere Position bringen.
Wahrscheinlicher als ein Kurs von 20 CHF für die Sandoz-Aktie ist übrigens ein Start mit 11,60 CHF. Das ist der bisherige Buchwert in der Novartis-Bilanz.
Wie sieht das Ganze steuerlich aus?
Novartis struktriert den Spin-off so, dass die Ausschüttung der Sandoz-Aktien zum Buchwert erfolgt. Dazu wird mit der Ausschüttung das anteilige Aktienkapital je Novartis-Aktie von 0,50 CHF auf 0,49 CHF herabgesetzt. Auf die Novartis-Aktien hat das keine direkten Auswirkungen. Der „Kniff“ sorgt aber dafür, dass der Spin-off für Anleger in der Schweiz und in den USA steuerfrei ist. Und damit sollte der Spin-off auch für deutsche Anleger steuerfrei sein. Sollte deshalb, weil ich hier einerseits keine Steuerberatung betreibe. Und anderseits, weil die Finanzbehörden ja ja gerne zu Ungunsten von Aktionären entscheiden. Und womöglich werden die deutschen Banken zunächst Steuern auf die Sachdividende berechnen und sie dann später wieder gutschreiben. Im Jahr 2021 hatte der Bundesfinanzhof entschieden, dass ein ausländischer Spin-off dann steuerfrei in Deutschland ist, wenn er im Wesentlichen mit den deutschen Regelungen vergleichbar ist. Nachdem das auch schon beim Alcon-Spin-off der Fall war, scheint das hier auch wieder zu klappen.
Was passiert, wenn meine Novartis-Aktienanzahl nicht durch 5 teilbar ist?
Du hast natürlich die Möglichkeit, im Vorfeld des Spin-offs Deine Aktienposition auf eine durch 5 teilbare Größe zu bringen. Dafür musst Du maximal 4 Novartis-Aktien zukaufen, der Aufwand liegt damit unter 400 €. Aber auch bei einer „krummen“ Aktienanzahl wirst Du nicht benachteiligt. Du erhältst dann z.B. zwar keine 0,2 Sandoz-Aktien, sondern einen Barausgleich. Er wird allerdings erst einige Tage später gebucht, da die Bruchstücke automatisch über die Börse verkauft werden. Und dafür muss die Börseneinführung von Sandoz erfolgt sein. Du selbst musst und kannst darauf keinen Einfluss nehmen. Der Barausgleich soll innerhalb von 2 Wochen nach der Erstnotiz erfolgen.
Auswirkungen des Spin-offs auf die Novartis-Dividende
Eigentlich könnte man denken, dass die Abspaltung eines Unternehmensteils auch zu einer Senkung der Ertragskraft und dann auch der Dividende des Mutterkonzerns führen sollte. Novartis hat jedoch schon mitgeteilt, dass das Management die jährliche Steigerung der Dividende ausgehend von der diesjährigen Dividende von 3,20 CHF fortsetzen will.
Damit soll die Historie von 26 jährlichen Steigerungen seit dem Börsengang 1996 fortgeschrieben werden. Aus Sicht eines Aktionärs, dem die Dividende und deren jährliche Steigerung sehr wichtig ist, ist das ein absolut positives Signal.
Ist denn Sandoz auch wirtschaftlich attraktiv?
Für die Frage, ob sich der Spin-off denn lohnt, ist natürlich auch ein Blick auf Sandoz selbst erforderlich. Das Generika-Geschäft ist traditionell nicht so margenstark wie das klassische Pharmageschäft. Zwar fallen die Forschungskosten deutlich niedriger aus. Dafür sind die Verkaufspreise jedoch auch deutlich geringer. Und der Wettbewerb viel größer. Schließlich schützt kein Patent vor Konkurrenz.
Der Markt für patentfreie Arzneimittel, in dem Sandoz tätig ist, stellt rund 80% der weltweiten Medikamente für rund 25% der Gesamtmedikamentenkosten bereit.

Sandoz plant, über die nächsten fünf Jahre ein Nettoumsatzwachstum
im mittleren einstelligen Bereich zu erwirtschaften.
Zentraler Wachstumstreiber des Marktes für patentfreie Arzneimittel ist dabei die demographische Entwicklung. Sie bringt die Gesundheitssysteme unter Druck. Immer mehr Menschen werden immer älter und die Krankenkassenbeiträge können nicht unendlich gesteigert werden. Mit dem Kostendruck steigt die Akzeptanz von Generika.
2022 erwirtschaftete Sandoz einen Nettoumsatz von 9,1 Mrd. US$, wovon 7,1 Mrd. US$ durch das Generikageschäft erbracht wurden und 1,9 Mrd. US$ aus dem Geschäft mit Biosimilars stammen. Aufgrund des starken US-Dollars sank der Umsatz um 4%, während er zu konstanten Wechselkursen um 4% zulegte. Rückgänge gab es auch beim EBITDA (von 2,1 auf 1,9 Mrd. US$) und beim freien Cashflow (-19%).

Geographisch betrachtet werden 50% des Gruppenumsatzes von Sandoz
in Europa erwirtschaftet. Dort ist Sandoz auch die Nr. 1 gemessen am Bruttoumsatz.

Mit dem Spin-off wird Sandoz eine Verschuldung von 3,75 Mrd. US$ mitgegeben. Im Verhältnis zum EBITDA liegt das im komfortablen Investment-Grade-Bereich.
Das Management von Sandoz beabsichtigt, bereits in 2024 eine Dividende für 2023 auszuschütten. Sie soll kontinuierlich gesteigert werden, wenn die Geschäftsergebenisse dies zulassen. Für die Zeit bis 2028 soll die Steigerung mit einer moderaten Erhöhung der Ausschüttungsquote dargestellt werden. Zunächst sollen 20-30% des Kern-Nettogewinns ausgeschüttet werden, das soll dann auf 30-40% ansteigen.
Eine Vorstellung, wie hoch die Dividende sein könnte, lässt sich anhand der auszugebenden 431 Mio. Sandoz-Aktien und dem Kern-Nettogewinn von 2022 erreichen. Dann läge die Startdividende bei 0,06 CHF. Aber das Ergebnis für 2023 steht ja noch nicht fest und der Ausschüttungsanteil könnte auch höher als 20% liegen. Aber mit einer üppigen Summe ist zunächst nicht zu rechnen.
Mein Fazit
Im Normalfall würde mich Sandoz nicht wirklich interessieren. Das Geschäft ist margenschwach und der Wettbewerb immens. Immerhin hat Sandoz in Europa (vor allem durch Hexal) die Marktführerschaft.
Aber ähnlich habe ich auch beim Alcon-Spin-off gedacht und da war mein Handeln (Verkauf vor dem Spin-off und Rückkauf danach) mit der Novartis-Aktie nicht erfolgreich.
Deshalb werde ich bei diesem Spin-off dabei sein. Ich nehme die Sandoz-Aktien einfach in mein Depot auf, werde sie dann aber nicht weiter betrachten. Und einfach liegen lassen. Entweder kriegt das Management die Kurve und in 5 Jahren ist das eigenständige Unternehmen aufgeblüht. Oder die Aktie wird zur Depotleiche. Das wäre dann angesichts der geringen Position auch nicht schlimm und hätte auf meine Depotperformance kaum Einfluss.
Was ich mir allerdings noch in den nächsten Wochen vorstellen kann, ist ein Nachkauf von Novartis. Wenn ich mir noch 20 weitere Aktien ins Depot lege, dann habe ich dort meine Zielposition erreicht. Und erhalte beim Spin-off statt 16 eben 20 Sandoz-Aktien. Was die Position auch nicht wirklich größer macht, aber optisch runder ist. Zudem gehe ich davon aus, dass die Novartis-Aktie den Dividendenabschlag relativ schnell wieder aufgeholt haben wird. Und dann kaufe ich lieber vor als nach dem Spin-off nach.
Wie wirst Du Dich entscheiden? Kaufst Du auch noch Novartis-Aktien oder lässt Dich der Spin-off komplett kalt? Schreib gerne einen Kommentar und diskutiere mit uns.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Novartis |
| ISIN: | CH0012005267 |
| Im Divantis-Depot seit: | 09.04.2019 |
| Letzter Nachkauf am: | 08.09.2023 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 100 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 77,39 € |
| Gesamtkaufpreis: | 7.739,36 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 858,45 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |
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