Was Dich hier erwartet:
Fast scheint es, als wäre für die Börse die Corona-Pandemie und die damit einhergehende schwere Rezession schon abgehakt. Die Kurse steigen wieder kontinuierlich an, der Mai war erneut ein erfolgreicher Börsenmonat.
Und die Unternehmensgewinne des laufenden und kommenden Jahres werden aus dem Blick genommen, ab 2022 soll es wieder rund laufen. Und dann spielt man halt einfach mal die Zukunft ab dann. Bisher hieß es immer, die Börse sei der Realwirtschaft ein halbes Jahr voraus. Nun sind es halt drei halbe Jahre.
Für den Moment sieht auch mein Depot wieder deutlich besser aus, aber ist die Entwicklung wirklich vernünftig? In diesem Beitrag blicke ich auf den Mai zurück und berichte über die verschiedenen Positionen meiner Geldanlage. Und lüfte den Vorhang, welchen Aktienkauf ich im Juni vorhabe.
Aktienkäufe
Auch im Mai habe ich wieder zugekauft, auch wenn mir die Bewertungen an der Börse bei vielen Aktien schon wieder zu hoch erscheinen. Ich kaufte zwei neue Aktienpositionen ins Dividendendepot und investierte insgesamt 1.816,90 €:
1 Aktie Partners Group für 738,80 €
Aktienverkäufe
Aktienverkäufe habe ich wieder keine vorgenommen. Zuletzt habe ich im August 2019 Aktien verkauft.
Dividendenerträge
Der Mai ist traditionell mein stärkster Dividendenmonat. Das ist auch dieses Jahr der Fall, allerdings wurden Corona-bedingt einige Hauptversammlungen und Dividendenauszahlungen verschoben. Insgesamt erhielt ich netto 3.014,89 € an Dividenden im Mai. Das ist gegenüber dem Mai 2019 ein Minus von 7,4%. Nach dem April nun schon der zweite Monat unter Vorjahresniveau. Die Dividenden im Einzelnen:
Omega Healthcare Investors: 78,79 €
P2P-Kredite
Im Mai erzielte ich Erträge aus P2P-Krediten in Höhe von 41,62 €. Meine größte Plattform ist weiterhin Mintos. Mein Bestand in P2P-Krediten beträgt derzeit 3.907,65 €. Verteilt auf die einzelnen Plattformen bin ich aktuell so investiert:
| Plattform | aktueller Stand | investierte P2P-Kredite | eröffnet |
|---|---|---|---|
| Mintos | 384 € | 0 (in Rückforderung) | 08/2018 |
| viainvest | 81 € | 7 | 11/2018 |
Einkünfte aus Renten-ETFs
In diesem Beitrag hatte ich mein Rentenfonds-Portfolio dargestellt, ein Update hatte ich im April hier veröffentlicht. Die Erträge aus diesem Portfolio beliefen sich im Mai auf 158,02 € netto. Käufe oder Verkäufe habe ich keine getätigt. 103,91 € betrafen die halbjährliche Ausschüttung des iShares J.P. Morgan ESG $ EM Bond UCITS ETF und werden von der ING automatisch wieder in Fondsanteile reinvestiert.
Depotperformance
Der Mai war nach dem April der zweite positive Börsenmonat in Folge für mein Depot. Das Plus von 1,5% ist wohltuend und lindert die Verluste seit Jahresbeginn weiter. Der Depotwert stieg auf 383.461 €. Seit Jahresbeginn ist die Entwicklung mit -8% weiterhin negativ.
Top-Aktien waren Siemens (+16,4%), Siemens Healthineers (+15,4%) und VINCI (+11,2%). Die schwächsten Titel waren die Deutsche Beteiligungs AG (-8,4%), Swiss Re (-7,9%) und Sydney Airport (-7,6%).
Die Volatilität meines Depots lag bei 5,2%.
Im Mai habe ich drei Titel aus meinem Dividendendepot genommen und dem neu geschaffenen Kursdepot beigefügt. Diese drei Aktien haben ihre Dividenden gestrichen und deshalb ist die Kursentwicklung nun im Fokus. Dieses Kursdepot hat in einer Rückbetrachtung seit Jahresbeginn eine Performance von -30,4% aufzuweisen. Im Mai war die Entwicklung mit -4,5% ebenfalls negativ.
Immobilie
Bei meiner Wohnung in Leipzig läuft inzwischen alles ruhig und ohne Aufwand für mich. Nach Abzug der Gebühr für die Sondereigentumsverwaltung erhielt ich eine Mieteinnahme von 864,25 € (inkl. Nebenkosten). Das Hausgeld beträgt 246,00 €. Meine Nettomieteinnahme liegt also bei 618,25 €. Für den Immobilienkredit zahlte ich Zinsen in Höhe von 296,30 €. Ich erzielte somit einen Überschuss von 321,95 €.
Dividendenerhöhungen
Es gab zu meinen Depotwerten folgende Ankündigungen von Dividendenerhöhungen:
Medtronic: Quartalsdividende von 0,54 US$ auf 0,58 US$ (+7,4%)
Clorox: Quartalsdividende von 1,06 US$ auf 1,11 US$ (+4,7%)
Dividendenkürzungen und -streichungen
L’Oréal hat seine angekündigte Dividendenerhöhung auf 4,25 € widerrufen und schlägt nun eine unveränderte Dividende von 3,85 € vor.
Ähnliches bei VINCI: Die Dividende wird von 1,92 € auf 1,25 € reduziert (ursprünglicher Vorschlag: 2,26 €).
Jahresziele 2020
Für das Jahr 2020 habe ich mir verschiedene Ziele gesetzt, über deren Erreichung ich jeweils monatlich berichte:
| Status | Trend | |
| Netto-Dividendenerträge von 11.000 € | 5.922 € | negativ |
| Aktienkäufe für 18.000 € | 21.617 € | übertroffen |
| Depot wächst auf mindestens 52 Titel | 53 | übertroffen |
| Bestand von 20.000 € in P2P-Krediten | 3.907 € | negativ |
| Transaktionsgebühren unter 100 € p.a. | 80,94 € | positiv |
Nach den letzten Kürzungen steht fest, dass ich mein Ziel für die Dividendenerträge nicht schaffen werde. Aber wenigstens werde ich eine Steigerung gegenüber 2019 schaffen. Da ich bei den Aktienkäufen mein Ziel schon übertroffen habe und das Jahr noch lang ist, wird es eine Anstrengung, die Transaktionsgebühren unter 100 € zu halten. Ich habe deshalb ein neues Depot beim S Broker eröffnet und 300 € Orderguthaben erhalten (gültig für 6 Monate, hier das Angebot*). Damit kann ich die nächsten Aktienkäufe vornehmen ohne mein Jahresziel zu gefährden. Die Aktienkäufe habe ich im Wesentlichen mit meinen P2P-Krediten finanziert. Mit der Zielverfehlung kann ich deshalb gut leben.
Ausblick auf Juni 2020
Ich bin hin- und hergerissen. Auf der einen Seite halte ich die aktuellen Indexstände für viel zu hoch. Die Corona-Krise soll laut vielen Analysten bereits in den Kursen verarbeitet sein. Aber wo, frage ich mich? Ich sehe Höchststände bei vielen Aktien und halte das für wirklich gefährlich. So rosig ist die Welt nicht. Allein schon eine Arbeitslosenquote von 25% in den USA ist Besorgnis erregend und zeigt, wie hart die Wirtschaft getroffen ist.
Auf der anderen Seite sind viele Investoren pessimistisch und die Aktienkurse steigen trotzdem. Eine Euphorie fehlt völlig und das wiederum ist ja immer ein gutes Zeichen.
Der Juni könnte deshalb – anders als in anderen Jahren – wieder ein guter Börsenmonat werden. Einige virtuelle Hauptversammlungen stehen an und so gibt es zumindest für Dividendenjäger auch noch mal ein paar Kaufgelegenheiten, die zu dieser Jahreszeit üblicherweise nicht bestehen.
Ich habe mir allerdings vorgenommen, nicht auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Mit meinem Depot bin ich bereits sehr hoch investiert. Ich werde deshalb – außer es kommt noch einmal zu einem erheblichen Rückschlag – nur sehr selektiv investieren.
Konkret werde ich mir in den nächsten Tagen die Neuemission JDE Peet’s anschauen. Bei der Aktie (WKN: A2P0E9) handelt es sich um das zweitgrößte Kaffeeimperium der Welt rund um Jacobs, Douwe Egbert, Tassimo und Senseo. Die Neuemission ist relativ hastig am 29. Mai an die Euronext in Amsterdam gebracht worden. Ein Börsenhandel ist auch schon an manchen deutschen Börsen (Stuttgart, Düsseldorf, Tradegate, Quotrix) möglich. Die Aktien konnten in einer Spanne von 30 bis 32,25 € gezeichnet werden, der Emissionskurs lag bei 31,50 €. so dass das Unternehmen auf einen Börsenwert von 15,6 Mrd. € kam. Vom Emissionserlös von 2,25 Mrd. € geht der Großteil an die Altgesellschafter, lediglich 700 Mio. € sollen zum Schuldenabbau genutzt werden. Die Aktie passt sehr gut in mein defensives Portfolio, da der Kaffeemarkt als krisenfest und margenstark gilt. JDE Peet’s erzielte in 2019 bei einem Umsatz von 6,9 Mrd. € eine operative Gewinnmarge von 15%, der Umsatz geht aktuell auch trotz Corona nicht zurück.
Am ersten Handelstag der Aktie legte der Kurs leider schon kräftig zu. Die Erstnotiz lag bei 35 €. Im Hoch wurden über 37 € bezahlt. Mal schauen, wie die nächsten Börsentage werden und ob die Aktie den Weg in mein Depot findet.
Sollte sie das nicht, dann kann es sogar sein, dass ich mich im Juni zurückhalte und einfach mal „nur“ Dividenden einsammle. Ich verspüre nämlich wirklich keinen Druck, jetzt zwingend noch mehr zu investieren. Im zweiten Halbjahr wird es bestimmt noch genug Kaufgelegenheiten geben. Denn irgendwann wird auch der Realismus einkehren und die weite Zukunft wieder das sein, was sie ist: weit entfernt!
Die Unternehmensergebnisse 2020 werden katastrophal sein und 2021 werden sie auch noch nicht den Stand von 2019 zurückerobert haben. Und wenn das mit entsprechenden Unternehmensmeldungen unterlegt wird, dann wird es noch genügend Kaufgelegenheiten geben. Ich kann warten.


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