Was Dich hier erwartet:
Kennst Du das? Du beobachtest eine Aktie seit Jahren und wartest auf einen Einbruch, um sie endlich zu kaufen. Und die Aktie steigt einfach immer weiter. Manchmal stagniert sie, aber wirklich günstig wird sie nicht. Und dann kommt Jahr um Jahr eine Dividendenerhöhung und der Kurs steigt weiter. Die Geschäftsergebnisse sind auch jedes Jahr besser als erwartet.
Und der Einzige, der nichts davon hat, bist Du? Weil Du die Aktie für zu teuer hältst und sie deshalb nicht in Dein Depot kommt.
Genauso ist es bei mir gewesen. Bis zu dieser Woche. Ich habe „aufgegeben“ und die Aktie gekauft. Zwar nur in einer kleinen Tranche, aber jetzt bin ich dabei und muss nicht mehr hinterherschauen.
Alle Details zu meinem jüngsten Kauf erfährst Du in diesem Beitrag. Aber Vorsicht: die Aktie ist wirklich nicht günstig und eigentlich gibt es keinen vernünftigen Grund, sie zu kaufen. Eigentlich …
Das Unternehmen
Wenn Du Dir mein Depot anschaust, dann wirst Du schnell erkennen, dass ich ein Faible für defensive, nichtzyklische Unternehmen habe. Und genau in dieses Schema passt auch mein neuester Depotwert L’Oréal.
L’Oréal ist das führende Kosmetikunternehmen weltweit. Zu dem Konzern aus Frankreich gehören 36 internationale Marken wie z.B. Biotherm, Redken, La Roche-Posay, Maybelline, essie, Helena Rubinstein, Giorgio Armani, Kiehl’s, Yves Saint Laurent, Garnier, Lancôme oder Vichy.
Der Kosmetikmarkt
Der Kosmetikmarkt selbst ist weltweit ein Wachstumsmarkt. Er wächst jährlich zwischen 3% und 5%. Marktführer ist L’Oréal vor Unilever, Estée Lauder, Procter & Gamble, City und Shiseido. Wichtigster Teilbereich sind die Hautpflegeprodukte, die rund 40% des Kosmetikmarktes ausmachen und für 60% des Wachstums verantwortlich sind. Besonderes Wachstum verzeichnet insofern China, wo eine stark wachsende Wohlstandsschicht die Hautpflege als Luxusprodukt entdeckt.
Die Geschäftsergebnisse
In 2019 erzielte L’Oréal einen Umsatz von 29,87 Mrd. € (+8,0% gegenüber 2018). Das operative Jahresergebnis lag bei 5,54 Mrd. €, was einer Marge von 18,6% entspricht. Pro Aktie wurde ein Gewinn von 7,74 € (+9,3%) erzielt.

Die Aktionärsstruktur
L’Oréal verfügt über zwei Großaktionäre: Die Erbengemeinschaft (Bettencourt Meyers Familie) aus der Gründung des Unternehmer mit 33% und den Schweizer Nahrungsmittelkonzern Nestlé (Ist Nestlé ein Rüstungsunternehmen?) mit 23%. Nestlé hält den Anteil als Finanzbeteiligung und profitiert erheblich von den Dividendenzahlungen. Sollten die Forderungen nach einem Anteilsverkauf irgendwann erhört werden, bedeutet das zusätzliches Kurspotenzial für L’Oréal. Denn derzeit ist eine Übernahme durch einen Dritten ausgeschlossen.
Die Dividendenhistorie
L’Oréal ist ein lupenreiner Dividendenaristokrat. Einer von wenigen in Europa. Die Dividende wurde in den letzten 25 Jahren jedes Jahr erhöht. Letztes Jahr wurden 3,85 € gezahlt. Für dieses Jahr werden der Hauptversammlung im April 4,25 € als Dividende vorgeschlagen. Zahltag der Dividende ist der 30.04.2020, exDividende wird am 28.04.2020 sein.
Aktionäre, die ihre Aktien länger als 2 Jahre halten und in eine andere Wertpapierkennung tauschen lassen (die dann nicht handelbar ist), erhalten noch einen Bonus von 10% oben drauf.

Die Pay-Out-Ratio lag zuletzt bei entspannten 54,4%.
Ein Wort zur Quellensteuer
Liegen französische Aktien im „richtigen Depot“, dann werden seit 1. Juli 2018 statt 30% nur noch 12,8% Quellensteuer erhoben. Dieser reduzierte Satz gilt jedoch nur, wenn den französischen Steuerbehörden ausreichende Daten zum Dividendenempfänger vorliegen. Der reduzierte Steuersatz gilt nämlich nur für Nichtfranzosen. In den Wertpapierlagerstellen ist aber dummerweise nur die Information gespeichert, bei welcher Bank die jeweiligen Aktien liegen. Die steuerliche Herkunft des jeweiligen Anlegers wird nicht übertragen. In diesem Beitrag habe ich die Thematik ausführlich beschrieben. Anders als z.B. die comdirect bank bietet die DKB den Service an und ist deshalb für französische Aktien das „richtige Depot“.
Nachhaltigkeitsfaktor
Bereits zum vierten Mal in Folge wurde L’Oréal jüngst auf der „A“-Liste des CDP (Carbon Disclosure Project) bewertet. Dabei werden Maßnahmen gegen den Klimawandel und für mehr Wasserschutz sowie Maßnahmen gegen die Abholzung von Wäldern gewürdigt. Unter den 8.400 bewerteten Unternehmen ist L’Oréal eines von sechs Unternehmen, die in diesem Jahr bei diesen drei Themen mit einer „Eins“ bewertet wurden. Zudem ist L‘Oréal das einzige Unternehmen, das vier Jahre in Folge die dreifache Punktzahl A erreicht hat.
L’Oréal hat bereits im Jahr 2000 einen „Code of Ethics“ verabschiedet und einen Chief Ethics Officer eingesetzt. Mittlerweile hat es sich eine Position unter den weltweit ethischsten Unternehmen erarbeitet.
Mit Alexandra Palt verfügt L’Oréal seit 2019 über ein eigenes Vorstandsmitglied für den Bereich Nachhaltigkeit.
Die Aktie ist u.a. im Nachhaltigkeitsindex FTSE4Good notiert.
Allerdings ist das Image von L’Oréal nicht als nachhaltig bekannt. So führte der Kauf der Naturkosmetikmarke Logocos im Jahr 2018 dazu, dass zahlreiche Bioläden die Produkte aus dem Sortiment nahmen. Kritisch werden Tierversuche und die Beteiligung von Nestlé gesehen.
Laut eigenen Angaben verzichtet L’Oréal seit 1989 komplett auf den Einsatz von Tierversuchen an Kosmetikprodukten, 14 Jahre bevor dies gesetzlich gefordert wurde. Und seit 2013 würden keine Inhaltsstoffe mehr an Tieren getestet. Wie bei allen Kosmetikunternehmen würden jedoch in China die Gesundheitsbehörden für einige Produkte oder Inhaltsstoffe Tierversuche durchführen.
Mein Aktienkauf
Wie eingangs schon gesagt, ist mir die L’Oreal-Aktie eigentlich viel zu teuer. Ich habe deshalb lediglich eine kleine Tranche von 5 Aktien gekauft. Meinen Kauf habe ich über die Consorsbank* bei Tradegate zum Kurs von 268,20 € pro Aktie getätigt. Dort hatte ich noch einen FreeBuy, so dass ich keine Kaufgebühren zahlen musste. Allerdings wurde mir die französische Transaktionssteuer belastet. Insgesamt zahlte ich für den Kauf 1.345,02 €.

Die Aktien werde ich nun per Depotübertrag in mein Depot bei der DKB* schicken. Denn dort wird die französische Quellensteuer voll auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet.
Perspektiven
Das Kurs-Gewinn-Verhältnis dieses Aktienkaufs lag – bezogen auf den Gewinn 2019 – bei exakt 34,6. Das ist exorbitant teuer. Und normalerweise kaufe ich nicht auf einem solchen Niveau. Die Aktie von L’Oréal war aber schon immer teuer und wird es meiner Meinung nach auch bleiben.
Das größte Wachstum erzielt L’Oréal derzeit in China. Wirkliche Beeinträchtigungen durch das Corona-Virus erwartet das Management nicht. Sollte es trotzdem zu Umsatzeinbrüchen kommen, dann könnte sich daraus eine Kaufgelegenheit ergeben.
Ich will meine L’Oréal perspektivisch in jedem Fall noch ausbauen. Wenn die Aktie wirklich so teuer bleibt, dann werde ich mir jedes Jahr ein paar Stücke ins Depot legen und so über die nächsten Jahre auf 50 Aktien ausbauen. Kommt es vorher zu einer Korrektur, dann stehe ich aber auch gerne bereit. Schön wären – nach diesen hervorragenden 2019er Zahlen – Kurse unter 200 €. Aber das ist wohl nur ein Wunschtraum …
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | L’Oréal S.A. |
| ISIN: | FR0000120321 |
| Im Divantis-Depot seit: | 10.02.2020 |
| Letzter Nachkauf am: | 27.01.2025 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 17 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 337,48 € |
| Gesamtkaufpreis: | 5.737,12 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 239,02 € |
| Aktuelle Strategie: | Bei Kursschwäche nachkaufen |

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