Was Dich hier erwartet:
Überraschend, unverständlich, nicht nachvollziehbar – mir fallen einige Begriffe für den gerade beendeten Börsenmonat April ein. Mitten im weltweiten Corona-Lockdown schiebt die Börse alle Sorgen beiseite und legt einen sensationellen Spurt ein.
Wer im März ausgestiegen war, ist auf dem falschen Fuß erwischt worden und wartet nun auf einen erneuten Absturz. Mein Depotminus seit Jahresbeginn ist nur noch einstellig und wird von Tag zu Tag kleiner.
Was alles in meinem Depot und den anderen Finanzen passiert ist, liste ich in diesem Beitrag auf. Außerdem erhältst Du meinen Ausblick auf den Mai.
Aktienkäufe
Ich habe im April weitere Aktienkäufe getätigt und in 2 verschiedene Positionen insgesamt 3.084,37 € investiert:
2.000 Aktien Civitas Social Housing für 2.354,97 €
10 Aktien Swiss Re für 729,40 €
Aktienverkäufe
Auch im April habe ich keine Aktien verkauft.
Dividendenerträge
Im April waren die ersten Corona-bedingten Dividendenverschiebungen zu beklagen und so erhielt ich mit 470,96 € netto deutlich weniger Dividendenzahlungen als für diesen Monat eingeplant. Gegenüber dem April 2019 ist das ein Minus von 24,7%. Dividenden erhielt ich im April von:
VINCI, L’Oréal und Metsä Board hätten eigentlich im April ihre Generalversammlungen gehabt und dann Dividende gezahlt. Aufgrund der Corona-Pandemie haben sie ihre Versammlungen in den Juni verschoben. Bisher haben sie ihre Dividendenvorschläge nicht widerrufen, so dass die Hoffnung und auch Erwartung meinerseits besteht, dass es sich lediglich um eine Verschiebung der Dividenden handelt.
P2P-Kredite
P2P-Kredite nehmen sich aktuell eine gewisse Auszeit bei mir. Bei Bondora Grow & Go hatte ich mein Guthaben noch problemlos auszahlen lassen können, inzwischen werden dort Teilzahlungen geleistet. Das kann ich zwar aufgrund mangelnder Plattformliquidität nachvollziehen, empfinde den Zinssatz von 6,75% dann aber doch als zu niedrig. Ich habe mich deshalb bis auf Weiteres von Bondora verabschiedet und empfehle auch keine Kontoeröffnung mehr.
Eine Enttäuschung ist Grupeer, die jegliche Auszahlung gestoppt haben und auf Kundenanfragen nicht mehr reagieren. Ich habe dort zwar keine anstehenden Fälligkeiten, gehe aber davon aus, dass meine Investitionen nicht mehr zur Rückzahlung kommen. Damit schreibe ich Investments von 325 € ab. Zum Glück war es nicht mehr!
Die Entwicklung im P2P-Markt wird definitiv zu einer Marktbereinigung und einer Regulierung führen. In einigen Monaten werden die seriösen Anbieter deutlicher vom Rest unterscheidbar sein. Jüngst hat Debitum Network eine Lizenzierung als Investmentunternehmen beantragt. Ebenso haben es Mintos, Twino und Viventor getan. Wenn der Antrag in Lettland bewilligt ist, dann wird Debitum Network der lettischen Einlagensicherung unterliegen. Damit sind dann 90% der Einlagen (bis max. 20.000 €) abgesichert. Das gilt natürlich nicht für die einzelnen P2P-Kredite, aber für alle freien Gelder auf der Plattform.
Und dann wird das für mich auch wieder ein Investment-Case. So etwas wie bei Grupeer möchte ich nicht noch einmal erleben.
Genug der Vorrede, im April erzielte ich Erträge aus den P2P-Krediten in Höhe von 41,12 €. Meine größte Plattform ist jetzt Mintos. Mein Bestand in P2P-Krediten beträgt 4.254 €. Bei Peerberry habe ich meine Zinserträge stehen gelassen und Auto-Invest wieder aktiviert. Mein Risiko reduziert sich damit auf die Erträge der Vergangenheit, aber ich habe (zumindest übergangsweise) kein eigenes Kapital mehr auf der Plattform.

Verteilt auf die einzelnen Plattformen bin ich aktuell so investiert:
| Plattform | aktueller Stand | investierte P2P-Kredite | eröffnet |
|---|---|---|---|
| Mintos | 384 € | 0 (in Rückforderung) | 08/2018 |
| viainvest | 81 € | 7 | 11/2018 |
Detaillierte Infos zu meiner Strategie mit P2P-Krediten findest Du auf der Extra-Seite dazu.
Einkünfte aus Renten-ETFs
In diesem Beitrag hatte ich mein Rentenfonds-Portfolio dargestellt, ein Update habe ich im April hier veröffentlicht. Die Erträge aus diesem Portfolio beliefen sich im April auf 75,73 € netto. Käufe oder Verkäufe habe ich keine getätigt.
Depotperformance
Wer hätte das für möglich gehalten? Der April ist ein positiver Börsenmonat für mein Depot geworden. Es steht eine Performance von 9,2% auf der Haben-Seite! Der Depotwert stieg auf 378.343 €. Seit Jahresbeginn ist die Entwicklung mit -9,5% allerdings noch negativ.
Top-Aktien waren Taylor Wimpey (+36,8%), Atlantia (+30,0%) und Metsä Board (+28,0%). Alle drei haben in diesem Jahr ihre Dividenden entweder gestrichen oder gekürzt und konnten vom Rebound im April stark profitieren!
Die schwächsten Titel waren Red Eléctrica (-1,9%), VINCI (-0,9%) und Terna (-0,9%).
Die Volatilität meines Depots lag bei 8,1%.
Immobilie
Bei meiner Wohnung in Leipzig gab es im April den zweiten Mieteingang. Nach Abzug der Gebühr für die Sondereigentumsverwaltung erhielt ich eine Mieteinnahme von 864,25 € (inkl. Nebenkosten). Das Hausgeld wurde erstmals abgebucht, es beträgt 246,00 €. Meine Nettomieteinnahme liegt also bei 618,25 €. Der Immobilienkredit ist nun vollständig ausgezahlt, so dass ich im April letztmals Bereitstellungszinsen zahlen musste. Mein Zinsaufwand lag im April bei 296,30 €.
Dividendenerhöhungen
In für Dividendeninvestoren nicht leichten Zeiten gab es immerhin einige Lichtblicke. Drei US-Titel kündigten – wie jedes Jahr im April – erhöhte Dividenden an:
Johnson & Johnson: Quartalsdividende von 0,95 US$ auf 1,01 US$ (+6,3%)
Procter & Gamble: Quartalsdividende von 0,7459 US$ auf 0,7907 US$ (+6,0%)
IBM: Quartalsdividende von 1,62 US$ auf 1,63 US$ (+0,6%)
Anders als in den Vorjahren hat Kellogg bei seiner jüngsten Dividendenankündigung keinen Ausblick auf eine Dividendenerhöhung mitgeliefert. Ich hoffe, dass das nur der Corona-Unsicherheit geschuldet ist und es trotzdem zur September-Dividende eine Erhöhung geben wird.
Eigentlich wäre auch Unilever mit einer Dividendenerhöhung dran gewesen. Die Quartalsdividende bleibt aber unverändert. Ich bin gespannt, ob in diesem Jahr gänzlich auf eine Dividendenerhöhung verzichtet wird oder in einem der nächsten Quartale die Serie aufrecht erhalten bleibt.
Dividendenkürzungen und -streichungen
Natürlich ist nicht alles rosig in diesen Zeiten. Und so haben einige Depottitel ihre Dividendenankündigungen zurückgenommen und/oder komplette Streichungen angekündigt:
Taylor Wimpey: Die Dividendenzahlungen im Mai und Juli fallen aus.
Veolia Environnement: Die Dividende wird auf 0,50 € reduziert (ursprünglicher Vorschlag: 1,00 €).
Atlantia: Keine Dividende in diesem Jahr für 2019.
Sydney Airport: Die August-Dividende fällt dieses Jahr aus.
Hamborner REIT: Die Dividende wird ausdrücklich unter Vorbehalt gestellt.
Jahresziele 2020
Für das Jahr 2020 habe ich mir verschiedene Ziele gesetzt, über deren Erreichung ich jeweils monatlich berichte:
| Status | Trend | |
| Netto-Dividendenerträge von 11.000 € | 2.907 € | negativ |
| Aktienkäufe für 18.000 € | 19.800 € | übertroffen |
| Depot wächst auf mindestens 52 Titel | 51 | positiv |
| Bestand von 20.000 € in P2P-Krediten | 4.254 € | negativ |
| Transaktionsgebühren unter 100 € p.a. | 64 € | positiv |
Der April ist gerade rum und eigentlich könnte ich schon wieder komplett neue Jahresziele aufstellen. Denn ich habe schon mehr in Aktienkäufe gesteckt als ich das für das ganze Jahr vor hatte. Finanziert habe ich das im Wesentlichen mit meinen P2P-Krediten. Dass ich dort vom Jahresziel meilenweit entfernt bin, ist deshalb logisch. Spannend wird es bei den Dividendenerträgen. Hier hängt es noch von möglichen weiteren Dividendenkürzungen und der Entwicklung des US-Dollars ab, ob ich mein Nettoertragsziel schaffe.
Ausblick auf Mai 2020
„Sell in May and Go away“ – dieses Jahr wäre das bisher im Februar sinnvoll gewesen. Und Ende März hätte man dann wieder einsteigen müssen. Keine Börsenweisheit dieser Welt hat aber so ein Market-Timing im Programm.
Vielleicht wäre es deshalb auch dieses Jahr ratsam, im Mai auszusteigen und dann im Herbst zurückzukommen. Denn klar ist, dass nun die Quartalsergebnisse kommen, die den ersten Teil des weltweiten Lockdowns enthalten.
Wir werden sicherlich staunend vor vielen Zahlen sitzen: Es ist das Eine, zu wissen, dass es böse aussieht. Etwas anderes ist die Gewissheit, es schwarz auf weiß zu lesen.
Der Mai ist traditionell mein bester Dividendenmonat. Das wird wohl auch dieses Jahr trotz einiger Verschiebungen so sein. So werden meine großen Versicherungspositionen Munich Re, Allianz und Talanx ihre Hauptversammlungen abhalten bzw. erhöhte Dividenden auszahlen. Allein aus diesen drei Aktien erwarte ich Nettozuflüsse von etwa 2.300 €.
Da ich mir noch einmal einen Rückschlag an den Börsen vorstellen kann, werde ich die Dividenden nicht sofort wieder investieren. Aber ob ich den Mai ohne Aktienkauf schaffe? Ich glaube es eher nicht. Dafür investiere ich zu gerne regelmäßig. Ich nehme mir aber vor, von den Dividendenerträgen etwas zur Seite zu legen, um dann auch in den Folgemonaten noch etwas „Munition“ zu haben.
Wenn Du bis hierhin gelesen hast, dann habe ich noch eine Überraschung für Dich: Viele Leser waren enttäuscht, dass der Tag der Aktie im März nicht stattgefunden hat. Ich habe die Deutsche Börse daraufhin angeschrieben und folgende erfreuliche Antwort erhalten: „Wir sind aktuell in Austausch mit den Brokern. Der Tag der Aktie wird voraussichtlich im Herbst stattfinden.„


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