Was Du als Investor über die Halbleiterindustrie wissen musst

Halbleiterindustrie Symbolbild
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Na klar, Nvidia ist die heißeste Aktie im Halbleiterbereich. Wer sie nicht hat, verpasst eine sensationelle Performance. Aber was ist mit TSMC oder AMD? Oder den Klassikern Intel und Texas Instruments? Und wo liegen eigentlich die Unterschiede?

Wer sich mit Halbleitern und den beteiligten Unternehmen beschäftigt, wird schnell von technischen Details erschlagen. Es ist als Laie gar nicht so einfach, mit einem groben Bild ein Verständnis für die Marktposition und die Perspektiven zu erhalten. Das ist aber nötig, um eine nachhaltige Investitionsentscheidung zu treffen.

Dieser Beitrag versucht deshalb, die Grundlagen kurz und knapp zu skizzieren. Genau in der Ausführlichkeit, damit die generellen Unterschiede der Unternehmen klar werden. Technisches Verständnis ist dafür nicht erforderlich, wer möchte, kann sich dann natürlich an anderer Stelle noch viel tiefer einarbeiten.

Was ist die „Halbleiterindustrie“?

Als Halbleiterindustrie wird die gesamte Branche rund um Microchips genannt. Sie umfasst die Unternehmen, die die Chips designen, herstellen und sie verkaufen. Microchips (oder verkürzt: Chips) sind eine Ansammlung von Schaltern, die mit elektrischen Impulsen gesteuert werden. Diese Schalter werden mit Halbleitermaterial wie Silizium oder in geringerem Maße auch Germanium auf eine Platine gedruckt. Die leitfähige Beschaffenheit der Platine ermöglicht es, die Komponenten schichtweise in das Material zu ätzen, ebenso wie die Anschlüsse, um den Fluss der elektrischen Signale zu erleichtern.

Je dünner und leitfähiger das Halbleitermaterial nun ist, um so mehr Komponenten können eingebaut werden und um so leistungsfähiger sind dann die Chips. Mittlerweile ermöglicht es die neueste Technologie, 50 Milliarden Komponenten auf einem Chip von der Größe eines Fingernagels unterzubringen.

Die beiden Haupttypen von Microchips

Es gibt zwei Haupttypen von Chips: Logikchips, die die Berechnungen durchführen, und Speicherchips, die Daten zur Verwendung in den Berechnungen speichern. Zentralprozessoren „central processing units (CPUs)“ und Grafikprozessoren „graphic processing units (GPUs)“ bilden das Rückgrat des Marktes für Logikchips. GPUs sind den CPUs überlegen, da sie mehrere Berechnungen gleichzeitig durchführen können. Diese Einheiten brechen komplexe Berechnungen herunter und bearbeiten dann die Einzelteile, was sie für hochkomplexe, sich wiederholende Aufgaben, wie sie von der KI ausgeführt werden, unverzichtbar macht.

Logikchips als Gehirn

CPUs und GPUs sind das Herzstück von Computersystemen und erfüllen die zentralen Funktionen. Sie bilden das Gehirn des Geräts. Um die Hauptprozessoren herum sitzen die Chips, die das Funktionieren anderer Eingänge ermöglichen, die an das Gehirn rückkoppeln, wie der Bluetooth-Sender oder der 5G-Netzempfänger.

Die meisten Gehirne können nur eine bestimmte Anzahl von Berechnungen durchführen, so dass sie Daten speichern müssen, während sie Teile der Berechnung oder andere Teile der Arbeit verarbeiten. Das ist dann die Stelle, an der Speicherchips ins Spiel kommen. Alle diese verschiedenen Chips sind Erweiterungen des Gehirns. Ohne sie funktioniert das Gerät nicht, und ohne das Gehirn funktionieren auch die anderen Chips nicht.

Dieser kurze Überblick über die Funktionsweise elektronischer Geräte ist schon ausreichend, um als Investor zu verstehen, wo die Hauptmärkte liegen. Prozessoren sind komplexe und einzigartige Geräte, deren Entwicklung Milliarden kostet, und da die Leistung des Geräts von einem effizienten Prozessor abhängt, liegt hier der wahre Wert.

Die fortschrittlichste Form eines Logikchips, die derzeit auf dem Markt ist, ist der Blackwell B200 GPU von Nvidia. Dieser Chip hat 208 Milliarden Transistoren, und Nvidia hat eine Plattform entwickelt, die zwei seiner fortschrittlichsten GPUs, den GB200, einen so genannten „Superchip“, nutzen kann. Der Blackwell kostet etwa 30-40.000 US$ und ist damit aktuell der heilige Gral im Logikchip-Markt. Seine Entwicklungskosten liegen bei etwas 10 Mrd. US$. Der Hauptkonkurrent von Nvidia ist AMD, das sich in den letzten fünf Jahren eine starke Nische bei CPUs und GPUs für Rechenzentren geschaffen hat.

Nvidia hat sich zum Aushängeschild der weltweiten Halbleiterindustrie entwickelt. Interessanterweise produziert Nvidia aber gar keine eigenen Chips. Nvidia ist ein fabrikloses Unternehmen. Das wiederum ist in der Chipindustrie nicht ungewöhnlich, da Fabriken oft sehr teuer und unprofitabel sind.

Marktführer bei der Produktion und Eigentümer solcher Fabriken ist wiederum TSMC (Taiwan Semiconductor Manufactoring Company). Rund Zweidrittel des Produktionsmarktes in der Chipindustrie wird von TSMC beherrscht. Nvidia designt die Chips und lässt sie dann von TSMC herstellen. Für TSMC bedeutet das ein ständiges Investment in die eigenen Kapazitäten, um die Fabriken auszubauen und auf dem neuesten technischen Stand zu halten. Dafür investiert TSMC aktuell jährlich rund 30 Mrd. US$. Allein diese Summe zeigt schon, wie groß der Markt, aber auch die Kosten sind.

Intel wiederum ist eines von wenigen Unternehmen, das beides macht: es designt Chips und produziert sie selbst. Bekannt sind vor allem die Hauptprozessoren (CPUs), die in PCs (Desktop und Laptop), zum Einsatz kommen. Dieser Markt ist in den letzten Jahren durch das Aufkommen der schnelleren GPUs aber unter Druck gekommen. Intel versucht sich nun mit einer Aufholjagd und will in den nächsten Jahren rund 100 Mrd. US$ in neue Fabriken investieren.

Ohne Speicherchips geht es nicht

Neben dem Bereich der Logikchips, in dem eindeutig die Musik spielt, gibt es noch den langweiligeren Sektor der Speicherchips. Dort geht es vor allem um Größe und niedrige Herstellungskosten. Die drei größten Hersteller von Speicherchips sind die koreanischen Samsung und SK Hynix und Micron Technology aus den USA. Dieser Markt gilt jedoch als sehr zyklisch und hat seine eigene Dynamik.

Spezialisten

Neben den großen Spieler im Halbleitermarkt gibt es noch eine Reihe von kleineren Designern und Produzenten. Sie haben sich in der Regel auf Chips mit speziellen Funktionen spezialisiert. Ein solches Beispiel ist Qualcomm. Sie sind der Marktführer bei 4G- und 5G-Telekommunikationschips. Vor allem die Technik und die Patente machen dieses Unternehmen wertvoll – denn auch Qualcomm lässt seine Chips in fremden Fabriken produzieren. Genauso macht es Broadcom mit seinen Netzwerkkarten.

Der Markt für fabriklose Produkte ist immens, und hier werden wohl auch die meisten Fortschritte erzielt. Neben Nvidia ist einer der bekanntesten Player Arm Holdings. Arm vergibt Lizenzen für seine Chipdesigns an Dritte, die sie dann in ihre eigenen Produkte einbauen. Zu den Kunden von Arm gehört das Who is Who der AI-Schwergewichte: Nvidia, Alphabet, Qualcomm oder Microsoft.

Arm, Nvidia, AMD und Intel wiederum sind Kunden von Softwarefirmen wie Synopsys, die spezielle Programme zum Design von Halbleitern entwickelt haben.

Ausrüster

Und schließlich gibt es auch noch Halbleiterausrüstungsunternehmen, die die Fabriken und deren Ausrüstung entwickeln und produzieren. Sie profitieren von neu entstehenden Fabriken oder der Modernisierung bestehender Fabriken. Hier ist vor allem die niederländische ASML zu nennen. Sie ist Marktführer bei der Lithographie, dem Verfahren zum Ätzen von Bauteilen auf Siliziumchips. ASML hat hier einen Marktanteil von 80%. Die Konkurrenten Nikon und Canon fehlen jedoch im speziellen Segment der extrem ultravioletten Lithographie-Systeme, so dass ASML hier ein Alleinstellungsmerkmal hat.

Ein weiterer Ausrüster mit jahrzehntelanger Erfahrung, jedoch keiner Monopolstellung wie ASML, ist Applied Materials.

Schließlich gibt es noch Unternehmen, die an diversen Design- und Produktionspunkten einen wichtigen Beitrag leisten. Dazu gehören z.B. Lam Research, Tokyo Electron oder KLA. Sie haben unterschiedliche Schwerpunkte und die großen Chip-„Hersteller“ als Kunden.

Der Sonderfall

Zusammen mit Intel gehört Texas Instruments zu den ältesten und etabliertesten Unternehmen des Halbleitermarktes. Dabei hat Texas Instruments sich eine Nische erschlossen und sich auf analoge Chips konzentriert. Sie sind relativ einfach, aber trotzdem lebenswichtig. Meist sind für eine bestimmte Aufgabe entwickelt und programmiert worden. Beispielsweise für den Betrieb eines Bauteils in einem Roboterarm oder einem MRT-Gerät oder für die Klappen am Flügel eines Flugzeugs.

Branche stark vernetzt

Insgesamt besteht eine hohe Verknüpfung innerhalb der Halbleiterindustrie. Sie führt auf der einen Seite zu Abhängigkeiten, ermöglicht aber auch die gemeinsame Wertschöpfung. So bezieht Apple beispielsweise für ein iPhone Komponenten bei mehr als 200 Lieferanten. Und auch diese Lieferanten beziehen in ihrer Produktion noch weitere Lieferanten mit ein.

Sind AI-Chips mehr als nur ein Hype?

Aktuell befindet sich die Halbleiterindustrie an der Schwelle zu einer neuen Phase. Für AI sind extrem hohe Rechenkapazitäten erforderlich und die Ansprüche an die Chips steigen. Über kurz oder lang werden alte Systeme durch neue, stärkere Chips ersetzt, die die Anforderungen an AI besser erfüllen.

Der Halbleiterindustrie steht deshalb ein erhebliches Wachstum bevor. Und klar ist auch: Selbst wenn Nvidia die Schlagzeilen macht, es gibt viele Unternehmen, die von dem Entwicklungsschub profitieren werden. Wie immer bei Aktieninvestments zählt deshalb ein tieferer Blick in die Geschäftsentwicklung, Marktpositionierung und Bewertung. Womöglich ist es dann klüger, sich ein Unternehmen aus der 2. oder 3. Reihe herauszupicken. Wobei hier kein Hinterbänkler gemeint ist, sondern eher die Aufmerksamkeit. Ein Unternehmen, das nicht so im Fokus der Öffentlichkeit steht, aber bei allen Entwicklungsschritten mitverdient, kann am Ende des Tages ein deutlich profitableres Investment sein.

Wie bei allen Aktien gilt aber auch hier: nur weil ein Unternehmen einer attraktiven Branche angehört, ist es noch nicht aussichtsreich. Eine genauere Analyse ist immer erforderlich, bevor eine Aktie ins Depot gekauft wird. Und selbst ein herausragendes Unternehmen kann zu teuer und deshalb – zumindest vorübergehend – kein Kaufkandidat sein.

Die Branche im Divantis-Depot

Ich selbst bin bisher mit Lam Research und Texas Instruments in der Branche investiert. Damit fühle ich mich wohl und beabsichtige derzeit auch nicht, noch weitere Unternehmen hinzuzufügen. Bei beiden Titeln habe ich meine Zielposition noch nicht erreicht, so dass ich eher dort nachkaufen würde als einen neuen Titel in das Dividendendepot aufzunehmen. Denn lieber verstehe ich „meine“ Depotwerte durch die langjährige Begleitung immer besser als mich mit weiteren Titeln zu verzetteln.

Aber trotzdem lese ich natürlich viel über die anderen Unternehmen der Halbleiterbranche und bei entsprechenden Kurschancen nach außergewöhnlichen Marktreaktionen schaue ich sie mir auch genauer an.

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15 Gedanken zu „Was Du als Investor über die Halbleiterindustrie wissen musst“

  1. Vielen Dank für den Versuch einer Einordnung. Je mehr man darüber liesst desto mehr weiss man, dass man nicht genug weiss. Aber einen „bunten Strauss“ der grössten Halbleiterplayer im Depot zu haben, ist wohl sicher nicht verkehrt.

    1. Oi, Ben schreibt über die Halbleiterindustrie…
      obwohl Ben hier erst mit Texas Instruments im Sommer 2020 und kurz danach noch mal Lam Research ins Boot geholt hat,
      war Ben in diesem Sektor doch eher zurückhaltend (was nicht per se schlecht sein muß), aber weniger mutig. Egal.
      Das ist so ein weites Feld, da könnte man ein Buch drüber schreiben (keine Angst), ich versuche mich kurz zu fassen.
      Also.
      Jeder von uns weiß aus seinem privaten und/oder dienstlichen Umfeld, wie sich die Digitalisierung erst langsam und dann immer schneller in unser Leben einschleicht und regelrecht hineinfrißt. Die Geschwindigkeit der Veränderungen nimmt zu.
      Es ist zu 100% ! eine Einbahnstraße vorwärts, es gibt keine Stagnation, keinen Stillstand und kein Rückwärts oder zurück mehr.
      Die Entwicklungsgeschwindigkeit der Halbleiter- (und Software) Branche findet auf der Highspeed-Autobahn statt.
      Coca-Colas Entwicklungsgeschwindigkeit findet dagegen gefühlt auf der Dorfstraße Zone 30 statt…
      Ein Chip, der 2024 der absolute Renner war, gehört möglicherweise 2028 total zum alten Eisen, den will dann nicht mal jemand geschenkt, höchsten ein Museum.

      Es ist in diesem Sektor Überrendite zu erzielen, aber man muß die Bereitschaft und das Interesse mitbringen, sich da einzulesen und seine eigene zeiteffiziente Research-Routine zu entwickeln. Da muß man immer und ständig dranbleiben.

      Nirgendwo in keiner anderen Aktienbranche ist:

      A) die globale Konzentration enger und kleiner auf wenige oder Monopolfirmen, die dann den Weltmarkt beliefern und für sich alleine haben.

      B) die Entwicklungsgeschwindigkeit schneller

      aus A) und B) ergeben sich folgerichtig enormes/gigantisches Ertragspotential

      mein Lieblingsbild ist immer das hier
      https://finviz.com/map.ashx?t=sec
      und einen Klick weiter gerne auch der Worldchart.
      Je größer die Kachel der einzelnen Firma, je größer die Marketkap.
      Und (natürlich gaaaaanz zufällig) sind Software-Firmen und Halbleiterhersteller zu den größten Firmen der Welt geworden.
      Jetzt kann man frech und möglicherweise nicht ganz falsch behaupten, wer hier am stärksten investiert hat, hat auch die meiste Rendite gemacht…
      ABER, die Kehrseite ist gigantisches Verlust und Rückfallpotential für Firmen, die die Pace nicht mithalten können und für Aktionäre, die nicht aufpassen.

      Und genau dieser unheimlich sensible Sektor (Stichwort Knowhowtransfer/Konwhowdiebstahl) ist auch DER Sektor, bei dem sich die USA und China am härtesten ineinander verbeißen. Warum? Weil es hier um die informative Führerschaft der Zukunft geht. Nichts weniger.
      Es geht hier um alles.

      Kleiner Moralischer Seitenhieb (Wer beim Pharmagroßhandel in den USA eine Gefahr von Preisabsprachen sieht, will sie im Halbleitersektor nicht sehen, wo jeder jeden kennt, der das gleich kann?)

      Sich hier nur die richtige „Aktie“ raussuchen und dann für den Rest des Lebens liegenlassen, funktioniert in dem Sektor nicht.
      Wem das zu viel ist, kann sich ja gerne ETF kaufen. Halbleiteraktien muß man enger führen und ggf auch mal mit gutem Gewinn verkaufen oder Teilverkäufe vornehmen, Oder das Gegenteil: stark in stark steigende Preise nachkaufen und im Depot übergewichten.
      Wenns läuft, dann läufts.
      Ich hab natürlich auch kein Patentrezept.

      Aber der größte Fehler, den ein Aktionär machen kann, ist sich nicht genügend mit diesem für die Zukunft wichtigsten Sektor auseinanderzusetzen.

      1. Hallo,
        ein sehr interessanter Beitrag zur Halbleiterbranche.
        Wenn man die Zulieferer des Sektors nennt sollte man auch die Softwarelieferanten für Chip-Design berücksichtigen, wie z.B.: Ansys, Synopsys oder auch Cadence Design.
        Wie immer – nur meine Meinung und keine Anlageemfehlung !
        Grüße,
        Willy

        1. Willy, Du hast völlig recht, auch abseits der großen Leuchttürme passiert viel, Hinzuzufügen wäre im positiven Sinn noch NXP, Skyworks Solutions, Vertiv Holdings, Arista Networks, PTC Inc. , der Extremfall Super Micro Computer obwohl hier auch Zocker dabei sind,
          auch Dell macht absolut bella Figura,
          usw usf.
          also hier kann man sich austoben ohne Ende, so man das nötige Geld :-( dafür hat
          Aber ebenfalls keine Empfehlung.

      2. Hallo Thomas,

        Du hast vollkommen recht, dass ich in dem Sektor eher zurückhaltend war. Mich hat lange Jahre die Zyklik gestört und der Punkt, dass es kaum Dividendentitel in der Branche gab/gibt. Nur dass ich erstmals 2020 investiert hätte, stimmt nicht ganz. ;)

        Bereits 20 Jahre früher war ich bei der damaligen Neuemission von Infineon dabei. Das ist sogar bis heute einer meiner besten Momente an der Börse gewesen (hier nachzulesen).

        Zwischendurch (also nach Neuer Markt-Zeiten und vor Start des Blogs) war ich auch mal einige Zeit in Intel investiert. Damals war es mir in meinen PCs immer wichtig, Intel-Chips und keine AMD-Chips verbaut zu haben. Mittlerweile (als Mac-User) habe ich noch in meinem alten iMac einen Intel-Chip, aber ansonsten nur die Apple-eigenen Chips. Allein daran sieht man, dass sich die Zeiten ändern und – wie Du auch schreibst – man am Ball bleiben muss. Was heute und morgen gut ist, kann übermorgen schon überholt sein.

        Viele Grüße Ben

  2. Hi Ben, das war sehr informativ und interessant, Danke!

    Ich weiß ja, dass Du weniger ein Turn around Anleger bist, aber beobachtest Du gerade Intel und überlegst Dir was dazu?

    Als Investment-Case finde ich interessant, dass sie bei einer weiteren Blockbildung West-/Ost ein oder sogar der Auftragsfertiger im Westen werden könnten. Persönlich glaube ich ohnehin, dass die USA weniger verteidigungsbereit für Taiwan sein werden, wenn in einigen Jahren die ganzen Fabriken im Westen aufgebaut sind. Noch sind sie in diesem Bereich aber heftig defizitär und es werden natürlich gerade hier massiv Capex reingesteckt (allein von den absoluten Dimensionen ist das schon wirklich krass). Insofern könnte das antizyklisch gerade nicht uninteressant sein. Wobei ich hier für mich durchaus die von Dir adressierte Gefahr sehe, mich selber zu verzetteln.

    1. Hallo Tobs,

      Intel beobachte ich in der Tat. Aber ich sehe noch keinen Boden und habe noch mein Investment in IBM im Hinterkopf. Dort habe ich auch ewig auf den Turnaround gewartet und schließlich entnervt verkauft. Deshalb vermute ich, dass ich bei Intel dauerhafter Beobachter bleiben werde.

      Viele Grüße Ben

      1. Hi,
        Intel war für mich immer schon Ping Pong. Immer in einem engen Band zwischen 30 und 50 Dollar.
        Bei 30 Dollar einsteigen und ein Stück den Fahrstuhl mit hochfahren und bei 40 oder allerspätestens 45 Dollar wieder raus.
        Hab ich schon paarmal gemacht. Ich wette voll dagegen, das Intel jemals die 70 Dollar erreicht.
        Die sind mir da zu lahm. Zu wenig innovativ. Zu fetter Apparat. Weltmeister im Einsammeln von Subventionen und Weltmeister im Verbrennen von Geld. Den Wettkampf gegen ARM bezüglich des Chipdesigns zwischen Handy und Laptop/Desktopprozessoren haben sie gründlich ein für alle mal verloren und ich sehe bis jetzt nicht, wie sie den technologischen Verlust wieder aufholen wollen.
        Niemals erreicht Intel einen Kurs von 70 Dollar. Eher fresse ich einen Besen. Außer wer jetzt bei 31 Dollar einsteigen will und Zeit hat, der kann dann bei 40 Dollar aber spätestens wieder raus.
        Bei Intel für mich klar Thumb Down.
        Für TSMC läuft die Zeit. Sie stellen sich weltweit auf und sind in nicht mehr allzulanger Zeit nicht mehr essentiell von ihrem Heimatstandort Taiwan abhängig. Das Rennen gegen die Zeit haben sie eigentlich schon fast gewonnen.
        Xi Jin Ping, der Chinesische Kommunistenführer, ist auf absolutem Egotrip. Er will sich seine persönlichen Macht (wie Putin) auf Lebenszeit sichern. Mehr kann ein mächtiger Mann nicht erreichen. Aber eine militärische Taiwaneskalation ist für ihn zu risky.
        Er kann sich als friedliebend verkaufen oder vielleicht ist der Ausgang eines militärischen Experiments für ihn persönlich einfach zu risky.
        Taiwan ist geographisch so klein, da können die USA viel leichter operieren, als wie es sich in der Ukraine darstellt.
        Bitte zu TSMC auch mal dieses Bild ansehen,
        https://finviz.com/map.ashx?t=geo
        um die Dimension besser verstehen zu können. Da sind chinesische Firmen Waisenkinder dagegen.
        Bei TSMC absolut Thumb up, der größte Auftragsfertiger der Welt.
        auch wenn ich selbst die dämlicherweise mal mit leichtem Gewinn verkauft habe.

        Eine vielleicht etwas gewagte Prognose noch, in 10 Jahren wird es kaum noch Stocks geben, die keine Dividende mehr zahlen, der Trend ist auch deutlich. Also auch für Income-orientierte Anleger keine Ausrede mehr, hier nicht tätig zu werden und im Gegenzug eine deutlich höherer Käuferschaft (Volumennachfrage) auch für Stocks, die bis jetzt noch keine Divis gezahlt haben.
        Zusätzlich zu den ohnehin schon hohen Preisen, die nur von Growthinvestoren erreicht wurden…
        Eine Dividendenstreichung verbietet sich aus bekannten Gründen von alleine (haha)

    2. Hallo Tobs,

      ich sehe Intel tatsächlich „zwischen den Stühlen“. Ben hat das ja auch angedeutet.
      Wieso? Designer UND Fertiger, aber keinen wirklich absehbaren Markteinfluß. Dasselbe macht auch TI, aber in einem Markt, der nicht so getrieben ist wie der KI-basierte, wo langfristiger Support und Lieferfähigkeit erforderlich ist (Stromversorgung, Industrie, Air and Space). Und hier ist der Unterschied zwischen TI und Intel – die Fokussierung. Die sehe ich bei Intel noch nicht. Das ist keine Garantie, dass das bei TI so weiterlaufen muss.
      TSMC hat übrigens nicht nur in Taiwan Fertigungsstraßen, die sind international aufgestellt. So aus dem Gedächtnis wollen Sie für schlappe 20 Mill. eine weitere Fertigung in den USA bauen.

      Ansonsten hat Ben einen sehr guten Artikel geschrieben, um die Welt der MicroChips zu beleuchten. Einfach Klasse.
      Denn man muss zwischen den Schaufelherstellern und den Maurern unterscheiden.

      Wie Thomas sagte, bedarf dieser Markt mehr Beobachtung! Ein Betrachten der „eigenen Umwelt“, was kaufe ich, was sehe ich, genügt nicht. Es passiert extrem viel im Hintergrund, so wie bei den Preisvorschlägen bei Amazon. Die sind abhängig vom Nutzerverhalten und variieren. ;)
      Und die Frage ist, wer spielt welche Rolle in zukünftigen Konstellationen. Wie stark ist der Burggraben?

  3. Hallo zusammen und Danke Ben für den Beitrag,

    ich finde ihn sehr interessant und ich habe mir viele Gedanken gemacht bevor ich bei Halbleitern investiert habe.

    Nvidia habe ich als erstes gekauft, einmal weil ich die besser finde als die Konkurrenz von AMD
    und da dort viel mehr passiert, mittlerweile ist es ein Konzern wie Apple unter Steve Jobs.

    Sie geben ihre Aufträge an andere Firmen meist an TSMC deshalb habe ich diese als zweites gekauft,
    auch andere geben ihre Aufträge weiter.

    ASML kam als drittes auf meiner Liste, weil die die anderen mit Maschinen versorgen.
    Aktuell werden an verschiedenen Standorten in der Welt Firmen aus dem Boden gestampft
    und Chips werden fast überall eingebaut und meiner Meinung sind wir erst am Anfang von diesem Boom.

    Wenn ich jetzt noch einen dazu wählen würde, wäre das Broadcom, aber die sind mir aus heutiger Sicht
    zu hoch bewertet.

    Viele Grüße
    Ghost_69

  4. Wirklich spannender Beitrag! Im ersten Moment denke ich noch – vielleicht sollte ich doch mal… und dann fällt mir ein, dass ich ja schon seit Jahren einen entsprechenden ETF bespare 😄. Hauptsächlich, um meine eigene Voreingenommenheit zu umgehen. Man investiert ja gerne mal in Produkte, die man aus dem eigenen Umfeld kennt – die sind nur nicht immer die besten. Und wie sehr es die Branche durchschütteln kann, merkt man schnell, wenn man sich mit Bauteilknappheit herumschlagen darf…

  5. Danke für diesen Überblick, der sehr wertvoll ist. Es ist gar nicht so leicht diesen zu behalten.

    Was mir noch fehlt bzw. was ich noch so aufnehme und manchmal nicht richtig einordnen kann ist, dass es heißt, MSFT oder META oder Google würden auch Chips kreieren, designen, was auch immer. Oder bringe ich hier was durcheinander?

    1. Genau wie Apple
      designen sie ihre eigenen Chips. Einerseits auf Basis des ARM Layout, aber sie haben dann die Möglichkeiten in die Chips weitere Teile hineinzubringen wie KI oder Kryptografische Chips oder auf spezielle Aufgaben abzustimmen. Gefertigt werden sie dann wieder von TSCM. Im Falle von Microsoft soll die Fertigung Intel übernehmen.

  6. Wirklich guter Überblick! Ich lese sehr gern diese Artikel, die etwas über einzelne Titel hinaus den Blick heben in ein Anlagegebiet oder gar in Richtung Anlagegrundsätze usw.

    Diesbezüglich möchte ich 2 Anregungen geben, die evtl. interessant sein könnten:

    Wie bestimmst du den inneren Wert deiner Unternehmen? Und was bewegt dich dann zum Kaufen?
    Du hast ja den YoC in deinen Artikeln aufgenommen, was ich wirklich äußerst interessant finde. Auch hier wäre vielleicht mal ein Motivationsartikel toll, der eine Übersicht über den YoC (evtl. im Vergleich mit der aktuellen Rendite) aufzeigt? Evtl. könnte man da auch schnellwachsende Compounder mit kleiner Dividendenrendite den eher höheren Ausschüttern mit langsamen Wachstum gegenüberstellen. Daraus lassen sich bestimmt gute Grundsätze für die Zukunft ableiten.

    Da ich nicht so tief in Softwarethemen drin bin oder gar mit AI-Insiderinfos glänzen kann, ist es mir nicht möglich viel zur obigen Diskussion beizutragen. Nur einen Artikel von Stefan Waldhauser den ich aufgrund meines Engagements bei Alphabet gelesen habe (sonst ist sein Anlagestil nicht so meins): https://www.high-tech-investing.de/post/alphabet-aktie-ai

    Beste Grüße,
    Chrischaan

  7. Hallo Ben!
    Ich hätte eine etwas ungewöhnliche Bitte an dich die aber meiner Meinung nach im Interesse deines Forums liegt. Peter P. den du als auch ich als auch bestimmt einige andere Mitforisten hier sehr für seine Kommentare und Einbringungen geschätzt haben hat sich hier seit einigen Monaten nicht mehr zu Wort gemeldet.Könntest du Ihn vielleicht mal anschreiben und nachfragen ob er sich aus Desinteresse oder Verärgerung nicht mehr hier zu Wort meldet oder ob vielleicht aufgrund seitens betagten Alters das Schicksal leider zugeschlagen hat?

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