War das die letzte Dividendenerhöhung?

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Der weltweite Corona-Lockdown trifft viele Branchen extrem hart. Besonders spektakulär sind die Fluggesellschaften betroffen, die weltweit nach Staatshilfen rufen.

Wohl oder übel mussten sie nahezu ihren kompletten Flugplan einstampfen, das Passagieraufkommen ging um über 90% zurück.

Aus guten Gründen hatte ich keine Airlines im Depot. Mit meinen Flughafenaktien bin ich aber trotzdem betroffen. So wird VINCI die Dividende kürzen, Atlantia und Sydney Airport haben sie gestrichen.

Lediglich eine Aktie, die ausschließlich vom Flugverkehr lebt, erhöht ihre Dividende als wäre nichts geschehen. Warum das so ist und wie resistent die Aktie tatsächlich ist, erfährst Du in diesem Beitrag.

Die Aktie der italienischen Flugsicherheit ENAV habe ich hier ausführlich vorgestellt. Sie ist ein Unikat am internationalen Börsenmarkt und deshalb auch nicht mit Wettbewerbern zu vergleichen.

Dividendenzahlung

Die ENAV zahlt eine Jahresdividende von 0,2094 € pro Aktie. Das ist eine Erhöhung um 4.8% gegenüber dem Vorjahr. Für die 1.000 Aktien in meinem Depot bedeutet das eine Brutto-Dividende von 209,40 €. Wie bei italienischen Aktien üblich wird davon jedoch eine nur teilweise anrechenbare Quellensteuer abgezogen. Somit verbleibt eine Netto-Dividende von 132,87 €. Sie wird mit Wertstellung 27.05.2020 überwiesen.

Dividendengutschrift ENAV im Mai 2020

Italienische Quellensteuer

Einen Ausweg aus dem Quellensteuerabzug bietet der DKB-Broker an. Dazu müssen aber einige Formulare ans Finanzamt, dann zur Bank und von dort nach Italien geschickt werden. Das muss dann jährlich gemacht werden, um die Quellensteuer des jeweiligen Jahres anrechnen zu können. Der DKB-Broker nimmt dafür eine Gebühr von 11,90 € für alle italienischen Aktien im Depot. Die Gebühr muss aber jedes Jahr entrichtet werden, wenn man die Formulare einreicht. Ich habe das dieses Jahr noch nicht gemacht, da meine italienischen Aktien noch im Depot von maxblue lagen und mit einer Sperrfrist wegen eines Depotübertrags mit Prämie versehen waren. Aber inzwischen habe ich sie zum DKB-Broker übertragen und für nächstes Jahr werde ich dann auch die Formularprozedur machen. Finanziell hätte sich das schon allein für die ENAV-Dividende gelohnt, da mir so 23,03 € nicht anrechenbare Quellensteuer verloren gehen. Und bei dieser Aktie steht demnächst auch noch eine Dividende aus Italien an.

Perspektiven

Der weltweite Flugverkehr hat massiv abgenommen. Klar, Güterfrachtflüge starten und landen unverändert. Und auch manches Passagierflugzeug ist weiterhin in der Luft. Allein schon, um die Triebwerke in Schuss zu halten und den Piloten die notwendigen Flugstunden für ihre Lizenzen zu verschaffen.

Und von jedem stattfindenden Flug, egal wie voll oder leer die Maschinen sind, profitiert die ENAV. Die Luftraumsicherheit muss schließlich weiterhin gewährleistet bleiben.

Trotzdem wird der weltweite Corona-Lockdown auch beim Geschäftsergebnis der ENAV in diesem Jahr für deutliche Einbrüche sorgen.

Die Dividendenerhöhung ist deshalb meines Erachtens nur möglich, weil das Unternehmen außer für Gehälter kaum feste Ausgaben hat und deshalb ausreichende Liquidität hat. Und die jetzt gezahlte Dividende ist ja für das Geschäftsjahr 2019 – ein erneutes Rekordjahr für die ENAV.

Mit weiteren Dividendenerhöhungen rechne ich aber nicht mehr. Zumindest in den nächsten Jahren wird sich der Flugverkehr erst einmal konsolidieren müssen. Und weniger Flüge bedeuten weniger Einnahmen für die ENAV. Gebührenerhöhungen zur Kompensation sind wohl kaum durchsetzbar. Vor allem wenn nun viele Staaten direkt an den Fluglinien beteiligt sind. Die Alitalia ist beispielsweise komplett verstaatlicht worden.

Ich freue mich deshalb über diese Dividendenzahlung, rechne aber für die nächsten Jahre tendenziell sogar mit sinkenden Dividenden. Trotzdem bleibt die Aktie in meinem Depot, da ich den Themenbereich Flugraumüberwachung für spannend halte. Und die ENAV-Aktie hier ein Alleinstellungsmerkmal hat.

Auf einen Blick:

Unternehmen:ENAV
ISIN:IT0005176406
Im Divantis-Depot seit:28.07.2016
Letzter Nachkauf am:16.03.2017
Stückzahl im Divantis-Depot:1.000
Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren:3,58 €
Gesamtkaufpreis:3.580,94 €
Bisher erhaltene Netto-Dividenden:496,90 €
Aktuelle Strategie:Halten und Dividende kassieren

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3 Gedanken zu „War das die letzte Dividendenerhöhung?“

  1. Vielen Dank, dass Du ENAV hier vorgestellt hast. Ich habe die Aktie seit letztem Jahr im Depot und nun die zweite Dividende bekommen. Ansonsten habe ich noch nie irgendwas über die Aktie erfahren. Mach weiter so!

  2. Hallo Ben,

    erst mal herzlichen Glückwunsch zum 600 Blog-Beitrag! Ich bin regelmäßiger Leser und finde neben den Beiträge vor allem auch die Nutzerkommentare und die nachgereichten Deatils sehr bereichernd. Dem Inhalt des 600er Post kann ich mich voll anschließen. Danke!

    Gerne nun mal meinen ersten Eindruck zu ENAV, den ich hier mal zur allgemeinen Diskussion stellen würde, auch wenn der deutlich düstere ausfällt als deiner.

    Den Umsatzeinbrüchen stehen bei einer Flugsicherung relativ hohe und konstante Fixkosten gegenüber, da eine solche Gesellschaft außer Investitionen kaum variable Kosten hat. Eventuell kann man den einen oder anderen der sehr gut bezahlten Kollegen in Kurzarbeit schicken. Ein großflächiges herunterfahren der Flugsicherung ist in meinem Verständnis jedoch nicht möglich, selbst wenn es nur noch einen Bruchteil des Flugverkehrs am Himmel gibt.

    Die Verluste werden dementsprechend hoch sein und sich so lange auftürmen, bis die Menge des Verkehrs einen Umsatz über dem Break-Even generiert.

    Wann dies der Fall ist bzw. ob dies jemals wieder der Fall sein wird, ist derzeit nicht seriös abschätzbar. ENAV bleibt als einziges Mittel, die Gebühren massiv zu erhöhen. Vermutlich werden auch andere Flugsicherungen dies so handhaben.

    Worst Case wäre, wenn das Unternehmen insolvent geht und dann entschädigungsfrei wieder an den italienischen Staat zurückfällt. Die Frage ist, wie wahrscheinlich ist ein solcher Worst Case??

    Theoretisch müsste man nur Einblick in die aktuellen Zahlen haben und schauen, wie hoch die aktuelle Cash-Burn-Rate ist und wie viel Geld das Unternehmen stand heute noch hat. – Das allein liefert jedoch nur eine mathematische Antwort.

    Rein praktisch sollte ein Unternehmen, das sich mehrheitlich in Staatsbesitz befindet, jedoch fast so lange neue Kredite bekommen, wie der Staat als Haupteigentümer dafür bürgt. In Anbetracht der italienischen Staatsverschuldung wären eventuell durch Kredite abzufedern Verluste nur „Peanuts“ – sprich der Staat könne sich das durchaus leisten. Die Frage ist, will er das auch! Oder wäre es nicht für ihn leichter, die ENAV aus einer Insolvenz heraus wieder zu verstaatlichen?

    1. Hallo Ronin,

      bei der ENAV ist es nun so gekommen, wie ich es erwartet hatte. Durch die ausbleibenden Flugbewegungen sind die Umsätze massiv zurückgegangen und die Aktie hat auch entsprechend reagiert. An eine Insolvenz glaube ich aber nicht. Und ich glaube auch, dass sich die Aktie noch vor den Flughäfen erholen wird. Denn auch geringer ausgelastete Flugzeuge bringen der Flugsicherung den gleichen Umsatz.
      Und ich glaube an eine Zukunft des Flugverkehrs. Irgendwann wird Corona besiegt sein und die Menschheit schnell vergessen und zur Tagesordnung zurückkehren. Das war bisher immer so mit den Krisen.

      Viele Grüße Ben

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