Was Dich hier erwartet:
Die letzte Woche hat uns die Realität an der Börse mal wieder deutlich vor Augen geführt: Wir sind abhängig von den Notenbanken und ihrem Kampf gegen die Inflation.
Sobald die Erwartung steigt, dass die Zinserhöhungen ihr baldiges Ende finden und die Inflation ihren Höchstwert schon überschritten hat, ziehen die Aktienkurse an. Aber wehe, diese Erwartung wird durch Äußerungen der Notenbanker in Frage gestellt. Dann geht es wieder abwärts. Und das teilweise so heftig, dass man sich am liebsten anschnallen würde.
Mir geht es da nicht anders als den meisten Börsianern. Mein Gegenmittel ist allerdings für mich auch sehr wirksam: Ich schaue in mein Depot und sehe, wann ich viele der Aktien gekauft habe. Und das ist meistens schon mehrere oder sogar viele Jahre her. Und wenn ich diesen zurückliegenden Zeitraum dann in die Zukunft projiziere, sind mir drei tief rote Börsentage am Stück völlig egal.
Diesmal kam dann noch hinzu, dass ich sowieso überlegt habe, was ich noch in diesem Jahr handeln möchte. Und da habe ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt und meine (vermeintlich) letzten beiden Aktienkäufe für 2022 getätigt.
Und was soll ich sagen: Ich fühle mich total wohl damit. Wieso und weshalb und welche Titel ich gekauft habe, erfährst Du in diesem Beitrag.
Wenn Du meine Berichte über die letzten Dividendenzahlungen aufmerksam verfolgt hast, dann sind die Käufe sicherlich keine Überraschung für Dich. Und wenn Du meinen Newsletter abonniert hast, dann habe ich sie Dir auch schon verraten.
Beide Käufe haben einige Gemeinsamkeiten: Sie sind beide aus Europa und notieren in Euro. Beide zählen zu den Infrastrukturwerten, beide erhöhen ihre Dividenden regelmäßig und beide haben ein Quellensteuerthema. Und deshalb habe ich beide Titel auch in mein Depot bei der DKB gekauft.
Und für beide Titel gab es keine speziellen Kaufanlässe. Keine Geschäftszahlen, keine Ankündigung von Dividendenerhöhungen und auch keine negativen Schlagzeilen.
Der Hauptgrund für die Käufe war, dass ich schon sehr lang keine Nachkäufe bei diesen Depotpositionen getätigt hatte. Und sich die Aktien seitdem sehr gut entwickelt haben. Und ich auch für die nächsten Jahre von einer guten Performance überzeugt bin.
TERNA
TERNA betreibt das Stromnetz in Italien und verfügt damit über ein Monopol. Das Unternehmen habe ich hier ausführlich vorgestellt.
Im Februar 2017 hatte ich TERNA zuletzt nachgekauft. Der Total Return (Kursentwicklung + Dividende) der Aktie seit 2017 hat mich selbst überrascht – es gibt kein negatives Jahr:
| Jahr | Total Return |
|---|---|
| 2017 | 15,84% |
| 2018 | 7,27% |
| 2019 | 25,24% |
| 2020 | 9,44% |
| 2021 | 18,84% |
| 2022 (bis heute) | 5,34% |
Schon am Langfristchart ist erkennbar, dass es bei TERNA perspektivisch von links Unten nach rechts Oben geht:

TERNA ist relativ hoch verschuldet, was für Infrastrukturwerte aber nicht ungewöhnlich ist. Das Unternehmen profitiert von einer notwendigen Transformation im italienischen Energiemix. Denn bisher ist der Gasanteil mit 42% sehr hoch. Im EU-Durchschnitt liegt er bei lediglich 25%. Durch eine stärkere Förderung regenerativer Energie will Italien mehr Strom selbst produzieren. Dafür braucht es starke Netze. Perspektivisch wird der Stromdurchfluss steigen.
TERNA muss dafür zwar in den nächsten Jahren in das Stromnetz investieren, sollte aber gleichzeitig mit steigenden Erlösen aus dieser Entwicklung hervorgehen.
Aktienkauf
Ich kaufte am 15.12.2022 100 Aktien von TERNA zum Kurs von 7,30 € je Aktie. Auf den Gesamtbetrag von 730,00 € fielen 0,1% italienische Finanztransaktionssteuer (=0,73 €) und 10 € Provision an. Insgesamt zahlte ich also 740,73 €.

Quellensteuer
TERNA ist ein vorzüglicher Dividendenzahler und zahlt zweimal im Jahr eine Dividende (Juni und November). Die Dividendenrendite liegt bei 4,5%. Leider wird davon eine italienische Quellensteuer abgezogen, die nur teilweise auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet wird. Die DKB bietet jedoch eine Vorabbefreiung der Quellensteuer an. Dazu muss ich jährlich ein Formular bei meinem Finanzamt unterschreiben lassen und der DKB gegen eine Gebühr von 11,90 € (dann für alle italienischen Aktien gültig) einreichen. Mit diesem Nachkauf lohnt sich das für 2023 noch mehr und ich werde den Service erstmals nutzen.
Depotgewichtung
Durch den Nachkauf steigt meine Depotposition von 2.000 auf 2.100 Stück. Das ist ein Zuwachs von 5%. Die Depotgewichtung selbst liegt nun bei 3,78%.
Fazit
Zu meinem Investmentcase mit TERNA und den Aussichten habe ich im November bei der letzten Dividendenzahlung weiterführend geschrieben (hier). Das soll Dir als Anregung dienen und nicht als Kaufempfehlung. Denn es ist wichtig, dass Du Dir eine eigene Meinung bildest und Dich mit Deinen Investments wohl fühlst. Das funktioniert nur, wenn Du voll hinter einer Kaufentscheidung stehst. Dann sind auch Schwächephasen an der Börse kein Problem für Dich.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Terna |
| ISIN: | IT0003242622 |
| Im Divantis-Depot seit: | 01.12.2015 |
| Letzter Nachkauf am: | 15.12.2022 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 2.100 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 4,84 € |
| Gesamtkaufpreis: | 10.154,95 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 3.555,21 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |
VINCI
Der zweite Titel, den ich aufgestockt habe, ist das französische Infrastrukturunternehmen VINCI. Neben einem regen Baugeschäft, das jedoch margenschwach ist, betreibt VINCI Mautstraßen und Flughäfen. Die Aktie habe ich hier ausführlich vorgestellt.
Anders als TERNA ist der Corona-Crash im Chart von VINCI sehr deutlich zu sehen. Die Aktie wird gemeinhin als überwiegend zyklisch eingeschätzt, das liegt vor allem am Baugeschäft. Da dieses aber ohnehin nicht so viel zu den Erträgen beiträgt, liegt mein Fokus viel mehr auf dem Konzessionsgeschäft. Und das war zwar durch Corona erheblich betroffen, hat sich mittlerweile aber – anders als der Aktienkurs – wieder stark erholt:

Aktienkauf
Ich kaufte am 15.12.2022 10 Aktien von VINCI zum Kurs von 94,27 € je Aktie. Auf den Gesamtbetrag von 942,70 € fielen 0,3% französische Finanztransaktionssteuer (=2,83 €) und 10 € Provision an. Insgesamt zahlte ich also 955,53 €.

Quellensteuer
Auch VINCI ist ein verlässlicher Dividendenzahler und zahlt zweimal im Jahr eine Dividende (April und November). Die Dividendenrendite liegt bei 3,5%. Als französische Aktie gibt es dort eine Besonderheit mit der Quellensteuer. Bei nahezu allen Banken wird sie nicht auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet. Allerdings bietet auch hier die DKB eine Lösung an. Dazu muss ich alle drei Jahre ein Formular bei meinem Finanzamt unterschreiben lassen und der DKB gegen eine Gebühr von 11,90 € (dann für alle französische Aktien für drei Jahre gültig) einreichen. Im Ergebnis ist dann für mich die Steuerbelastung bei französischen Aktien sogar geringer als bei deutschen Aktien.
Depotgewichtung
Durch den Nachkauf steigt meine Depotposition von 130 auf 140 Stück. Das ist ein Zuwachs von 7,7%. Die Depotgewichtung selbst liegt nun bei 3,27%.
Fazit
Auch zu meinem Investmentcase mit VINCI und den Aussichten habe ich erst vor kurzem ausführlicher etwas geschrieben (hier). Und auch hier gilt: Das alles soll keine Kaufempfehlung sein, sondern Dir helfen, Dir eine eigene Meinung zu bilden. Was für mich passend ist und meine Depotstruktur bereichert, kann für Dein Portfolio unter Umständen sogar eine schlechte Ergänzung sein.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | VINCI |
| ISIN: | FR0000125486 |
| Im Divantis-Depot seit: | 25.08.2016 |
| Letzter Nachkauf am: | 11.06.2024 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 150 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 81,79 € |
| Gesamtkaufpreis: | 12.268,60 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 2.469,75 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |

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