Dann muss man auch mal Gewinne mitnehmen

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Einige Werte in meinem Dividendendepot hat die Corona-Pandemie besonders hart getroffen. Logisch, dass alles, was mit Flugverkehr zu tun hat, in eine Krise geraten ist.

Und so setzten mehrere Titel ihre Dividendenzahlungen aus und ich fragte mich, ob ich nicht besser verkaufe. Ich habe mich dann aber dazu entschlossen, an Bord zu bleiben und auf bessere Zeiten zu warten.

Bei einem Flughafenbetreiber wurde dann das Geld so knapp, dass letzten Herbst eine Kapitalerhöhung notwendig wurde. Und in meiner Einschätzung steht die nächste Kapitalerhöhung auch bald wieder auf der Agenda.

Umso überraschender dann die Nachricht, dass ein Infrastrukturfonds ein Übernahmeangebot abgegeben habe.

Wie es aussieht und warum ich die Gunst der Stunde zum Ausstieg genutzt habe, erfährst Du in diesem Beitrag.

Die Aktie von Sydney Airport ist ein reinrassiger Flughafenbetreiber. Sie habe ich hier ausführlich vorgestellt. Vor Corona hätte ich niemals über einen Verkauf nachgedacht.

Mit der Abschottung Australiens und der faktischen Einstellung des internationalen Flugverkehrs ist das Unternehmen in eine große Krise geraten.

Die Not war so groß, dass im letzten September eine Kapitalerhöhung zum Kurs von 4,56 AUD durchgeführt werden musste. Ich habe glücklicherweise aufgrund der Abstimmung der Divantis-Leser daran teilgenommen.

Und heute? Soll Sydney Airport zum Kurs von 8,25 AUD übernommen werden. Das ist ein Aufschlag gegenüber der Kapitalerhöhung von 80%!

Nun steht das Übernahmeangebot aber unter verschiedenen Bedingungen, unter anderem soll ein Großaktionär des Flughafens seinen Verkaufserlös vollständig in den Infrastrukturfonds reinvestieren.

Die Ungewissheit über den Erfolg des Angebots wird die Aktie in den nächsten Wochen begleiten. So wie das bei Übernahmeangeboten üblich ist.

Ich habe für mich bewertet, dass ich lieber den Spatz in der Hand habe als die Taube auf dem Dach. Und deshalb eine Verkaufsorder unterhalb des Übernahmeangebots aufgegeben.

Der Aktienverkauf

Ich verkaufte am 6. Juli meine 1.194 Aktien von Sydney Airport zum Kurs von 4,85 € an der Börse Stuttgart. Die Consorsbank * berechnete mir dafür 28,48 € Gebühren. Außerdem wurden 185,73 € Kapitalertragsteuer abgezogen. Netto erhielt ich 5.576,69 €.

Abrechnung und Verkaufsmotivation

Mein Investment in Sydney Airport sehe ich rückwirkend noch als halbwegs gelungen an. Ich habe in 4 Tranchen insgesamt 5.058,21 € dafür gezahlt, 674,25 € Netto-Dividenden erhalten und nun 5.576,69 € erlöst. Insgesamt habe ich also 1.192,73 € Gewinn gemacht – lustigerweise nahezu exakt 1 € pro Aktie. Portfolio Performance errechnet mir über die gesamte Haltedauer einen Internen Zinsfuß von 9,9% p.a. Das liegt über meiner Wunschmarke von 8% und ist gerade angesichts der Pandemie ordentlich.

Psychologisch ist das Ganze trotzdem nicht so einfach. Denn noch im Januar 2020 lag der Aktienkurs bei 5,57 €. Und so argumentiert auch der Vorstand: Das Übernahmeangebot sei niedriger als der Aktienkurs vor Corona.

Aber wird die Welt für einen Flughafen jemals wieder so sein wie früher? Ich habe da meine Zweifel. Klar, es wird wieder mehr Flugverkehr geben. Aber das alte Niveau sehe ich nicht mehr. Und Flughäfen profitieren zu einem Großteil auch von den Einzelhandelsumsätzen in ihren Shoppingstraßen. Und da sehe ich erst recht keine Rückkehr zu den alten Zeiten. Viele Artikel sind dort trotz Steuerfreiheit immer noch teuer als im Onlinehandel.

Ich habe deshalb die besondere Situation zum Ausstieg genutzt. Und ich habe ja mit Atlantia und VINCI noch weitere Flughafenbetreiber im Depot. Zwar nicht reinrassig, aber das ist in diesen Fällen dann auch von Vorteil.

Übrigens habe ich einen Teil des Verkaufserlöses direkt wieder investiert. Lass Dich überraschen, der Beitrag dazu folgt in den nächsten Tagen!

Auf einen Blick:

Unternehmen:Sydney Airport
ISIN:AU000000SYD9
Im Divantis-Depot seit:17.03.2016
Letzter Nachkauf am:14.09.2020
Stückzahl im Divantis-Depot:1.194
Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren:4,24 €
Gesamtkaufpreis:5.058,21 €
Insgesamt erhaltene Netto-Dividenden:674,25 €
verkauft am:06.07.2021
Durchschnittsverkaufserlös abzgl. Gebühren und Steuern:4,67 €
Gesamtverkaufserlös:5.576,69 €
Gewinn/Verlust:1.192,73 €
Gewinn in Prozent:23,58%

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7 Gedanken zu „Dann muss man auch mal Gewinne mitnehmen“

  1. Hallo Ben,
    danke für den schönen Artikel.
    Ganz nachvollziehbar finde ich es allerdings nicht – warum steigt denn der Infrastrukturfonds ein? warum schon jetzt der Verkauf? – allerdings kenne ich mich mit dem Wert auch nicht aus.
    Ich rechne auch mit zukünftig eingeschränktem Flugverkehr, auch nach der Durchimpfung, aber ob wir so weit weg vom früheren Level liegen werden?
    Bei vielen Problemen höre ich in den letzten Monaten, dass wir so schnell wie möglich wieder hinfliegen „müssen“… und diese Ausreden und Ablenkungsmanöver wird man auch entkräften durch deutlich höheres Flugaufkommen in Kürze. Zumindest ist das meine Vermutung.

    VG
    1Steven1

  2. Hallo Ben,

    danke für den Artikel. Nach meiner Meinung hast du alles richtig gemacht und sogar summa summarum mit deinem Investment einen Gewinn erwirtschaftet. Ich wage keine Prognose, wie es mit dem Luftverkehr weitergehen wird und vor allem, wann und schwanke etwas, ob ich meine Lufthansa-Papiere (eingekauft für 7,50 Euro) jetzt oder später verkaufen soll. Auf lange Sicht sehe ich dafür keine Perspektive.
    Gruß Sebastian I

  3. Hallo Ben,

    durch Dich bin ich 12/2019 auf SYD aufmerksam geworden und eingestiegen. Über einen CSP wurden mir dann bei 8,50 Aktien eingebucht. Die Kapitalerhöhung habe ich auch mitgenommen und bin jetzt ganz leicht im Minus. Ich habe heute auf meine Aktien einen covered call geschrieben. Mich wundert, dass Du diesen Schritt nicht auch zumindest in Erwägung gezogen hast.
    Gruß, Tom

    1. Hallo Tom,

      an Optionen auf australische Aktien habe ich mich bisher noch nicht herangewagt. Durch die Zeitumstellung liegen die Handelszeiten ja mitten in der Nacht. Wie machst Du das? Oder bist Du eine Nachteule? Deine Herangehensweise ist natürlich auch ein guter Weg!

      Viele Grüße Ben

      1. Hallo Ben,
        nach meiner Erfahrung ist die ASX zwischen 2 Uhr und 8:50 Uhr geöffnet. Ich bin definitiv keine Nachteule aber auch kein Langschläfer. Zwischen 7 und 8 Uhr schaue ich hier öfter mal rein. Die Liquidität finde ich allerdings nicht so pralle.

        VG Stefan

      2. Du kannst in den frühen Morgenstunden bis 8.12 MEZ in Australien handeln. Ich habe meine Aktien bei Captrader bzw. IB und die Ordergebühren sind mit 4 AUD moderat ausgepreist. Ansonsten laufen die Optionen wie in US und Europa ganz normal. Einzig in Japan konnte ich noch keine Optionen schreiben. An der TSEJ habe ich auf Deine Anregung KDDI und Sekisui ins Depot geholt und über den Aktienfinder noch Daiwa House gefunden. Über den Kurssprung von Spark habe ich mich auch gefreut – da scheint einiges in Australien zu laufen. Im Moment habe ich auch eine Option auf FMG (Fortescue Metal) geschrieben. Alle Optionen sind ein schöner Zuverdienst und Dir danke ich für die eine und andere Anregung.

        Schöne Grüße, Tom

        1. Hallo Tom,

          ich habe mir das gestern früh mal angeschaut und heute morgen dann auch mal getestet. Habe einen Short Put auf Sydney Airport verkauft und 18 AUD Optionsprämie eingenommen. An sich nicht der Rede wert, aber ein schöner Test. Das Risiko scheint mir aufgrund des Übernahmeangebots begrenzt zu sein, viel wird sich am Aktienkurs erst mal nicht tun. Das ist jedenfalls eine interessante Möglichkeit, vergleichsweise günstig in Australien zu handeln.

          Danke für die guten Hinweise!

          Viele Grüße Ben

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