Was Dich hier erwartet:
Einer meiner schwächsten Titel in diesem Jahr im Depot ist Sydney Airport. Kein Wunder, schließlich ist die Aktie extrem von der Corona-Pandemie getroffen.
Als Flughafen mit wichtigen Umsätzen im Einzelhandel fehlen gleich beide Einnahmequellen: keine Flüge und kein Shopping. Und weil der Flughafen vor allem von chinesischen Reisegästen profitierte, war er schon besonders früh vom Virus aus Wuhan betroffen.
Nach der Streichung der Dividende habe ich die Aktie in mein neues Kursdepot verschoben, in dem ich Haltepositionen ohne Dividenden führe. Und jetzt fängt der Schlamassel für mich an: Sydney Airport kündigt eine Kapitalerhöhung an!
Ob ich daran mit meinen Aktien teilnehmen soll oder nicht, will ich nun die Leser meines Blogs entscheiden lassen. Du hast also die Wahl, ob ich noch einmal frisches Geld in Sydney Airport stecke oder es bleiben lasse.
Ich stelle Dir alle Fakten vor und am Ende dieses Beitrags kannst Du dann abstimmen!
Sydney Airport
Sydney Airport selbst habe ich hier ausführlich vorgestellt. Die Präsentation zur Kapitalerhöhung wurde am 11. August 2020 veröffentlicht und Du kannst sie hier als PDF herunterladen. Das ist aber nur nötig, wenn Du Dich noch eingehender einlesen willst.
Die Zahlen zum 1. Halbjahr 2020
Die Gesamtzahl der Passagiere ging im 1. Halbjahr um 56,6% auf 9,4 Millionen zurück. Das ist fast noch als moderat zu bezeichnen, da zum Jahresbeginn ja noch normaler Flugverkehr stattfand. Von den 9,4 Millionen Passagieren im Halbjahr stammen 9 Millionen aus dem 1. Quartal, im 2. Quartal kamen nur noch 0,4 Millionen hinzu (-96,6% gegenüber dem 2. Quartal 2019).
Der Umsatz sank um 35,9% auf 511 Millionen AUD. Das EBITDA lag immerhin noch bei 300,4 Millionen AUD (-35,4%). Das EBIT erreichte 80,4 Millionen AUD. Da die Finanzierungskosten bei 208,9 Millionen AUD lagen, drehte sich das Halbjahresergebnis in die Verlustzone. Dank einer Steuererstattung lag der Verlust bei 53,6 Millionen AUD, während im Vorjahr noch ein Gewinn von 17,3 Millionen AUD zu verzeichnen war.
Verschuldungsgrad
Die Verschuldung von Sydney Airport liegt zum 30. Juni 2020 bei 6,8 (NetDebt ./. EBITDA) und soll durch die Kapitalerhöhung auf 5,3 sinken. Dementsprechend soll die Kapitalerhöhung dem Schuldenabbau dienen. Von 9,1 Milliarden AUD soll die Verschuldung auf 7,1 Milliarden AUD sinken.
Die Kapitalerhöhung
Mit der Kapitalerhöhung sollen 2 Milliarden AUD erlöst werden. Dazu werden neue Aktien zum Preis von 4,56 AUD herausgegeben. Der Ausgabepreis entspricht einem Abschlag gegenüber dem Aktienkurs vom 10. August 2020 von 15,4%.
Alle Anleger erhalten ein Bezugsrecht auf die neuen Aktien im Verhältnis 1:5,15. Für meine 1.000 Aktien im Depot kann ich also 194 neue Sydney Airport-Aktien erwerben. Dafür müsste ich 884,64 AUD bezahlen. Das entspricht beim aktuellen Wechselkurs (1,647) ungefähr einem Betrag von 537 €.
Die Bezugsrechte werden vom 14. bis 26. August 2020 an der Börse Sydney gehandelt. Die Kapitalerhöhung für Privatanleger startet am 18. August und schließt am 2. September 2020.
Was für Sydney Airport spricht
Der Flughafen ist für Australien extrem wichtig. Als größter Flughafen des Kontinents ist er ein fester Bestandteil der Infrastruktur, der Tourismus-Industrie und der Wirtschaft. Rund die Hälfte der gesamten Luftfracht Australiens wird über diesen Flughafen bewegt.
In der Zeit vor der Corona-Pandemie hat er stabile Cash-Flows generiert und zuverlässiges Wachstum gezeigt. 2019 nutzten über 44 Millionen Passagiere den Flughafen zu über 90 Zielen.
Kommt es zu einer Erholung der Wirtschaft und einer Wiederbelebung des Tourismus, dann wird Sydney Airport davon erheblich profitieren.
Die Liquidität ist mit 2,6 Milliarden AUD auch ausreichend hoch, um noch eine längere Durststrecke durchzustehen.
Was gegen Sydney Airport spricht
Die Corona-Pandemie ist noch lange nicht besiegt. Und niemand weiß, ob es in absehbarer Zeit einen Impfstoff geben wird. Australien schottet sich deshalb weitgehend gegen internationale Touristen ab.
Mit einer wirtschaftlichen Rezession nimmt auch die Luftfracht ab. Und es ist offen, ob der weltweite Flugverkehr jemals wieder die Zahlen vor Corona erreichen wird.
Die Verschuldung und damit die Finanzierungskosten sind sehr hoch. Der Flughafen ist derzeit nicht auf niedrigere Passagierzahlen ausgelegt, die Kosten sind zu hoch.
Trotz der Kapitalerhöhung wird der Verschuldungsgrad zum Jahresende deutlich steigen. Derzeit wird er nämlich mit dem EBITDA von 2019 berechnet. Steht erst mal das desaströse 2020-Ergebnis fest, wird der Verschuldungsgrad in einen exorbitanten zweistelligen Bereich steigen. Womöglich folgt in 2021 dann die nächste Kapitalerhöhung.
Kapitalerhöhung auch für deutsche Anleger?
Üblicherweise werden bei solch großen Kapitalerhöhungen alle Aktionäre gleichbehandelt. Das gebietet schon die Fairness und schließlich braucht das Unternehmen jeden Cent. Aus rechtlichen Gründen richtet sich das formale Angebot aber meistens nur Anleger in bestimmten Ländern. Das hat was mit den Formalien für die Wertpapierprospekte zu tun.
Deshalb dürfen die Informationsseiten von Sydney Airport zur Kapitalerhöhung nur von Anlegern aus Australien und Neuseeland aufgerufen werden. Um dort Zugang zu bekommen, musst Du angeben, wo Du lebst. Als deutscher Anleger habe ich keinen Zugriff bekommen. Geklappt hat es aber, als ich angegeben habe, in Neuseeland, dort in der Region Auckland und mit der Postleitzahl 1140 zu wohnen. Das soll natürlich keine Anstiftung zu Falschangaben sein. ;-)
Bei der letzten Kapitalerhöhung der australischen Transurban Group war das genauso. An der Kapitalerhöhung selbst konnte ich problemlos über meine Depotbank Consorsbank teilnehmen (das kannst Du hier nachlesen!). Ich erwarte, dass das diesmal auch so möglich ist.
Jetzt bist Du dran!
Ich selbst bin hin und her gerissen, ob ich mich an der Kapitalerhöhung beteiligen will. Ich habe die Aktien von Sydney Airport bewusst in der Krise nicht verkauft, da ich mich als Langfristanleger verstehe. An der Börse nachkaufen will aber auch nicht, da die Dividende gestrichen wurde und die Rückkehr zu „normalen“ Zeiten nicht absehbar ist.
Andererseits fühle ich mich als Anleger auch (jedenfalls ein bißchen) verpflichtet, der Gesellschaft in dieser schwierigen Zeit nun mit frischem Geld auszuhelfen. Die Probleme sind schließlich nicht hausgemacht. Und der Discount auf den Aktienkurs ist attraktiv.
Ich lege die Entscheidung nun bewusst in die Hände aller Leser des Blogs. Ihr gemeinsam sollt entscheiden, ob ich das Geld investiere und an der Kapitalerhöhung teilnehme. Oder ob ich mir lieber etwas anderes suche, um mein Geld anzulegen.
Die Umfrage lief bis zum 17. August 2020 um 22.00 Uhr, damit ich dann direkt zu Beginn der Kapitalerhöhung eine etwaige Order abgeben kann.


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