Mein Hedge gegen steigende Getreidepreise wird noch ausgebaut

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Vor einem Jahr habe ich die australische Aktie aus dem Agrarsektor ins Dividendendepot gekauft und erhalte nun schon die dritte Dividendenzahlung. Was das angeht, sind meine Erwartungen voll aufgegangen.

Nur vom Aktienkurs kann ich das leider nicht sagen. Sein Rückgang, gepaart mit dem schwächeren australischen Dollar, führt dazu, dass ich aktuell auf einem zweistelligen Buchverlust sitze.

Da trifft es sich gut, dass ich bisher nur eine kleine Position von der Aktie habe und sie ohnehin für einen Nachkauf in diesem Jahr vorgesehen habe.

Denn die Rahmenbedingungen auf dem Weltmarkt für Getreide haben sich seit dem russischen Angriff auf die Ukraine dramatisch verändert. Und aktuell sieht es nicht nach einer Besserung aus.

Was das für meine Aktien bedeuten könnte und ob ich damit womöglich zynisch handle? Ich mache mir dazu Gedanken und teile sie in diesem Beitrag. Außerdem alle Infos zur jüngsten Dividendenzahlung und meine Einschätzung der Perspektiven.

Das Getreideabkommen, das ein freies Geleit für Handelsschiffe im schwarzen Meer vorsah, ist kürzlich ohne Verlängerung ausgelaufen. Und gerade in diesen Tage hat Russland die ukrainische Seite des schwarzen Meeres zum Kriegsgebiet erklärt. Gleichzeitig werden Getreidevorräte und die Infrastruktur weiterhin zerbombt. Damit fällt einer der großen weltweiten Lieferanten von Weizen nicht nur kurzfristig, sondern offenbar auch auf längere Zeit aus. Und das hat einen direkten Einfluss auf die weltweite Weizenversorgung und damit auch dessen Preis.

Unter dem Eindruck des russischen Angriffs, aber nicht nur deshalb, habe ich im letzten Jahr GrainCorp, ein breit aufgestelltes australische Agrarunternehmen, neu in mein Depot gekauft. Ich habe die Aktie hier ausführlich vorgestellt.

Mein Einstieg im Juli war nicht optimal getimt, aber es war für mich auch nur eine erste kleinere Position. Im Chart der letzten 10 Jahre siehst Du, dass das aktuelle Kursniveau ungefähr dem Boden der Jahre 2014 bis 2019 entspricht:

GrainCorp 10 Jahres-Chart in AUD
10-Jahres-Chart von GrainCorp in AUD

Im März 2020 hat GrainCorp einen Spin-Off von United Malt durchgeführt. Den damaligen Kursabschlag hat die Aktie mittlerweile wieder aufgeholt.

Dividendenzahlung

GrainCorp zahlt in der Regel zweimal jährlich eine Dividende. Im Juli gibt es eine Zwischendividende und im Dezember dann die Schlussdividende. Nun ist also die Zwischendividende dran. Sie beträgt in diesem Jahr erneut 0,24 AUD. Mit meinen 200 Aktien erhalte ich eine Brutto-Dividende von 48 AUD, wovon keine Quellensteuer abgezogen wurde. Nach Umrechnung zum Kurs von 1,67405 ergibt sich – ohne Abzug von Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag, da ich einen gut gefüllten Verlusttopf habe – eine Netto-Dividende von 28,67 €. Sie wurde mit Wertstellung 20.07.2023 überwiesen.

Dividendenabrechnung GrainCorp im Juli 2023

Die konstante Zwischendividende ist aus meiner Sicht ein starkes Zeichen. Denn 2022 war ein Rekordjahr, das sich in 2023 wohl nicht wiederholen wird. Aber die Aktionäre werden trotzdem unverändert „bedient“. Dazu eine Übersicht der letzten Dividendenzahlungen:

exDividendeZahltagBetrag
05.07.2320.07.230,24
30.11.2213.12.220,30
06.07.2221.07.220,24
24.11.2109.12.210,10
07.07.2122.07.210,08
25.11.2010.12.200,07
28.11.1813.12.180,08
29.06.1816.07.180,08
29.11.1714.12.170,15
30.06.1717.07.170,15
29.11.1614.12.160,035
30.06.1615.07.160,075
alle Beträge in AUD

Die Berechnung der Dividendenrendite ist nicht leicht, da GrainCorp ausdrücklich mit Sonderdividenden arbeitet und damit die Erwartungen nicht zu hoch schüren will. Bei den jetzt gezahlten 0,24 AUD handelt es sich um 0,14 AUD normale Dividende und um 0,10 AUD Sonderdividende. Im Vorjahr setzte sich die Zwischendividende zu gleichen Teilen aus normaler und Sonderdividende zusammen. Im Ergebnis ist die Zwischendividende aber auf Vorjahresniveau geblieben. Der Einfachheit halber rechne ich auch mit einer konstanten Dezemberdividende. Das ist aber ausdrücklich nicht sicher! Damit würden aber 0,54 AUD Dividende in 2023 gezahlt, bei einem aktuellen Aktienkurs von 7,97 AUD. Das entspricht dann einer Dividendenrendite von 6,8%.

Perspektiven

Die Halbjahreszahlen von GrainCorp wurden im Mai veröffentlicht und bezogen sich auf den Zeitraum bis Ende März 2023. Da hatten sich die Getreidepreise zeitweise wieder beruhigt.

Bedenkt man jetzt, dass der russische Angriffskrieg im Februar 2022 startete und damit nur ein kleiner Zeitraum des Vergleichshalbjahres von der damaligen Preisexplosion betroffen war, dann ist auch klar, warum die jetzt präsentierten Zahlen nur knapp unter dem Vergleichszeitraum lagen. Die „Musik“ wird im 2. Halbjahr (April bis September) spielen!

Das EBITDA erreichte 383 Mio. AUD (zuvor: 427 Mio. AUD, also: -10,3%). Der Nachsteuergewinn lag bei 200 Mio. AUD (zuvor: 246 Mio. AUD, also: -18,7%).

Das war jedoch deutlich besser als erwartet und veranlasste das Management, die Prognose für das gesamte Jahr anzuheben. Erwartet wird nun ein EBITDA von 500-560 Mio. AUD. Im Vorjahr waren es übrigens 703 Mio. AUD, was einem Zuwachs von 112% entsprach. Es geht – zumindest in der Prognose – also operativ um rund ein Viertel zurück. Und trotzdem ist das immer noch ein sehr hohes Niveau.

Trotz des jetzt ausgelaufenen Getreideabkommens und dem Wiederanziehen des Weizenpreises wird das laufende Geschäftsjahr kein erneutes Rekordjahr für GrainCorp werden. Das ist aber auch gar nicht nötig, da allen Akteuren bewusst war, dass das vergangene Jahr einen Ausreißer darstellte.

Mir ist ein Management lieber, dass dann rational bleibt und nicht mit einer solch hohen Basis weiterarbeitet. Das zeigte sich eben auch bei der Dividende, die zwar im letzten Jahr erhöht wurde, aber immer noch eine komfortable Ausschüttungsquote hatte. Und das führt nun dazu, dass die Dividende bei Erreichen der Prognose nicht zwingend gekürzt werden muss.

Für mich haben sich die Rahmenbedingungen seit meinem Einstieg bei GrainCorp nicht verändert. Klar, der Aktienkurs ist etwas zurückgekommen und der australische Dollar ist schwächer geworden. Aber langfristige Trends, wie eine zunehmende Bevölkerungszahl und Klimaveränderungen, die zu weniger Ertrag im Ackerbau führen, sind ja davon unbeeinflusst.

Und deshalb steht für mich außer Frage, dass ich GrainCorp in diesem Jahr noch nachkaufen werde. Das Unternehmen exportiert Weizen am Rande seiner Kapazitätsgrenze in alle Welt. Natürlich stelle ich mir die Frage, ob ich nicht insgeheim von meinem Investment vom Krieg in Europa profitiere. Bei nüchterner Betrachtung lässt sich das auch nicht abstreiten. Jedoch war der Krieg für mich nur der Auslöser, warum ich auf GrainCorp aufmerksam geworden bin. Hätte ich die Aktie schon früher entdeckt, dann hätte ich auch schon früher in sie investiert. Denn die Megatrends sind ja völlig unabhängig vom Krieg und ich möchte sie angemessen in meinem Depot abdecken.

Und schließlich will ich den Länderanteil von Australien weiter ausbauen. Im Ziel will ich weiterhin meine drei australischen Depotwerte (neben GrainCorp noch Transurban Group und Fortescue Metals Group) ungefähr gleichgewichtet bei jeweils rund 1,5% Depotanteil führen.

Die bisherigen 200 Aktien sollten ja von Anfang nur eine Startinvestition bei GrainCorp sein. Mein Nachkauf wird meine Position vermutlich mindestens verdoppeln. Spätestens zur nächsten Dividendenzahlung im Dezember wird es dann so weit sein.

Und für mich ist völlig klar: Ich wünsche mir, dass der russische Angriff auf die Ukraine schnellstmöglich beendet wird. Und ich würde es genauso feiern, wenn der Weizenpreis dadurch crashen würde. Da bin ich im Reinen mit mir, ein möglicher Kursrückgang von GrainCorp als Folge wäre mir völlig egal.

Auf einen Blick:

Unternehmen:GrainCorp
ISIN:AU000000GNC9
Im Divantis-Depot seit:22.06.2022
Letzter Nachkauf am:18.12.2023
Stückzahl im Divantis-Depot:223
Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren:6,05 €
Gesamtkaufpreis:1.349,12 €
Bisher erhaltene Netto-Dividenden:131,42 €
Aktuelle Strategie:Halten und Dividende reinvestieren

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3 Gedanken zu „Mein Hedge gegen steigende Getreidepreise wird noch ausgebaut“

  1. Man muss sich als Erklärung für die Kündigung des Getreideabkommens durch Russland
    nur mal den 5 Jahres Chart des Chicago SRW Wheat Futures ansehen. Nach dem Peak durch Einmarsch der Russen sind die Preise kontinuierlich gefallen.
    Genauso wie es auf „wundersame Weise“ keine Angebotsverknappung bei Öl, Diesel, Benzin, Gas etc. gibt und die Preise sind, wenn man die Inflation mit einbezieht fast auf Vorkriegsniveau gefallen. So auch beim Weizen.
    Es ist nichts als der Versuch Rußlands, durch künstliche Verknappung ihre eigenen Produkte teurer zu verkaufen.
    hat zwei Tage geklappt, Freitag ist der Future schon wieder fast 5% runtergekommen. Subsektor Farmproducts haben ihren kleinen Höhenflug Freitag auch schon wieder beendet.
    Hab gelesen, das Russland eine Art Sonder(kriegs)steuer (darf wohl nicht so heißen,) rückwirkend auf Gewinne der vergangenen Jahre erhebt.
    Putin muß seinen Staatsapparat (nach Prigoshin erst recht) bei Laune halten und dafür braucht er nicht nur Rubel, sondern auch Dollar.
    Der Rubel hat übers Jahr wieder 40% verloren und der Krieg frißt Geld, Ressourcen und Menschen.
    Es wird also nicht lange dauern, bis es ein neues Abkommen gibt, auch wenn es dann vielleicht anders heißt.
    Kommerzielle Interessen sind viel mächtiger als die Interessen an den Kriegsschauplätzen. Das ist der eigentliche Zynismus.
    Die armen Soldaten müssen ihre Rübe hinhalten, damit andernorts Champagner(Krimsekt) und Kaviar nicht ausgehen.
    spätesten nach dem Einmarsch der Russen in die Ukraine hab ich die Hoffnung aufgegeben, das sich das jemals ändern wird.

    ansonsten EUR/AUD läuft etwa wie EUR/CAD

    Mein Sternchen im Agrarsektor ist btw. Archer Daniels Midland
    Grüße

    1. Ben und Thomas – Ihr spielt Euch den Ball sehr häufig wunderbar zu. Dafür möchte ich mich bei Euch bedanken.

      Ich würde wie Thomas auch nicht viel auf Bens Hedge geben, zudem Ben ja selbst schon seine Entscheidung hinterfragt. Sobald Waffenstillstand ist wird es mit dem Weizenpreis glücklicherweise nicht mehr viel her sein. Der Waffenstillstand – und nur der – wird in spätestens 18 Monaten kommen. Wie der zukünftig aussieht ist Kaffeesatzleserei. Darum geht es auch gar nicht, vielmehr wird man versuchen, Russland sehr schnell wieder in internationale Wirtschaftsbeziehung einzubinden, womit der Weizenpreis sich eh normalisiert. Russland ist verloren – das wissen die Großmächte. Einzig ein Chaos mit Atomwaffen ist zu vermeiden, somit man hofft, dass Russland angesichts drastischer Verschlechterungen im Lande doch noch selbsteinsichtig wird…. und dann hilft man natürlich auch gerne wieder …

      Gruß Frank

  2. Hat nur indirekt mit dem Thema zu tun aber für den ein oder anderen risikofreudigen Anleger unter euch sollte die Kernel Holding ansprechen. Ich habe mir die Tage die Geschäftsberichte angeschaut und warte jetzt noch auf das nächste Quartal. Aber unterm Strich seh ich potential bzw. ist der Cashflow bzw. ein positives Ergebnis da. Selbstverständlich schwebt das Damoklesschwert des Krieges über der ganzen Sache aber genau das birgt große Chancen.

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