Kurz vor der Lösung für die französische Quellensteuerproblematik noch eine Dividende

Dividenden aus Frankreich leiden bisher unter einem hohen Quellensteuerabzug, der nicht vollständig auf die deutsche Kapitalertragsteuer anwendbar ist. Deshalb machen deutsche Dividendeninvestoren in der Regel einen Bogen um Aktien wie AXA, Sanofi und L’Oreal. Ich habe für VINCI eine Ausnahme gemacht und bin damit bisher sehr gut gefahren.

Und für die Zukunft zeichnet sich nun auch eine Lösung für die Quellensteuerproblematik ab. Ich will sie schon bei der nächsten Dividende von VINCI nutzen. Dazu aber gleich mehr, zunächst einmal zur aktuellen Dividendenzahlung.

VINCI ist im Bau von Infrastrukturprojekten beheimatet. Zudem betreibt das Unternehmen selbst eine Großzahl von Mautstraßen. Ausführlich vorgestellt habe ich VINCI in diesem Porträt.

VINCI zahlt im April und November jeweils eine Dividende. Diesmal sind es 0,75 € pro Aktie und damit 8,7% mehr als im Vorjahr! Für meine 100 Aktien im Depot bedeutet das eine Brutto-Dividende von 75,00 €. So weit, so gut. Leider kommt jetzt der häßliche Quellensteuerabzug zum Tragen. So bleiben am Ende netto lediglich 42,85 € übrig. Sie werden mit Wertstellung 08.11.2018 von der Comdirect Bank überwiesen.

Die Original-Abrechnung der Dividende von VINCI im November 2018Die Originalabrechnung des Steuerabzugs der Vinci-Dividende im November 2018

Quellensteuerberechnung der Comdirect Bank

Wie aus der Abrechnung ersichtlich wird, hat die Comdirect Bank 30% Quellensteuer abgezogen (=22,50 €). Angerechnet auf die deutsche Kapitalertragsteuer hat sie jedoch nur 12,8% (=9,60 €). Die restlichen 17,2% müsste ich mir nun in Frankreich zurückholen (=12,90 €).

Damit stehe ich aktuell schlechter da, als noch bei der letzten Dividendenabrechnung von VINCI im April. Dort wurden „immerhin“ 15% auf die deutsche Steuer angerechnet.

Änderung bei der französischen Quellensteuer

An sich ist die französische Quellensteuer zum 1. Juli 2018 geändert worden. Danach werden statt 30% nur noch 12,8% Quellensteuer erhoben. Dieser reduzierte Satz gilt jedoch nur, wenn den französischen Steuerbehörden ausreichende Daten zum Dividendenempfänger vorliegen. Der reduzierte Steuersatz gilt nämlich nur für Nichtfranzosen. In den Wertpapierlagerstellen ist aber dummerweise nur die Information gespeichert, bei welcher Bank die jeweiligen Aktien liegen. Die steuerliche Herkunft  des jeweiligen Anlegers wird nicht übertragen.

Quellensteuerberechnung mit Vorabbefreiung

Als Alternative bietet Frankreich eine Vorabermäßigung bzw. Vorabbefreiung an. Dazu muss den französischen Behörden vor der Dividendenzahlung bescheinigt werden, dass ein in Deutschland ansässiger Anleger die Dividende erhält. Und außerdem müssen die Aktien im Inland verwahrt werden.

Einen solchen Service auf Vorabbefreiung bietet die Comdirect Bank nicht an und so bleibt es bei den 30% Quellensteuerabzug bei niedriger Anrechnung.

Die Lösung der DKB Deutsche Kreditbank

Als einzige mir bekannte Bank bietet die DKB Deutsche Kreditbank diesen Service an. Für eine einmalige Gebühr von 11,90 € richtet sie die Vorabbefreiung für ein Depot ein. Sie soll dann unbefristet für alle französischen Dividenden gelten.

Ich habe deshalb ein weiteres Depot bei der DKB Deutsche Kreditbank eröffnet und werde meine VINCI-Aktien dort hin übertragen. Wenn alles wie geplant läuft, dann werde ich bei der nächsten Dividendenzahlung im April nur noch 12,8% Quellensteuerabzug haben, der dann vollständig auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet wird.

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Neue Perspektiven für französische Aktien

Ich habe die Hoffnung, dass ich dann ab April 2019 die Gewissheit habe, dass Dividenden französischer Aktien keinen Nachteil gegenüber deutschen Aktien mehr haben. Dann steht mir die Welt französischer Aktien offen und es ergeben sich ganz neue Perspektiven. Air Liquide, Aéroports de Paris, Danone, L’Oreal, LVMH, Sanofi-Aventis, Suez Environnement, Veolia Environment und Vivendi schaue ich mir dann in Ruhe an. Außerdem steht ein Zukauf von VINCI-Aktien dann noch höher auf meiner Prioritätenliste.

Auf einen Blick:

Unternehmen:Vinci
ISIN:FR0000125486
Im Divantis-Depot seit:25.08.2016
Letzter Nachkauf am:05.07.2017
Stückzahl im Divantis-Depot:100
Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren:73,18 €
Gesamtkaufpreis:7.317,68 €
Bisher erhaltene Netto-Dividenden:219,72 €
Aktuelle Strategie:Bei Kursschwäche nachkaufen

Mit dieser Dividendenzahlung steigen meine Erträge im Jahr 2018 auf 10.664,00 €.

8 Gedanken zu „Kurz vor der Lösung für die französische Quellensteuerproblematik noch eine Dividende“

  1. Hi Ben,

    ja, das Thema mit der Quellensteuer… Leider für einen weltweit-diversifizierten Dividendeninvestor nicht so leicht. Aber erst einmal schön zu hören, dass Frankreich dort in unserem Sinne tätig wird. Übrigens gefällt mir auch die französische Luxus-Aktie LVMH (FR0000121014) sehr gut.

    Kannst du mir eine gute Anleitung empfehlen, um die norwegische Quellensteuer zurückzuholen? Ich habe einige Marine Harvest Aktien im Depot und würde dies mal ausprobieren wollen.

    Danke und VG
    Patrick

    1. Hallo Patrick,

      für Norwegen habe ich leider keine Erfahrungen. Ich habe selbst sogar noch nie irgendwo die Quellensteuer als Rückerstattung beantragt. Ich werde aber für die Schweiz damit demnächst beginnen. Und ich glaube, ein Beitrag mit einer Übersicht ist auch bald fällig.

      Viele Grüße Ben

  2. Hi Ben,

    hattest du nicht ein maxlue Depot eröffnet für diese Thematik? Zwar habe ich dort das Thema nur mit Aktien aus Südkorea, aber Quellensteuererstattung für Frankreich steht zumindest auch in deren Formular. Und das ist ja bei maxblue kostenlos. Vielleicht kannst du dir die 11,90€ und das zusätzliche Depot sparen, wenn du zu maxblue überträgst?

    Gruß
    Dodo

    1. Hallo Dodo,

      das Depot bei Maxblue ist für die irische Quellensteuer. Für Frankreich bieten die leider den Service der Vorabbefreiung nicht an. So jedenfalls die Auskunft mir gegenüber. Und die Vorabbefreiung ist mir lieber als die nachträgliche Erstattung Jahre später.
      Da die 11,90 € einmalig sind und das Depot auch kostenlos, ist das verkraftbar.

      Viele Grüße Ben

  3. Danke für den informative Artikel, bin auch schon ewig DKB Kunde, aber wo finde ich denn die Informationen zur DKB Vorabbefreiung für F? Gibt es dazu evtl. einen Link oder ein Formular?

    1. Danke Ben,
      für den und alle anderen Artikel. Nehme regelmäßig Anregungen mit, auch wenn ich nur wenige umsetzen kann, aber wem geht das anders. Die Watchlist wird immer länger.
      Bei der DKB bin ich auch, habe den Kundenservice angeschrieben und die Formulare per Mail erhalten. Einen Link habe ich nicht gefunden, nur den Posten im Leistungs- und Preisverzeichnis.
      Der Kundenservice hat mir aber mitgeteilt, dass die Quellensteuervorabbefreiung nur drei Jahre gilt. Ich schätze, dass man die Formulare dann erneut einreichen muss. Ich habe noch nicht nachgefragt, ob dies dann erneut gebührenpflichtig ist. Die Vermutung liegt aber nah.

      Viele Grüße,
      Sven

      1. Hallo Sven,

        okay, 3 Jahre Gültigkeit – das ist verkraftbar. Das Formular fordere ich jetzt auch an und übertrage dann meine Vinci-Aktien in das DKB-Depot.

        Viele Grüße Ben

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