Bei der letzten Quartalsdividende habe ich es als historische Chance für Dividendenjäger bezeichnet: 9% Dividendenrendite hatte die Aktie auf der Uhr.
Mittlerweile hat sich der Aktienkurs ein wenig erholt, aber die Dividendenrendite ist immer noch in spektakulärer Höhe. Und nachdem die kanadische Notenbank die Leitzinsen gesenkt hat, ist die Dividende optisch noch attraktiver geworden.
Ich selbst hatte noch nicht nachgekauft, da ich von der Nachhaltigkeit der Dividende nicht überzeugt war und mir keine zukünftige Dividendenkürzung einkaufen will.
Zwischenzeitlich gab es neue Quartalszahlen und sie bieten die Gelegenheit, sowohl meinen Investment-Case zu überprüfen als auch noch einmal genauer auf die Dividendenfähigkeit zu schauen.
Vielleicht ändert sich ja meine Einstellung und hier liegt eine Chance, die es zu ergreifen gilt. Meine Einschätzung dazu erfährst Du in diesem Beitrag.
Das kanadische Telekommunikationsunternehmen BCE (hier habe ich es ausführlich vorgestellt) hat aktuell diese bemerkenswerte Dividendenrendite.
Tatsächlich ist der Kurs in den letzten drei Monaten noch mal niedriger geworden, was Anfang Juli zu einer Dividendenrendite von 9,3% führte. Und zu einer kleinen Wende, da zu diesem Kurs dann offenbar einige Anleger zugriffen.
Im Kurschart in der Heimatwährung des kanadischen Dollars ist aber vor allem die Talfahrt seit dem Allzeithoch im April 2022 bemerkenswert:

Dividendenzahlung
BCE zahlt erneut eine Quartalsdividende von 0,9975 CAD je Aktie. Sie war erst im letzten Quartal um 3,1% erhöht worden. Für die 40 dividendenberechtigten Aktien in meinem Depot beträgt die Brutto-Dividende damit 39,90 CAD. Die Umrechnung in Euro erfolgte durch maxblue zum Kurs von 1,4964. Bei Trade Republic erfolgte die Umrechnung zu 1,4834. Bei der Quellensteuer werden die Unterschiede zwischen den beiden Brokern deutlich: maxblue hat erneut lediglich 15% Quellensteuer berechnet und sie vollständig auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet. Trade Republic hat 25% Quellensteuer abgezogen, jedoch nur 15% auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet. Nach den Steuerabzügen verbleibt somit insgesamt eine Netto-Dividende von 19,56 €. Die Dividende wurde bei Trade Republic mit Wertstellung 15.07.2024 überwiesen, bei maxblue war es der 17.07.2024.


Annualisiere ich die Quartalsdividende, werden in einem Jahr 3,99 CAD Dividende gezahlt. Bei einem Aktienkurs von 45,36 CAD entspricht das einer Dividendenrendite von 8,8%. Die nächste Dividendenerhöhung könnte erneut im April 2025 erfolgen, so dass die tatsächliche Jahresdividende bei einem heutigen Kauf etwas höher liegen könnte.
Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost – YoC) bezieht sich auf meinen Einstand. Für die 40 Aktien habe ich insgesamt 1.423,95 € bezahlt. Nehme ich die Brutto-Quartalsdividende von 39,90 CAD und vervierfache sie, dann erhalte ich innerhalb eines Jahres 159,60 CAD brutto. Umgerechnet mit dem Wechselkurs von maxblue (dort hin übertrage ich die Aktien von Trade Republic wegen der Quellensteueranrechnung) ergibt das 106,66 €. Und damit ein YoC von 7,5%.
Perspektive
Die größte Überraschung der letzten drei Monate fand bereits Anfang Juni statt: die Bank of Canada senkte den Leitzins von 5,00% auf 4,75%. Und war damit die erste Notenbank der G7-Länder, die einen solchen Schritt vornahm. Nach 4 Jahren war es die erste Zinssenkung. Und sie war so auch nicht erwartet worden, denn die Inflation in Kanada ist weiterhin vergleichsweise hoch.
Für BCE ist das generell eine positive Entwicklung. Denn der Höhenflug des Aktienkurses war aus meiner Sicht vor allem zinsgetrieben. Die Dividende eines Telekommunikationsunternehmens war der Ersatz für Zinsen aus Anleihen, die es ja faktisch nicht mehr gab.
Und mit jedem Zinsschritt nach oben sank der Aktienkurs von BCE und stieg die Dividendenrendite. Nun ist diese Entwicklung beendet und es könnten – bei isolierter Betrachtung des Abstands zu den Zinsen – wieder positivere Zeiten kommen.
Für mich als Investor ist aber nicht der Zinsabstand entscheidend, sondern das Unternehmen selbst. Und da befindet sich BCE aktuell in einem herausfordernden Geschäftsjahr.
Mit den Zahlen zum 1. Quartal wurde das erneut deutlich: der angepasste operative Gewinn (adjusted EBITDA) stieg zwar um 1,1%. Der Nettogewinn ging jedoch um 42% zurück. Der adjustierte Gewinn je Aktie sank dabei um 15,3% auf 0,72 CAD, ohne Anpassungen lag er sogar nur bei 0,44 CAD.
Nun wird die Dividende zwar nicht aus dem Gewinn, sondern aus dem Free Cash Flow bezahlt. Trotzdem ist es aus meiner Sicht wichtig, dass der Gewinn in der Regel die Dividende übersteigt. Und 0,72 CAD Gewinn bei 0,9975 CAD Dividende ist einfach kein gesundes Verhältnis.
Zumal der Cash Flow ebenfalls um 9,2% rückläufig war. Der Free Cash Flow blieb immerhin auf niedrigem Niveau (85 Mio. CAD) konstant. Ich muss wohl kaum betonen, dass die Quartalsdividende in absoluten Zahlen ein Mehrfaches des Free Cash Flow beträgt – rund das Zehnfache!
Die Prognose für 2024 sieht insgesamt auch nicht rosig aus: Beim Gewinn je Aktie wird ein Rückgang zwischen 2 und 7% erwartet. Und der Free Cash Flow soll ebenfalls sinken und zwar zwischen 3 und 11%.
Das wäre alles nicht dramatisch, wenn BCE von hervorragenden Vorjahreszahlen käme. Aber auch da war schon der Rückwärtsgang beim Gewinn je Aktie eingelegt (-4,2%), lediglich der Free Cash Flow konnte noch um 2,5% steigen. Mit der Prognose geht man nun auf das Niveau des Jahres 2022 zurück oder noch darunter.
Es fällt mir leider schwer, hieraus noch etwas Positives zu lesen. Bei einem anderen Unternehmen aus der Branche, nämlich Verizon, hatte ich mich in einer vergleichbaren Situation von der Aktie verabschiedet (hier nachzulesen).
Bei BCE bleibe ich aktuell weiterhin investiert, da ich einmal die Dividendenkontinuität sehe (16 Jahre in Folge erhöht) und nicht wegen eines oder zweier schwacher Jahre die Flinte ins Korn werfe. Und ich will weiterhin im kanadischen Dollar investiert sein. Die hohe Dividendenrendite macht deshalb das Engagement für mich attraktiv. Aber auch nur, weil meine Depotposition insgesamt nicht groß ist. Der Depotanteil liegt gerade mal bei 0,24%. Und das macht es dann erträglich, auch so ein Unternehmen in Schwierigkeiten im Depot zu belassen.
Gleichzeitig hat BCE auch einige Chancen, dass wieder bessere Zeiten kommen. Sinken die Zinsen in Kanada weiter, dann verringert sich auch der Schuldendienst von BCE. Und die Investitionen wurden bereits gedrosselt und zusätzlich wird in grpßem Stil Personal abgebaut. In 1-2 Jahren könnte sich damit die Kostenstruktur deutlich verbessert haben. Auf der anderen Seite stehen die Erträge weiterhin unter Druck, da der Wettbewerb intensiv ist. Ein Selbstläufer ist die Gesundung damit nicht.
Sollte ich mal eine Bereinigung meiner Depotpositionen vornehmen und die Anzahl deutlich reduzieren (manchmal denke ich darüber nach!), dann wäre BCE einer der ersten Verkaufspositionen.
Denn eins ist auch klar: Es bedarf nur einer Managemententscheidung und die Dividende ist gekürzt. Es gibt keine Gründe, die für eine so hohe Dividende sprechen. Eine Kürzung ließe sich anhand der Zahlen und der bilanziellen Verhältnisse problemlos begründen.
Ich sehe sie für dieses Jahr nicht, aber was 2025 passiert, steht in den Sternen. Das wäre für mich dann ein Anlass, mich von der Position zu verabschieden. Denn die hohe Dividende ist der Punkt, der das Pendel zum Ausschlag für den Verbleib im Depot bringt.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | BCE Inc. |
| ISIN: | CA05534B7604 |
| Im Divantis-Depot seit: | 27.07.2020 |
| Letzter Nachkauf am: | 19.10.2023 |
| verkauft am: | 08.05.2025 |
| ursprüngliche Stückzahl im Divantis-Depot: | 40 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 35,60 € |
| Gesamtkaufpreis: | 1.423,95 € |
| Insgesamt erhaltene Netto-Dividenden: | 315,47 € |
| Gesamtverkaufserlös: | 749,70 € |
| Verlust inkl. erhaltener Dividenden: | 358,78 € |
| Verlust in Prozent: | 25,2% |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| BCE reports first quarter 2024 results |



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