Was Dich hier erwartet:
Erst im letzten Jahr ist der Mobilfunkmastenbetreiber Vantage Towers an die Börse gegangen. Und im Rückblick war es eine der ganz seltenen positiven Neuemissionen in Deutschland der letzten Zeit.
Ich bin Aktionär der ersten Stunde, hatte kräftig beim IPO zugegriffen. Weil mir die Rahmenbedingungen zusagten: wiederkehrende Erlöse in einer Branche mit sehr wenig Wettbewerb. Dazu das Potenzial, die Masten noch an weitere Mobilfunker zu vermieten und damit die Erlöse ohne wesentliche zusätzliche Kosten deutlich zu steigern.
Diese Gedanken hatte ich natürlich nicht nur ich, sondern auch viele andere Anleger, die auf den Zug mit aufgesprungen waren und die Aktie deutlich über den Emissionspreis getrieben haben.
Und – wie sollte es anders sein – auch Private Equity-Unternehmen haben sich das Geschäftsmodell angesehen und nun ein Angebot zur Übernahme vorgelegt.
Die Details zu dem Angebot, meine Meinung dazu und meine weitere Strategie mit der Depotposition erfährst Du in diesem Beitrag.
Vorsicht bei Neuemissionen
Seit Bestehen des Divantis-Blogs (seit 2017) habe ich nur an zwei Neuemissionen teilgenommen. Bei beiden war ich mir sicher, dass das Geschäftsmodell die Börse überzeugt und wollte unbedingt dabei sein.
Und ich lag zweimal richtig: Der Aktienkurs von Siemens Healthineers, bereits 2018 an die Börse gegangen, hatte sich schon mehr als verdoppelt.
Etwas gemächlicher ging es bei Vantage Towers zu, der Mobilfunkmastentochter von Vodafone. Sie habe ich ausführlich vorgestellt und dort auch die Vor- und Nachteile der Neuemission diskutiert.
Entwicklung von Vantage Towers
Ich habe nach der Zuteilung der Neuemission 200 Aktien von Vantage Towers dauerhaft in mein Dividendendepot genommen. Der Emissionskurs lag bei 24 €.
Nach einer kleinen Seitwärtsphase, in der jeder der wollte, zu diesem Kurs einsteigen konnte, entwickelte sich die Aktie im Hoch bis auf 33,12 €. Nach Vorlage der Jahresergebnisse im Mai ging es dann wieder unter die 30 €-Marke:

Vantage Towers ist zwar erst im letzten Jahr an die Börse gegangen, zahlte seitdem aber bereits zweimal eine Dividende. Und sie war steuerfrei, da sie jeweils in vollem Umfang aus dem steuerlichen Einlagenkonto gemäß § 27 Körperschaftssteuergesetz gezahlt wurde. 2021 gab es 0,56 €, in diesem Jahr 0,63 € je Aktie. Die 1,19 € werden deshalb steuerlich von meinem Einstandskurs (24 €) abgezogen. Er liegt damit bei 22,81 €.
Übernahmeangebot
Am 9. November gab Vantage Towers bekannt, dass der Mutterkonzern Vodafone einen Bieterprozess abgeschlossen habe und nach Prüfung zahlreicher Gebote ein Gemeinschaftsunternehmen mit Global Infrastructure Partners und KKR gründen werde. In dieses Gemeinschaftsunternehmen wird Vodafone seine Anteile an Vantage Towers (81,7%) einbringen.
Für die außenstehenden Aktien (18,3%) von Vantage Towers wird es ein freiwilliges Übernahmeangebot in Höhe von 32,00 € je Aktie geben. Es soll im Dezember starten und die ganze Transaktion soll im 1. Halbjahr 2023 abgeschlossen werden.
Weitere Details sind noch nicht veröffentlicht, alle bisherigen Informationen entstammen der Ad-hoc-Meldung und der Pressemitteilung von Vantage Towers.
Pläne nach der Übernahme
Zum aktuellen Zeitpunkt weiß natürlich noch niemand, wie viele freien Aktionäre das Angebot annehmen werden. Unabhängig davon wird das Gemeinschaftsunternehmen als neuer Großaktionär von Vantage Towers aber genügend Anteile haben, um nach der Übernahme einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag abzuschließen. Das würde dazu führen, dass es ein Pflichtangebot mit einem gutachterlich festgestellten Preis und einer Garantiedividende geben wird. Beides kann dann in einem Spruchverfahren gerichtlich überprüft werden.
Sollten so viele freien Aktionäre ihre Aktien andienen, dass das Gemeinschaftsunternehmen eine Beteiligungshöhe von 95% erreicht, dann hat es die Absicht, einen Squeeze-Out der Minderheitsaktionäre der Vantage Towers AG durchzuführen. Auch das würde dazu führen, dass es einen gutachterlich festgestellten Abfindungspreis geben wird, der dann in einem Spruchverfahren gerichtlich überprüft werden kann. Wie solche Verfahren positiv genutzt werden können, zeige ich in meinem Zitronen-Depot.
Einschätzung
Ich bin hin- und hergerissen. Meine Gefühle zu der Situation schwanken zwischen Enttäuschung, Empörung und Zufriedenheit.
Fangen wir mit dem Positiven an: Ich hatte den richtigen Riecher und das Übernahmeangebot liegt 33% über dem Emissionskurs von März 2021. Unter Berücksichtigung der steuerfreien Dividenden sind es sogar 40%. Das ist in dieser Zeit – mitten in einem der schlechtesten Börsenjahre – natürlich eine positive Nachricht. Das war es dann aber auch schon.
Denn das Gebot von 32,00 € entspricht exakt dem Jahresschlusskurs vom 30. Dezember 2021. Da wollte ich nicht verkaufen. Und ich wollte auch nicht am 19. April 2022 zum bisherigen Höchstkurs von 33,12 € verkaufen. Ich wollte stattdessen langfristiger Aktionär sein und von den Wertsteigerungen und Dividendenzahlungen profitieren. Jetzt kauft jemand „mein“ Unternehmen und zahlt dafür einen Schnäppchenpreis – jedenfalls verglichen mit den vor nicht langer Zeit gezahlten Börsenkursen.
Und da fühle ich mich dann von Vodafone auch auf den Arm genommen. Was soll denn ein Börsengang, wenn bereits im nächsten Jahr Pläne mitgeteilt werden, das Unternehmen wieder von der Börse zu nehmen? Verstanden hätte ich das, wenn sich Vodafone nun komplett von allen Anteilen getrennt und der neue Großaktionär eine vollständige Privatisierung gewollt hätte. Aber Vodafone bleibt ja nicht nur an dem Gemeinschaftsunternehmen beteiligt, sondern wird auch dessen Mehrheitseigentümer sein.
Und wenn ich mir die Bookbuilding-Spanne des Börsengangs in Erinnerung rufe (22,50 € bis 29,00 €), dann ist die Prämie gegenüber dem oberen Ende gerade einmal bei rund 10%.
Enttäuscht bin ich schließlich darüber, dass die freien Aktionäre hier ziemlich machtlos dastehen. Aufgrund des nur geringen Streubesitzes wird es keinen Bieterwettstreit geben. Gegenangebote machen keinen Sinn, da sich Vodafone selbst ja schon vertraglich an Global Infrastructure Partners und KKR gebunden hat.
Denkbar wäre höchstens, dass sich ein „lästiger“ Aktionär wie Elliott (Paul Singer) Anteile kauft und damit zumindest verhindert, dass es zu einem Squeeze-Out kommt. Dafür reichen ja schon 5,01% der Anteile, die nicht dem neuen Gemeinschaftsunternehmen gehören dürfen. Dann würde es nur zum Abschluss eines Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrags kommen und vermutlich auch zu einem Delisting.
Im Ergebnis muss man aber klar sagen: Die Luft ist bei Vantage Towers raus. Vodafone hat den freien Aktionären hier ein Ei ins Nest gelegt.
Werde ich nun verkaufen oder das Übernahmeangebot annehmen?
Bei anderen Übernahmen habe ich relativ bald nach der Ankündigung verkauft. Einfach weil ich das Geld für andere Investments nutzen wollte. Und genauso ist jetzt meine Meinung auch zu Vantage Towers: Nach Unten ist ein Floor bei 32 € eingezogen. Da kann also wenig passieren. Aber wenn es zu weiteren Erholungsphasen an der Börse kommen sollte, dann wird Vantage Towers davon nicht profitieren. Denn es besteht aus meiner Sicht keine Fantasie mehr. Und von möglichen Spruchverfahren erwarte ich auch nicht viel, da die Bewertungsrelationen im Vergleich mit Wettbewerbern wie American Towers oder Crown Castle auch wenig Potenzial zeigen.
Ich setze die Aktie daher nun auf meine Verkaufsliste und beobachte die weitere Entwicklung. Sobald ich Geld benötige und der Aktienkurs eine kleine Prämie oberhalb der 32 € abwirft, werde ich verkaufen.
Oder hat sich eigentlich gar nichts verändert?
Dagegen könnte man jetzt einwenden: Was hat sich denn wirklich verändert? Vorher waren es 18% freie Aktionäre, demnächst dann vielleicht noch 6%? Ja, das ist zunächst richtig. Mir ist bei meinen Investments aber auch immer wichtig, dass es ein Kurspotenzial gibt. Und ursprünglich hatte Vodafone angekündigt, den Streubesitz in absehbarer Zeit zu vergrößern. Es war also ein Potenzial vorhanden, dass sich die Aktionärsbasis verbreitert und z.B. im Rahmen einer Übernahme Vodafone sogar ganz aus der Mehrheitseignerrolle ausscheidet. Diese Optionen sind nun obsolet geworden. Die freien Aktionäre werden aus dem Unternehmen rausgedrängt und eine vollständige Privatisierung ist absehbar.
Wenn es wirklich zu einem Squeeze-Out kommen sollte, kann ich ja auch immer noch wieder einsteigen. Um dann meine Strategie aus dem Zitronen-Depot zu verfolgen. Es gibt aber keine Garantie, dass der Abfindungsbetrag dann auch bei 32 € oder sogar darüber liegen wird. Und das Ganze dauert auch sicherlich noch bis zur Jahresmitte 2023. Bis dahin kann ich mit dem Geld sicher etwas Besseres anfangen.
Schade, aber die Zeit von Vantage Towers in meinem Dividendendepot neigt sich dem Ende zu.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Vantage Towers AG |
| ISIN: | DE000A3H3LL2 |
| Im Divantis-Depot seit: | 05.05.2023 |
| Letzter Nachkauf am: | — |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 16 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 33,04 € |
| Gesamtkaufpreis: | 528,60 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 18,55 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren. |
| Gesamtgewinn mit vom 18.3.21 bis 10.11.22 gehaltenen 200 Aktien: | 1.777,69 € |


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