Mir fielen einige Überschriften zu der Aktie ein. Eine davon hatte ich bereits vor drei Monaten genutzt: „Augen zu und durch?“
Inzwischen kann ich die Augen nicht mehr verschließen. In der Aktie ist der Wurm drin und ich frage mich, wie stressresistent ich mit dem Depotwert eigentlich bin.
Denn außer der Dividendenrendite ist derzeit alles schlecht. Die jährlichen Dividendenerhöhungen werden immer kleiner, die Erlöse schmelzen dahin und der Aktienkurs sinkt stetig.
Was also tun? Ich bin hin- und hergerissen zwischen „Reißleine ziehen“ und „geduldig durch diese Phase gehen“.
Ob es wirklich nur eine Phase ist und wie ich die Situation jetzt sehe, erfährst Du in diesem Beitrag.
Eigentlich hat die Aktie die besten Voraussetzungen: Verizon ist das Nr. 1-Mobilfunkunternehmen aus den USA. Hier habe ich die Aktie ausführlich vorgestellt.
Damit verfügt das Unternehmen über eine hervorragende Marktstellung in einer krisenfesten Branche. So zumindest die Theorie.
Die Praxis wird jedoch am Aktienkurs in der Heimatwährung deutlich:

Dividendenzahlung
Verizon zahlt erstmals eine Quartalsdividende von 0,6525 US$ je Aktie (zuvor: 0,64 US$). Das ist eine Erhöhung um 2%. Für die 200 Aktien in meinem Dividendendepot ergibt das eine Brutto-Dividende von 130,50 US$. Der Smartbroker rechnete diese Dividende zum Kurs von 1,00174 in Euro um. Nach Abzug der Steuern verbleibt eine Netto-Dividende von 96,99 €. Sie wurde mit Wertstellung 01.11.2022 überwiesen.

Perspektiven
2% Dividendenerhöhung ist ja in normalen Zeiten in Ordnung. In einem Inflationsszenario mit 8-10% Steigerung ist das aber eine Realkürzung.
Ich habe mich deshalb geärgert, dass Verizon stur an seiner Erhöhung um 0,0125 US$ festgehalten hat. Genau mit diesem Satz wurde die Dividende auch in den letzten Jahren immer erhöht. Prozentual wird das aber nun mal immer weniger und angesichts der Inflation hätte es jetzt ruhig etwas mehr sein dürfen.
Mir kamen deshalb schon schlechte Gedanken, die sich dann bei Vorlage der letzten Quartalszahlen bitter bestätigten. Die Aktie wurde an einem ansonsten freundlichen Tag abverkauft und gehört mittlerweile zu den verlustreichsten Titeln in meinem Depot für dieses Jahr. Kaschiert wird das lediglich durch den starken US-Dollar. Der Abwärtstrend ist aber deutlich. Und die Dividendenrendite dadurch auf 7,4% gestiegen.
In diesem Fall ein klares Warnsignal!
Zwar stieg der Umsatz im 3. Quartal um 4%. Da Verizon aber ausschließlich im US-Dollar-Raum tätig ist, sind darin keine Währungseinflüsse enthalten. Vielmehr zeigt sich, dass Verizon mit der Inflation nicht mithalten kann und über keine ausreichende Preissetzungsmacht verfügt. Dafür ist der Wettbewerb zu hart.
Das zeigt sich dann auch deutlich im Gewinn: Er ging deutlich zurück! Je Aktie wurden nur noch 1,17 US$ verdient, im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es noch 1,55 US$. Ein Rückgang um 24,5%.
Und was macht man, wenn man die Preise nicht ausreichend erhöhen kann? Man senkt die Kosten. Das ist natürlich nicht leicht, denn durch die Inflation steigen sie ja auch. Im Jahr 2025 sollen aber trotzdem 2-3 Mrd. US$ Kosten eingespart werden.
Das ist aber auch so schon notwendig, denn Verizon ist weiterhin ordentlich verschuldet und hat hohe Investitionen in den Aufbau des 5G-Netzes vor der Brust.
Was aktuell für die Aktie spricht, ist sicherlich die Cash-Generation. Der Free Cash Flow reicht weiterhin aus, um die Dividende zu bezahlen. Und die Bewertung ist niedrig. Denn die Prognose wurde bestätigt und es soll weiterhin ein Gewinn je Aktie von 5,10 bis 5,25 US$ erreicht werden.
Bei einem Kurs von 35 US$ ergibt sich selbst am unteren Ende der Prognose ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur 6,8.
Und diese niedrige Bewertung ist der Grund, warum ich – trotz allem – an der Verizon-Aktie in meinem Depot festhalte. Sie ist einfach zu billig, um sie jetzt zu verkaufen.
Aber das heißt natürlich nicht, dass die Aktie nicht noch billiger werden kann. Vor drei Monaten war das auch schon mein Hauptargument. Da lag das KGV aber noch bei 8,8.
Ich kann also nicht mit Gewissheit sagen, dass in drei Monaten wieder höher stehen wird. Zumal dann die Prognose für 2023 zur Basis wird und sich bei einem möglichen Gewinnrückgang die Relationen noch einmal verschlechtern.
Mein Fazit bleibt deshalb: Die Aktie ist zu billig, um sie zu verkaufen. Und zu wenig dynamisch, um sie zu kaufen. Ich halte sie deshalb konstant in meinem Depot und setze auf einen langen Atem. In einer Erholungsphase könnte ich mir aber inzwischen vorstellen, einen Teil meiner Position zu verkaufen.
Denn es gibt genügend Aktien auf dem Kurszettel, denen ich kurzfristig eine bessere Entwicklung zutraue. Neuanlegern empfehle ich deshalb auch eher, einen Bogen um Verizon zu machen. Trotz der verlockend hohen Dividendenrendite.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Verizon |
| ISIN: | US92343V1044 |
| Im Divantis-Depot seit: | 19.06.2014 |
| Letzter Nachkauf am: | 15.03.2021 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 200 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 43,37 € |
| Gesamtkaufpreis: | 8.674,71 € |
| Insgesamt erhaltene Netto-Dividenden: | 2.153,18 € |
| verkauft am: | 04.05.2023 |
| Durchschnittsverkaufserlös abzgl. Gebühren und Steuern: | 33,925 € |
| Gesamtverkaufserlös: | 6.785,00 € |
| Gewinn/Verlust inkl. erhaltener Dividenden: | 263,47 € |
| Gewinn in Prozent: | 3,04% |

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