Diese Aktie ist trotz Rezession für einen Nachkauf 2023 gesetzt

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Bei der Aktienanlage zählt für mich ein langer Atem. Kurzfristig schaue ich nur die Kurse, um womöglich eine Unterbewertung zu entdecken. Aber viel wichtiger ist mir die langfristige Entwicklung. Und genau so investiere ich auch.

Das hilft mir in der aktuellen Phase. Schließlich befinden wir uns – je nach Definition – bereits in einer Rezession oder stehen unmittelbar davor. Und da gelten zyklische Aktien als besonders gefährdet. Schließlich leiden vor allem sie unter einer nachlassenden Konjunktur.

Kein Wunder also, dass Halbleiteraktien in den letzten Wochen und Monaten stark unter Druck geraten sind. Der Titel, der nun seine Dividende zahlt, war im letzten Jahr mit einem Minus von 37% sogar mein drittschlechtester Wert im Dividendendepot.

Aber macht diese Entwicklung auch das Unternehmen zu einem schlechten Unternehmen? Oder ist womöglich genau jetzt die Zeit gekommen, die Aktien günstig nachzukaufen und dann langfristig von der starken Marktstellung zu profitieren?

Warum ich fest vorhabe, in diesem Jahr erneut einen Nachkauf zu tätigen, erfährst Du in diesem Beitrag.

Erst im August 2020 bin ich beim Zulieferer der Halbleiterindustrie Lam Research eingestiegen. Und seitdem habe ich schon sieben Mal nachgekauft. Hier habe ich über die Depotaufnahme ausführlich berichtet.

Im 5-Jahres-Chart kannst Du deutlich erkennen, wie die Aktie ab 2019 zu einem Höhenflug ansetzte, der sie zu Beginn des Jahres 2022 über 700 US$ brachte. Seitdem ging es mit Gegenbewegungen bis unter die 400 US$-Marke abwärts. Der Tiefstkurs des letzten Jahres lag bei 315 US$ und wurde Mitte Oktober erreicht:

Lam Research im 5-Jahres-Chart (in US-Dollar)
Lam Research im 5-Jahres-Chart (in US-Dollar)

Dividendenzahlung

Lam Research zahlt erneut eine Quartalsdividende von 1,725 US$ je Aktie. Sie war erst im letzten Quartal um 15% erhöht worden. Für meine 18 Aktien ergibt das eine Brutto-Dividende von 31,05 US$. Sie befinden sich in meinen Depots bei Trade Republic und dem Smartbroker. Trade Republic rechnete dabei zum Kurs von 1,0694 in Euro um, beim Smartbroker waren es 1,0727. Nach Abzug der Steuern verbleibt in der Addition eine Netto-Dividende von 21,59 €. Sie wurde bei beiden Banken mit Wertstellung 04.01.2023 überwiesen.

Dividendenzahlung Lam Research im Januar 2023 bei Trade Republic
Trade Republic-Abrechnung
Dividendenzahlung Lam Research im Januar 2023 beim Smartbroker
Smartbroker-Abrechnung

Perspektiven

Bereits in meiner Anlagestrategie für 2023 hatte ich Lam Research unter den Aktien aufgezählt, die meine Nachkaufkandidaten für dieses Jahr sind. Denn mein Ziel ist ja, insgesamt 20 Aktien von dem Unternehmen im Depot zu haben. Fehlen also noch 2.

Aber natürlich ist das nicht der alleinige Nachkaufgrund, sondern vor allem der langfristige Ausblick. Und der ist aus meiner Sicht weiter intakt.

Der Kursrückgang des letzten Jahres hat die Rezession und die schärferen US-Restriktionen gegenüber China eingepreist.

Zunächst zu den Fakten:

Mit den zuletzt berichteten Zahlen zum 3. Quartal zeigte Lam Research erstmals einen Umsatz von über 5 Mrd. US$. Ein Plus gegenüber dem 2. Quartal von 9,5%. Zugleich konnte die Bruttomarge von 45,3% auf 46,1% weiter verbessert werden. Im Ergebnis stieg damit der Gewinn je Aktie um 18,9% auf 10,39 US$.

Und auch für das 4. Quartal erwartete das Management einen starken Jahresausklang. Auch wenn diese Zahlen noch nicht vorliegen, sind sie jetzt schon Vergangenheit.

Der Blick geht nach Vorne und da erwartet Lam Research für 2023 einen Einbruch in der Nachfrage der Halbleiterproduktion von rund 20%. Das wird in diesem Jahr zu sinkenden Umsätzen und Gewinnen führen.

Allerdings bin ich überzeugt davon, dass dieser Rückgang bereits im Aktienkurs verarbeitet ist. Bleibt er im Rahmen der Erwartungen, dann dürfte das Schlimmste bereits überstanden sein. Und für 2024 erwartet das Management dann wieder einen Anstieg. Ein Anstieg allerdings erst mal gegenüber dem schwachen 2023 und noch nicht gegenüber dem Rekordjahr 2022.

Basierend auf dem letzten Quartalsgewinn und dem erwarteten Gewinn für das 4. Quartal notiert die Lam Research-Aktie auf einem Niveau von 400 US$ bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 10. Das ist aber angesichts der Prognosen für 2023 nicht zu halten.

Ich erwarte, dass ein Nachfrageeinbruch von 20% deutlich stärker auf den Gewinn von Lam Research drücken wird. Bei einem Gewinnrückgang von 30% würde der Gewinn je Aktie noch bei 28 US$ auslaufen und das KGV wäre dann nicht mehr bei 10, sondern bei 14,3.

Das wiederum ist eine Kennzahl, die mich jetzt noch nicht sofort zum Kaufen-Knopf rennen lässt. Gleichzeitig ist sie auch nicht dramatisch hoch.

Was ich damit sagen will: Kommt es zu einem Gewinnrückgang von 30% in diesem Jahr, dann wäre der Tiefstkurs des vergangenen Jahres (315 US$) für mich ein klares Schnäppchen. Denn dann wäre bei einem KGV von 11 genug Potenzial für eine steigende Bewertung in den nächsten Jahren vorhanden.

Und beim Blick auf das Große und Ganze sehe ich ein Fortschreiten der Digitalisierung in allen Lebenslagen. Wir werden insgesamt mehr und nicht weniger Halbleiter benötigen. Und für deren Produktion werden die großen Hersteller weltweit auf die Unterstützung von Lam Research zurückgreifen.

Nicht völlig ausblenden möchte ich beim Blick auf die Chancen allerdings ein Risiko, das für mich schwer greifbar ist. Aber umso bedeutender wäre, wenn es einträte. Und dieses Risiko begrenzt meinen Zielwert im Depot für Lam Research: 30% des Umsatzes stammen aus China, 22% aus Taiwan. Kommt es dort zu einem Krieg, der dann auch noch Sanktionen nach sich ziehen könnte, dann wäre davon mehr als die Hälfte des Umsatzes von Lam Research betroffen.

Hinsichtlich des für dieses Jahr fest geplanten Nachkaufs warte ich deshalb tatsächlich noch etwas und hoffe auf ein Antesten des letztjährigen Kurstiefs. Und gleichzeitig kann ich so die Entwicklungen in China und Taiwan noch besser verfolgen.

Auf einen Blick:

Unternehmen:Lam Research Corp.
ISIN:US5128071082
Im Divantis-Depot seit:28.08.2020
Letzter Nachkauf am:13.07.2022
Stückzahl im Divantis-Depot:18
Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren:377,90 €
Gesamtkaufpreis:6.802,20 €
Bisher erhaltene Netto-Dividenden:140,91 €
Aktuelle Strategie:Bei Kursschwäche nachkaufen

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6 Gedanken zu „Diese Aktie ist trotz Rezession für einen Nachkauf 2023 gesetzt“

  1. Das Dreieck USA China Chipproduktion| Entwicklung/Know-how Transfer ist sehr angespannt. Die USA lassen sich im Gegensatz zu Deutschland von China nicht die Butter vom Brot nehmen. U.S. Bürger / Manager dürfen unter Strafe nicht mehr für / in China arbeiten in der Chipbranche. Da ist Biden genauso hart wie Trump. Was das für Folgen für den Handel hat ist schwer abzuschätzen. Huawei hat sich innert China stabilisiert und arbeitet von jetzt an ohne USA weiter. Kann sein, das die Chinesen auch die Tür zu machen. Ob die Deutschen das besser machen im Umgang mit China ?

  2. wieder noch kurz was, bei Trade Republic gibt es seit gestern (ganze) zwei Prozent Zinsen auf alles Geld was man da rumliegen hat. Monatliche Gutschrift. So muß es eigentlich sein, das das Geld arbeitet, egal ob man „drin“ oder „draussen“ ist.
    Trotzdem bin ich vorsichtig. Ich habe das Gefühl (Disclaimer : unqualifizierte Aussage, persönliche Meinung, keine Aussage zur Geschäftslage !!! ), das TR auf Teufel komm raus wachsen will und evtl. bewußt defizitär arbeitet, um groß (to big to fail) zu werden. Ist aber legitim. Als Kunde profitiere ich von extrem niedrigen Kosten. Ich kaufe nur noch dort und ziehe dann um. Ich sehe mir nach dem FTX Debakel, wo OTPP ( der größte Investor bei TR) auch 95 Mio USD abschreiben mußte, zur Vergleich und zur Beobachtung immer mal die Kurse von Robin Hood oder flatex de Giro u.ä. an.
    Sie habe alle zu kämpfen, aber halten sich.
    Wenn man jetzt 2% safe hat, kann man bei Investitionen auch zuwarten. Wenn das Niveau noch weiter steigt,
    stützt das nicht unbedingt die Nachfrage am Stockmarket.

    1. Hallo Thomas,

      Anleihen lassen sich bei Trade Republic leider (bisher?) nicht kaufen. Die Aktien, die Du dort kaufen kannst, sind auch nur die, die über Lang & Schwarz handelbar sind. Für die meisten Fälle dürfte das allerdings völlig ausreichend sein. Marktengere Titel, die nur an einer Regionalbörse gehandelt werden, wirst Du dort aber nicht finden. Deshalb ist Trade Republic für mich auch lediglich eine Ergänzung zu meinen anderen Brokern, aber keine alleinige Alternative.

      Viele Grüße Ben

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