Was Dich hier erwartet:
Wer in ETFs investiert, braucht sich nicht mit Einzelaktien zu beschäftigen und partizipiert von den langfristig steigenden Aktienmärkten. Was gut klingt, ist aber nicht unbedingt für jede Börsenphase zutreffend.
In 2022 ist es vielen Investoren gelungen, die Techwerte untergewichtet hatten, die breiten Indizes outzuperformen.
In meiner Anlagestrategie für 2023 habe ich beschrieben, warum ich diese Börsenphase noch nicht als abgeschlossen ansehe.
Ich nutze deshalb die Gelegenheit und beschreibe nachfolgend meine Motivation, warum sich der Divantis-Blog vorwiegend um Einzelaktien dreht und ETFs kaum vorkommen.
Zunächst ein Hinweis für die langjährigen Leserinnen und Leser: Der Beitrag ist die aktualisierte und erweiterte Fassung einer bereits 2018 erschienenen dreiteiligen Artikelserie.
Zunächst aber ein paar Worte zu den Grundlagen, damit wir ein gemeinsames Verständnis von der Thematik haben.
Was sind ETFs?
ETF steht für Exchange Traded Fund. Darunter sind passiv gemanagte Fonds zu verstehen, die in der Regel einen Index von Aktien nachbilden. Entweder indem sie die darin enthaltenen Aktien kaufen oder über Swap-Geschäfte die Wertentwicklung nachvollziehen.
In der letzten Zeit sind aber auch aktiv gemanagte Fonds in das Kleid eines ETF gegossen worden, vor allem in den USA. So ist der bekannte ARK Innovation (ARKK) von Cathy Wood ein ETF, der jedoch sehr aktiv Techaktien kauft und verkauft.
Wer bietet ETFs an?
Weltgrößter Anbieter von ETFs ist BlackRock mit seinen iShares-Fonds. BlackRock selbst habe ich übrigens in Aktienform in meinem Depot und profitiere damit vom ETF-Boom. Andere große Anbieter sind z.B. Vanguard, Comstage, Amundi oder DB x-trackers.
Auf welchen Index werden ETFs emittiert?
Die Auswahl ist nahezu unendlich. Auf die großen bekannten Indizes wie MSCI World, MSCI Emerging Markets, S&P 500 oder DAX gibt es natürlich ETFs. Aber auch auf jede Menge Länder- oder Branchen-Indizes.
Die Industrie denkt sich immer neue ETFs aus, um einerseits die Nachfrage nach neuen Trends zu decken, aber auch um regelmäßig neue Themen zu spielen. In letzter Zeit sind solche Themen-ETFs besonders beliebt gewesen. Sie drehen sich dann z.B. um Digitalisierung und enthalten Aktien von Unternehmen, die von einer zunehmenden Digitalisierung profitieren sollen – ohne zwingend aus dieser Branche zu stammen.
Sind ETFs jetzt besser als einzelne Aktien oder nicht?
ETFs sind zunächst einmal kostengünstiger als aktiv gemanagte Investmentfonds. Die Emittenten haben weniger Arbeit im Research und begnügen sich deshalb auch mit einer niedrigeren Fee. Mittlerweile gibt es ETFs, die komplett ohne Verwaltungsgebühr aufgelegt werden. Und es gibt sogar ETFs, die durch Leihgeschäfte einen Gebührenüberschuss erwirtschaften. Als Anleger profitierst Du dann sogar von einer Zusatzrendite. Das ist allerdings eine sehr seltene Ausnahme und nur in Sonderkonstellationen denkbar. Der Durchschnitt der Verwaltungsgebühren eines ETFs bewegt sich eher im Bereich von 0,60%.
Zahlreiche Studien habe zudem belegt, dass es selbst erfolgreichen Fondsmanagern nicht dauerhaft gelingt, besser als der Markt abzuschneiden. Deshalb ist es populär, durch einen kostengünstigen ETF einfach den Markt zu kaufen. Die Performance ist dann zwar nie besser als der Markt selbst, aber immer noch besser als bei einem Fondsmanager.
Ein Vorteil von ETFs ist auch die breite Streuung. Mit dem Kauf eines Produkts hat man sofort in eine Vielzahl von Aktien bzw. deren Entwicklung investiert. Das ist einfach, bedarf wenig Detailwissen und spart sehr viel Zeit.
Meine persönliche Strategie
Ich habe in der Vergangenheit vereinzelt in ETFs investiert. Und zwar in Märkten, die für mich nicht durchschaubar und weit entfernt waren. Oder wo mir die Einzelrisiken einfach zu hoch waren. Das sind für mich vor allem Emerging Markets oder auch Japan. Sinnvoll finde ich auch ETFs im Small Cap-Bereich. Also eigentlich immer dann, wenn das Risiko eines direkten Kaufs einer einzelnen Aktie für mich zu hoch ist.
Nun ist es aber so, dass für mich noch ein großer psychologischer Punkt hinzukommt. Und dieser Punkt ist der wahre Grund, warum ich lieber in Aktien als in ETFs investiere. Mit einem ETF kaufe ich den Markt. Aber was ist der Markt eigentlich? Es ist eine anonyme Masse, ein großes Sammelsurium. Es sind, z.B. im S&P 500, einfach die 500 größten amerikanischen börsennotierten Unternehmen. Welche das sind, kann ich zwar nachlesen. Aber ich kann weder deren Gewichtung beeinflussen, noch einzelne Unternehmen ausschließen. Ich habe also keinen Einfluss auf mein Investment, wenn ich es einmal getätigt habe und muss bereits beim Kauf eine Entscheidung über das fertige Produkt treffen. Und bei späteren Indexänderungen übernimmt auch jemand anderes die Anpassung meines Portfolios. Das ist ja auch der Sinn des passiven Managements.
Aus diesem Umstand folgt für mich, dass ich überhaupt keine Bindung zu einem ETF aufbauen kann. Bei Aktien ist das ganz anders. Da kann ich mich mit dem jeweiligen Unternehmen beschäftigen, es analysieren und dann eine Kaufentscheidung treffen. Unter Umständen kenne und nutze ich auch noch die Produkte, die es herstellt und erreiche so eine gewisse Identifikation mit meinem Investment.
Warum ist mir die Identifikation mit Aktien wichtig?
Märkte schwanken und neigen zuweilen auch zu Übertreibungen. Übertreibungen in beide Richtungen. Mal läuft ein Markt heiß und ist überbewertet. Mal korrigiert er nach Süden oder crasht gar und ist dann unterbewertet. Das sind dann die Situationen, in denen man als Anleger vor der Frage steht: Was tun? Verluste begrenzen oder aussitzen? Oder sogar nachkaufen? Immer wenn ich ETFs in meinem Depot hatte, dann habe ich sie zu früh verkauft. Nämlich dann, wenn sie von ihren Höchstständen nach Unten korrigierten und ich meine Gewinne sichern wollte. Leider haben die jeweiligen Märkte dann bald neue Höchststände erreicht und ich war nicht mehr investiert. Oder ich habe in einer Korrektur zunächst durchgehalten und dann, weil es immer tiefer ging, irgendwann entnervt verkauft. Statt den Mut zu haben nachzukaufen und von der anschließenden Erholung zu profitieren.
Aber das ist mir nie gelungen, weil ETFs für mich einfach anonym sind und keinerlei Identifikation bieten. Und aus diesem Grund sind sie auch nicht für eine langfristige Anlage geeignet. Jedenfalls nicht für mich. Ich habe in meinen 30 Jahren Börsenerfahrung noch nie einen ETF länger als 3 Jahre gehalten. Und deshalb auch nie eine langfristig herausragende Performance mit einem ETF erreicht.
Bei Aktien ist das ganz anders. Hier habe ich meine ältesten Depottitel inzwischen 15 Jahre im Depot und allein durch die Haltedauer schon eine überzeugende Performance erzielt. Es kann dabei gut sein, dass eine solche Aktie (Coca-Cola, McDonald’s und BASF sind meine ältesten Titel im Depot) in diesen 15 Jahren den S&P500 oder den DAX nicht geschlagen hat. Aber das ist für mich auch kein Vergleich, da ich einen ETF auf diese Indizes nicht so lange gehalten hätte. Und deshalb der Vergleich hinkt.
Gibt es Situationen, in denen ich in ETFs investieren würde?
Ich hatte ja schon geschrieben, dass ich in der Vergangenheit immer mal wieder auch in ETFs investiert habe. Seit ich meine Anlagekriterien aufgestellt habe und sie konsequent verfolge, habe ich es mal für eine gewisse Zeit mit einem Nasdaq-100-ETF-Sparplan versucht (hier nachzulesen). Aber auch nicht länger als ein Jahr durchgehalten.
Mit der Auflage meines Optionsdepots habe ich mich dann auch mit veroptionierbaren ETFs beschäftigt und sogar in drei von ihnen investiert.
Ich finde dabei insbesondere Länder-ETFs spannend. Sie sind eine gute Gelegenheit, sich einen regionalen Aktienmarkt zu erschließen. Einer dieser ETFs im Optionsdepot bezieht sich z.B. auf Indien. Eine Region mit großem Wachstum und einem für Ausländer beschränkten Zugang zur lokalen Börse. Da macht ein ETF für mich dann Sinn.
Leider habe ich bei meinen Recherchen immer wieder feststellen müssen, dass die Länder-Indizes, die durch die ETFs abgedeckt werden, sehr finanzlastig sind. Und gerade Banken möchte ich einfach nicht in meinem Depot haben. Weder als Direktanlage noch schwergewichtig in einem ETF. Das liegt vor allem an meiner kritischen Einstellung zur Stabilität des Finanzsystems. Und oft sind es ja Finanzkrisen, die einen Einbruch eines Aktienmarkts auslösen. Und dann hat man ein doppeltes Risiko in diesem ETF: erst verlieren die Finanzwerte kräftig, dann wird der Rest der enthaltenen Titel mitgerissen.
Was ich mir aber auch gut vorstellen kann, sind Renten-ETFs, mit denen ich die Asset-Klasse der Zinspapiere abdecken kann. Denn um hier breit zu streuen, wären ansonsten Investments im Millionenbereich notwendig. Renten-ETFs sind aber nur außerhalb von Zinserhöhungsphasen sinnvoll, da ansonsten mit Kursrückgängen zu rechnen ist.
Wann sind ETFs eine gute Alternative zu einzelnen Aktien?
ETFs bieten den riesigen Vorteil, dass man mit einem Invest eine große Anzahl von Aktien kauft. Gründe für den Kauf gibt es natürlich schon:
- kein aufwändiges Research zu einzelnen Aktien notwendig
- gerade bei kleinen Anlagebeträgen sinnvolle Sparpläne möglich
- Diversifikation in verschiedene Regionen und/oder Branchen
Diese Gründe treffen auf viele Anleger zu. Und ich bin da auch nicht dogmatisch und verteufele ETFs. Für viele Anleger sind sie das beste Instrument.
Es ist viel besser in ETFs zu investieren als überhaupt nicht!
Nur für mich persönlich sind Direktanlagen in Aktien die bessere Wahl. Ich habe bereits ein überdurchschnittliches Vermögen angespart und brauche für mich auch keinen Sparplan mehr. Die Beträge, die ich in Aktien investiere, sind groß genug, um gebühreneffizient anlegen zu können. Und ich beschäftige mich gerne mit einzelnen Titeln.
Wem ich ETFs empfehle
Für Börseneinsteiger oder Freunde in meinem Umfeld, die bisher keine Aktien haben und sich auch nicht intensiver damit beschäftigen wollen, empfehle ich tatsächlich immer wieder den Abschluss eines ETF-Sparplanes mit monatlichen Raten. Da macht man als Sparer eigentlich nichts falsch. Jedenfalls wenn man einen bzw. mehrere Standard-ETFs auswählt.
Genauso sehe ich es bei einem Depot für Kinder. Wenn man hier dem Kind etwas Gutes tun will und z.B. das Kindergeld sparen will, dann bietet sich auch da ein monatlicher ETF-Sparplan an. So handhaben wir es selbst bei unserer Tochter.
Und inzwischen gibt es ja auch einige Anbieter, die für solche Konstellationen eine Vermögensverwaltung mittels ETFs anbieten. Ich denke da vor allem an die Robo-Advisor. Da werden dann über einen wirklich langfristigen Zeitraum die ETFs sich ändernden Marktgegebenheiten angepasst. Auch sowas finde ich sinnvoll. Jedenfalls dann, wenn ein entsprechender Track-Record erkennbar ist. Nicht jeder hat so viel Zeit, sich mit einzelnen Aktien zu beschäftigen! Warum also nicht für „kleines Geld“ diese Zeit einsparen und durch einen Dienstleister die ETFs auswählen lassen?
Zum Schluss
Mit den Erfahrungen der letzten Jahre bin ich inzwischen weniger kritisch gegenüber ETFs eingestellt. Für viele Anlegergruppen gibt es wirklich sinnvolle Produkte. Für mich selbst sind sie jedoch auf absehbare Zeit keine Alternative zur Direktanlage in Aktien. Dafür finde ich die Beobachtung und Analyse von Unternehmen und ihre Entwicklung viel zu spannend.
Und die aktuelle Börsenphase unterstreicht aus meiner Sicht, dass es – neben den eingesparten Verwaltungsgebühren – auch materiell gute Gründe gibt, mit einer gezielten Auswahl von Einzeltiteln eine ordentliche Performance zu erreichen. Denn gerade in einer Rezession oder bei hohen Inflationsraten ist es wichtig, sich die Unternehmen genau anzuschauen. Das kann ich bei einem ETF nicht und das ist ja auch nicht sein Konzept.
Deshalb ist es für mich gerade jetzt keine Glaubensfrage zwischen ETF und Einzelaktien, sondern eine rationale Entscheidung. Bin ich bereits seit jeher in ETFs investiert, dann bleibe ich auch dabei. Habe ich aber bisher auf Einzelaktien vertraut, dann kann ich in dieser Marktphase mit meinem Vorgehen eine Überrendite erzielen. Und damit in späteren Marktphasen auch eine Unterrendite gegenüber dem breiten Markt verkraften. Oder dann immer noch mein Anlageverhalten ändern.


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