Was Dich hier erwartet:
Immer wieder ist es ein Thema: welchen Umrechnungskurs setzt meine Bank für eine ausländische Dividende an? Besonders relevant ist das natürlich bei den Dividenden aus den USA. Stellen sie doch außerhalb des Euro-Raums den größten Anteil in vielen Depots dar und locken zudem mit ihren Quartalsdividenden.
Nachdem ich selbst jahrelang das fröhliche Treiben beobachtet habe und auch der Meinung war, dass es ja nur ein Unterschied im Nachkommabereich mit wenig Auswirkung ist, wollte ich es aber nun genau wissen.
Denn eins ist klar: je stärker die Dividendenerträge steigen, umso relevanter wird der Umrechnungskurs. Und die Abweichungen bei einzelnen Dividendenbuchungen können durchaus auch mal 2% betragen.
Deshalb habe ich eine Studie durchgeführt, in der ich im Jahr 2023 insgesamt 145 Dividendenzahlungen und deren Umrechnungskurse analysiert habe. Das Besondere dabei: sie bezogen sich auf das identische Wertpapier und sind damit erstmals direkt vergleichbar.
So ist es mir gelungen, aus insgesamt 17 Brokern den Sieger zu bestimmen. Wer der fairste Broker für US-Dividenden des Jahres 2023 geworden ist, erfährst Du exklusiv in diesem Beitrag.
Meine Motivation
Üblicherweise versuche ich, meine Depotpositionen in jeweils einem Depot zu führen. Das erleichtert die Übersicht und die Dividendenzahlungen haben auch eine angenehme Höhe. Gerade durch Neukäufe ist es aber schon hin und wieder vorgekommen, dass ich für die gleiche Aktie zwei Dividendenabrechnungen in zwei verschiedenen Depots erhielt. Und da konnte ich dann immer Abweichungen bei den Umrechnungskursen feststellen.
Das führte dazu, dass ich mir einmal genauer angeschaut habe, inwiefern die Banken transparent darstellen, wie sie die Umrechnungskurse ermitteln. Meine umfassende Analyse ergab, dass es da deutliche Unterschiede gibt und keine Vergleichbarkeit gegeben ist.
Ich entschied mich deshalb, das Ganze strukturiert zu ermitteln und investierte etwas mehr als 10.000 €.
Die Studie
Beginnend im Januar 2023 erwarb ich deshalb Anteile von Realty Income. Das ist ein monatlich Dividende zahlender REIT (Real Estate Investment Trust) aus den USA. Ich kaufte jeweils 10 Anteile in die verschiedenen Depots, die ich bereits hatte. Teilweise erlaubten die Banken keinen Kauf von REITs, so dass ich die Anteile woanders kaufte und dann per Depotübertrag dort hin übertrug.
Im Ergebnis habe ich mittlerweile 170 Anteile von Realty Income erworben. Sie sind auf 17 Depots zu je 10 Anteilen aufgeteilt.
Die erste Dividende erhielt ich im Februar 2023 und jeden Monat kamen weitere Banken hinzu. Insgesamt erhielt ich im Jahr 2023 von Realty Income 145 Dividendenzahlungen.
Die untersuchten Broker
Ich habe versucht, alle für den deutschen Markt relevanten Banken und Broker zu berücksichtigen. Die 17 Teilnehmer des Jahres 2023 sind:
| Markenauftritt | Bank |
|---|---|
| 1822direkt | Frankfurter Sparkasse |
| comdirect | Commerzbank |
| Consorsbank | BNP Paribas |
| DKB | Deutsche Kreditbank |
| Finanzen.net zero | Baader Bank |
| flatex | flatexDEGIRO Bank |
| ING | ING-DiBa |
| justTRADE | Sutor Bank |
| maxblue | Deutsche Bank |
| Merkur Privatbank | Merkur Privatbank |
| onvista bank | Commerzbank |
| S Broker | S Broker |
| Scalable Broker | Baader Bank |
| Smartbroker+ | Baader Bank |
| Targobank | Targobank |
| Trade Republic | Trade Republic Bank |
| Traders Place | Baader Bank |
Die Auswertung
Realty Income zahlt seine Dividende jeweils zur Monatsmitte. Fällt der 15. auf ein Wochenende oder einen Feiertag, dann ist der Zahltag der vorherige Bankarbeitstag. Benchmark ist daher der jeweilige EZB-Referenzkurs am Zahltag. Dieser Kurs wird von der Europäischen Zentralbank durch eine Abfrage bei den Geschäftsbanken als Durchschnittsumrechnungskurs gegen 14.00 Uhr ermittelt und um 16.00 Uhr veröffentlicht. Er gilt dann auch für die Finanzämter als der offizielle Wechselkurs des jeweiligen Tages.
Ich habe zunächst für jeden Monat ermittelt, welche Broker die für Anleger günstigsten Umrechnungskurse abgerechnet haben. Daraus ließ sich aber kein belastbares Ergebnis ermitteln. Banken, die in dem einen Monat die fairsten waren, waren es schon im Folgemonat nicht mehr. Verlässliche Ergebnisse sind deshalb nur in einer Langzeitauswertung möglich.
Und diese Auswertung über das ganze Jahr 2023 erbrachte nun als Ergebnis die durchschnittliche Abweichung jedes einzelnen Brokers zum EZB-Referenzkurs. Und damit kann erstmals der wirklich fairste Broker für US-Dividenden bestimmt werden.
Die Methodik
Da die einzelnen Banken zu unterschiedlichen Zeitpunkten in die Studie integriert wurden, bezieht sich der Durchschnitt auf die jeweilige Anzahl der Dividendenabrechnungen. Im Jahr 2024 wird diese Anzahl für alle Banken gleich sein, 2023 war insofern noch ein Startjahr. Trotzdem ist das Ergebnis aussagekräftig und belastbar.
Und erstmals kann ein Prozentwert als Anhaltspunkt für die Entscheidung dienen, in welchem Depot US-Aktien für Euro-Anleger die besten Umrechnungskurse bieten.
Die Gewinner
Fairster Broker für US-Dividenden des Jahres 2023 ist Trade Republic. Im Durchschnitt sind die Umrechnungskurse sogar 0,01% günstiger als der EZB-Referenzkurs. Auf dem 2. Platz landet die onvista bank, die durchschnittlich mit 0,06% Aufschlag auf den EZB-Referenzkurs abrechnete. Ebenfalls aufs Treppchen schaffte es flatex mit durchschnittlich 0,08% Aufschlag.
Die Verlierer
Ich möchte sie nicht als die unfairsten Broker bezeichnen. Aber bezogen auf die Umrechnungen von US-Dividenden sind sie für Anleger nachteilhaft: Den letzten Platz in dem Vergleich für das Jahr 2023 belegte die Merkur Privatbank mit einem durchschnittlichen Aufschlag von 0,611% auf den EZB-Referenzkurs. Vorletzter wurde die 1822direkt, die Direktbank-Tochter der Frankfurter Sparkasse, mit 0,61% Aufschlag. Und Drittletzter wurde maxblue, das Online-Angebot der Deutschen Bank, mit einem durchschnittlichen Aufschlag von 0,596%.
Das komplette Ranking
| Platz | Broker | durchschnittlicher Aufschlag | gewertete Abrechnungen |
|---|---|---|---|
| 1. | Trade Republic | -0,01% | 8 |
| 2. | onvista bank | 0,06% | 9 |
| 3. | flatex | 0,08% | 9 |
| 4. | Finanzen.net Zero | 0,153% | 9 |
| 4. | Scalable Capital | 0,153% | 9 |
| 6. | Traders Place | 0,163% | 2 |
| 7. | Targobank | 0,212% | 6 |
| 8. | Smartbroker(+) | 0,333% | 9 |
| 9. | Consorsbank | 0,365% | 10 |
| 10. | comdirect | 0,395% | 11 |
| 11. | justTRADE | 0,413% | 9 |
| 12. | S Broker | 0,527% | 9 |
| 13. | ING | 0,555% | 10 |
| 14. | DKB | 0,589% | 10 |
| 15. | maxblue | 0,596% | 10 |
| 16. | 1822direkt | 0,610% | 7 |
| 17. | Merkur Privatbank | 0,611% | 8 |
Auf diesem Foto kannst Du alle ausgewerteten Abrechnungen und die jeweiligen Umrechnungskurse sehen. Es ist eine Zahlenwüste und nur für die Nerds gedacht, die sich alles exakt anschauen wollen:

Auffälligkeiten
Der Zeitpunkt der Dividendenabrechnung hat einen gewissen Einfluss auf die einzelnen Ergebnisse. Der Einfluss ist aber nicht als Vor- oder Nachteil messbar. Als Beispiel dient da die onvista bank: sie hat als einziger Broker konstant die Dividendenabrechnung bereits früh am Morgen des Zahltages erstellt und abgerechnet gehabt. Und damit natürlich keinen Einfluss auf die weitere Entwicklung des Wechselkurses im Laufe des Zahltages. Teilweise gibt es bis 14.00 Uhr schon deutliche Veränderungen, je nachdem welche geopolitischen Ereignisse passieren. In den 9 Monaten, in denen die onvista bank in der Wertung war, hatte sie dann auch viermal den schlechtesten Umrechnungskurs. Der Durchschnitt wurde dann vor allem durch den „Sieg“ im Dezember deutlich verbessert.
Mit Finanzen.net Zero, Scalable Capital, Traders Place und Smartbroker+ sind inzwischen 4 Broker im Rennen, die alle auf die Baader Bank aufsetzen. Trotz unterschiedlicher Konditionen im Wertpapierhandel sind die Umrechnungskurse der Dividendenzahlungen bei ihnen identisch. Das unterschiedliche Ranking kommt durch die unterschiedliche Anzahl der Dividendenabrechnungen zu Stande. Beim Smartbroker(+) waren zudem die ersten Monate noch auf der alten Plattform der BNP Paribas.
Ebenfalls identische Abrechnungen gibt es in der Sparkassenorganisation (S Broker, 1822direkt, DKB). Die Merkur Privatbank nutzte bis einschließlich Oktober offenbar die gleiche Abwicklungsstelle, im November und Dezember hatte sie andere Umrechnungskurse.
Vom Prinzip her müsste flatex eigentlich identisch mit dem EZB-Umrechnungskurs abrechnen und damit zumindest auf Platz 2 landen. Denn diese Regel wird quasi durchgängig bei den Dividendenabrechnungen angewandt. Allerdings gab es im September eine Abweichung zum Nachteil der Anleger. Sie führte zu einem Durchschnittswert, der immer noch sehr gut ist, aber eben nicht bei 0,00% Aufschlag liegt.
Wertstellungsdatum
In meiner Analyse der Bankenmethoden hatte ich neben dem Umrechnungskurs auf das Wertstellungsdatum hingewiesen. Manche Banken verbuchen die Dividende auf dem Konto der Anleger nicht zum Zahltag, sondern 2 Bankarbeitstage später. Dadurch ziehen sie sich einen weiteren Vorteil. Denn der Anleger erhält entweder keine Zinsen für diese beiden Bankarbeitstage oder muss – bei Inanspruchnahme eines Wertpapierkredits – sogar selbst Sollzinsen bezahlen. Und 2 Bankarbeitstage können, wenn ein Wochenende oder die Weihnachtsfeiertage dazwischen liegen, auch schon mal bis zu 5 Tage sein.
Als Nebeneffekt meiner Studie habe ich nun den Beleg, wie die 17 Broker abrechnen. Und auch das ist eine Frage der Fairness. Es geht dabei nicht darum, wann die Dividendenabrechnung erfolgt. Sondern darum, mit welchem Datum sie gutgeschrieben wird. Der bei der Abrechnung langsamste Broker ist mit Abstand die ING. Jeden Monat kam die Dividende als Letztes, in der Regel einen Tag später als beim Vorletzten. Aber die Gutschrift erfolgte rückwirkend zum Zahltag. Für die Anleger war es also kein Nachteil.
Unfair, da mit 2 Tagen späterer Wertstellung, buchen:
| 1822 direkt |
| comdirect |
| DKB |
| maxblue |
| Merkur Privatbank |
| S Broker |
Fair, nämlich mit Wertstellung am offiziellen Zahltag, buchen hingegen:
| Consorsbank |
| Finanzen.net Zero |
| flatex |
| ING |
| justTRADE |
| onvista bank |
| Scalable Capital |
| Smartbroker+ |
| Targobank |
| Trade Republic |
| Traders Place |
Auffällig ist insoweit, dass die 4 Broker auf den letzten Plätzen bei den Umrechnungskursen auch noch beim Wertstellungstag zum Nachteil der Anleger agieren. Und die ersten 9 Plätze werden ausschließlich von Brokern belegt, die auch bei der Wertstellung fair agieren.
Schlussfolgerung
Während die Spanne zwischen der jeweils günstigsten und teuersten Bank in den einzelnen Monaten immer mindestens 1,0% betrug und im Hoch bis auf 2,2% stieg, ist sie dann im Durchschnitt wieder deutlich kleiner. Ein Unterschied von 0,62% zwischen der Nr. 1 und der Nr. 17 ist aber trotzdem eine Ansage.
Und es gibt dafür keine überzeugende Begründung: denn mit Trade Republic ist ein Neo-Broker auf dem 1. Platz, der auch ansonsten sehr günstige Konditionen anbietet. Wer also denkt, dass die Erträge an anderer Stelle hereingeholt werden, täuscht sich – zumindest in Bezug auf die Umrechnungskurse für Dividendenzahlungen. Genauso kann man leider auch nicht festhalten, dass Banken, die schon genug über ihre hohen Provisionen für den Wertpapierhandel verdienen, generell faire Umrechnungskurse anbieten. Vielmehr gibt es da durchaus Häuser, die überall zugreifen.
Als Anleger ist es wichtig, sich das bewusst zu machen und in die Entscheidung nach dem passenden Broker einfließen zu lassen. Für mich ist das Ergebnis der Studie ein neuer Aspekt, den ich nun bei der Depotwahl berücksichtige.
Und gerade für die Anleger, die ein extremes Buy-and-Hold betreiben, kann es sinnvoll sein, per Depotübertrag Positionen von US-Aktien zu einem faireren Broker zu übertragen. Denn die Unterschiede akkumulieren sich womöglich über die Jahre zu einem stattlichen Betrag.
Selbstverständlich setze ich die Studie in 2024 fort und werde von nun an jährlich den fairsten Broker für US-Dividenden küren. So viel kann ich schon nach der Januar-Dividende 2024 verraten: Trade Republic und flatex sind erneut unter den Top 3!




Kommentar verfassen