Was Dich hier erwartet:
Joe Biden oder Donald Trump. Einer von den älteren Herren wird die Wahl im November gewinnen. Und entweder müssen wir dann weitere vier Jahre Donald Trump und seine Tweets ertragen oder dieses Kapitel ist beendet. Ob es mit dem Demokraten Joe Biden besser wird, steht allerdings noch in den Sternen.
Was bedeuten die beiden Kandidaten aber für mein Aktiendepot? Und wie stelle ich mich am besten auf, um keine böse Überraschung zu erleben?
Meine Gedanken dazu erfährst Du in diesem Beitrag.
Zunächst einmal: Keine Hektik
Bis zum November ist es noch einige Zeit. In jedem Fall genug Zeit, um das Depot an der ein oder anderen Stelle zu optimieren. Und einen Blick auf die Umfragen zu werfen. Denn obwohl Joe Biden derzeit meilenweit führt, heißt das für die Wahlentscheidung noch nichts. Das Wahlsystem hat ja schon beim letzten Mal dazu geführt, dass Donald Trump mit weniger absoluten Stimme als Hillary Clinton zum US-Präsidenten gewählt wurde. Er hatte die wichtigen Swing States gewonnen und das reichte dann für die Mehrheit im Wahlmännergremium.
Die Börse stagniert statistisch gesehen in US-Wahljahren zwischen August und Anfang November. Dann setzt in der Mehrzahl der Wahljahre eine Jahresendrallye ein, in der speziell die Aktien profitieren, die sich vom Wahlausgang einen Schub versprechen.
Wie positionieren sich Profis?
Schätzungen der Schweizer UBS zu Folge, passen 61% der Investoren unabhängig vom Wahlausgang schon vorher ihre Depots an. Da sie aber auch nicht wissen, wie die Wahl ausgeht, erhöhen sie vor allem ihre Liquidität. So können sie dann nach der Wahl bei neuen Branchenfavoriten zugreifen.
Wahlsieger Joe Biden?
Wird Joe Biden der 46. Präsident der USA, dann hat er angekündigt, die Unternehmenssteuern, die Trump von 35 auf 21% gesenkt hat, wieder auf 28% zu erhöhen.
Das würde die Gewinne im S&P 500 nach Schätzungen von Goldman Sachs um rund 12% reduzieren. Und natürlich keine große Freude an der Wall Street auslösen. US-Privatanleger sollen dann auch Steuern auf Kapitaleinkünfte zahlen.
Gewinnerbranchen gibt es aber auch: Denn die 2 Billionen US-Dollar an höheren Steuereinnahmen sollen in Maßnahmen gegen den Klimawandel, die Erneuerung der Energieversorgung und die Elektromobilität gesteckt werden. Gestärkt werden soll auch die marode Infrastruktur (Straßen- und Brückenbau, öffentliches Transportwesen).
Zugleich soll der Mindestlohn auf 15 US$ pro Stunde erhöht und die vorhandenen privaten Krankenversicherungen um eine staatliche Option ergänzt werden.
Gewinner-Aktien
Die Erhöhung des Mindestlohns dürfte sich positiv auf die Verbraucherausgaben auswirken. Profitieren sollten Konsumgüteraktien wie Procter & Gamble oder Nike. Die Gesundheitsthemen sollten Aktien von Johnson & Johnson oder CVS Health begünstigen. Die UBS sieht in ihrer Studie zudem Medtronic und Thermo Fisher als Gewinner. Ebenso sollten Industrieaktien wie Honeywell und Stanley Black & Decker im Fokus stehen.
Verlierer-Aktien
Zu den Verlierern eines Wahlsieges von Joe Biden gehören vermutlich Unternehmen, die unter stärkeren Umweltauflagen zu leiden hätten. Insbesondere die Frackingindustrie, aber auch die Sektoren Rüstung und Tabak gelten als potentielle Wahlverlierer.
Mein Depot mit seinem nachhaltigen Ansatz und Ausschlusskriterien gegenüber einigen Branchen dürfte deshalb bereits jetzt gut aufgestellt sein, wenn es tatsächlich zu einem Wahlsieg von Joe Biden kommt.
Wahlsieger Donald Trump?
Trotz der Umfragen ist ja ein Wahlsieg von Donald Trump keineswegs ausgeschlossen. Ich glaube aber nicht, dass es im Anschluss erneut zu einem Börsenhausse wie nach seiner ersten Wahl kommen wird. Denn noch weitere Steuersenkungen kann er sich nicht leisten.
Es wird trotzdem Wahlgewinner an der Börse geben. Vermutlich werden es genau die Branchen sein, die unter Joe Biden zu leiden hätten: Fracking, Rüstung und Tabak.
Was will die Wall Street?
Traditionell gelten die Demokraten als Gift für die Börse und die Republikaner als die Lieblinge. Diesmal scheint es aber so zu sein, dass die Mehrheit an der Wall Street einfach keine Lust mehr auf Donald Trump hat. Seine ständigen Unruheherde, der Handelskonflikt mit China und sein katastrophales Corona-Krisenmanagement haben dafür gesorgt, dass interessanterweise mehr Wahlkampfspenden aus der Finanzbranche zu Joe Biden als zu Donald Trump gehen.
Dieser Branche ist der Sieger egal
Da beide Kandidaten in ihren Wahlprogrammen einen Fokus auf die Verbesserung der Infrastruktur legen, sollten Aktien aus dieser Branche unter beiden Kandidaten profitieren. Staatliche Aufträge sollen zudem die Konjunktur beflügeln. Wenn Du Dich also neutral zum Wahlausgang positionieren willst, dann sind Infrastrukturaktien vermutlich die beste Wahl.
Meine Strategie für die nächsten Monate
Ich bin mit meinem Depot breit diversifiziert und habe einige potentielle Gewinner eines neuen US-Präsidenten an Bord. Mein Depot ist aber auch unter Donald Trump nicht so schlecht gelaufen. Deshalb sehe ich erst mal keinen akuten Handlungsbedarf. Die Idee der Profis, die Liquidität zu erhöhen, finde ich hingegen nachvollziehbar.
Der Wahlkampf wird sicher noch hart und dreckig werden. Und da können auch populistische Themen schnell für Kursschwankungen sorgen. Wenn es Trump hilft, wird er sicher noch einmal an den verschiedenen Konfliktherden zündeln. Da muss ich nicht voll investiert sein. Jedenfalls sehe ich keinen Grund, vor November verstärkt in Aktien zu investieren. Ich werde weiter selektiv zugreifen und – wenn die Dollar-Schwäche anhält – erstmal auch Unternehmen außerhalb der USA anschauen.
In jedem Fall wird es spannend und keine langweilige Zeit. Und dann wissen wir am 3. November endlich, ob wir vier weitere Jahre lang auf Tweets aus dem Weißen Haus achten müssen oder endlich wieder eine verlässlichere und diplomatischere Politik erleben.


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