Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn! So könnte ich es selbstironisch auf den Punkt bringen: Vor nicht einmal zwei Jahren habe ich in der Krise beherzt zugegriffen und mir eine Dividendenrendite von rund 10% gesichert.
Schon bald setzte eine Erholung ein und das laufende Geschäftsjahr sieht vergleichsweise entspannt aus. So positiv, dass das Management die Prognose bereits ein zweites Mal erhöhen konnte.
Kein Wunder, dass der Aktienkurs dies alles feiert und allein in diesem Jahr fast 50% gestiegen ist.
Und schon stellen sich für mich einige Fragen: Reite ich die Erfolgswelle einfach weiter oder wird es Zeit, das Risiko zu reduzieren? Und welchen Einfluss könnte die Trump-Politik auf die nähere Zukunft haben?
Meinen Ausblick auf die Perspektiven des Unternehmens erfährst Du in diesem Beitrag.
Omega Healthcare Investors (OHI) ist inzwischen mit einer Dividendenrendite von 6,5% zwar noch in der Spitzengruppe meines Depots, aber sticht nicht mehr heraus. Das ist vor allem dem gesunkenen Risiko zuzuschreiben. Den in Seniorenimmobilien investierenden REIT habe ich hier vorgestellt. Die Chartentwicklung der letzten 10 Jahren zeigt das Auf und Ab des Kurses deutlich. Die Hochs um 45 US$, erreicht in den Jahren 2015, 2019 und 2020 sind aktuell wieder in greifbarer Nähe:

Meine Strategie für dieses Investment verfolgt seit einiger Zeit das Ziel, mein Risiko durch die hohe Ausschüttung schnellstmöglich zurückzuführen.
Dividendenzahlung
Omega Healthcare Investors zahlt erneut eine Quartalsdividende von 0,67 US$. Für die 300 Aktien in meinem Dividendendepot ergibt das eine Brutto-Dividende von 201 US$. Die Dividende wurde von der Consorsbank zum Kurs von 1,0572 in Euro umgerechnet. Nach Abzug der Quellensteuern (ich konnte Verluste aus dem allgemeinen Verlusttopf verrechnen) verbleibt eine Netto-Dividende von 161,61 €. Sie wurde mit Wertstellung 15.11.2024 überwiesen.

Bei der Berechnung der Dividendenrendite von Omega Healthcare Investors sollte nicht vergessen werden, dass die Zahlung in der Vergangenheit durchaus auch mal auf der Kippe stand. Anders als bei großen Standardwerten ist deshalb nicht fest damit zu rechnen, dass die Dividende auch dauerhaft und in dieser Höhe bezahlt wird. Ich gehe aktuell gleichwohl davon aus, aber immer verbunden mit einem leichten Zweifel. Unterstelle ich, dass die Quartalsdividende unverändert viermal im Jahr bezahlt wird, entsteht daraus eine Jahresdividende von 2,68 US$. Bei einem Aktienkurs von 40 US$ ergibt sich daraus eine Dividendenrendite von 6,7%.
Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost) ist – neben der Stetigkeit der Dividendenzahlungen- vom US-Dollar-Kurs abhängig. Nehme ich für ein gesamtes Jahr den Umrechnungskurs dieser Dividendenzahlung, dann erhalte ich für meine 300 Aktien 804 US$ und einen Eurobetrag von 760,50 € brutto. Bezogen auf meinen bezahlten Einstand von 7.984,35 € entspricht das 9,5%. Mit einem stärkeren US-Dollar steigt diese Rendite, genauso geht sie bei einem schwächeren US-Dollar zurück.
Perspektiven
Wirklich erstaunlich, welche Performance OHI in diesem Jahr hingelegt hat. Natürlich hat die gesamte Branche der Real Estate Investment Trusts ein Comeback erlebt. Denn vor allem die Erwartung, dass die Zinsen nicht weiter steigen, sondern zurückgehen würden, hat die Kurse beflügelt. Für mich ist dabei aber der wichtigste Punkt, dass OHI es überhaupt in diese Phase geschafft hat, ohne die Dividende zu kürzen. Das ist die Leistung des Managements gewesen, das sich mit klugen Maßnahmen Zeit verschafft hat und nun davon profitieren kann.
Denn eine Reihe größerer Mieter hatte und hat Schwierigkeiten. Ihre Mieten wurden gestundet oder die Rückstände in Kredite gewandelt. Lange Zeit sah das für mich nach einer tickenden Zeitbombe aus. Mittlerweile scheint es aber so, dass der Zünder entfernt werden konnte und das Entschärfungsteam an der Arbeit ist.
Denn auch die Ergebnisse zum 3. Quartal waren positiv. Dabei muss man berücksichtigen, dass OHI die fehlende Liquidität durch Ausgabe neuer Aktien gedeckt hat. Die durchschnittliche Anzahl der ausstehenden Aktien ist deshalb von 256 Millionen auf 276 Millionen innerhalb eines Jahres gestiegen. Umso bemerkenswerter sind deshalb die Ergebnisse je Aktie. Sie konnten durchweg gesteigert werden!
Der Nareit FFO (Funds From Operations) stieg von 0,71 US$ auf 0,74 US$ je Aktie. Die „Funds Available for Distribution“ (sie sind für die Dividende relevant) stiegen von 0,68 US$ auf 0,70 US$ je Aktie.
Der Nettogewinn stieg von 0,37 US$ auf 0,42 US$ je Aktie.
Beeindruckend ist für mich vor allem die Kennzahl „Funds Available for Distribution“. Sie lag im 1. Quartal 2024 mit 0,65 US$ je Aktie noch 2 Cent unter der bezahlten Dividende. Im 2. Quartal 2024 ging es dann auf 0,68 US$ hoch. Und nun im 3. Quartal 2024 wurden sogar 0,70 US$ erreicht. Damit zeichnet sich nach 3 Quartalen ab, dass die Dividende wieder ganzjährig gedeckt ist. Dividendenzahlungen von 2,01 US$ (=3 x 0,67 US$) steht ein dafür verfügbarer Cash-Flow von 2,03 US$ gegenüber. Das ist jetzt zwar noch keine komfortable Überdeckung. Aber deutlich positiver als die Unterdeckung in 2023.
Die wichtigste Nachricht war aber die erneute Anhebung der Prognose für den adjustierten FFO. Ursprünglich war eine Spanne von 2,70 bis 2,80 US$ erwartet worden. Mit Ende des 2. Quartals wurde die Spanne schon auf 2,78 bis 2,84 US$ angehoben. Und nun werden 2,84 bis 2,86 US$ erwartet. Damit ist sogar das untere Ende der Spanne schon deutlich über dem oberen Ende der ursprünglichen Prognose.
Und diese Prognose zeigt die Aufhellung der Geschäftsentwicklung über das Jahr 2024 besonders deutlich. Genauso wie der Aktienkurs das nachvollzieht oder vormacht – je nach Sichtweise. Jedenfalls erscheint mir die Erholung des Aktienkurses fundamental begründet.
Die Frage, die sich nun zwangsläufig stellt, ist ob das nur eine Momentaufnahme ist oder der Beginn einer weiterhin positiven Entwicklung.
Die Updates, die das Management zu den großen drei Mietern LaVie, Maplewood und Guardian gegeben hat, klingt zumindest positiv. Sie haben durchweg ihre Mieten bezahlt und befinden sich auf dem Weg der Lösung ihrer Probleme. Teilweise mit Hilfe des Insolvenzrechts (Chapter 11) oder per Management-Buy-Out.
Ansonsten ist das Management weiterhin um eine Optimierung des Portfolios bemüht. So wurde ein bisheriges Joint Venture vollständig übernommen und einzelne Objekte zugekauft.
Kleinere Anteile dieser Käufe wurden mit Immobiliendarlehen refinanziert. Interessant ist dabei, dass OHI für diese Darlehen Zinssätze von durchschnittlich 10,2% bis 10,8% bezahlen muss. Daran ist deutlich erkennbar, dass die Banken weiterhin deutliche Risikoaufschläge berechnen.
Für mich sind solche Risikoaufschläge ein wichtiger Indikator. Denn Banken erhalten in der Regel einen deutlich tieferen Einblick als Aktionäre im Rahmen der Quartalsberichterstattung.
Vor allem ist es ein Zeichen, dass eben noch nicht alle Ampeln auf Grün stehen. Und ich bin auch überzeugt davon, dass wir in absehbarer Zeit keine Dividendenerhöhung sehen werden. Die 0,67 US$ Quartalsdividende sind ein stattlicher Satz. Selbst wenn eine Erhöhung mit einer Verstetigung der Zahlen möglich wäre, sollte der überschüssige Cash besser dafür genutzt werden, die Verschuldung zu reduzieren.
Zwischen den Zeilen kann ich diese Absicht auch herauslesen. Denn das Management beschreibt im Quartalsbericht, dass es die aufgenommenen neuen Darlehen ohne Vorfälligkeitsentschädigung ab November 2025 zurückzahlen kann. Das ist ein versteckter Hinweis, dass in rund einem Jahr eine Entscheidung zwischen Dividendenerhöhung und Schuldentilgung getroffen werden kann.
Wenn es – wie ich es begrüßen würde – zu keiner Dividendenerhöhung kommt, dann ist wohl demnächst auch eine natürliche Grenze für den Aktienkurs erreicht. Denn warum sollte sich jemand mit einer Dividendenrendite zufrieden geben, die nur noch unwesentlich über den Zinsen für Staatsanleihen liegt? Und die Zinsen für 10-jährige US-Anleihen befinden sich seit einigen Wochen wieder im Steigflug. Und mit dem Sieg von Donald Trump dürften sie tendenziell auch weiter steigen oder zumindest auf einem Niveau deutlich über 4% verharren.
Ich erwarte deshalb, dass OHI auf Sicht der nächsten beiden Jahre in einer Spanne von 38 bis 45 US$ notieren wird. Je nach Zinserwartung und Geschäftsentwicklung wird es mal höher, mal niedriger gehen.
Für mich wäre das ein attraktives Szenario, um in dem Titel investiert zu bleiben. Durch meinen günstigen Einstandskurs erhalte ich eine prozentual deutlich höhere Ausschüttung als Neuinvestoren. Zugleich wird mein Risiko-Chance-Verhältnis mit jedem Quartal besser. Bereits jetzt habe ich mehr als ein Drittel meines Einsatzes durch Nettodividenden zurückerhalten.
Mein ausstehendes Kapital beträgt nur noch rund 5.000 €. Der aktuelle Kurswert ist mehr als doppelt so hoch. Und deshalb sehe ich auch keinen Grund, die Position zu verkleinern. Ich werde stattdessen weiterhin hohe Quartalsdividenden kassieren und mein Risiko weiter reduzieren.
Zwar dauert es bei unveränderter Dividende und unverändertem Dollarkurs noch etwa 9 Jahre, bis ich mich meinen kompletten Einsatz zurückerhalten habe. Aber das ist eine Aussicht, die ich für mich als sehr attraktiv empfinde. Denn die Dividenden würden ja auch danach noch weitergezahlt werden. Und in welcher Alternativanlage finde ich eine solche Möglichkeit?
Natürlich weiß ich nicht, ob OHI in 9 Jahren noch existiert und in vergleichbarer Form aufgestellt ist. Genau deshalb schaue ich mir das Unternehmen aber auch quartalsweise an. Und stelle aktuell fest, dass die Aussichten derzeit wieder deutlich besser geworden sind. Mein Plan, die Anteile dauerhaft zu halten, bleibt deshalb unverändert bestehen.
Für Nachkäufe oder einen Neueinstieg halte ich den Aktienkurs derzeit aber für zu hoch. Wer aber noch gar nicht dabei ist und unbedingt in den Sektor einsteigen will, kann natürlich trotzdem mit einer ersten kleinen Position beginnen. So habe ich es ja damals auch gemacht und dann erst in der Krise deutlich aufgestockt. Der Vorteil an dieser Herangehensweise ist, dass man ein Gefühl für das Unternehmen, seine Entwicklung und den Aktienkurs bekommt. Und dann auch in schwierigen Phasen mit großer Überzeugung zugreift. Und damit Chancen nutzen kann.
Hätte ich OHI nicht bereits lange im Depot gehabt, hätte ich bei 10% Dividendenrendite vermutlich keine Kauforder aufgegeben. Das wäre mir zu riskant gewesen. So aber hatte ich bereits Vertrauen aufgebaut und wagte den Schritt, der sich rückblickend als goldrichtig erwiesen hat.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Omega Healthcare Investors, Inc. |
| ISIN: | US6819361006 |
| Im Divantis-Depot seit: | 19.05.2017 |
| Letzter Nachkauf am: | 10.01.2023 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 300 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 26,61 € |
| Gesamtkaufpreis: | 7.984,35 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 3.453,51 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| Omega Reports Third Quarter 2024 Results and Recent Developments |


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