Ein Rekordergebnis zum 100-jährigen Bestehen der Aktiengesellschaft. Fast logisch, dass es da auch einen Zuschlag auf die Dividende gibt.
Aber wer sich jetzt einfach darauf einstellt, dass die Geschichte so fortgeschrieben wird, den muss ich enttäuschen. Denn aktuell ist einiges im Umbruch.
So wechselte der langjährige Vorstandsvorsitzende nach nur 2 Monaten Abkühlung mit der Hauptversammlung in den Aufsichtsrat und übernahm anschließend den Vorsitz. Zuvor kündigte er noch an, einen Unternehmensteil, der in den letzten Jahren für viel Phantasie sorgte, zu verkaufen.
Damit könnten sich für Investoren nun wieder interessante Einstiegsmöglichkeiten bieten. Denn der neue Chef wird sich sicherlich etwas überlegen, wie er es noch besser als sein Vorgänger machen kann.
Auf der anderen Seite besteht natürlich schon aus Corporate Governance-Gesichtspunkten das Risiko, dass „der Alte“ die Zügel nicht los lässt.
Wie ich das Ganze einschätze und welche Perspektiven ich für meine Depotposition sehe, erfährst Du in diesem Beitrag.
Im Jahr 2018 habe ich die BayWa ins Dividendendepot genommen, um an der Entwicklung des Agrargeschäfts zu partizipieren. Hier habe ich das Unternehmen ausführlich vorgestellt. Mittlerweile steht das Geschäft allerdings auf drei Säulen und das sorgte in den letzten Jahren für entsprechende Phantasie im Aktienkurs. Zuletzt ist die Aktie jedoch wieder etwas zurückgekommen:

Dividendenzahlung
Die BayWa zahlt in diesem Jahr eine reguläre Dividende von 1,10 € pro Aktie. Zusätzlich gibt es eine Sonderdividende von 0,10 € je Aktie. Insgesamt also 1,20 € und das entspricht dann einer Erhöhung um 14,3%. Bei der regulären Dividende ist es nun das vierte Jahr in Folge eine Erhöhung um 0,05 €. Für die 100 Aktien in meinem Depot ergibt das eine Brutto-Dividende von 120 €. Nach Abzug der Steuern verbleibt eine Netto-Dividende von 88,35 €. Sie wurde mit Wertstellung 09.06.2023 überwiesen.

Perspektiven
Die drei Säulen des BayWa-Konzerns sind mittlerweile der Handel mit Agrarprodukten, Erneuerbare Energien und der Handel mit Energie, Landmaschinen und Baustoffen.
Dabei kommt dem Umsatz in den Geschäftszahlen noch am wenigsten Aussagekraft zu. Denn gerade beim Handel mit Obst und Gemüse wird zwar viel umgesetzt, bleibt aber wenig Gewinn übrig.
Deutlich wird das hier: 2022 legte der Umsatz auf 27,1 Mrd. € (Vorjahr: 19,8 Mrd. €) zu. Als Gewinn (EBIT) blieben davon aber „nur“ 504,1 Mio. € übrig. Das ist zwar immer noch deutlich mehr als im Vorjahr (266,6 Mio. €), aber kann so nicht fortgeschrieben werden. Denn ein Großteil stammt aus Einmaleffekten.
Das Segment Regenerative Energien erzielte 2022 einen Umsatz von 6,5 Mrd. € (Vorjahr: 3,6 Mrd. €). Das EBIT erreichte mit 239,1 Mio. € (Vorjahr: 135,0 Mio. €) einen neuen Höchststand. Auch im Energiehandel stieg der Umsatz deutlich – bedingt durch die hohen Energiepreise – auf 3,3 Mrd. € (Vorjahr: 2,1 Mrd. €). Das EBIT betrug 53,6 Mio. € (Vorjahr: 17,4 Mio. €).
Größter Profiteur der Situation des letzten Jahres war der Handel mit Getreide, Ölsaaten und Betriebsmitteln für die Landwirtschaft: Dort stieg der Umsatz von 4,2 Mrd. € auf 5,8 Mrd. € und das EBIT legte von 12,3 Mio. € auf 104,7 Mio. Euro zu. Ein Gewinnplus von 751%.
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet die BayWa mit einem Konzernergebnis zwischen 320 und 370 Millionen €. Bis Ende des Jahres 2025 strebt sie ein operatives EBIT zwischen 470 und 520 Millionen € an.
Auf dem Weg dorthin will sich die BayWa von ihrem internationalen Solarhandelsgeschäft trennen. Dort sind aktuell mehr als 1.400 Mitarbeiter tätig und der Handel mit Solarmodulen trug stark zum Ergebnis im Bereich Regenerativer Energien bei.
Folglich soll sich die Tochter BayWa r.e. zukünftig auf das internationale Projektgeschäft und die weitere Expansion als Independent Power Producer (IPP) konzentrieren. Damit soll die bisherige Gesamtleistung von 0,8 Gigawatt in 26 Wind- und Solarprojekten erheblich gesteigert werden.
Den Wechsel von Klaus Josef Lutz in den Aufsichtsratsvorsitz sehe ich insgesamt ziemlich kritisch. Er stand 15 Jahre lang an der Spitze des BayWa-Vorstands und das wird es dem Nachfolger nicht einfacher machen.
Als Aufsichtsratsvorsitzender hat er jetzt entscheidenden Einfluss auf die zukünftige Zusammensetzung des Vorstands. Und allein das Wissen darum wird schon dafür sorgen, dass die Vorstände keine „Dummheiten“ machen.
Üblicherweise werden bei einem Wechsel im Vorstandsvorsitz die Entscheidungen der vergangenen Jahre hinterfragt. Vor allem das, was man nicht gemacht hat (weil es der Vorsitzende nicht wollte), bekommt dann noch einmal eine neue Chance.
Das wird jetzt mit Sicherheit nicht passieren und das ist für die Entwicklung kein Pluspunkt.
Für mich ist die BayWa-Aktie deshalb nur noch eine Halte-Position mit Tendenz zur Trennung. Das hört sich etwas unentschlossen an und so fühlt es sich bei mir auch an. Wirtschaftlich bin ich von der BayWa überzeugt und halte sie weiterhin für eine gute Ergänzung in meinem Depot.
Der Corporate Governance-Aspekt ist mir aber ein Dorn im Auge. Nicht nur wegen der genannten Hindernisse für die Zukunft. Sondern schon, dass so etwas überhaupt möglich ist. Die Zeiten, in denen solche Wechsel üblich waren, sind doch eigentlich längst vorbei.
Ich werde deshalb in den nächsten Monaten die Entwicklung genau verfolgen und die BayWa-Aktie ist eine Kandidatin, die ich verkaufen würde, wenn ich auf der Suche nach Kapital für ein anderes Investment bin.
Wirtschaftlich gesehen bin ich allerdings entspannt, mein Investment hat bisher ordentliche Erträge abgeworfen. Einen Zuwachs der Depotposition in Form eines Nachkaufs wird es aber nicht mehr geben.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | BayWa AG |
| ISIN: | DE0005194062 |
| Im Divantis-Depot seit: | 03.05.2018 |
| Letzter Nachkauf am: | 24.10.2108 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 1 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 25,18 € |
| Gesamtkaufpreis: | 25,18 € |
| durch Teilverkauf am 9.8.2023 realisierter Gewinn (Kurs & Dividenden): | 1.026,09 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 4,09 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |


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