Was Dich hier erwartet:
Vor Kurzem erhielt ich in einem Kommentar Fragen zur Zusammensetzung meines Depots gestellt, die ich nun in diesem Beitrag beantworten möchte.
Zunächst die Fragen von Freddy, die sich um die Anzahl der Depotpositionen drehen und miteinander zusammenhängen:
Gibt es bei Dir eine Höchstgrenze, wieviel Geld Du in eine Aktie steckst?
Sind die 50 Depotwerte bei Dir genug?
Oder würdest Du so weit gehen und sagen, man sollte immer 1.000 € pro Aktie investieren und dann auf 100 oder 150 Dividendenwerte gehen, um weltweit noch besser zu streuen?
Zur Beantwortung hole ich etwas weiter aus und möchte dabei auch zur Diskussion anregen.
Streuung ist notwendig
Generell sollte unbestritten sein, dass eine Streuung notwendig ist. Als Aktieninvestor solltest Du niemals alles auf eine Karte setzen! Dafür kann viel zu viel passieren: ein Unternehmen kann pleite gehen oder sein Geschäftsmodell vom einen auf den anderen Tag wegbrechen. Aber auch vor einem Betrugsfall bist Du als außenstehender Aktionär niemals komplett sicher.
Viele Meinungen zur notwendigen Anzahl
Wie hoch nun die Streuung sein soll, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Der Kultinvestor Warren Buffett vertritt beispielsweise die Ansicht, dass eine Outperformance gegenüber einem Index nur mit einer Konzentration auf wenige Aktien möglich ist. Und diese Aktien sollte man dann besser genau analysieren und erst dann investieren. Mit 10 Aktienpositionen sei man dann schon ausreichend diversifiziert.
Vorbild Aktienindex
Bekanntere Aktienindizes starten mit 30 Titeln (z.B. der Dow Jones oder der DAX), es geht aber auch genauso mit 100 (Nasdaq oder FTSE) oder 500 Positionen (S&P 500). Und wer es vierstellig mag, der schaut sich den MSCI World an. Diese Indizes sind ja bekanntlich über ETFs auch problemlos investierbar. Mit einem einzigen ETF hat man dann eine breite Diversifikation.
Mein Dividendendepot
Ich habe aktuell in meinem Depot 52 verschiedene Positionen. Diese Zahl ist nicht in Stein gemeißelt, allein in diesem Jahr sind bisher 3 neue Werte hinzugekommen. Außerdem sind Verkäufe denkbar. Ich habe mir auch kein langfristiges Ziel gesetzt, dass ich irgendwann einmal auf 70 oder 100 Positionen kommen möchte. Meine Erfahrung mit allen Arten von Börsensituationen hat mir gezeigt, dass mein Depot ausreichend diversifiziert ist. Ich muss also nicht weiter streuen.
Mein Ziel
Je mehr Positionen in einem Depot sind, desto schwieriger wird es, einen Vergleichsindex zu schlagen. Einfach deshalb weil die Indizes in der Regel dann doch durch einige große Titel dominiert werden. So geht die Performance von Nasdaq und S&P500 in den letzten Jahren zu einem wesentlichen Teil auf die Techaktien Amazon, Alphabet, Apple, Facebook und Microsoft zurück. Sind die Aktien nicht im Depot, sondern stattdessen 30 andere Titel, dann wird ein einzelner Titel vielleicht besser als der Index abschneiden. Das Gesamtdepot aber eher nicht.
Ich habe nicht als Ziel einen Index outzuperformen. Trotzdem habe ich es gegenüber dem MSCI World in der Vergangenheit geschafft. Mein Ziel ist es, dass ich mich mit meinen Aktien wohl fühle und ruhig schlafen kann. Ich will, dass sie langfristig im Wert steigen und stetige Dividendenerträge abwerfen. Wenn dann die Performance vergleichbar zu einem Index ist, dann bin ich zufrieden.
Konkret: so viel stecke ich in eine Aktie
Meine Aktienpositionen differieren aktuell zwischen 800 € und 28.000 €. Das liegt vor allem daran, dass ich bei neuen Position in der Regel mit kleineren Beträgen starte und dann sukzessive nachkaufe. So habe ich selbst eine Art Sparplan – allerdings mit unregelmäßigen Terminen – für meine Aktien. Als maximale Obergrenze habe ich einen Depotanteil von 10% gesetzt. Darüber darf keine Aktie hinausgehen, ansonsten würde ich sie auch anteilig verkaufen. Als Untergrenze möchte ich pro Dividendenzahlung mindestens 10 € erhalten. Ansonsten habe ich keine Lust, für kleinere Beträge meine Buchhaltung anzuwerfen oder einen Blogpost darüber zu verfassen. Und damit definiert sich dann irgendwie auch, wieviel ich in einen einzelnen Wert mindestens investiere. Bei deutschen Aktien mit nur einer Dividendenzahlung im Jahr ist das dann weniger, bei US-Aktien mit Quartalsdividenden ein größerer Betrag.
Ansonsten mache ich die Größe einer Depotposition davon abhängig, wie groß die Marktkapitalisierung der Aktie ist und wie gut der Informationsfluss ist. Meine größten Positionen sind deshalb entweder aus Deutschland (schnelle Informationen verfügbar) oder zählen zu den größten Unternehmen der Welt. Exotischere Aktien, die natürlich trotzdem solide sein und in meine Anlagekriterien passen müssen, gewichte ich im mittleren vierstelligen Bereich. Aber auch hier zählt für mich, dass ich mich individuell damit wohl fühlen muss.
In diesem Bereich befinden sich die meisten meiner Aktienpositionen, darunter auch viele Unternehmen, die die Kriterien für eine Höhergewichtung erfüllen würden. Hätte ich mehr Kapital zur Verfügung, dann würde ich sie auch alle nachkaufen und damit in den fünfstelligen Bereich bringen. Das ist aber nicht möglich und so ergibt sich dann eben eine Depotstruktur, die im wissenschaftlichen Sinn nicht als ausgewogen gilt.
Wohlfühlfaktor ausschlaggebend
Für mich selbst ist aber – wie bei den einzelnen Positionen auch – entscheidend, dass ich mich mit der Depotstruktur wohlfühle. Und die klare Übergewichtung der drei großen Versicherungswerte ist von mir bewusst gewählt. Damit fühle ich mich „versichert“ und kann auf Versicherungsprodukte wie eine Kapitallebensversicherung gut verzichten. Ansonsten haben sich viele Aktien einfach auch durch eine entsprechend lange Haltedauer in höhere Gewichtungen hochentwickelt. Ein Rebalancing nehme ich dann nur dadurch vor, dass ich diese Aktien nicht nachkaufe und damit der Depotanteil tendenziell sinkt.
Deine Depotstrategie
Du musst aus meiner Sicht selbst entscheiden, wie stark Du streuen möchtest. Ich würde nicht extrem streuen um der Streuung willen. Konkret auf die Frage bezogen glaube ich nicht, dass eine Streuung in 100 oder 150 Titel notwendig ist. Und wenn es dann doch so viele Aktien sein sollen, dann würde ich eher zu einem ETF raten und diesen dann durch Einzelaktien ergänzen.
Trotzdem spricht nichts gegen eine dreistellige Anzahl von Depotpositionen. So lang Du sie überwachen kannst und Dich damit wohl fühlst – warum nicht?
Vielleicht komme ich auch irgendwann dort hin. Geplant ist das allerdings nicht und es gibt noch so viele Nachkaufchancen bei meinen bisherigen Depotpositionen, dass ich das auch nicht glaube.
Aber an der Börse sollte man nie Nie sagen.


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