Nachdem mein letzter Beitrag über den US-Konzern vor drei Monaten ziemlich niedergeschlagen wirkte, hat sich in der Zwischenzeit einiges getan.
Ich hatte die Aktie auf Beobachten gesetzt und war auch mehrfach kurz davor, eine Verkaufsorder aufzugeben. Bis heute habe ich das allerdings aufgeschoben und bin nun auch erst einmal zufrieden damit.
Denn die letzten Quartalszahlen brachten eine positive Stimmung in die Aktie. Von den nackten Zahlen her waren sie exorbitant schlecht. Sogar ein Verlust wurde verbucht.
Aber die Prognose war es dann, die der Aktie zu einem zweistelligen Tagesplus verhalf. Die Börse hat auf einmal wieder Hoffnung, dass die Probleme gelöst werden können und sich dann alles zum Besseren wendet.
Ob ich das auch so sehe und was die Börse konkret so feiert, erfährst Du in diesem Beitrag.
Warum ich mittlerweile ins Lager der Skeptiker gewechselt bin, erfährst Du in diesem Beitrag.
Seit Start des Divantis-Blogs begleitet mich die Aktie von 3M – erstmals kaufte ich sie im Januar 2017! Mit kontinuierlichen Nachkäufen (zuletzt im Juni 2022) habe ich insgesamt rund 13.500 € in das Unternehmen investiert. Und die Aktie ist aktuell der größte Minusposten in meinem Depot.
3M selbst habe ich hier ausführlich vorgestellt. Im Langfrist-Chart siehst Du, dass die grünen Dreiecke, die meine jeweiligen Käufe symbolisieren, allesamt oberhalb des aktuellen Aktienkurses notieren:

So viel Dividende lässt sich kaum einnehmen, um trotz des Kursrückganges in positives Territorium zu kommen…
Dividende
3M zahlt erneut eine Quartalsdividende von 1,50 US$ je Aktie. Für die 85 Aktien in meinem Dividendendepot ergibt das eine Brutto-Dividende von 127,50 US$. Sie wurde vom Smartbroker zum Kurs von 1,07731 in Euro umgerechnet. Nach Abzug der Steuern (nur Quellensteuer, da ich einen gefüllten allgemeinen Verlusttopf habe) verbleibt eine Netto-Dividende von 100,59 €. Sie wurde mit Wertstellung 12.09.2023 überwiesen.

Annualisiere ich die Quartalsdividende, dann zahlt 3M eine Jahresdividende von 6,00 US$. Bei einem Aktienkurs von 107 US$ ergibt das eine Dividendenrendite von 5,6%. Da 3M als Dividendenaristokrat die Dividende jährlich erhöht, dürfte es bei einem heutigen Kauf sogar noch ein bißchen mehr sein. Zuletzt wurde die Dividende allerdings nur um 0,7% erhöht. Die Erhöhungen finden traditionell mit der März-Dividende statt.
Perspektiven
An der Dividendenrendite lässt sich die Kursveränderung auch gut festmachen: vor drei Monaten lag sie noch bei 6,0%. Und der Bereich unterhalb der 100 US$ wurde auch getestet.
Mit Vorlage der Ergebnisse zum 2. Quartal 2023 wurde die 100 US$-Marke dann schlagartig zurückgelassen und es ging innerhalb eines Handelstages sogar über die 110 US$-Marke.
Was war passiert? 3M hatte zunächst über den Abschluss eines Vergleichs mit regionalen Wasserversorgern berichtet. Damit werden Schadensersatzklagen wegen PFAS erledigt. Danach verpflichtet sich 3M zur Zahlung von 10,3 Mrd. US$. Das ist zwar eine Stange Geld, aber sie scheint verkraftbar zu sein. Denn die Zahlung wird über 13 Jahre gestreckt. Damit wird die Liquidität von 3M nicht über Gebühr belastet. Es kommt aber noch besser: steuerlich kann 3M die Vergleichssumme sofort als Aufwand verbuchen. Dadurch spart der Konzern Steuern und kann diese Ersparnis zumindest in der Anfangsphase der Zahlungen zur Erhöhung der Liquidität nutzen. Mit dieser Lösung ist zumindest die PFAS-Baustelle gegenüber den regionalen Wasserversorgern erledigt.
3M hat seit mehr als 20 Jahren künstlich hergestellte und in großem Maßstab eingesetzte Chemikalien mit per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS) produziert, die sich im Laufe der Zeit im menschlichen Gewebe und in der Umwelt anreichern. Gebräuchlicher ist ihre Bezeichnung als „langlebige“ bzw. „persistente“ Chemikalien. Sie sind in der Umwelt und im Körper äußerst lange nachweisbar und gelten als mitursächlich für Gesundheitsprobleme wie Leberschäden, Schilddrüsenerkrankungen, Fettleibigkeit, Fruchtbarkeitsstörungen und Krebs.
Generell stelle ich mir die Frage, ob ich mein Geld in einem Unternehmen investiert haben möchte, dass solche Stoffe verwendet. 3M hat jedoch das Ziel verkündet, bis 2025 auf PFAS zu verzichten. Offenbar ist das nicht so trivial und Ersatzstoffe müssen teilweise erst erforscht oder getestet werden.
Das Vergleichsergebnis hat 3M dann direkt in den Zahlen zum 2. Quartal 2023 verarbeitet und dort einen Verlust von 12,35 US$ je Aktie verbucht. Der Vergleich selbst stand dabei für 14,19 US$ Verlust, andere Klageverfahren machten 0,33 US$ aus. Ohne Berücksichtigung dieser Aufwände lag das Quartalsergebnis jedoch bei 2,17 US$.
Auch das war gegenüber dem Vorjahresquartal noch ein Rückgang um 11,4%, aber weit weniger dramatisch als es auf den ersten Blick aussah. Und beinhaltete wohl auch noch außerordentliche Steueraufwendungen.
Der Umsatz ging organisch „nur“ um 2,2% zurück. Einen Satz nach Oben machte allerdings der operative Cash-Flow: +34%. Und der adjustierte Free Cash-Flow legte um spektakuläre 44% zu. Das schmeckte der Börse besonders gut.
Schlussendlich wurde die Prognose für den Gewinn je Aktie (adjustiert und damit ohne die Vergleichskosten) für 2023 von 8,50-9,00 US$ auf 8,60-9,10 US$ angehoben.
Ob das alles schon die Trendwende ist, weiß natürlich niemand mit Gewissheit zu sagen. Der Aktienkurs jedenfalls konnte seine Erholung zunächst nicht fortsetzen und bröckelte wieder etwas ab. Aber immerhin konnte sich 3M seit den Quartalszahlen über der 100 US$-Marke halten.
Mir hat der Vergleichsschluss und dabei vor allem die Streckung der Zahlung über einen so langen Zeitraum gezeigt, dass man 3M nicht zu früh abschreiben sollte. Das Management kämpft jedenfalls um sinnvolle Lösungen, die die Zukunft des Konzerns sichern.
Und auch die Kläger haben ja nichts davon, wenn sie zwar eine riesige Summe zugesprochen bekommen, aber dann wegen Insolvenz keine Überweisung erhalten.
Trotzdem ist 3M noch nicht über den Berg. Bis alle Klagen erledigt sind, wird es noch seine Zeit dauern. Und so lang diese Risiken nicht kalkulierbar sind, wird kein Kaufsturm auf die Aktie ausbrechen.
Jüngst berichtete 3M nun über den Abschluss eines Vergleichs im Prozess über den militärischen Gehörschutz. Demnach sollen die Kläger 6 Mrd. US$ erhalten, davon 5 Mrd. US$ in bar und 1 Mrd. US$ in 3M-Aktien. Und die Zahlung wird erneut gestreckt, hier über einen Zeitraum von 2023 bis 2029. Dem Vergleich muss allerdings noch der Richter zustimmen.
Ich habe die Aktie für mich aktuell nicht mehr als dringenden Verkaufskandidaten eingestuft. Aber ich beobachte die Entwicklung sehr genau und kann mir auch immer noch vorstellen, einen Schlussstrich zu ziehen.
Da ich aber keinen Druck verspüre, kann es auch passieren, dass ich an Bord bleibe und 3M seine Probleme in der Zeit löst.
Der Spin-Off der Gesundheitssparte, auf den ich noch gespannt bin, soll nun übrigens im 4. Quartal 2023 oder im 1. Quartal 2024 erfolgen. Mehr ist dazu bisher nicht bekannt. Ich hoffe allerdings, dass es wirklich ein Spin-Off und kein Split-Off wird. Denn neue Aktien eingebucht zu bekommen, wäre ein guter Lohn für das Durchhalten. Auch wenn es anfangs ein Nullsummenspiel wäre, da der Kurs von 3M ja in gleichem Maße sinken müsste.
Der eigenständige Geschäftsbereich Health Care soll mit dem Spin-Off zu einem weltweit führenden, diversifizierten Technologieunternehmen im Gesundheitswesen werden, das die Bereiche Wundversorgung, Mundpflege, IT im Gesundheitswesen und biopharmazeutische Filtration abdeckt. Und so einen Titel hätte ich gerne im Depot – am besten noch ohne Rechtsrisiken.
Es bleibt in jedem Fall spannend, was in den nächsten Monaten bei und mit 3M passiert.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | 3M |
| ISIN: | US88579Y1010 |
| Im Divantis-Depot seit: | 12.01.2017 |
| Letzter Nachkauf am: | 21.06.2022 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 85 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 159,43 € |
| Gesamtkaufpreis: | 13.551,77 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 1.918,69 € |
| Aktuelle Strategie: | verkaufen |

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