Was haben die U-Bahnen von Stockholm und Hong Kong gemeinsam?

Wart Ihr schon mal in Stockholm oder Hong Kong und seid dort mit der U-Bahn gefahren? Hättet Ihr gedacht, dass beide Verkehrssysteme, obwohl so weit voneinander entfernt, von ein und demselben Unternehmen betrieben werden? Und dieses Unternehmen befindet sich im Divantis-Depot

Die MTR Corporation Ltd. ist in Hong Kong ansässig, betreibt aber auch in China, England und Australien Nahverkehrssysteme. Und eben in Schweden. Wieder einmal ein Unternehmen mit Quasi-Monopol! Denn eine zweite U-Bahn wird wohl kaum in Stockholm gebaut werden.

MTR transportiert täglich rund 5,6 Millionen Passagiere und gehört damit zu den größten Personenbeförderungsunternehmen der Welt. MTR steht für Mass Transit Railway.

75,05 Prozent der Anteile von MTR gehören dem Staat. 24,95 Prozent und damit ein klarer Minderheitsanteil sind in Händen freier Aktionäre. Beim Börsengang im Jahr 2000 hat sich der Staat verpflichtet, 20 Jahre lang mindestens 50 Prozent zu halten. Daraus könnte sich ab dem Jahr 2020 eine interessante Möglichkeit ergeben, wenn es zu einer Veräußerung weiterer Anteile kommt. Es dürfte sich mindestens der Free Float erhöhen, aber auch eine Übernahme ist – zumindest theoretisch – denkbar.

Beachten sollte man auf jeden Fall, dass die Informationen über MTR relativ spät in Deutschland ankommen. Die Webseite ist nicht besonders anlegerfreundlich, es werden nur die Pflichtinformationen bereit gestellt. Normalerweise würde ich in so ein Unternehmen nicht investieren. Angesichts des sicheren Geschäftsmodells und der Monopolstellung nehme ich es aber zähneknirschend in Kauf.

Nachhaltigkeitsfaktor

Von RobecoSAM wurde MTR im Sustainability Yearbook 2017 in der Transport- & Infrastrukturbranche als Mitglied in der Riege der Sustainability Leader ausgezeichnet. Von 86 untersuchten Branchen-Unternehmen belegte MTR damit den 9. Platz. Positiv zu bewerten ist zudem, dass das Unternehmen durch die Teilnahme am Carbon Disclosure Project über seine CO2-Emissionen berichtet. Interessant finde ich zudem, dass MTR ein Extraprogramm zur Emission von Green Bonds aufgelegt. Dadurch sollen auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Anleiheinvestoren angesprochen werden. MTR verfügt über ein erstklassiges AAA-Kreditrating!

Dividende

An sich ist MTR ein langweiliger Dividendenzahler mit einer angemessenen, aber nicht überaus attraktiven Dividende. Die Dividendenrendite bewegt sich im Bereich um 2,5 Prozent. Allerdings haben die Aktionäre für die Jahre 2016 und 2017 eine Sonderausschüttung von je 2,20 HK$ erhalten (Ex-Tag war am 22.05.2017, die Auszahlung erfolgt am 12.07.2017). Ganz bewusst wurde die Verschuldung von MTR erhöht und eine in 2 Tranchen zu zahlende Kapitalrückgabe beschlossen. Aber das sind Einmaleffekte, die man bei einer Investition außen vor lassen sollte.

Seit 2008 hat MTR die Dividende jedes Jahr erhöht. In den letzten drei Jahren allerdings nur noch jeweils um 0,01 HK$. Dafür gab es aber die exorbitante Sonderausschüttung. Ich vermute daher, dass die Steigerungen ab 2018 wieder etwas höher ausfallen werden.

Nicht berücksichtigt sind 2 Sonderdividenden in den Jahren 2016 und 2017.

MTR hat noch einen weiteren Vorteil: Die Dividende wird zweimal im Jahr gezahlt und zwar im Juli und Oktober. Versucht man – wie ich – regelmäßige Dividendeneinkünfte zu erzielen, dann ist auch eine gleichmäßige Verteilung des Zahlungsstromes über das Jahr hinweg wünschenswert. Mit deutschen Aktien ist dies nahezu unmöglich, da die meisten im April und Mai ausschütten. Im zweiten Kalenderhalbjahr kommt nahezu nichts. Hier bietet MTR eine gute Alternative. Allerdings sollte das nicht ausschlaggebend für eine Investition sein. Es ist aus meiner Sicht nur ein angenehmer Nebeneffekt.

Die Dividende wird in Hongkong-Dollar gezahlt, so dass hier noch ein Währungsrisiko aber auch eine Währungschance besteht. Ich nehme diese Streuung in eine andere Währung bewusst in Kauf.

Link zu den Dividendeninformationen des Unternehmens:

http://www.mtr.com.hk/en/corporate/investor/shareservices.html

Ausblick

MTR ist ein attraktiver Infrastrukturwert mit Monopolcharakter. Durch die Sonderausschüttungen habe ich mehr als 10 Prozent meines Kaufpreises innerhalb von 2 Jahren wieder zurück erhalten. Die zukünftige Dividende ist in Ordnung, mehr aber auch nicht. Das Kurspotenzial ist begrenzt. MTR ist deshalb eine Halteposition für mich. Auch weil ich mit den 2.000 Aktien schon ordentlich investiert bin.

Auf einen Blick:

Unternehmen:MTR
ISIN:HK0066009694
Im Divantis-Depot seit:27.11.2015
Letzter Nachkauf am:10.08.2016
Stückzahl im Divantis-Depot:2.000
Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren:4,39 €
Gesamtkaufpreis:8.781,64 €
Bisher erhaltene Netto-Dividenden: 1.213,27 €
Aktuelle Strategie:Halten und Dividende kassieren

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4 Gedanken zu „Was haben die U-Bahnen von Stockholm und Hong Kong gemeinsam?“

  1. Wie funktioniert denn das Geschäftsmodell? Ich nehme an, der Betrieb der U-Bahnen wird von den Gemeinden ausgeschrieben und dann an den günstigsten vergeben?! Wie lange wird so ein Betrieb vergeben und was passiert, wenn man bei einer Ausschreibung verlieren sollte?

    1. Hallo Patrick,
      ob die Vergabe an den Günstigsten erfolgt, weiß ich nicht. Jedenfalls kann der Eigentümer entscheiden, an wen er den Betrieb der U-Bahn vergibt. Dabei wird er vermutlich nicht nur auf die Vergütung, sondern auch auf die Erfahrung achten. In Stockholm hat bis 2009 eine Tochter von Veolia die U-Bahn betrieben, dann hat MTR die Ausschreibung gewonnen.
      Das ist aber nicht der einzige Weg, zum Betreiber zu werden. Denkbar und üblich sind auch (Teil-)Privatisierungen der kommunalen Betreibergesellschaften oder Joint Ventures mit diesen. Das langfristigste Geschäftsmodell ist sicher die Übernahme der kommunalen Betreibergesellschaft.

    1. Mir ist kein weiterer Betreiber in Stockholm oder Hong Kong bekannt. Aber theoretisch könnten bei einer Ausschreibung auch andere Unternehmen ihren Hut in den Ring werfen. So ist MTR ja auch nach Stockholm gekommen.

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