Ein neuer Kopf an der Spitze eines Unternehmens sorgt oft für frischen Wind. So weit so gut. Aber auch bisherige Glaubenssätze werden gerne auf den Prüfstand gestellt.
Auch das muss so sein, schließlich will sich ein Unternehmen ja fortentwickeln. Im heute diskutierten Fall sorgt das leider dafür, dass sich mein Investment-Case verändert. Denn der neue Chef hat die Dividendenpolitik verändert. Erst hat er sie sich angeschaut, dann Reaktionen des Kapitalmarktes auf eine Veränderung getestet und dann dem Aufsichtsrat einen Vorschlag gemacht.
Und nun wird die Dividende nicht mehr erhöht, obwohl genügend Geld dafür vorhanden wäre. Warum mich das stört, ich aber trotzdem nicht sofort die Reißleine zieht, erfährst Du in diesem Beitrag.
Das Unternehmen, das nun Dividende zahlte, sie in Zukunft aber nicht mehr erhöhen will, ist die Deutsche Beteiligungs AG. Die Private-Equity-Gesellschaft mit Fokus auf den deutschen Mittelstand habe ich hier ausführlich vorgestellt.
Die Aktie hatte 2018 ihr Hoch bei 52 € und notiert mittlerweile nur noch bei der Hälfte bzw. sogar noch etwas darunter. Ich habe mehrfach zugekauft, an einer Kapitalerhöhung teilgenommen und mich im letzten Jahr von der Hälfte meines Bestandes getrennt:

Dividendenzahlung
Die Deutsche Beteiligungs AG zahlt in diesem Jahr eine Dividende von 1,00 €. Gegenüber dem letzten Jahr (0,80 €) ist das eine Erhöhung um 25%. Was sich spektakulär anhört, relativiert sich aber mit dem Blick ins Vorvorjahr: da gab es noch 1,60 € Dividende! Nach meinem Teilverkauf sind in diesem Jahr nur noch 100 statt 200 Aktien der Deutschen Beteiligungs AG im Depot. Für mich ergibt sich eine Brutto-Dividende von 100,00 €. Nach Abzug der Steuern ergibt das eine Netto-Dividende von 73,63 €. Sie wurde mit Wertstellung 03.03.2023 überwiesen.

Die Dividendenrendite der Deutschen Beteiligungs AG liegt bei einem Aktienkurs von 24,85 € bei 4,0%.
Meine persönliche Dividendenrendite bezogen auf meinen Einstand (Yield on Cost) von 2.691,71 € liegt hingegen nur bei 3,7%. Wenn ich mir jedoch meinen Einstand „schönrechne“ und die erzielten Gewinne aus dem Teilverkauf (953,37 €) abziehe, dann liegt mein YoC bei 5,8%. Und wenn ich noch einen Schritt weitergehe und auch die erhaltenen Nettodividenden abziehe, dann liegt mein „gebundener Einsatz“ nur noch bei 1.020,72 €. Und darauf entspricht die Brutto-Dividende von 100 € dann sogar 9,8%.
Perspektiven
1,00 € – 1,20 € – 1,40 € – 1,45 € – 1,50 € – 0,80 € – 1,60 € – 0,80 € – 1,00 €. Das sind die Dividenden, die seit meinem Einstieg 2016 von der Deutschen Beteiligungs AG (DBAG) bezahlt wurden. Ich stehe also nun exakt da, wo ich einmal gestartet bin. Nun sind 1,00 € ja nicht schlecht. Aber es gibt eine Nachricht dazu, die mir keine Freude bereitet: die Dividendenpolitik wurde angepasst und die 1,00 € sollen auch zukünftig gezahlt werden. Erhöhungen sind nicht mehr geplant. Zusätzliche Jahresüberschüsse sollen stattdessen in den Rückkauf eigener Aktien investiert werden.
Angekündigt hatte der neue Vorstandssprecher Tom Alzin das bereits im September auf der Herbstkonferenz des Equity Forums in Frankfurt. Damals hatte er aber noch nicht die Zustimmung des Aufsichtsrates und er hatte auch noch keine konkreten Zahlen genannt.

Nun sind Aktienrückkäufe ja nicht verkehrt und insgesamt ist das ein nachvollziehbarer Strategiewechsel. Er passt nur nicht zu meinem Investmentansatz.
Ich investiere in Unternehmen, die entweder ihre Dividende regelmäßig steigern oder die eine deutlich überdurchschnittliche Dividendenrendite haben. Dass die Aktienkurse mittelfristig steigen sollen, versteht sich von selbst.
Die neue Strategie der Deutschen Beteiligungs AG wird dem aber nicht gerecht. Die Dividende steigt nicht mehr und wird damit – bei anhaltender Inflation – Jahr für Jahr weniger wert. Die Dividendenrendite von 4% ist zwar ordentlich, aber jetzt auch nicht ungewöhnlich.
Und es gibt noch einen zweiten Punkt, der mich aktuell an einem Verbleib der Aktie in meinem Depot zweifeln lässt: bisher hatte die Deutsche Beteiligungs AG ein Geschäftsjahr, das am 30.09. endet. Das führte zu einer Hauptversammlung im Februar und Dividendenzahlung im Februar oder Anfang März. Auch wenn es für die Rendite eines Investments keine Rolle spielt, habe ich diesen Aspekt sehr geschätzt. Denn so verteilen sich meine Dividendenerträge besser über das Jahr und ich habe lieber Geld schon im Februar als erst im Mai.
Auf der Hauptversammlung wurde jedoch eine Umstellung des Geschäftsjahresendes auf den 31.12. beschlossen. Dazu wird es einmalig ein Rumpfgeschäftsjahr vom 1.10. bis 31.12.2024 geben. Und ab 2025 entspricht das Geschäftsjahr dann dem Kalenderjahr. Damit wird dann spätestens ab 2026 die Dividende auch erst im Mai gezahlt werden.
Aber natürlich gibt es auch einige Punkte, die für die Deutsche Beteiligungs AG sprechen. Denn sonst hätte ich schon längst verkauft und würde nur noch meine Verkaufsabrechnung dokumentieren und mich anderen Wertpapieren zuwenden.
Auf dem aktuellen Kursniveau ist die Aktie nicht wirklich teuer. Die Marktkapitalisierung liegt bei 467 Mio. €. Allein der Bilanzgewinn, der auf neue Rechnung vorgetragen wurde, beträgt schon 245 Mio. €. Das Konzern-Eigenkapital liegt bei 669 Mio. € (=Nettovermögenswert). Und mit dem Aktienrückkaufprogramm im Volumen von bis zu 20 Mio. € dürfen 4,25% des Grundkapitals zurückgekauft werden. Der Rückkaufspreis wird dabei maximal 90% des Nettovermögenswerts pro Aktie betragen. Das führt dann zu einer weiteren Erhöhung des anteiligen Nettovermögenswerts der verbleibenden Aktien.
Nach dem 1. Quartal des neuen Geschäftsjahres (also per 31.12.2023) liegt der Nettovermögenswert je Aktie bei 35,28 € und damit gut 10 € über dem aktuellen Kurswert. Das schreit förmlich nach besonderen Maßnahmen. Eigentlich müsste man die Gesellschaft liquidieren, um damit diese Werte zu heben.
Aber das hat bisher niemand vor. Stattdessen wurde jüngst das Geschäftsmodell erweitert. Dazu wurde die ELF Capital Group mehrheitlich übernommen und der Bereich Private Debt in den Unternehmensgegenstand aufgenommen.
Private Debt ist eine alternative Form der Kreditfinanzierung von Unternehmen. Statt klassisch von einer Bank kann ein Unternehmen zukünftig ein Darlehen auch von der Deutschen Beteiligungs AG erhalten. Der Markt hat dadurch an Bedeutung gewonnen, dass sich viele Banken aus der klassischen Mittelstandsfinanzierung zurückgezogen haben. Bei Private Debt sind dabei sowohl erstrangige als auch nachrangige Kredite etabliert. Die aufgerufenen Zinsen sind in der Regel zweistellig.
Wenn ich insgesamt auf die Private Equity-Branche schaue, dann fühle ich mich mit meinem Engagement bei der Partners Group tatsächlich besser aufgehoben. Es ist ein deutlicher Größenunterschied erkennbar und der Bereich Private Debt befindet sich dort z.B. schon seit Jahren im Werkzeugkasten.
Für mich ist die Deutsche Beteiligungs AG deshalb lediglich eine Halteposition. Und das auch nur so lang, bis der Abstand zwischen Aktienkurs und Nettovermögenswert deutlich geringer ist. Ich rechne nicht damit, dass wir in absehbarer Zeit einen Aktienkurs von 35 € sehen werden. Sollte es aber über die 30 € gehen, dann werde ich mich von der Position verabschieden. Und ansonsten bleibe ich investiert. Denn schließlich ist es eine Unternehmensbeteiligung und ich damit gehört mir auch ein entsprechender Anteil des Eigenkapitals.
Wenn ich dafür einen adäquaten Preis erhalte, dann wende ich mich mit meinem Kapital lieber attraktiveren Unternehmen zu. Eile habe ich nicht, sondern mit der nötigen Geduld werde ich schauen, was sich ergibt.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Deutsche Beteiligungs AG |
| ISIN: | DE000A1TNUT7 |
| Im Divantis-Depot seit: | 02.02.2016 |
| Letzter Nachkauf am: | 10.11.2022 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 100 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 26,92 € |
| Gesamtkaufpreis: | 2.691,71 € |
| Durch Teilverkauf am 22.05.2023 realisierter Gewinn (Kurs & Dividenden): | 953,37 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 717,62 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |


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