Was Dich hier erwartet:
Vor drei Monaten hatte ich diese Aktien verkaufen wollen. Und habe es auch versucht. Aber es hat nicht geklappt!
Das hört sich etwas skurril an, aber hatte nichts mit dem Aktienkurs oder so zu tun. Bei Aufgabe der Verkaufsorder erhielt ich den Hinweis, dass die Lagerstätte einen Verkauf nicht zulasse. Ich müsse erst einen Wechsel vornehmen lassen.
Da staunte ich nicht schlecht! Im Nachhinein scheint das Schicksal gewesen zu sein. Denn in der Folge entwickelte sich die Aktie prächtig und war zwischenzeitlich mein Top-Wert 2022 im Dividendendepot.
Und dann kam in dieser Woche die Meldung, auf die ich schon seit Jahren gewartet habe: Das Unternehmen wird sich aufspalten und damit die Einzelteile sichtbar machen.
Grund genug, meine Verkaufsabsicht zu hinterfragen und meine Einstellung zu dem Nahrungsmittelhersteller einem Update zu unterziehen.
Warum ich mich trotzdem zum Ausstieg entschieden habe, wie die jüngste Dividendenzahlung ausgefallen ist und welche Dividendenerhöhung verkündet wurde – das ist der Stoff für diesen Beitrag.
Die Aktie von Kellogg, die ich schon länger verkaufen wollte, habe ich hier ausführlich vorgestellt. Mit ihr bewegte ich mich kurstechnisch durch den starken US-Dollar ungefähr auf dem Niveau meines Einstands. Bis zur Meldung über die Aufspaltung waren die vereinnahmten Netto-Dividenden mein Gewinn.
Wie Du am 10-Jahres-Chart siehst, ging es nach meinem Kauf in 2015 erst mal stetig aufwärts. Genauso folgte dann aber nach dem Höchststand 2016 eine Abwärtsphase. Seit 2019 hat sich die Aktie dann tendenziell seitwärts bewegt – mit einem deutlichen Ausschlag in diesem Jahr:

Dividendenzahlung
Kellogg zahlt erneut und letztmals eine Quartalsdividende von 0,58 US$ je Aktie. Für die 50 Aktien in meinem Dividendendepot ergibt das eine Brutto-Dividende von 29 US$. Sie wurde von der Consorsbank zum Kurs von 1,0436 in Euro umgerechnet. Nach Abzug der Steuern verbleibt eine Netto-Dividende von 20,69 €. Sie wurde rückwirkend mit Wertstellung 15.06.2022 überwiesen.

Mittlerweile (aber nach dem exDividende-Termin) habe ich die Aktien zum Smartbroker übertragen. Und siehe da: die Lagerstelle (Wertpapierrechnung USA) stellt nun kein Problem mehr dar, ein Verkauf ist wieder möglich.
Perspektiven
Die Kellogg-Aktie hat mich tatsächlich positiv überrascht. Letztes Jahr gab es ja schon mit 16,3% eine positive Performance, wenn auch unter dem Marktdurchschnitt. In diesem – für den Gesamtmarkt so schwierigen – Jahr steht nahezu eine identische Performance in den Büchern. Nach einem halben Jahr!
Offenbar geht damit endlich meine ursprüngliche Investmentthese auf. Denn Kellogg zähle ich zu den Unternehmen, die über eine Preissetzungsmacht verfügen und es in einem Inflationsumfeld leichter haben, steigende Rohstoff- und Lieferkosten an die Verbraucher weiterzugeben.
Kellogg hat starke Marken und Produkte, die von Verbrauchern gekauft werden. Neben den Corn Flakes, sind das die Pringles-Chips und – in den USA – die fleischlosen Mahlzeiten von Morning Star.
So richtig zum Ausdruck gekommen ist diese Marktposition bei den letzten Quartalszahlen allerdings noch nicht. Der Quartalsumsatz stieg organisch um 4%. Angesichts einer ungefähr doppelt so hohen Inflationsrate in den USA und weiten Teilen Europas ist das aus meiner Sicht nicht spektakulär.
Zwar stiegen der operative Gewinn (+10%) und der Gewinn je Aktie (+15%) jeweils zweistellig. Das war aber ausschließlich Währungsgewinnen geschuldet. Denn adjustiert und währungsneutralisiert ging der operative Gewinn sogar um 2% zurück, der Gewinn je Aktie legte nur um 1% zu. Hier wirkten die Aktienrückkäufe positiv und verringerten die Anzahl der ausstehenden Aktien.
Bei einem näheren Blick auf das Umsatzwachstum von 4,2% wird dann aber deutlich, woher der Optimismus im Aktienkurs kommt. Denn das Volumen ging sogar um 5,7% zurück. Ausschlaggebend sollen dafür der Streik und der Fabrikbrand im Vorjahr gewesen sein. Durch höhere Preise (+9,9%) konnte dieser Rückgang aber in besagtes Plus gewandelt werden.
Und wenn der Rückgang im Volumen tatsächlich temporär und durch die externen Einflüsse war, dann kann Kellogg der Inflation trotzen.
Die Inflation sorgt aber natürlich auch für höhere Kosten. Und das drückt dann im Ergebnis auf die Margen und den Gewinn. Aber ein Unternehmen, dass über eine solche Preissetzungsmacht verfügt, ist in jedem Fall schon mal besser aufgestellt.
Positiv zu werten ist ebenfalls, dass Kellogg in den letzten Jahren seine Verschuldung deutlich zurückfahren konnte. 2019 lag die Nettoverschuldung noch bei 9 Mrd. US$. Aktuell sind es noch 7 Mrd. US$. Die Zinserhöhungen belasten damit nicht so stark.
Zuletzt hat Kellogg zudem seine Prognose für 2022 im Wesentlichen bestätigt und bei den Verkäufen sogar leicht angehoben. Erwartet wird nun ein Umsatzanstieg um 4% (zuvor: 3%). Der operative Gewinn soll um 1-2% steigen, ebenso der Gewinn je Aktie.
Was machten diese Zahlen nun mit mir?
Ich war von Kellogg in den letzten Jahren ziemlich enttäuscht, habe aber immer durchgehalten. Jetzt habe ich das Gefühl, dass sich tatsächlich die Stärken des Unternehmens positiv auswirken.
In einer Phase wirklich hoher Inflationsraten ist es für mein Depot gut, auch solche Aktien zu haben. Denn sie sorgen für Stabilität und gleichen die Verluste anderer Titel aus.
Andererseits wird sich zeigen, wie lang die Inflation so hoch bleibt. Analysten erwarten schon in den nächsten Monaten den Peak, so dass wir zum Jahresende und dann in 2023 niedrigere Raten sehen werden.
Und womöglich ist dann die Outperformance der Kellogg-Aktie auch wieder vorbei.
Die angekündigte Aufspaltung
Am 21. Juni kündigte Kellogg an, dass es sich bis zum Ende des Jahres 2023 in drei eigenständige Unternehmen aufspalten wird. Dazu soll es zwei Spin-Offs geben. Jeder Aktionär erhält dann anteilig neue Aktien und hat dann drei verschiedene Aktienpositionen in seinem Depot. Die Firmennamen stehen allerdings noch nicht fest, lediglich die Inhalte:
Global Snacking Co.: rund 11,4 Mrd. US$ Umsatz und 2 Mrd. US$ EBITDA, Hauptbestandteile werden die wachstumsstärkeren Sektoren der weltweiten Snacks (vor allem Pringles), das internationale Cerealien-Geschäft (Corn Flakes etc.) und das afrikanische Nudel-Geschäft sein.
North America Cereal Co.: rund 2,4 Mrd. US$ Umsatz und 250 Mio. US$ EBITDA bringt das nordamerikanische Cerealien-Geschäft mit. Das Geschäft stagniert, der Markt ist gesättigt, Wachstum wird lediglich durch Kostenreduzierungen erwartet.
Plant Co.: rund 340 Mio. US$ Umsatz und 50 Mio. US$ EBITDA im US-Markt mit dem Fleischersatz MorningStar Farms.
Im Ergebnis erhält jeder Aktionär zusätzlich zu seinen bisherigen Aktien (Global Snacking Co.) einen attraktiven Spin-Off (Plant Co.) und eine Krücke (North America Cereal Co.). Die Spin-Offs werden für amerikanische Anleger steuerfrei sein (was dann auch für deutsche Anleger gelten könnte) und im Verhältnis zum Unternehmenswert berechnet.
Das bedeutet aus meiner Sicht, dass – Pi-mal-Daumen anhand des Umsatzes – meine Aktienposition von 50 Kellogg-Aktien mit einem Marktwert von 3.300 € sich wie folgt aufteilen würde:
| Neue Einheit | Umsatzanteil | geschätzter Marktwert |
|---|---|---|
| Global Snacking Co. | 80% | 2.650 € |
| North America Cereal Co. | 17% | 560 € |
| Plant Co. | 3% | 100 € |
Meine Einschätzung
Ich finde es positiv, dass das Geschäft mit den Fleischersatzprodukten abgespalten wird. Hier hat Kellogg eine echte Perle im Portfolio, die deutlich höher bewertet werden könnte.
Meine Kellogg-Position ist aber zu klein, damit dieser Spin-Off attraktiv für mich ist. Selbst wenn die Plant Co.-Aktien 50% höher bewertet würden, hätte ich nur eine Position von 150 €. Das macht so keinen Sinn.
Vor allem, wenn ich dann auch noch die Krücke North America Cereal Co. erhalte, die vermutlich rasch im Kurs einbrechen wird.
Hinzu kommt, dass Kellogg nun die nächsten 18 Monaten völlig mit sich selbst beschäftigt sein wird und in den nächsten Quartalen erhebliche Kosten im Hinblick auf die Aufspaltung produzieren und verbuchen wird.
Ich habe mich deshalb entschieden, den Kurssprung nach der Ankündigung zum Verkauf zu nutzen. Meine Erfahrung aus den letzten Spin-Off-Ankündigungen (IBM, AT&T, Johnson&Johnson) ist, dass es nach einem sehr kurzen positiven Effekt beim Aktienkurs zunächst wieder Stille einkehrt. Und eine langfristige Euphorie nicht aufkommt.
Genauso erwarte ich es bei Kellogg auch. Insofern muss ich die nächsten 18 Monate nicht Aktionär sein. Und dann kann ich immer noch schauen, wie sich die Spin-Off-Pläne konkretisieren und ggf. wieder in die Aktie einsteigen. Eventuell ja auch erst nach den Abspaltungen.
Der Aktienverkauf
Ich nutzte das positive Momentum der Spin-Off-Ankündigung und verkaufte meine 50 Aktien am 21. Juni provisionsfrei über gettex zum Kurs von 67,60 €. Ich erhielt einen Erlös von insgesamt 3.380,00 €. Damit erzielte ich einen Veräußerungsgewinn von 93,15 €, der mit meinem Aktienverlusttopf verrechnet wurde.

In der Addition aus den erhaltenen Netto-Dividenden und dem Verkaufserlös habe ich damit bei einem Kaufpreis von 3.286,85 € einen Gewinn von 568,14 € erzielt. Das entspricht einer Rendite von 17,3%. Leider musste ich die Aktie dafür fast 7 Jahre im Depot halten. Die jährliche Rendite ist damit äußerst bescheiden.
Etwas Positives zum Abschluss
Diese Dividendenzahlung war nach dem Verkauf nun meine vorerst letzte Zahlung von Kellogg. Bei der nächsten Quartalsdividende gehe ich leer aus. Und verpasse damit eine Erhöhung: Die Dividende steigt um 1 Cent auf 0,59 US$ je Aktie. Das entspricht einer Erhöhung um 1,7%.
Das ist nicht viel, aber immerhin etwas. Vor allem war es aber kein Grund, meine Entscheidung über den Verbleib der Aktien davon abhängig zu machen. Aber wenn Du ebenfalls Kellogg-Aktionär bist und die Situation für Dich positiver einschätzt, dann kannst Du Dich jetzt schon auf eine höhere Quartalsdividende freuen.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Kellogg |
| ISIN: | US4878361082 |
| Im Divantis-Depot seit: | 26.11.2015 |
| Letzter Nachkauf am: | 08.12.2015 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 50 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 65,74 € |
| Gesamtkaufpreis: | 3.286,85 € |
| Insgesamt erhaltene Netto-Dividenden: | 474,99 € |
| Verkauft am: | 21.06.2022 |
| Durchschnittsverkaufserlös abzgl. Gebühren und Steuern: | 67,60 € |
| Gesamtverkaufserlös: | 3.380,00 € |
| Gewinn/Verlust: | 568,14 € |
| Gewinn in Prozent: | 17,29% |

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