Wer Liquidität und Mut hatte, hat in den letzten Wochen einige Aktien günstig einsammeln können. Liquidität war bei mir vorhanden, Mut hatte ich zeitweise auch. „Zeitweise“ deshalb, weil ich bei den Tiefstständen dann eben nicht gekauft habe. Sondern davor und danach.
Und genau deshalb funktioniert Market-Timing halt nicht. Weil erst später feststeht, dass es Tiefststände waren. Und selbst heute wissen wir das ja nicht sicher, denn ob der Corona-Crash wirklich schon vorbei ist – ich habe da meine Zweifel.
Jedenfalls hat die erste Aktie nun zurückbezahlt: dreimal nachgekauft, freue ich mich über eine ordentliche Dividendenzahlung. In diesem Beitrag erfährst Du alles dazu und auch eine Prognose, wie es im nächsten Jahr aussieht.
Als aufmerksamer Leser weißt Du, dass ich die Swiss Re dreimal nachgekauft habe. Zuletzt in der letzten Woche, kurz vor der Generalversammlung der aktuell größten Rückversicherung der Welt.
Dividendenzahlung
Swiss Re zahlt in diesem Jahr erstmals eine Dividende in Höhe von 5,90 CHF pro Aktie. Gegenüber dem Vorjahr (5,60 CHF) ist das eine Erhöhung um 5,4%. Für die 60 Aktien in meinem Depot bedeutet das eine Brutto-Dividende von 354 CHF. Da es sich um eine Schweizer Aktie handelt, werden zunächst 35% Quellensteuer berechnet, von denen 15% direkt auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet werden. Die restlichen 20% lassen sich aber relativ einfach aus der Schweiz zurückholen. Dazu werde ich noch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung veröffentlichen.
Aufgrund der letzten Käufe in mein Depot beim Smartbroker statt bei der ING habe ich zwei Dividendenabrechnungen erhalten. Ein beantragter Depotübertrag wurde erst mit der Dividendenzahlung durchgeführt (war wohl alles zu kurzfristig). Zukünftig liegen alle 60 Aktien bei der ING im Depot.
Der Smartbroker schrieb die Dividende direkt am Morgen des 23.04.2020 gut und rechnete zum Kurs von 1,0594 in € um. Bei der ING kam die Abrechnung erst am 27.04.2020 und der Umrechnungskurs betrug 1,05463. In Summe erhielt ich eine Nettodividende von 182,49 €. Sie wurde bei beiden Banken mit Wertstellung 23.04.2020 verbucht.


Der Abrechnung der ING lag – wie immer bei Schweizer Aktien – ein Tax Voucher bei, der zur Rückerstattung der Quellensteuer notwendig ist. Beim Smartbroker war das nicht der Fall, ich habe ihn aber per E-Mail angefordert. Auskunftsgemäß soll er kostenlos in wenigen Tagen per Post zugesandt werden.
Perspektiven
Zwar wurde die Dividende um 5,4% erhöht. Faktisch kostet das das Unternehmen aber deutlich weniger, nämlich nur 2,1%. Warum? Durch die Aktienrückkäufe gibt es dieses Jahr weniger Aktien, auf die eine Dividende zu zahlen ist. Und so steigt die Gesamtausschüttung der Swiss Re nur um 35 Mio. CHF (von 1,68 Mrd. CHF auf 1,715 Mrd. CHF).
Anders als im Vorjahr ist die Dividendenzahlung aber nicht vom Jahresergebnis gedeckt gewesen. Das Management versucht hier offenbar eine Glättung zu erreichen. In diesem Jahr (Geschäftsjahr 2019) standen nur 932 Mio. CHF Gewinn zur Verfügung, der Rest der Ausschüttung wurde den Rücklagen entnommen. Im Vorjahr lag der Jahresgewinn noch bei 3,081 Mrd. CHF und davon wanderte fast die Hälfte in die Rücklagen.
Die freiwilligen Gewinnrücklagen sind nach dieser Dividendenzahlung immer noch mit 17,4 Mrd. CHF gefüllt. Eine Dividende für 2020 in vergleichbarer Höhe ist damit, wenn sie gewollt ist, ohne Probleme für die Swiss Re leistbar. Und dass sie gewollt ist, wurde im Anschluss an die schriftlich durchgeführte Generalversammlung der Swiss Re eindeutig kommuniziert:
„Wir sind bestrebt, die ordentliche Dividende zumindest konstant zu halten.“
Walter B. Kielholz, Präsident des Verwaltungsrates der Swiss Re am 17. April 2020
In dem veröffentlichten Videostatement bezeichnete Kielholz die aktuelle Situation auch als „absolut beherrschbar„. Das macht mich zuversichtlich, dass meine Nachkäufe von Swiss Re in diesem Jahr (ich habe meine Aktienposition verdoppelt!) ein gutes Investment waren.
Zur Generalversammlung 2021 wird dann Sergio Ermotti neuer Präsident des Verwaltungsrates der Swiss Re. Bisher war er CEO der Schweizer Großbank UBS und hat dort einige Erfolge vorzuweisen. Sein Wechsel zur Swiss Re gilt als Coup und lässt für die Zukunft einiges erwarten.
Ich bin jedenfalls völlig entspannt mit dem Investment und lasse die Aktie nun bis ins nächste Jahr liegen. Wenn dann die Geschäftszahlen für 2020 mit Dividendenvorschlag veröffentlicht werden, entscheide ich über einen weiteren Nachkauf. Da ich dieses Jahr 30 Aktien statt der geplanten 10 Aktien gekauft habe, kann ich aber auch getrost mal ein oder zwei Jahre mit den Nachkäufen aussetzen.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Swiss Re |
| ISIN: | CH0126881561 |
| Im Divantis-Depot seit: | 18.04.2017 |
| Letzter Nachkauf am: | 15.04.2020 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 60 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 85,87 € |
| Gesamtkaufpreis: | 5.152,35 € |
| Insgesamt erhaltene Netto-Dividenden: | 737,95 € |
| Verkauft am: | 20.02.2023 |
| Durchschnittsverkaufserlös abzgl. Gebühren und Steuern: | 94,56 € |
| Gesamtverkaufserlös: | 5.673,66 € |
| Gewinn/Verlust: | 1.259,26 € |
| Gewinn in Prozent: | +24,44% |

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