Was Dich hier erwartet:
Das Szenario hatte ich genau so erwartet: Mit den Stichwahlen in Georgia kam politische Klarheit, die Börsen machten erst mal einen Sprung. Daran änderte auch der Sturm auf das Kapitol nichts. Mit der Inauguration von Joe Biden atmete die Welt ein wenig auf.
Doch Zeit, die Realität auszublenden, blieb keine. Wir befinden uns weiter im Lockdown und – das hatte ich auch erwartet – läuft die Impfkampagne nur schleppend. Und mit Meldungen über eine vermeintlich niedrigere Wirksamkeit und den Fehlschlag der Impfforschung bei Merck drehten die Börsen ins Negative.
Es gab aber trotzdem etwas, was mich wirklich überrascht hat. Und es macht mir auch Sorgen, die Du aus meinem Ausblick auf die nächsten Woche herauslesen kannst. Dies und alles zu meiner Depotentwicklung im Januar und dem neuen Anti-Depot und dem Optionsdepot erfährst du in diesem Beitrag.
Für alle etwas langfristigeren Themen habe ich ja bereits in meiner Anlagestrategie für das Jahr 2021 meine Sicht der Dinge vorgestellt. Bisher gibt es auch keinen Grund, daran zu zweifeln. Angenehm empfinde ich aktuell, dass der US-Dollar sich stabilisiert hat.
Aktienkäufe
Im Januar habe ich für mein Dividendendepot keine Aktienkäufe getätigt. Neu eröffnet habe ich allerdings das „Anti-Depot“ und dort für insgesamt 5.071,71 € Titel gekauft. Alle Details dazu findest Du in diesem Beitrag.
Aktienverkäufe
Im Januar habe ich keine Aktien verkauft.
Dividendenerträge
Der Januar fängt traditionell gemächlich an. Jedenfalls was Dividendenzahlungen angeht. Ich erhielt insgesamt 312,44 € als Netto-Dividenden. Das ist ein Plus gegenüber dem Vorjahres-Januar von 4,2%. Ich erhielt die folgenden Dividenden:
P2P-Kredite
Im Januar erzielte ich Erträge aus P2P-Krediten in Höhe von 25,94 €. Meine Erfahrungen der ersten zwei Jahre P2P-Kredite habe ich hier dargestellt. Meine größte Plattform ist inzwischen Estateguru. Ungefähr ähnlich gewichtet sind jedoch Mintos und viainvest. Mein Bestand in P2P-Krediten beträgt derzeit 2.594 €. Verteilt auf die einzelnen Plattformen bin ich aktuell so investiert:
| Plattform | aktueller Stand | investierte P2P-Kredite | eröffnet |
|---|---|---|---|
| Mintos | 384 € | 0 (in Rückforderung) | 08/2018 |
| viainvest | 81 € | 7 | 11/2018 |
Eine Übersicht zu den einzelnen Plattformen und meine Intentionen zum P2P-Investment findest Du hier.
Ich habe im Januar 150 € aus P2P-Krediten in Crowdinvesting umgeschichtet.
Crowdinvesting
Über meine bisherigen Erfahrungen mit Crowdinvesting hatte ich kürzlich ausführlich berichtet. Auch im Januar habe ich mein Portfolio erweitert:
Insgesamt habe ich im Januar 200 € neu investiert. Davon gingen 100 € zu Bergfürst * in das Projekt Hameau Hills in Wien. Damit habe ich jetzt 400 € auf der Plattform angelegt:

Bei Engel & Völkers Digital Invest * gab es ein neues Projekt, dass ich auch gerne zeichnen wollte. Es war aber bereits nach einer halben Stunde vollständig platziert (2,5 Mio. €!) und ich ging leer aus. Als registrierter Anleger von Engel & Völkers Digital Invest erhältst Du auf Wunsch auch einen Newsletter und erfährst so vor dem Start von neuen Projekten. Und dann heißt es: schnell sein! Ich starte im Februar einen neuen Versuch, wenn es hoffentlich wieder ein attraktives Angebot gibt.
Bei ecoligo.investments bin ich nun mit 2.100 € investiert, nachdem ich im Januar weitere 100 € (567 kWp Solaranlage – Nam Dinh Forest I) investiert habe. Die erste Zinszahlung von ecoligo.investments über 5,59 € brutto bzw. 4,12 € netto erwarte ich per 31.01.2021 (Sonntag) – sie wurde mir am 01.02.2021 gutgeschrieben!

Einkünfte aus Renten-ETFs
In diesem Beitrag hatte ich mein Rentenfonds-Portfolio dargestellt, ein Update hatte ich hier veröffentlicht. Die Erträge aus diesem Portfolio beliefen sich im Januar auf 63,60 € netto.
Depotperformance
Seit mein Dividendendepot im November 2020 die 400k-Marke überschritten hat, blieb es kontinuierlich oberhalb dieser für mich psychologisch wichtigen Marke. Der Depotwert per Ende Januar liegt nun bei 401.977 €. Im Monatsverlauf steht ein Minus von 2,3%. Das Kursdepot war diesmal deutlich schlechter und lag bei -8,4%.
Top-Werte waren Paul Hartmann (+12,4%), Veolia Environnement (+10,2%) und Siemens (+8,9%).
Schwächste Werte waren Coca-Cola (-11,2%), Atlantia (-11,0%) und MSCI Inc. (-10,5%).
Die Volatilität meines Dividendendepots lag im Januar bei 3,2%.
Anti-Depot
Mit dem Anti-Depot teste ich mit Echtgeld eine abweichende Anlagestrategie. Nach einem Raketenstart mit einem zweistelligen Plus in der ersten Woche hat sich das Anti-Depot bis zum Monatsende wieder deutlich zurückbewegt. Aktuell steht deshalb „nur noch“ eine Performance von +4,4% zu Buche, wie Du aus diesem Screenshot meines neuen Depots bei justTRADE sehen kannst:

Alle Titel außer Adobe haben sich im Januar positiv entwickelt. Die Volatilität des Anti-Depots lag jedoch mit 13,9% deutlich über meinem Dividendendepot.
Optionsdepot
Mit dem Optionsdepot verfolge ich eine risikoarme Optionsstrategie, die ich in meiner Serie zum Optionshandel ausführlich beschrieben habe. Im Januar habe ich das Depot mit einer Einlage von 5.000 € ausgestattet und dann dreimal gedeckte Optionen verkauft. Daraus erzielte ich Einnahmen durch Optionsprämien von 132 €.
Ich startete mit dem Verkauf eines kurz laufenden Short-Puts auf Unilever zum Ausübungspreis von 49,50 €. Die 100 Aktien wurden mir dann auch angedient. Im Anschluss verkaufte ich einen kurz laufenden Short-Call auf diese Aktien zum identischen Ausübungspreis, er verfiel, da die Unilever-Aktien am Verfallstag leicht unterhalb des Strikes notierten. Daraufhin verkaufte ich dann einen bis 19.02. laufenden Short-Call, diesmal zum Ausübungspreis von 50,00 €. Neben den vereinnahmten Prämien hätte ich bei einer Ausübung dann auch noch Kursgewinn von 50 €. Verfällt die Option aber erneut, dann habe ich weiterhin 100 Unilever-Aktien im Optionsdepot liegen. Ich werde dann erneut einen Short-Call verkaufen, diesmal über den exDividende-Tag am 25.02. und schauen, was passiert. Diese Strategie habe ich im 4. Teil der Optionshandelsserie erläutert.
Alle Transaktionen im Optionsdepot dokumentiere ich mit Screenshots auf einer eigenen Seite.
Immobilie
Über meine Wohnung in Leipzig habe ich zuletzt mit einem Update berichtet. Nach Abzug der Gebühr für die Sondereigentumsverwaltung erhielt ich eine Mieteinnahme von 862,91 € (inkl. Nebenkosten). Das Hausgeld beträgt 246,00 €. Meine Nettomieteinnahme liegt also bei 616,91 €. Für den Immobilienkredit zahlte ich Zinsen in Höhe von 281,39 €. Ich erzielte somit einen Überschuss von 335,52 €.
Aufgrund der hohen vereinbarten Tilgung des Kredits habe ich jedoch einen negativen monatlichen Cash-Flow. Die monatliche Annuität liegt bei 1.216,80 € (Zins & Tilgung).
Dafür sinkt die Verschuldung der Wohnung stetig, sie liegt zum Ende Januar bei 273.046,93 €.
Dividendenveränderungen
Im Januar wurden bei meinen Depottiteln die folgenden Dividendenkürzungen und -erhöhungen verkündet:
KONE: Erhöhung der Jahresdividende von 1,70 € auf 1,75 € und Zahlung einer Sonderdividende von 0,50 € (+32,4%)
BlackRock: Erhöhung der Quartalsdividende von 3,63 US$ auf 4,13 US$ (+13,8%)
Kimberly-Clark: Erhöhung der Quartalsdividende von 1,07 US$ auf 1,14 US$ (+6,5%)
Givaudan: Erhöhung der Jahresdividende von 62 CHF auf 64 CHF (+3,2%)
Novartis: Erhöhung der Jahresdividende von 2,95 CHF auf 3,00 CHF (+1,7%)
Jahresziele 2021
Für das Jahr 2021 habe ich mir verschiedene Ziele gesetzt, über deren Erreichung ich jeweils monatlich berichte:
| Status | Tendenz | |
| Netto-Dividendenerträge von 10.000 € | 312 € | positiv |
| Depot wächst auf mindestens 62 Titel | 59 | neutral |
| Optionsstrategie mit 14% p.a. Performance | 2,64% | positiv |
| Transaktionsgebühren unter 100 € p.a. | 0 € | positiv |
Berichtenswert ist nach dem ersten Monat sicherlich die Performance der Optionsstrategie, mit der ich schon Optionsprämien in Höhe von 2,64% erzielt habe. Das Jahresziel erscheint aktuell realistisch. Bei der Performanceberechnung habe ich der Einfachheit halber zunächst lediglich die erhaltenen Optionsprämien und keine offenen Kursveränderungen der eingebuchten Aktien berücksichtigt.
Ausblick auf Februar 2021
Im Großen und Ganzen haben sich im Januar meine Erwartungen erfüllt. Überrascht hat mich allerdings, dass sich offenbar eine schlagkräftige Community von Zockern gebildet hat, die sogar große Hedgefonds ins Straucheln bringen kann.
Einzelne Aktien mit auffälligen Leerverkaufsquoten (eben durch Hedgefonds) werden gezielt über Internetforen gesucht und dann von Kleinanlegern gekauft. Und auf einmal explodieren die Kurse von Titeln wie GameStop, Bed Bath & Beyond, Tanger Factory Outlet oder iRobot. Und es kommt zum Short-Squeeze, da die Leerverkäufer Deckungskäufe tätigen müssen.
Ich treibe mich eigentlich nicht in solchen Foren wie Reddit herum. Allerdings wurde ich nach dem Deutschland-Start direkt in die App „Clubhouse“ eingeladen und habe da in einige Finanzveranstaltungen hereingehört. Und dabei Veranstaltungen erlebt, in denen Trader ihre „Erfahrungen“ weitergaben. Und da musste ich unweigerlich an den Zusammenbruch des Neuen Marktes vor 20 Jahren denken. Im Clubhouse gaben Menschen vor Hunderten von Zuhörer zum Besten, dass es ihnen egal sei, wie der aktuelle Kurs einer Aktie aussehe, da der beste Kaufzeitpunkt „jetzt“ sei. Und bei Technologieaktien sei es sicher, dass sie „auf jeden Fall steigen“.
Ich hoffe sehr, dass Du als Leser meines Blogs Dich nicht von solchen Aussagen anstecken lässt! Die aktuelle Situation ist gefährlich und wird viele Kleinanleger, die an die Börse kommen um zu zocken, viel Geld kosten. Und für die Aktienkultur wird das erneut zu einem Rückschlag führen.
Ich kaufe nur Aktien, von denen ich langfristig überzeugt bin. Und ich lasse mich von Kursrückgängen nicht beirren, sondern denke dann eher an einen Nachkauf. Ich bin auch bereit, eine jahrelange Abwärtsphase durchzuhalten. Jedenfalls dann, wenn ich fundamental hinter einem Titel stehe. Und das ist bei meinen Titeln der Fall, sonst hätten sie es nicht in mein Dividendendepot geschafft. Während einer solchen möglichen Abwärtsphase kassiere ich meine Dividenden und bin zufrieden. Das ist ein komplett anderer Ansatz als von diesen Tradern.
Die Stimmung an der Börse kann sehr schnell drehen. Niemand wird rufen: „Ab nächster Woche geht es abwärts, bitte heute noch verkaufen.“ Eine Korrektur oder ein Crash kann auch durch Probleme bei Hedgefonds ausgelöst werden – auch das hatten wir schon mit dem LTCM 1998.
Mich mahnt der aktuelle Hype bei Kleinanlegern zur Vorsicht. Ich befürchte Schlimmes, hoffe aber natürlich, dass es gut ausgeht.
Den Ärger über die zeitweisen Handelsbeschränkungen durch Neobroker wie Robinhood oder Trade Republic kann ich zwar nachvollziehen. Da es sich aber bei den Kurssteigerungen von GameStop & Co. um ein Schneeballsystem handelt, muss man immer damit rechnen, dass es irgendwann wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt.
In diesem Zusammenhang würde ich aktuell bei Finanzwerten vorsichtig sein. Wenn es wirklich wieder größere Hedgefonds zerreißt, dann haben die zuvor bei großen Banken Kredite aufgenommen, die zu hohen Ausfällen führen werden. Nicht ohne Grund habe ich seit jeher keine Banktitel in meinem Depot.
Ansonsten freue ich mich auf den Februar, da dann die ersten größeren Dividendenzahlungen eingehen werden und die Berichtssaison mit hoffentlich einigen positiven Überraschungen Fahrt aufnehmen wird.
Ich wünsche Dir einen erfolgreichen Februar! Wie siehst Du die Gefahr durch Zucker an der Börse? Oder übertreibe ich mit meiner Sorge? Schreib gerne einen Kommentar – lass uns diskutieren!


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