Ist jetzt die richtige Zeit für neue Investments?

Monatswechsel Mai 2022
4.4
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In den letzten Jahren war es immer so, dass jeder zwischenzeitliche Rückgang an den Börsen im Nachhinein eine Kaufgelegenheit dargestellt hat. Wer die Dips genutzt hat oder stur seinen Sparplan durchgezogen hat, gehörte zu den Gewinnern.

Ist das jetzt auch wieder so? Ist das, was wir momentan den Börsen erleben, eine großartige Gelegenheit für günstigere Investments? Sind das wirklich Sonderangebote, wenn Netflix (-56%), PayPal (-63%), Block (-53%) oder Fiverr (-72%) so viel günstiger als noch vor einem Jahr zu haben sind?

Im April war jedenfalls noch kein Wiederanstieg der Techwerte zu sehen. Stattdessen bestimmten weiterhin die ansteigende Inflation, der russische Angriffskrieg auf die Ukraine, Lieferkettenproblemen und Rohstoffknappheit die Themen. Davon profitieren konnte immerhin die Konsumwerte, von denen ich einige im Depot habe.

Wie ich mich nun positioniere und wie meine Antwort auf die Frage nach der aktuellen Einstiegsgelegenheit ausfällt, erfährst Du in diesem Beitrag. Dazu – wie gewohnt – die Entwicklung meiner Geldanlagen im letzten Monat.

Vor einem Monat hatte ich nach einem sehr guten März davon geschrieben, dass ich viel mehr schwarze Wolken als Sonnenschein für die nächsten Monate und auch Jahre sehe. Insofern hat mich der April nicht überrascht. Obwohl ich noch nicht so aufgestellt war, wie ich das weiterhin beabsichtige.

Ich will weiterhin bei der Aktienauswahl noch mehr auf die Wirkungen von Inflation achten. Und das Optionsdepot verstärkt für Absicherungsgeschäfte nutzen, um mich für die nächsten Krisen besser aufzustellen.

Stand Wertpapierdepots

Details zu den einzelnen Depots gibt es – wie immer – ausführlich in diesem Bericht. Für den schnellen Überblick hilft die folgende Tabelle:

Depotwert 30.04.22Monatsperformance
Dividendendepot431.772 €-0,5%
Optionsdepot48.699 €-11,2%
Anti-Depot6.049 €-8,6%
Zitronen-Depot35.400 €-3,0%
Summe:521.920 €-2,0%
Veränderung 2022:-15.542 €
abzgl. Einlagen:-11.178 €
Nettoveränderung 2022:-26.721 €

Damit ist die gute Entwicklung des März wieder Geschichte und ich liege seit Anfang des Jahres erneut bei einem Minus von gut 26.000 €.

Aktienkäufe

Im April habe ich Aktienkäufe im Dividendendepot, Optionsdepot und vor allem im Zitronendepot getätigt. Insgesamt habe ich 20.532,92 € investiert.

Im Dividendendepot habe ich

1 Aktie Givaudan für 3.837 €

200 Aktien Protector Forsikring für 1.986 €

gekauft. Im Optionsdepot habe ich

100 Aktien B2Gold für 456,43 €

gekauft. Im Zitronendepot habe ich

100 Aktien KUKA für 8.320 €

500 Aktien GxP German Properties für 3.245,54 €

2 Aktien Verallia Deutschland für 1.733,05 €

150 Aktien Gateway Real Estate für 954,90 €

gekauft.

Für zukünftige Käufe habe ich meine Watchlist veröffentlicht.

Aktienverkäufe

Im April habe ich Verkäufe im Dividendendepot und im Anti-Depot getätigt und damit 4.301,65 € erlöst:

25 Aktien Kimberly-Clark für 2.770,47 €

20 Aktien Box für 518,52 €

38 Anteile Wisdom Tree Carbon ETC für 1.012,66 €

Dividendenerträge

Im April erhielt ich insgesamt 691,46 € als Netto-Dividenden. Gegenüber dem Vorjahres-April ist das eine Veränderung von +5,6%.

Ich erhielt im April die folgenden Dividenden:

Coca-Cola: 38,54 €

Kimberly-Clark: 19,24 €

Pennon Group: 20,40 €

Lam Research: 16,18 €

BCE: 17,62 €

Protector Forsikring: 70,81 €

Swiss Re: 185,98 €

Medtronic: 28,32 €

Cisco Systems: 15,69 €

Sekisui House: 25,59 €

VINCI: 217,41 €

L’Oréal: 35,68 €

Mein Dividendenziel für 2022 habe ich in diesem Beitrag erläutert.

P2P-Kredite

Im April erzielte ich Erträge aus P2P-Krediten in Höhe von 6,18 €. Ich befinde mich weiterhin auf dem Rückzug und habe im April meine Investitionen bei Peerberry komplett abziehen können. Bei den anderen Plattformen warte ich nur noch auf die Fälligkeiten und lasse mir dann dort auch mein Guthaben auszahlen.

Die Entwicklungen in Russland und der Ukraine sind für mich nicht abschätzbar, die Verbindungen und Abhängigkeiten der Plattformen dorthin auch nicht. Hinzu kommt, dass bei steigenden Zinsen in klassischen Anlagen die P2P-Kredite nicht mehr so attraktiv sind.

Mein Gesamt-Bestand in P2P-Krediten beträgt jetzt noch 907 €. Bezogen auf die einzelnen Plattformen bin ich aktuell so investiert:

Plattformaktueller Standinvestierte P2P-Krediteeröffnet
Mintos384 €0 (in Rückforderung)08/2018
viainvest104 €1111/2018

Eine Übersicht zu den einzelnen Plattformen und meine ursprünglichen Intentionen zum P2P-Investment findest Du hier.

Crowdinvesting

Über meine bisherigen Erfahrungen mit Crowdinvesting hatte ich 2020 ausführlich berichtet. Im April erhielt ich 29,24 € Zinsen aus meinem Crowd-Portfolio.

Im April habe ich keine Neuinvestitionen abgeschlossen, es gab aber eine vorzeitige Rückzahlung bei Bergfürst. 2 Jahre vor der eigentlichen Fälligkeit wurde das Projekt Reileck Quartier zurückgezahlt. Mein Portfolio ist deshalb um 100 € gesunken und jetzt 5.511,53 € groß: Ich habe nun 500 € bei Bergfürst, 1.000 € bei Engel & Völkers Digital Invest und 4.200 € bei ecoligo investiert. Davon wurden in diesem Jahr 88,47 € seitens ecoligo und 100 € bei Bergfürst getilgt.

Die Zeichnungsphase zum Börsengang von Engel & Völkers Digital Invest habe ich interessiert beobachtet. Ich empfinde die Bewertung jedoch als deutlich zu hoch und bleibe lieber als Investor in einzelne Projekte dabei.

Depotperformance

Mein Dividendendepot hat sich im April leicht abwärts entwickelt. Per Ende April beträgt der Depotwert nun 431.772 €. Im Monatsverlauf steht für mein Dividendendepot ein Minus von 0,5%.

Top-Werte im Dividendendepot waren Kellogg (+14,2%), Coca-Cola (+14,1%) und Procter & Gamble (+13,2%).

Schwächste Werte waren BB Biotech (-11,7%), BlackRock (-9,8%) und MSCI Inc. (-8,8%),.

Die Volatilität meines Dividendendepots lag im April bei 3,4%.

Anti-Depot

Mit dem Anti-Depot teste ich mit Echtgeld eine abweichende Anlagestrategie. Ich habe es zu Beginn des letzten Jahres aufgesetzt und im Jahresverlauf eine Performance von 40,8% erzielt.

In diesem Jahr liegt das Depot bisher mit -12,2% deutlich im Minus. Im April ging es 8,6% abwärts. Dies war vor allem durch Rückgänge bei den Kryptowerten bedingt.

Zu meiner weiteren Strategie mit dem Bitcoin habe ich einen eigenen Beitrag veröffentlicht.

Das Anti-Depot führe ich bei justTRADE. Die Volatilität des Anti-Depots lag im April mit x% erneut deutlich über meinem Dividendendepot.

Optionsdepot

Mit dem Optionsdepot verfolge ich eine risikoarme Optionsstrategie, die ich in meiner Serie zum Optionshandel ausführlich beschrieben habe. Damit habe ich ein kleines Nebenportfolio aufgebaut, das durch Optionsverkäufe (Puts und Calls) laufende Erträge erzielen soll.

Im April erzielte ich durch verkaufte Optionen und Dividenden Einnahmen im Optionsdepot von 276,29 € brutto. Die Performance war im April mit -11,2% ebenfalls negativ. Auch hier waren vor allem die Kryptominer für den Rückgang verantwortlich.

Alle Transaktionen im Optionsdepot dokumentiere ich mit Screenshots auf einer eigenen Seite.

Zitronen-Depot

Das Zitronen-Depot und seine besondere Strategie habe ich hier ausführlich vorgestellt. Dort findest Du auch die aktuelle Zusammensetzung. Ich baue mir langfristig ein Portfolio von Nachbesserungsrechten auf und erhoffe mir durch die Spruchverfahren eine risikoarme Zusatzrendite in einigen Jahren.

Im April wurde das Squeeze-Out-Verlangen bei der GxP German Properties AG konkretisiert. Es soll eine Abfindung von 6,02 € bei der Hauptversammlung am 3. Juni 2022 beschlossen werden. Das liegt deutlich unter dem zuvor mitgeteilten Net Asset Value und dürfte im Spruchverfahren für einigen Spielraum sorgen.

Ein neues Squeeze-Out-Verlangen wurde bei der Gateway Real Estate AG gestellt. Der Abfindungsbetrag steht noch nicht fest. Das Volumen meiner Nachbesserungsrechte beläuft sich weiterhin auf 12.109,40 €.

Das Depot erzielte eine Monatsperformance von -3,0%.

Immobilie

Über meine Wohnung in Leipzig habe ich zuletzt mit einem Update berichtet. Im April erhielt ich wieder eine Mietzahlung von 863,91 € (nach Abzug der Gebühr für die Sondereigentumsverwaltung). Das Hausgeld beträgt 246,00 €. Meine Nettomieteinnahme lag damit bei 617,91 €. Für den Immobilienkredit zahlte ich Zinsen in Höhe von 268,52 €. Ich hatte somit in diesem Monat einen Nettoerlös von 349,39 €.

Aufgrund der hohen vereinbarten Tilgung des Kredits habe ich jedoch einen negativen monatlichen Cash-Flow. Die monatliche Annuität liegt bei 1.216,80 € (Zins & Tilgung).

Dafür sinkt die Verschuldung der Wohnung stetig, sie liegt zum Ende April bei 258.912,97 €.

Mein erster Mieter hat die Wohnung nun gekündigt und es gibt bereits Mietinteressenten für die Neuvermietung. Für mich bedeutet das leider, dass ich erneut eine Maklerprovision zahlen muss. Immerhin wird die Wohnung nun mit einer leicht höheren Kaltmiete (9,25 € statt 8,75 €/qm) angeboten.

Dividendenveränderungen

Im April wurden bei meinen Depottiteln folgende Dividendenveränderungen verkündet:

Johnson & Johnson: Quartalsdividende von 1,06 US$ auf 1,13 US$ erhöht (+6,6%)

Procter & Gamble: Quartalsdividende von 0,8698 US$ auf 0,9133 US$ erhöht (+5%)

ENAV: zahlt im Oktober wieder eine Dividende (0,1081 €)

Ausblick auf Mai 2022

„Diesmal ist alles anders“ gehört bekanntlich zu den teuersten Sätzen an der Börse. Gegen den Markt zu spekulieren, geht in der Mehrzahl der Fälle schief.

Nimmt man jetzt die Kursrückgänge am breiten Markt zum Anlass, sich an diesen Satz zu erinnern, dann könnte man wirklich in Versuchung geraten. Denn warum sollte es jetzt anders sein? In den letzten Jahren waren das immer Kaufgelegenheiten.

Ich glaube allerdings, dass es diesmal wirklich anders ist. Denn das Umfeld für Aktien hat sich doch deutlich verändert. Die Notenbanken geben nicht mehr unbegrenzt Geld in den Markt, das nach Anlagen sucht. Stattdessen suchen sie nach Wegen, die Inflation in den Griff zu bekommen. Und gleichzeitig die Konjunktur nicht abzuwürgen.

Ob ihnen das gelingt? Ich habe meine Zweifel. Das Gespenst der Stagflation, also eine Inflation bei gleichzeitig stagnierender Wirtschaftsleistung, geht um.

Und wenn das das Szenario für die nächsten Jahre ist, dann ist eine sehr zielgerichtete Aktienauswahl notwendig. Der breite Markt wird nicht mehr so steigen wie in der Vergangenheit.

Bei dieser Aktienauswahl schaue ich aber tatsächlich langfristig. Wer hat Produkte, die wirklich notwendig sind? Egal in welchem Szenario? Und wer hat dabei eine überragende Marktstellung und kann die Preise anheben, wenn es notwendig ist?

Im Ergebnis mache ich deshalb einen Bogen um die eingangs genannten Techwerte. Sie bieten „lediglich“ Plattformen, die generell austauschbar oder nicht notwendig sind. Ganz platt gesagt: Ich kann ohne mein Netflix-Abo leben – aber Brot esse ich täglich.

Mit dem Mai startet nun der wichtigste Dividendenmonat für mich. Die meisten deutschen Aktien schütten ihre Jahresdividende aus. Ich freue mich auf die Erträge und werde mir gut überlegen, wo ich sie investiere. Vermutlich werde ich erst mal meine Rücklagen auffüllen, denn das Jahr ist noch lang und ich bin überzeugt davon, dass es noch viele Kaufgelegenheiten geben wird.

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Im Text habe ich einige Geldanlagen erwähnt, die Dich vielleicht inspirieren, selbst in eine ähnliche Richtung zu investieren. Besonders leicht geht das mit den folgenden Partner-Links, die Dich nichts kosten, aber den Divantis-Blog unterstützen:

justTRADE als mein Online-Broker für Wertpapiere und Kryptowerte aus einem Depot heraus – für 0,-€ Orderprovision und in diesem Jahr für Guthaben bis 5.000 € ohne Negativzinsen.

ecoligo für nachhaltige Crowdfinanzierungen – bei Registrierung über den Link erhältst Du einen einmaligen Willkommensbonus in Höhe von 1,00 % bezogen auf den Betrag Deines Erstinvestments. Außerdem kannst Du bei der Registrierung noch den Bonuscode NEU25 eingeben und erhältst zusätzlich einen Neukunden-Bonus in Höhe von 25 €.

Bergfürst bietet Crowdinvestments für Immobilien ab 10 € Anlagesumme. Bei Registrierung erhältst Du 10 € Startguthaben und kannst das Investieren einfach mal ausprobieren.

Engel & Völkers Digital Invest wähle ich für Immobilien-Crowdinvestments ab 100 € Anlagesumme. Die Angebote sind in der Regel innerhalb weniger Minuten platziert. Deshalb solltest Du Dich einfach registrieren und für den Newsletter anmelden. Du erhältst dann unverbindlich die neuen Angebote zugesandt und kannst Dich dann entscheiden, ob ein Investment für Dich attraktiv ist.

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11 Gedanken zu „Ist jetzt die richtige Zeit für neue Investments?“

  1. Hallo Ben,

    ein interessantes Statement deinerseits, vielen Dank dafür. Tatsächlich bin ich mir allerdings nicht sicher, ob du damit dem Trend nicht hinterher läufst: Viele Konsumwerte wie Coca-Cola, P&G, Pepsico oder Costco hatten bereits einen recht guten Lauf und weisen mittlerweile ganz beachtliche KGVs auf während diverse Wachstumstitel enorm zurückgekommen sind und in Bezug auf das KGV marginal von den Value-Titeln entfernt liegen.
    Das macht mich nun möglicherweise doch etwas anfällig für Positionserweiterungen im Wachstumsbereich. So bspw bei Adobe, einer Apple oder Alphabet.

    Beste Grüße,

    Stefan

  2. Hallo Ben,

    mal meine Primitiv-Sicht zu den von Dir adressierten Punkten:

    #Marktrendite: Ja, die wird vermutlich nun für einige Zeit einen weniger positiven Beitrag zur Performance leisten. Meines Erachtens kommt hier die Wichtigkeit der Perspektive ins Spiel: Mittelfristig mag es den einen oder anderen von seinen Investments abschütteln, weil ihm die positive Rückkopplung des Markts fehlt und auch bei bester Einzeltitel-Selektion ohne Marktauftrieb bestenfalls (!) eine bescheidene Rendite zu Teil kommen wird. Leute beschleicht dann das Gefühl, mit ihren Investments nicht von der Stelle zu kommen. Meines Erachtens muss man sich nun langfristige Chartverläufe anschauen und erkennen, dass ausgerechnet diese Zeiten wie die heutigen es doch sind, in denen ernst- und dauerhaft Investierende den Grundstein für den nächsten großen Vermögenssprung gelegt haben. Es hat hartgesottene Investoren in den 2000ern gegeben, die damals als scheinbar Verrückte unbeirrt eingekauft haben wie irre und – ohne Bestätigung des Marktes zunächst ! – in Wahrheit den Grundstein für üppige Vermögen gelegt haben.

    #Inflation Die Diskussion mag dogmatisch wirken, ob es eine Inflation ist, weil nun erstmal jeder unweigerlich Preisauftrieb spürt. Bislang ist es aber keine über Lohnsteigerungen verfestigte, womit es per (willkürlicher natürlich) Definition keine ist. Dazu kommt, das immer noch deflationäre Tendenzen mächtig wirken und allgemein der Basis-Effekt einen einholt. Will heißen, die nun gestiegenen Kosten sind bereits in der Basis reflektiert, so dass nächstes Jahres – selbst wenn die Preise bleiben, wie sie sind – die Teuerungsrate abfällt. Der Gewöhnungseffekt setzt dann auch schnell ein, was heute noch für unvorstellbar gehalten wird. Selber habe ich keine Glaskugel, aber in der Regel ist die Konsensmeinung am Kapitalmarkt mittel-/langfristig immer falsch. Deswegen ist eine alleinige Ausrichtung auf Inflationsszenario möglicherweise nicht die vollständige Antwort auf die kommenden Entwicklungen.

    #Tech-Werte: Die Abgrenzung „Tech“ versus „Echte Bedarfs-“ Aktien schiene mir zu mechanisch bzw. segmentierend an der nicht entscheidenden Stelle. Ich denke, es gibt auch echte Bedarfsaktien im Tech-Bereich, weil sich der Bedarf geändert hat. Beispiel (mehr nicht!) Fiverr: Die Leute müssen arbeiten, ein aus meiner Sicht essentieller Grundbedarf. Fiverr ist eine Tech-Aktie und bildet das ab. Wobei ich es auch so sehe, dass man im Tech-Bereich weniger Titel für den Grundbedarf findet als bei – nennen wir sie – herkömmlichen Erzeugeraktien. Aber es sollte nicht der Blick darauf verstellt sein, dass es sie auch teilweise im Digitalen gibt. Das ist halt meines Erachtens nicht Tech-spezifisch als Fragestellung. Ich könnte auch ein Beispiel im Bereich „Chemie“ bilden, wonach eine Croda-International nochmal näher am Grundbedarf im buchstäblichen Sinne als eine Wacker-Chemie ist.

  3. Hallo,
    in vielen Punkten kann ich zustimmen, allerdings sind meiner Meinung nach sukzessive ausgewählte Zukäufe aufgrund übertriebener Kursrückgänge, insbesondere bei einigen US-Tech-Werten wie Qualcomm, angesagt.
    Netflix ist für mich kein Tech-Wert.
    Tech-Werte haben teilweise ebenfalls eine starke Preissetzungmacht, das kann man derzeit schon beobachten.
    VG
    1Steven1

  4. Hallo Ben,

    ich schließe mich den Vorrednern an.

    Was ist ein Tech-Wert? Ein Unternehmen, das technische Dinge löst. Wieso bringst Du Netflix ins Spiel, hast die Aktie aber nicht im Portfolio? Deine TechWerte sind Microsoft, Cisco, Texas Instruments und Lam Research und im AntiDepot Adobe und Fiverr.
    Bitte prüfe nochmal, welche Aktie wirklich deutlich zurückkam, und ob Du noch investiert sein willst. Microsoft und Ti wären bei mir (!) gesetzt!

    Die Unterscheidung zwischen, „was brauche ich“ und „was braucht die Wirtschaft“ ist mir zu wenig diskutiert. Ja Du und ich brauchen Brot zum Essen, aber hängen ab von z.B. Microsoft (weil Du ja sagtest, Du willst Teile verkaufen), da die Arbeitgeber es einsetzen. Die Trennung ist nicht ganz so einfach, wie von Dir dargestellt – sonst würden alle nur Aktien mit Essen kaufen.
    Die KGV und KCV der Lebensmittelbranche sind auf „hoch“, die früher nur Nestle (KGV > 25) zu bieten hatte.Unter Konsumgüter habe ich nur eine einzige Aktie mit KGV unter 15, viele sind über 30 !!!! Nestle sind „günstiger“ als Pepsico?!?!

    Wo ich Dir allerdings zu 100% Recht gebe: Wo investiere ich dieses Jahr? Ich habe darauf keine Antwort. Ich fühle mich persönlich mit Abbot Labs deutlich wohler als mit AbbVie, einer Roche besser als Novartis im Bereich Pharma – obwohl „teurer“! Im Gegensatz zu den Jahren davor trennt sich die Spreu vom Weizen bei den Investoren. Und ich halte Dein Depot für recht stabil und für ein 2022 und folgende als gute Basis.

    BörsenHai

  5. @Tobs Du schreibst zum Thema Inflation:“ Bislang ist es aber keine über Lohnsteigerungen verfestigte, womit es per (willkürlicher natürlich) Definition keine ist.“ Zitatende.
    Das wird aber nicht lange so bleiben. Wenn wir mal kurz ehrlich zu uns sind, stellen wir in unserem persönlichen Umfeld durchaus Preissteigerungen fest, die schon im zweistelligen Bereich sind.
    Für kleine und mittlere Haushalte ist dann das Leben finanziell trotz vlt Vollbeschäftigung nicht mehr darstellbar. Und wenn Arbeitnehmer stinkig werden, wird es schnell auch für die Arbeitgeber ungemütlich.
    Der Arbeitsmarkt hier ist m.E. robust, man muss nicht um eine Anstellung betteln, dann geht man halt woanders hin. Die Diskussion zur Forderung nach (nur) einem Inflationsausgleich wird kommen.
    Das sind dann mindestens mal 8% Lohnkostensteigerung.
    Ansonsten für die Pessimisten, es wird erwartet, das die US Fed bei einem S&P 500 Stand von 3.637 wieder anfängt, auf dem Aktien und Anleihemarkt zu intervenieren, da die gesamte Altersvorsorge der USA untrennbar mit dem Aktienmarkt und damit der soziale Friede gekoppelt ist.
    das sind zur Beruhigung aber Stand heute „nur“ noch 13 % Abwärtspotential. (in Dollar) Wie so oft liegt die Wahrheit wohl so in der Mitte, also könnte man man mit einem Rückgang von 7 – 8 % rechnen. Einen Crash haben wir ja nicht, sondern nur Kaufzurückhaltung am Markt.
    Ansonsten ist die Frage, ist bei diesiger mulmigen Gemengelage diesmal alles anders(?) wohl so zu beantworten. Erst wenn der mentale VerlustSchmerz bei den meisten Investoren so groß ist, das sie wirklich und real zu der Einsicht gekommen sind, das diesmal alles anders ist,
    DANN ist der Tiefpunkt erreicht und ab dann geht es langsam aber sicher auch wieder aufwärts. Nach dem unschönen Freitagabend an der Börse sieht es heute morgen doch etwas beruhigter aus.
    Schöne Woche

    1. Mein Punkt ist weniger die Kapitalmarktprognose als die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Szenario-Betrachtung und Ableitung auf die Strategie.

      Du hast Recht, Zweitrundeneffekte können zur nachhaltigen Inflation führen. Dieses Szenario ist aber nicht unbedingt wahrscheinlicher als der Nichteintritt anhaltender Inflation. XI Jinping ist im Oktober bestätigt oder auch nicht, vermutlich spätestens dann wird der Hafen von Shanghai wieder aufgemacht und Entwicklungen in der Ukraine müssen sich nur – relativ – stabilisieren. Lieferkettenschwierigkeiten und Energiesorgen würden dann völlig anders bewertet werden. Es sind auch nicht nur Notenbanker, Cathy Woods dieser Welt, die das so sehen, sondern auch einige konservativ denkende Finanzhäuser erwarten eine Rückkehr der Inflation auf 2 Prozent für nächstes Jahr (zugegebenermaßen: dann ist viel in der Basis schon „geschluckt“ worden).

      Ich weiß es doch selbst auch nicht und habe auch keine dedizierte Meinung. Relevanter aus meiner Sicht ist die Zinssensitivität des Depots. Und da hätte ich Bens Depot nicht so schlecht aufgestellt gesehen. Vermutlich werden die operativen Margen seiner Konsumgüter-Dickschiffe bei steigenden Teuerungsraten mehrere Quartale leiden. Solange und soweit die Unternehmen aber in der Top-Line wachsen, bleibt der Investmentcase dieser Unternehmen in Ordnung, aus meiner Sicht (Ben weiß für sich selbst besser was ursprünglich bei Eingehung der Positionen sein Investment Case gewesen war). Im Gegenteil: Unverschuldete Einbußen im operativen Gewinn sind rückblickend immer eine Top-Opportunität gewesen solche Dickschiffe einzusammeln/aufzustocken („Top-Unternehmen“ bilden in der Regel langfristig immer neue ATH aus).

      Meine Perspektive auf dieses Thema (mehr ist es nicht): Lieber mit ruhiger Hand eingekauften Qualitätsbestand aufstocken. Jedes Ausrichten auf ach so vermeintliche Zinsentwicklungen birgt das Risiko von „behind the curve“, weil es dann eben doch wieder anders kommt.

  6. Hallo,
    mir kommt die aktuelle Situation mit Aus-/Nachwirkungen von Corona, Lieferkettenproblemen, hoher Inflation und Ukraine-Krieg ein bisschen wie ein Tsunami vor. Man weiß, es hat ein Beben gegeben und man sieht am Horizont eine Welle, die aber noch zu weit weg ist, um genau vorhersagen zu können, wie hoch sie ist/wird und wo sie die meisten Schäden verursachen wird. Panik ist noch nicht zu erkennen und dennoch ist eine Verunsicherung sicherlich vorhanden. Es wird volatiler bei einem allgemeinen Abwärtstrend. Bei Einzelinvestments in Aktien werde ich in den kommenden Wochen/Monaten tendenziell eher vorsichtig sein. Sparpläne in Welt-Aktien-ETF’s laufen aber natürlich weiter.
    BG, Matthias66

    1. Ja, aber einen fetten Short auf einen der größeren Indizes ( Nasdaq oder DAX, wobei beim DAX die Trefferquote bestimmt höher ist) kaufen, da bin ich mir nicht sicher. Wir sind schon ein ganzes Stück runter und es kann auch wieder hoch gehen. Who knows . Aus dem europäischen Raum werden sich Investoren weltweit eher zurückziehen ( nur meine Gedanken)

  7. Mal ein wenig Ironie.

    Sagt ihr mir dann bescheid, wenn wir neue All Time Highs haben und wir wieder unvorsichtiger werden können.😉

    Vielleicht stimmts ja dieses Jahr mal Ausnahmsweise mit der Saisonalität. XD

    @Ben trotz des ganzen Gedöhns wieder ne schöne Zusammenfassung.

    1. Hallo Pary,

      die Situation bei Activision Blizzard ist interessant, da es ja das Übernahmeangebot von Microsoft gibt und der Aktienkurs deutlich darunter notiert. Warren Buffett hat ja bekannt gegeben, dass Berkshire Hathaway da auch massiv eingestiegen ist. Es ist sicher eine Überlegung wert, sich da einfach dranzuhängen. Risiko ist, dass das Kartellamt die Übernahme untersagt. Im Zitronendepot gehe ich solche Spekulationen nicht ein, da ich dort nur deutsche Werte kurz vor dem Squeeze-Out kaufe. Aber vielleicht lege ich mir ein paar Activision Blizzard ins Optionsdepot. Hatte da auch schon vor kurzem mit einem Short Put operiert.

      Viele Grüße Ben

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