Gut, dass ich verkauft habe oder: Warum nur habe ich verkauft?

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Dass ist die Frage, die sich im Rückblick immer stellt: War es die richtige Entscheidung? Habe ich mit meinem Aktienverkauf einen guten Zeitpunkt getroffen oder hätte ich noch warten sollen?

Seit Bestehen des Divantis-Blogs, das sind nun immerhin schon dreieinhalb Jahre, habe ich 10 Aktienpositionen aus meinem Dividendendepot verkauft. Das war alles transparent und ich habe darüber zeitnah berichtet.

Heute wage ich den Rückblick zu jedem dieser Verkäufe und werfe einen Blick auf die aktuellen Aktienkurse. Lass uns gemeinsam schauen, wo ich richtig lag und was ich besser hätte machen können.

So viel kann ich schon verraten: die Hälfte der Positionen liegt heute im Minus, mir ist aber auch ein Kursverdoppler entgangen. Und nun Vorhang auf:

Ich gehe alle Verkäufe chronologisch durch:

Aktienverkäufe 2017

Sunrise Communications war der erste Verkauf. Das Schweizer Mobilfunkunternehmen verkaufte ich am 23.02.2017 zum Kurs von 66,316 €. Aktueller Kurs: 65,65 €, ein Minus von 1% in mehr als drei Jahren. Also alles richtig gemacht!

Weiter ging es am 29.03.2017 mit gleich zwei Verkäufen: Der italienische Müllentsorger Hera verließ mein Depot zum Kurs von 2,623 €. Heute notiert die Aktie 22% höher bei 3,20 €. Die Aktie hätte ich durchaus behalten können.

Richtig ärgerlich war aber der Verkauf des belgisch-deutschen Stromnetzbetreibers Elia Group am gleichen Tag. 49,33 € erhielt ich für die Aktie, mit 98 € notiert sie heute doppelt so hoch. Schade für mich!

Am 24.07.2017 verkaufte ich den spanischen Mautstraßenbetreiber Abertis, der von Atlantia übernommen wurde. Ich sah nicht mehr viel Kursspielraum und erhielt 16,77 €. Schlussendlich wurde den Abertis-Aktionären ein Preis von 18,36 € pro Anteilsschein geboten. Das sind 9,5% mehr als mein damaliger Verkaufserlös und gut verkraftbar.

Einige Monate später, am 11.10.2017, verkaufte ich meine Unilever-Aktien zum Kurs von 50,125 €. Heute notieren sie mit 47,02 € rund 6% niedriger. Einen kleineren Teil der Aktien hatte ich aber wieder zurückgekauft. Der Verkauf war jedenfalls kein Fehler damals!

Aktienverkauf 2018

Im gesamten Jahr 2018 habe ich nur einmal Aktien verkauft. Am 09.11.2018 traf es Atlantia, den italienischen Mautstraßen- und Flughafenbetreiber und Abertis-Übernehmer. Im Rahmen eines Verkaufs nachgekaufter Aktien erhielt ich 18,13 € je Aktie. Demgegenüber steht beim heutigen Kurs von 14,72 € ein Minus von 18,8%. Es war mein bester Verkauf!

Aktienverkäufe 2019

Es folgten zwei US-Aktien, zuerst verkaufte ich Keurig Dr Pepper, nachdem ich von der Dr Pepper-Übernahme profitiert hatte. Am 07.02.2019 erhielt ich 23,89 €, heute notiert die Aktie bei 26,2 € (+9,7%). Enttäuscht war ich auch von Colgate-Palmolive, die ich am 15.03.2019 zum Kurs von 59,04 € abstieß. Die Aktie kostet inzwischen 65,47 € (+10,9%). Na ja.

Ebenfalls im März 2019 (15.) verkaufte ich Novartis zum Kurs von 82,90 €, um sie dann später zurückzukaufen. Der Kurs liegt inzwischen bei 80,05 €, ein Minus von 2,7%. Es hätte aber zusätzlich Alcon-Aktien aus einem Spin-Off gegeben, die ich bewusst nicht haben wollte. Insgesamt eher ein Verkauf, der nicht nötig war.

Mit meinem letzten Verkauf, der nun bald schon ein Jahr her ist (14.08.2019) bin ich bisher sehr zufrieden. Auch wenn ich der Aktie immer noch etwas hinterhertrauere. Für die Hong Konger U-Bahn-Aktie MTR erhielt ich 5,139 €, der Kurs liegt derzeit bei 4,66 €. Das ist ein Minus von 9,3%. Die politische Entwicklung in Hong Kong ist leider weiterhin erschreckend und deshalb kaufe ich die Aktie nicht zurück. Aber die Hoffnung habe ich noch nicht aufgegeben, da ich das Unternehmen selbst weiter in einem spannenden Sektor sehe.

Und dann noch der Sonderfall

In diesem Jahr habe ich übrigens noch keine Aktien verkauft. Unter Beobachtung stehen aber drei Titel, die ich ihre Dividendenzahlung ausgesetzt haben und die ich deshalb in mein neues Kursdepot umgebucht habe. Dazu zählt auch Atlantia, die ich zu Kursen wie 2018 sofort noch mal teilverkaufen würde.

Wenn ich meine Aktienverkäufe durchgehe, dann fällt mir aber noch ein Sonderfall ein. Im Juli 2018 bin ich einmal schwach geworden und habe eine Aktie gekauft, die keine Dividende zahlte. Wenige Stunden später habe ich das dann korrigiert und die Aktie wieder verkauft. Es war die Netflix-Aktie, die heute fast 50% höher notiert. Ein schönes Beispiel dafür, dass Erträge auch ohne Dividenden möglich sind. Aber es bleibt die Herausforderung, dass zur Realisierung dieser Erträge ein Aktienverkauf notwendig wäre. Und wann wäre dafür der richtige Zeitpunkt bei Netflix?

Ergebnis

Licht und Schatten bei den Aktienverkäufen. Wirklich etwas verpasst habe ich nur bei der Elia Group. Die Kursverdoppelung in drei Jahren hätte sicher jeder gerne gehabt. Knapp dahinter reiht sich Netflix mit 50% in zwei Jahren ein. Da die Aktie aber nicht in meine Anlagekriterien passte, ärgert mich das nicht. Bei den anderen Verkäufen habe ich auch heute noch das Gefühl, das die Trennung richtig war. Die Hälfte der Aktien liegt im Minus, bei den anderen ist das Kursplus nur moderat. Meine Erwartungen haben sich damit überwiegend erfüllt.

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3 Gedanken zu „Gut, dass ich verkauft habe oder: Warum nur habe ich verkauft?“

  1. sehr schöner und ehrlich Rückblick, den ich auf vielen Finanzblogs manchmal vermisse.

    Das einzige was mir fehlt, sind die Dividenden. Da diese bei dir ja sehr im Focus stehen hätte ich erwartet, dass du auch die entgangenen Dividenden mit betrachtet werden. Bei Sunrise müsste dies über 12 Franken sein, womit die Position im Plus stehen würde. Auch Unilever dürfte dann zu einem Nullsummenspiel werden.

    Die Werte die im Plus stehen würden noch deutlicher im Plus stehen.

    Auf der anderen Seite hast du für das freie Geld auch sehr viele interessante und gute Titel gekauft, die sich ebenfalls prächtig entwickelt haben.

    Lese hier schon 2 Jahre stetig mit.

    1. Hallo Tim,

      über die Dividenden hatte nachgedacht, mich aber dann dagegen entschieden. Einmal war es mir zu viel Aufwand, alles nachzurechnen (ich hätte ja die Nettodividenden in Euro gebraucht). Und zum anderen – das war ausschlaggebend – habe ich die Verkaufserlöse ja in andere Dividendentitel investiert. Und sicher nicht weniger Dividende erhalten. Insofern konnte ich die im Rückblick unter den Tisch fallen lassen.

      Viele Grüße Ben

  2. Ich hatte extrem viel Glück gehabt und habe mich von meinen Wirecard Aktien 2 Tage vor dem Crash mit folgender Insolvenz getrennt. Dennoch habe ich Versucht eingefahren, aber viel Erfahrung mitgenommen.

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