Diese Gelegenheit lasse ich mir nicht entgehen

Der Sitz der Deutsche Beteiligungs AG
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Wieder einmal stelle ich fest, dass längerfristige Planungen zum Kauf von Aktien an der Börse wirklich schwierig sind. Insbesondere dann, wenn das Budget begrenzt ist und wir uns in einem Bullenmarkt befinden.

Mir passiert das gerade wieder: Ich hatte mir eine Jahresplanung gemacht, in der ich einige Titel aus meinem Depot zum Nachkauf vorgesehen hatte. Und dann zusätzlich eine Monatsplanung, wann in etwa genügend Geld vorhanden sein wird, um die jeweilige Aktie zu kaufen. Und das Ganze hatte ich dann noch halbwegs an den Dividendenterminen ausgerichtet, um mein Kaufbudget durch Dividendenerträge wieder zu erhöhen.

Denn für 2021 hatte ich mir fest vorgenommen, nur noch die Netto-Dividenden neu in mein Dividendendepot zu investieren. Andere freie Mittel stecke ich in mein Anti-Depot und mein Optionsdepot.

Warum dieser Vorsatz aber nun schon an seine Grenzen stößt und warum ich mir diese Kaufgelegenheit nicht entgehen lasse, erfährst Du in diesem Beitrag.

Der Jahresanfang verlief noch genau wie geplant. Erst kamen die Dividenden rein, dann setzte ich zum Aktienkauf an. Erst BCE, dann Cisco Systems. Nach dem Verkauf von Metsä Board reinvestierte ich die Erlöse in Verizon und die Partners Group. Damit hatte ich meinen Private Equity-Bereich schon wie geplant aufgestockt.

Eine Herausforderung war dann die Neuemission von Vantage Towers, bei der ich mehr investierte als ich ursprünglich geplant hatte. Nach dem Nachkauf von Novo Nordisk stand ich dann bei einer “Überinvestition” von fast 3.000 €. Im Hinblick auf die im Mai fließenden großen Dividendensummen war aber auch das noch kein Problem. Bis zum Jahresende sollen noch 7.800 € Nettodividenden reinkommen.

Kapitalerhöhung der DBAG

Mit einer Ad-hoc-Meldung meines Depotwerts Deutsche Beteiligungs AG hier ausführlich vorgestellt) am 12. April kam ich aber nun doch ins Schwitzen: Es gibt nämlich eine Kapitalerhöhung im Verhältnis 1:4. Für 4 gehaltene Aktien kann jeder Aktionär 1 neue Aktie erwerben. Und diese neue Aktie wird nicht 41 € (so der Aktienkurs bei Ankündigung der Maßnahme), sondern “nur” 28 € kosten.

Verwendung des Emissionserlöses

Die Deutsche Beteiligungs AG wird durch die Kapitalerhöhung 99,7 Mio. € netto erlösen. Davon werden 24,6 Mio. € für die Finanzierung bereits feststehender Investitionen genutzt und 75,1 Mio. € erst mal gebunkert. Sie sollen dann für Co-Investitionen der von der DBAG verwalteten Fonds und weitere Direktinvestitionen verwendet werden.

Übrigens kostet die Durchführung der Kapitalerhöhung (vor allem durch Gebühren der begleitenden Investmentbanken) 5,6 Mio. €.

Der Zeitpunkt ist günstig

Es gibt für Kapitalerhöhungen eigentlich nur zwei Zeitpunkte: Den richtigen und den falschen. Den falschen Zeitpunkt wählen Unternehmen immer dann, wenn ihnen das Wasser bis zum Hals steht und sie dringend frische Eigenmittel benötigen. Das passiert gerne bei Banken kurz vor dem Eingreifen der BaFin oder im letzten Jahr bei der Lufthansa mitten in der Pandemie. Dann werden die Aktien verschleudert, aber ohne Kapitalerhöhung wäre die Existenz gefährdet. Ich konnte so letztes Jahr bei Sydney Airport wirklich günstig meine Aktienposition vergrößern.

Der richtige Zeitpunkt ist immer dann, wenn der Aktienkurs sehr hoch steht und die Aussichten gerade rosig sind. Dann sind die Aktionäre in der Regel gewillt, dem Management frisches Kapital zu geben, damit das Wachstum weiter vorangetrieben werden kann.

Und die DBAG hat nun einen solchen günstigen Zeitpunkt gewählt. Die Börsen sind wieder auf Allzeithoch und auch die Aktie hat sich vom Corona-Tief sehr deutlich erholt. Im März 2020 lag sie bei 23,80 €, vor Ankündigung der Kapitalerhöhung bei 41,50 €. Das Allzeithoch datiert auf Januar 2018 bei 52,20 €.

Die Prognose für 2021

Die Deutsche Beteiligungs AG hatte zwei Wochen vor der Ankündigung der Kapitalerhöhung ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr (bis 30.09.) deutlich angehoben.

Statt der bisher erwarteten 40-45 Mio. € Jahresergebnis sollen es nun 70-80 Mio. € werden. Der Nettovermögenswert der Private-Equity-Investments soll sich statt auf 415-460 Mio. € auf 450-505 Mio. € belaufen.

Hintergrund der veränderten Prognose ist die insgesamt bessere Entwicklung der 34 Unternehmen im Portfolio. Damit verbunden ist auch die Chance auf erfolgreiche Veräußerungen.

Der Zwischenabschluss zur Mitte des Geschäftsjahres wird allerdings erst am 12. Mai 2021 und damit nach Abschluss der Kapitalerhöhung veröffentlicht.

Meine Entscheidung

Bei der Dividendenzahlung der Deutschen Beteiligungs AG im März hatte ich geschrieben, dass ich meinen Fokus eher auf andere Unternehmen im Private Equity-Sektor richte, da die Deutsche Beteiligungs AG bereits prominent in meinem Depot vertreten ist. Die Aussichten schätzte ich durchweg positiv ein.

Und nachdem ich meinen eigenen Beitrag noch mal gelesen hatte, habe ich mich entschieden, dass die Kapitalerhöhung eine gute Gelegenheit ist, günstig an Aktien zu kommen. Und die lasse ich mir nicht entgehen!

Ich habe durch meine 150 Aktien im Depot das Recht, 37,5 neue Aktien zum Preis von 28,00 € zu zeichnen. Da es aber keine halben Aktien gibt, könnte ich noch Bezugsrechte hinzukaufen, um eine glatte Anzahl zu bekommen. Würde ich 37 Aktien ordern, würden die 2 Bezugsrechte durch meine Depotbank verkauft. Ich könnte aber auch nur einen Teil der Bezugsrechte nutzen und den Rest verkaufen. Insgesamt stellt mir maxblue die folgenden Optionen zur Auswahl:

Deutsche Beteiligungs AG Kapitalerhöhung

Ich habe mich dazu entschieden, die mir zustehenden 37 Aktien zu kaufen. Das kostet mich 1.036 € Kurswert, maxblue wird mir laut Preisverzeichnis zusätzlich 9,90 € Gebühren dafür in Rechnung stellen. Die krummen 2 Bezugsrechte lasse ich verkaufen, bis zu einem Kurswert von 5 € ist das kostenfrei. Ansonsten wird mir eine Gebühr von 1,90 € abgezogen.

Die Orderausführungen

Der Aktienkurs der Deutschen Beteiligungs AG ist seit Start der Kapitalerhöhung erheblich unter Druck gekommen. Für die beiden verkauften Bezugsrechte habe ich deshalb am 21.04.2021 netto nur 1,82 € bekommen. Ich zähle den Erlös zu meinen Dividendenerträgen hinzu.

Verkauf von Bezugsrechten Deutsche Beteiligungs AG im April 2021
Abrechnung der Kapitalerhöhung der Deutsche Beteiligungs AG im April 2021 1. Seite
Abrechnung der Kapitalerhöhung der Deutsche Beteiligungs AG im April 2021 2. Seite

Was bedeutet das für meine weiteren Aktienkäufe in diesem Jahr?

Mit der nicht geplanten Teilnahme an der Kapitalerhöhung erhöht sich mein Investitionsüberschuss vorübergehend auf rund 4.000 €. Als Konsequenz werde ich meine Kauflimite, die ich derzeit im Markt liegen habe, unverändert lassen. Sie sind einige Prozentpunkte unterhalb der aktuellen Kurse und werden, wenn der Markt so weiterläuft, dann eher nicht zur Ausführung kommen. Kauforders habe ich im Moment für Symrise (103,00 €), Lam Research (444,00 €) und Coca-Cola (43,00 €) aufgegeben.

Ich will auf der einen Seite mögliche Chancen ergreifen, aber auch noch Puffer für den Rest des Jahres haben. Denn ich glaube schon, dass wir im Laufe des Jahres auch noch mal breitere Kaufgelegenheiten bekommen. Deshalb akzeptiere ich auch eine ungerade Anzahl von DBAG-Aktien in meinem Depot (nach der Kapitalerhöhung: 187) und runde nicht auf. Und außerdem habe ich noch mehrere Aktien im Blick, die ich gerne neu ins Dividendendepot aufnehmen würde…

Auf einen Blick:

Unternehmen:Deutsche Beteiligungs AG
ISIN:DE000A1TNUT7
Im Divantis-Depot seit:02.02.2016
Letzter Nachkauf am:28.04.2021
Stückzahl im Divantis-Depot:187
Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren:30,20 €
Gesamtkaufpreis:5.646,70 €
Bisher erhaltene Netto-Dividenden:919,25 €
Aktuelle Strategie:Halten und Dividende kassieren

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5 Gedanken zu „Diese Gelegenheit lasse ich mir nicht entgehen“

  1. Vielen Dank für deine Beiträge! Der Aufruf deiner Seite ist morgens einer meiner ersten Tätigkeiten!

    Ich habe zwar die DBAG nicht auf dem Schirm, habe den Beitrag aber interessiert gelesen. Ich finde Splits, Kapitalerhöhungen und Abspaltungen als langfristiger Investor immer super spannend. Diese Maßnahmen machen für mich auch den Reiz aus sich langfristig an ein Unternehmen zu binden und die Entwicklung zu begleiten.

    Mach weiter so!

  2. Super Beitrag, den ich vollumfänglich teile!
    Ich finde die Deutsche Beteiligungs AG ist ein gutes und sehr solides Investment. Auch ich nehme meine Bezugsrechte wahr.

  3. Hallo Ben,

    in den ersten Absätzen hast du genau das beschrieben, was mir auch teilweise passiert. Man macht sich Pläne, wann man welche Aktie mit bestimmten Kapital (meist erst in ein paar Wochen/Monaten zur Verfügung stehend) kaufen will. Dann macht Mr. Market diese Pläne zunichte oder schwieriger, weil er im Moment fast nur die Richtung nach oben kennt. Aber weil man ja Pläne gemacht hat und diese Aktien aus bestimmten Gründen sehr gerne haben will, ist man in Versuchung dann auch höhere Preise zu bezahlen anstatt nochmal neu zu schauen, welche Unternehmen in dem Moment bessere Kaufgelegenheiten abgeben…na ja, Börsenpsychologie ist ein weites, aber wichtiges Feld und auch da lohnt es sich noch besser zu werden. Hab ich mir jedenfalls für 2021 vorgenommen :-).

    Die Deutsche Beteiligungs AG werde ich mir mal genauer ansehen. Vom Profil her würde sie auf jeden Fall gut in mein Income Portfolio passen. TX für die Unternehmensvorstellung und Anregung…
    Bei den deutschen Unternehmen stehen bei mir aktuell insbesondere E.On auf der Kaufliste. Die ersten Quartalszahlen nach der vollständigen Integration von innogy sowie die Dividendenpolitik haben mich überzeugt, meine Position noch etwas weiter auszubauen.

    Viele Grüße,
    Susanne

  4. Hi Ben,
    danke für den guten Bericht und die Details bezüglich der Bezugsrechte. Meine Frage: Sind bei dir die vergünstigten Aktien schon gebucht worden? bzw. ist der Bezugsrechte-Handel bereits abgeschlossen?
    Ich sehe nach nach wie vor die Bezugsrechte im Depot, demnach noch nicht veräußert bzw. in vergünstigte Aktien umgewandelt. Vielleicht dauert das einfach, ich konnte irgendwie bei der DBAG keine Info auf den Investor Relations finden, wie lange diese Fristen laufen.
    Gruß
    Felix

    1. Hallo Felix,

      keine Sorge, die Bezugsfrist läuft bis zum Ende des heutigen Tages. Erst morgen können die Aktien dann eingebucht werden. Keine Ahnung, ob das jeder Broker schon direkt hinkriegt. Aber heute dürfte noch niemand die neuen Aktien im Depot haben.

      Bei mir sind bisher die 2 überschüssigen Bezugsrechte verkauft worden. Der Rest nimmt garantiert auch seinen geordneten Gang.

      Viele Grüße Ben

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