Divantis Header Logo und Untertitel

Vom Ausschlag zur Erholung – was der Seismograph jetzt wirklich zeigt

BlackRock in extrudierter 3D-Optik mit steigendem Aktienchart und Bullenmarkt-Symbol vor moderner Finanzkulisse.
4.8
(42)

Manchmal muss man ein Investment einfach eine Weile in Ruhe lassen, um zu merken, wie viel sich in der Zwischenzeit getan hat. Genau das ist mir mit dem größten Vermögensverwalter der Welt passiert. Vor einem halben Jahr habe ich berichtet, warum ich einen Teil meiner Position verkauft habe. Mitten in der Nervosität rund um Private Credit, steigende Ölpreise und einen Aktienkurs, der spürbar ins Straucheln geraten war. Der „Seismograph“ der Finanzmärkte, wie ich das Unternehmen damals genannt habe, schlug ordentlich aus.

Und jetzt, nur wenige Monate später? Zwischendurch gab es zwei Quartalsdividenden und ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass der Ausschlag diesmal in die andere Richtung ging. Rekord-Vermögen, rekordverdächtige Nettozuflüsse, eine Gewinnmarge auf Fünfjahreshoch. Und das, obwohl die Private-Credit-Krise tatsächlich eingetreten ist. Aber ihre Auswirkungen blieben begrenzt. Es wurden Rücknahmen limitiert und der Aktienkurs hat sich trotzdem deutlich erholt.

Wie passt das zusammen? Diese und andere Fragen beleuchte ich in meinem Update in diesem Beitrag.

BlackRock positioniert sich als One-Stop-Lösung in der Vermögensverwaltung. Es gibt kaum einen Bereich, in dem die weltweite Nr. 1 nicht vertreten ist. Ich habe ursprünglich wegen des Unternehmensteils iShares investiert. Seitdem partizipiere ich am ETF-Boom, ohne selbst einen ETF kaufen zu müssen. Das Unternehmen habe ich hier ausführlich vorgestellt.

BlackRock ist seit dem Kauf von Global Infrastructure Partners aber auch im Private Equity-Bereich in einer Führungsposition vertreten.

Mein Investment

Meine Käufe von BlackRock in 2017 und 2020 erfolgten im Durchschnitt deutlich unter der Hälfte des aktuellen Kursniveaus – gerechnet in US$. Für meine ersten 5 Aktien zahlte ich vor ziemlich fast 10 Jahren je 380,47 US$. Meine „teuersten“ Stücke sammelte ich im Januar 2020 für 529,45 US$ ein. Auch sie haben sich bis heute im Kurs ungefähr verdoppelt. Zusätzlich habe ich über die Zeit stetig steigende Dividenden kassiert. Im März habe ich meine Position dann von 25 auf 15 Aktien reduziert. Mit dem Teilverkauf von 10 Aktien erlöste ich einen Gewinn, der – zusammen mit den erhaltenen Nettodividenden – meinen Einsatz für die verbleibenden 15 Aktien nahezu komplett abdeckt.

Die Aktie von BlackRock

Die Entwicklung der Aktie von BlackRock in den letzten 10 Jahren ist weiterhin imposant. Sie zeigt tendenziell eine Entwicklung von links unten nach rechts oben. Aber nicht stringent, sondern immer auch mit Rückschlägen. Nach einem Zwischenhoch in 2021 ging es in den folgenden Jahren erst mal abwärts und dann seitwärts. Ende 2024 wurde dann wieder ein Hoch erreicht, bevor es bis April 2025 um etwa 20% runter ging. Es folgte ein erneuter Anstieg, der im Oktober 2025 seinen Höhepunkt bei 1.202,59 US$ fand. Und Ende Februar 2026 notierte die Aktie – direkt vor dem Angriff auf den Iran – noch bei 1.093 US$. Mein Teilverkauf bei 974 US$ war kurstechnisch nicht optimal. Aktuell notiert die Aktie rund 100 US$ höher:

BlackRock 10-Jahres-Chart in USD
BlackRock 10-Jahres-Chart in USD

Dividende

BlackRock zahlt erneut eine Quartalsdividende von 5,73 US$ je Aktie. Zuletzt war sie im März um 10% erhöht worden.

Dividendenabrechnung

Für die 15 Aktien in meinem Dividendendepot ergibt das eine Brutto-Dividende von 85,95 US$. Flatex rechnete zum Kurs von 1,1463 in Euro um. Das entspricht dem EZB-Referenzkurs am Dividendenzahltag. Nach Abzug der Steuern verbleibt eine Netto-Dividende von 55,82 €. Sie wurde mit Wertstellung 22.09.2026 überwiesen.

BlackRock Dividendenzahlung im September 2026

Dividendenrendite

Annualisiere ich die Quartalsdividende, dann zahlt BlackRock eine Jahresdividende von 22,92 US$. Bei einem Aktienkurs von 1.066,66 US$ (Schlusskurs am Dividendenzahltag) ergibt das eine Dividendenrendite von 2,1%. Da BlackRock seine Dividende üblicherweise jährlich erhöht, dürfte bei einem heutigen Kauf die tatsächliche Jahresdividende höher liegen. Bleibt es beim bisherigen Turnus, dann wird die Quartalsdividende wieder mit der März-Zahlung 2027 höher sein.

Yield on Cost

Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost) berechne ich, indem ich die Brutto-Dividende der jetzigen Abrechnung vervierfache (343,80 US$) und mit dem gleichen Wechselkurs umrechne. Dabei ist mir bewusst, dass der Wechselkurs bei den einzelnen Quartalsdividenden jeweils unterschiedlich sein wird. Die rechnerische Jahresdividende liegt demnach bei 299,92 €. Bezogen auf meinen Einstand von 6.269,88 € ergibt das einen YoC von 4,8%.

Der Wert ist aber gar nicht mehr so relevant für mich. Denn durch die Gewinnrealisierung im März sieht meine Rechnung aktuell so aus, dass mir noch nur 252,40 € an Nettodividenden fehlen, um meinen Einstand komplett durch realisierte Kursgewinne und erhaltene Nettodividenden wieder zurück erhalten zu haben. In etwa 5 Quartalen sollte es so weit sein und ab dann erhalte ich die Dividenden, ohne dafür eigenes Geld eingesetzt zu haben.

Perspektiven von BlackRock

Der Blick auf die Perspektiven hat sich innerhalb des letzten halben Jahres deutlich verändert. Im Frühjahr prägte Private Credit die Schlagzeilen. Davon ist inzwischen der Blick komplett weg.

Das Q2-2026-Ergebnis: Rekord auf breiter Front

Am 15. Juli 2026 legte BlackRock Zahlen zum zweiten Quartal vor, die selbst optimistische Analysten überrascht haben. Das verwaltete Vermögen erreichte mit 15,34 Billionen US$ einen neuen Höchststand. Drei Monate zuvor waren es noch 13,89 Billionen und im Vorjahresquartal sogar „nur“ 12,53 Billionen. Getragen wurde dieser Sprung nicht nur von steigenden Kursen, sondern auch von frischem Geld. Über die letzten zwölf Monate flossen netto 868 Mrd. US$ zu, das organische Basisgebühren-Wachstum lag bei 10%, und allein im ersten Halbjahr 2026 kamen rekordhohe 321 Mrd. US$ an Nettozuflüssen zusammen, davon 192 Mrd. US$ im zweiten Quartal.

Das hatte positive Einflüsse auf die Erlöse. Der Umsatz kletterte auf 7,08 Mrd. US$, das bereinigte Ergebnis je Aktie lag bei 13,91 US$ und damit deutlich über der Analystenschätzung von 12,59 US$. Auch operativ zeigte BlackRock, wie stark die Skaleneffekte inzwischen wirken. Die operative Marge (bereinigt) erreichte 45,9%. Das ist der höchste Stand seit fast fünf Jahren.

Passend dazu erhöhte BlackRock sein Ziel für den Rückkauf eigener Aktien für 2026 von 1,8 auf 2 Mrd. US$.

Für mich als Langfristanleger ist das die eigentliche Botschaft. BlackRock hat ein Fundament aus einem breit diversifizierten Kerngeschäft aus ETFs, Fixed Income und institutionellem Asset Management. Mit ihm wächst das Unternehmen und verdient außergewöhnlich gut.

Zugleich bleibt BlackRock ein „Seismograph“ für einzelne Themen der Investmentbranche. Als Beispiel sei noch mal an Private Credit erinnert.

Meine Bedenken, die mich letztendlich zu meinem Teilverkauf mit Gewinnrealisierung führten, waren nicht aus der Luft gegriffen. Der Private-Credit-Markt geriet tatsächlich unter erheblichen Stress. Neben BlackRocks HLEND-Fonds mussten im Frühjahr auch Blue Owl, Barings und andere große Anbieter Rücknahmen begrenzen oder kappen, während Ratingagenturen den Ausblick für Kreditfonds auf negativ setzten und der Finanzstabilitätsrat (FSB) vor systemischen Risiken warnte.

Bemerkenswert ist aber, wie begrenzt der Flurschaden für BlackRock selbst geblieben ist. Im zweiten Quartal verzeichneten die Private-Markets-Strategien insgesamt sogar wieder Nettozuflüsse von 15,4 Mrd. US$, davon 5,2 Mrd. US$ in Infrastruktur und 6 Mrd. US$ in Private Credit. Offenbar haben institutionelle Investoren, anders als viele Privatanleger, dem Segment die Treue gehalten. Und es bestätigt die Worte von CEO Larry Fink, der von einer weiterhin robusten Nachfrage großer institutioneller Kunden sprach. Lediglich Privatanleger seien vorsichtiger geworden.

Ganz ohne Kratzer ging es aber nicht ab: Der institutionelle Kanal verzeichnete im zweiten Quartal Nettoabflüsse von 41 Mrd. US$, die nur durch starke ETF- und Retail-Zuflüsse überkompensiert wurden.

Für mich ist das Thema auch noch nicht komplett vom Tisch. Sollte sich die Kreditqualität bei einer konjunkturellen Abkühlung verschlechtern, wird die Unsicherheit wieder schnell steigen. Allerdings bleibt BlackRocks Alternatives-Exposure gemessen an der Gesamtbilanz überschaubar.

Kostenseite und Marktabhängigkeit als Gegenspieler

Zwei Punkte behalte ich im Blick, wenn ich mir die weitere Entwicklung anschaue:

Die Vergütungsaufwendungen stiegen im Quartalsvergleich um 28%, was bei nachlassendem Umsatzwachstum schnell auf die Marge drücken könnte. Außerdem ist die Marktabhängigkeit weiterhin hoch. Ein gutes Stück des AuM-Wachstums ist schlicht der starken Kursentwicklung an den Aktienmärkten geschuldet und nicht rein organischem Wachstum. Sollte sich die KI-Rally abkühlen, würde das unmittelbar auf die Gebührenbasis durchschlagen.

Immerhin hat sich auf der makroökonomischen Seite zuletzt etwas Druck aus dem Kessel gelöst. Der Ölpreis hat sich etwas entspannt. Das senkt die Inflationssorgen, die immer wieder für Nervosität sorgen. Das nimmt zumindest einen Teil des Gegenwinds, den ich noch als Risiko für die Kreditqualität in Private Credit genannt hatte.

Fazit und Ausblick

Mein Bild von BlackRock als „Seismograph“ der Märkte hat sich durch die letzten Monate eher bestätigt als widerlegt. Allerdings ging der Ausschlag diesmal überwiegend nach oben. Die Kombination aus Rekord-AuM, zweistelligem organischem Wachstum und einer Gewinnmarge auf Fünfjahreshoch spricht dafür, dass das Kerngeschäft die Private-Credit-Turbulenzen bislang gut absorbiert. Gleichzeitig bleiben die Risikofaktoren – Kostendisziplin, Marktabhängigkeit und die Frage, ob sich die Kreditqualität in Private Credit weiter verschlechtert – unverändert bestehen.

Die nächste Standortbestimmung folgt mit den Q3-2026-Zahlen, die traditionell Mitte Oktober veröffentlicht werden. Ich bin aber trotz eines Marktwerts meiner Position von rund 14.000 € oder 2,5% Depotgewicht sehr entspannt. Ich habe ja nahezu keinen eigenen Einsatz mehr darin und sehe die Aktie deshalb vor allem als Dividendenmaschine für mich.

Trotzdem beobachte ich die Entwicklung, schließlich gibt BlackRock auch immer ein Gefühl für die Verfassung der Märkte und neue Trends.

Auf einen Blick:

Unternehmen:BlackRock
ISIN:US09247X1019
Im Divantis-Depot seit:04.04.2017
Letzter Nachkauf am:15.01.2020
Stückzahl im Divantis-Depot:15
Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren:417,99 €
Gesamtkaufpreis:6.269,88 €
Bisher erhaltene Netto-Dividenden:1.540,01 €
durch Teilverkauf am 25.03.2026 realisierter Gewinn (Kurs und Nettodividenden):4.477,47 €
Aktuelle Strategie:Halten und Dividende kassieren


für diesen Beitrag verwendete Quellen:
BlackRock Reports Second Quarter 2026 Diluted EPS of $12.19, or $13.91 as adjusted

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?

Dann bewerte ihn mit einem Klick!

Durchschnittliche Bewertung: 4.8 / 5. Anzahl der Stimmen: 42

Gib die erste Bewertung für diesen Beitrag ab!

Schade, dass Dir der Beitrag nicht gefallen hat!

Unterstütze die Qualitätsverbesserung!

Möchtest Du mir einen Hinweis geben, was ich besser machen kann?

Fediverse reactions

Kommentare

20 Kommentare zu „Vom Ausschlag zur Erholung – was der Seismograph jetzt wirklich zeigt“

  1. Avatar von Matthias von Mitzlaff

    Eine der tragenden Rollen im Finanzbereich meines Depots. Die 10 Stück liegen knapp 50% im Plus, zuverlässiger Dividendenzahler. Das Dividendenwachstum liegt auf 5 Jahre über 5%, auf 10 Jahre bei knapp 10%.
    Im Aktienterminal sind die Kennzahlen recht gut, aber nicht überragend. Simply Wall Street sagt „adequate balance sheet and average dividend player“, sprich: Gut, aber nicht überragend.
    Ich glaube an den weiteren Siegeszug von ETFs, zumal nun der Mainstream erreicht wird und auch manche Krankenkasse hoffentlich nicht mehr mit offenen Fonds zocken wird, sondern das wertvolle Geld Versicherter stur in einfach gestrickte MSCI World ETFs anlegen wird. ;-)

    Übrigens habe ich kürzlich T. Rowe verkauft. Die lassen sich recht gut mit BLK vergleichen und sind bei vielen Dividenden-Auflistungen sehr weit vorne zu finden. Mir gefällt jedoch die Marktreputation von BLK wesentlich besser. Heute reicht es ja nicht gut zu sein, man muss es auch ein wenig „vermarkten“.

    Neben drei BDCs (die für Cashflow sorgen), setze ich im Finanz-GICS-Sektor auf die beiden Versicherer Allianz, MunichRe sowie Visa (starke Marktmacht) und S&P Global.
    Letztere habe ich schon einige Zeit im Auge, denn a) das Geschäftskonzept ist grundsätzlich gut, b) die Kursentwicklung jedoch leider nicht. Kursentwicklung letzte 5 Jahre für SPGI bei unter 0%! Was ist da wohl los?
    Immerhin beruhigt mich, dass MSCI Inc ebenfalls auf der Stelle tritt…;-)

    Sonnige Grüße von der Marathonstrecke in Berlin…

    1. Avatar von Thomas
      Thomas

      ich wollte im Scherz @Matthias mal schreiben, Wahnsinn, was seine Empfehlung fürs CommunityDepot für den A2JAHJ ausgelöst hat, bald der weltgrößte DividendenETF. Was für eine Reichweite hier … (bitte als Humor verstehen) :)

      1. Avatar von Ben Warje

        Hallo Thomas,

        die Reichweite des Blogs ist nicht zu unterschätzen. ;) Manchmal braucht es auch nur jemanden, der den Stein ins Rollen bringt. Das war Matthias! Und daraus hat sich eine Lawine entwickelt…

        Übrigens hatte ich noch vor Matthias Empfehlung eine Anfrage von VanEck, die mir ihre Produkte vorstellen wollten, damit ich dann darüber berichte. Da ich solche Angebote ständig kriege und den Blog nicht zur Werbung missbrauchen will, habe ich darauf nicht reagiert. Umso schöner, dass aus der Community heraus eine authentische Empfehlung kam und hoffentlich viele Leser davon profitieren konnten.

        Viele Grüße Ben

  2. Avatar von Thomas
    Thomas

    Was Blackrock an seine Aktionäre ausschüttet, gibt Vanguard im Form von Kostensenkungen an seine Kunden/Gesellschafter(ex Europa) zurück.
    Bei Vanguard übrigens jetzt relativ neu (Auflagedatum 18.08.2026) der VALLD ( Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF USD Dist A42B1N) mit sensationellen 0,07% TER p.a. Gibt’s auch als Acc. Im Scherz müßte man meinen, wenn die die Kosten auf Null gedrückt haben, müßte es dann Gratisaktien on Top in den ETF gebucht geben… Scherz beiseite.

    year to Date :

    Blackrock +1,49%
    Blackstone -23,17%
    KKR -24,17%
    Ares -24,51%
    Apollo Global -15,94%
    aber
    State Street +40,56%
    Franklin +38% die kommen aber auch aus dem Tal,
    Invesco geht so
    Ameriprise geht so
    Northern Trust +28,66%
    Principal Financial Group +30,11%

    Die Private CreditKrise schwelt unterschwellig(spezifisch) weiter, ist aber nicht eskaliert. Das Bild trifft die Alternative Asset Mager härter. Bis auf Starwood Property Trust schaffen es aber alle anderen, alle Rücknahmeanträge sauber abzuarbeiten und demzufolge bricht das allg. Vertrauen nicht ein.
    Dagegen Starwood fällt auch entsprechend.
    Der Softwaresektor (hieraus die Verschuldung) in Konkurrenz zu KI hängt in der Schwebe, hier ist unklar wie es weitergeht.

    Wo es zur Zeit eher hochköchelt, ist Europa mit offenen europäischen Immobilienfonds (Wertgrund WohnSelect D, UniImmo Wohnen ZBI, Fokus Wohnen Deutschland, UBS Euroinvest Immobilien, Habona Nahversorgungsfonds)
    Hier gibt es ein hartes Rennen um Raus Raus Raus, Werteverlust und der Dringlichkeit von Objektverkäufen unter Druck. Steigende Zinsen drücken.

    Zurück zu Blackrock, sie profitieren hier von einer wirklich sehr breiten Aufstellung und schieren Größe, sind aber entsprechend auch teuer. Sie haben sowohl bei steigenden Zinsen, bleibenden oder fallenden Zinsen ihre Ertragschancen und Risiken und werden auch in schwierigen Zeiten ein „Fels“ in der Brandung sein und der Assetmanager des Vertrauens.
    Mein Fazit, wer sie hat, gerne weiter halten, ich hab sie nicht und kauf sie auch nicht.
    Aus dem Memo von Howard Marks ist mir in Erinnerung geblieben, das er (Marks) seinen ob der Schulden/Anleihekrise der USA besorgten Kunden NICHT rät, aus dem Dollar rauszugehen, weil in Kurzform der Blitz die Anleger auch außerhalb des Dollars genauso treffen kann.
    Den og. ETF von Vanguard schau ich gerne mal an.
    Öl und die Anleiherenditen werden wohl auch die nächste Zeit die bestimmenden Themen sein,
    schönen Sonntag Euch.

  3. Avatar von busico
    busico

    Glückwunsch zu der guten Wahl und zum Timing, Ben! Ich bin vor einem Jahr in Partners Group eingestiegen; das war eher…suboptimal. Aber nach so kurzer Zeit gebe ich da noch nicht auf. Ein Wert muss ja die rote Laterne tragen, in diesem Sektor sind bei mir aktuell Allianz, Münchener Rück, NN Group, DWS, Amundi, BNP und Greencoat UK Wind gut bis sehr gut gelaufen. Bin gespannt, wie es hier angesichts der Zinsen weitergeht. Im Moment lasse ich es laufen. Bei NN werde ich ggfs. Gewinne mitnehmen, bei DWS rechne ich mit einer Übernahme durch die DB. Dann wäre der Sektor wieder in einem gesunden Anteilsbereich (zur Zeit über 22%).

    1. Avatar von BörsenHai
      BörsenHai

      Hallo busico,

      wie kommst Du darauf, dass die Deutsche Bank DWS übernimmt?
      DWS ist die Fondsgesellschaft der Deutschen Bank und die Deutsche Bank hält doch seit Anbeginn ca. 80% der DWS (ist nicht eine KGaA?).
      Aus meiner Sicht würde sich die Deutsche Bank keinen Gefallen tun eine Firma, in die man auch Risiken übertragen kann, zu „schlucken. „Weisungsbefugnis“ hat sie eh bereits.

      Zurück zu BlackRock.
      Als „Seismograph“ würde ich BlackRock jetzt nicht bezeichnen. Ja sie sind in allen Bereichen (außer Bank selbst) im Finanzbereich tätig incl. sogenannte „KI“. ;)
      Die sehr hohe Breite der Geschäftsmodells verwässert aber auch den Blick auf die vielen Geschäftsfelder im Finanzbereich, zumindest wenn man nicht den Geschäftsbericht sehr sorgfältig liest (so wie du) und versteht.

      In 2022 war der letzte sehr kleine Zukauf und für mich seitdem eine reine Halteposition. Seit 2022 geringe Div-Steigerung (außer 2026 mit fast 10%), nicht wirklich günstig, …
      Da kenne ich schönere Töchter, um die Position in meinem Portfolio zu vergrößern, auch wenn BlackRock in 10 Jahren die 2+2 erfüllt, also an sich ein solides Investment ist.

  4. Avatar von Tobs
    Tobs

    Hallo Ben,

    Du bist mit Deinem Teilverkauf von BR sicherlich im Reinen.

    Am Ende hat es zu Deiner Risikoneigung und Art und Weise, wie Du Dein Portfolio steuerst, gepasst.

    Punkt.

    Von Deinen eigenen Präferenzen aber einmal völlig losgelöst: Zeigt dieser Teilverkauf etwas sehr klassisches, worüber es nachzudenken lohnt: Zu starke Bewertung von quartalsgetriebenen Ereignissen. Das sind für mich ganz klar die Grenzen vom sogenannten B+H+Check, dass ich – wie hier jedem sicherlich bekannt ist – äußerst kritisch sehe. Weil es etwas suggeriert, was nicht halten kann: Dass man ein nachhaltiger und besonnener Anleger sei, der dann wirklich ausschließlich bei den existentiellen Problemen verkauft.

    Tja, was sind denn solche existenzielle Probleme? Erkennen wir sie? Können wir den richtigen Kontext herstellen. Und verstehen wir ihre Auswirkungen auf der Zeitachse, auf der Gegenwart bei jedem Atemzug schon wieder Vergangenheit ist?

    Einzelereignisse, mögen sie für sich selbst noch so kritisch und auch sauber fundiert und gekonnt abgeleitet sein, sind äußerst schwer in den großen Kontext einer hochkomplexen Geschäftsentwicklung von Unternehmen reinzubekommen.

    Unternehmen sind hochdynamische Gebilde mit einem Management. Das ist so, als wenn man auf einem Schiff auf hoher See mit starkem Wellengang ist. Nun steht man oben auf dem Mast und erkennt tatsächlich die über-übernächste große Welle, wie sich auftürmt. Aber deswegen von Board gehen? Die meisten Schiffe kommen durch, und desto mehr Cash Flow sie erzeugen, um so umsinkbarer sind (klar, es gibt auch immer mal eine Titanic :-)).

    Dafür könnte man zig Beispiele machen, selbst wirklich major hits wie bei 3M (schon eine halbe Freak Wave) haben das Schiff nicht zum kentern gebracht.

  5. Avatar von Thomas
    Thomas

    @Tobs, die Diskussion läuft ja schon länger hier und auch allgemein und wird auch nie zu Ende sein. Blackrock hätte auch weiter fallen können, aber klar das ist ein weißer Schimmel.
    Gesicherte Gewinne sind zunächst gesicherte, wenn auch mit Kosten belastete Gewinne. Die Frage ist was macht man dann damit.
    Das sicherste wäre eigentlich, regelmäßig gesicherte Gewinne in einen sehr breit gestreuten Welt-ETF zu stecken und diesen damit quasi zu einem permanenten Discount zum Markt zu erwerben und damit aus dem Einzelaktienrisiko rauszugehen und damit einen permanenten Vorteil zum Markt zu haben.
    Wenn man die gesicherten Gewinne in einen Loser steckt, ist alles wieder weg…
    Nur so theoretischer Gedanke.

    @Busico, die Private Equity Branche scheint sich (muss sich) neu zu sortieren, aber die große Welle, wo jeder das haben wollte, weil ihm die normale Marktrendite nicht mehr gereicht hat, ist erstmal vorbei. Jetzt gibt es garantierte Zinsen und jeder , der weniger liefert, fliegt raus. Daher bei Partners Group eher stark durchwachsenes Bild. Diese halb oder teilweise illiquiden Fonds sind schrecklich, wenn man nicht rauskommt. Bei Aktien geht das immer, aber wer in einer Abwärtsphase drinsteckt und tatenlos zusehen muss, wie es immer weniger wird, das ist etwas anderes, als wenn man seine Aktien bewußt im fallenden Markt behält. Institutionelle mögen sich anders verhalten, aber die privaten Anteilhaber laufen weg. Ähnliche Problematik wie den offenen Immobilienfonds zur Zeit.
    Bin da bei Partners Group eher skeptisch und läßt sich bei dem Chart aber auch leicht daher reden..
    ist aber nur meine Meinung.

    1. Avatar von Tobs
      Tobs

      Thomas,

      geht es denn um Gewinnsicherung und Reinvestition bei B+H+Check? :-) Meines Erachtens ist das gerade nicht der Fall. Du vermischst m.E. verschiedene Dinge miteinander.

      Die Idee hinter B+H-C ist doch gerade eben nicht (!) Gewinne zu sichern, nur der Gewinnsicherung selbst Willen. Die Idee hinter B+C+H ist eine völlig andere: Gewinne nicht als Regel, sondern als Ausnahme zur Regel rauszuziehen, etwa wenn das Geschäftsmodell nicht mehr nachhaltig erscheint.

      Das ist ein relevanter Unterschied. Insbesondere, wenn man sein Vermögen über Dekaden mehren will und man sich eigentlich aus gutem Grunde für die eine oder andere Herangehensweise entschieden hat. Relevant ist also nicht, ob der Teilverkauf von BR ein gesicherter Gewinn gewesen ist. Relevant ist, jedenfalls wenn man selbstkritisch ist: War das bei Blackrock mit den Private Markets ein relevantes Event im Sinne des Checks, was wirklich Anlass zur Sorge gegeben hatte, dass das Geschäftsmodell von Black Rock einen heftigen Hit erleidet.

      Ich würde auch nicht der einen oder anderen Herangehensweise das Wort reden wollen, weil das jeder selbst wissen muss. Aber Vorsicht ist geboten, wenn man (das bezieht sich nicht auf Ben, sondern ist eine allgemeine Feststellung) meint, man sei strategiekonsistent, ist es aber nicht. Wenn man beispielsweise ein erklärter B+H+C Anleger ist, würde ich die Rückzugsposition für sehr fragwürdig halten, dass an Gewinnmitnahmen noch niemand verarmt sei. Stimmt zwar, aber es hätte dann eben nur noch wenig mit B+H+C zu tun.

      Das ist meine Erachtens auch nicht nur eine Frage der intellektuellen Redlichkeit mit sich selbst, sondern eine Voraussetzung, dass man über Dekaden sein Portfolio gut entwickelt: Die Dinge sich selbst sehr ehrlich einordnen und sich fragen, ob die eigenen Aktivitäten zu den eigenen Vorstellungen passen. Bei mir selbst stelle ich auch immer wieder mal Abweichungen fest – davor ist niemand gefeit. An den Grundsätzen der eigenen Execution muss man m.E. stets kritisch arbeiten, insbesondere wenn man ein Long term game spielt und nicht hin und her kauft. Darum sehe ich auch genug meiner eigenen Verkäufe rückblickend als kritisch und ich muss mir selbst die Frage stellen lassen, ob ich die richtige Strategie dabei verfolgt hatte.

      1. Avatar von BörsenHai
        BörsenHai

        Das ist doch wieder eine sehr lehrreiche Diskussion.

        Tobs B+H+Check bezieht sich nur auf Verkaufen von (kurzfristigen) Losern?
        Das bin ich anderer Meinung.

        Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen.
        Man sollte immer aufschreiben (ist dann dokumentiert und nachvollziehbar) warum man eine Aktie kauft. Das ist quasi die Basis für den „Check“punkt.
        Nur sollte man sich auch Gedanken machen, wie gut verteilt die Aktien im Depot sind (Kontinente/Länder, Sektoren/Branchen, Währungen, etc.).
        Man kann Strategien entwickeln 50% ETFs und 50% Aktien. Das ist jeden selbst überlassen. Es gibt hunderte von Ansätzen. Hauptsache er hat es irgendwann niedergeschrieben, um seine Strategie auch zu überdenken.
        Es gibt also übergeordnete Strukturen und Feinstruktur.

        Ich muss auch sagen, dass ich kein Fan von „strengen“ Grenzen bin. Wenn der ETF-Anteil plötzlich 60% hat, muss man eben schauen: Warum ist das so? Würde aber niemals eine Verkaufslawine auslösen, nur weil die 51% Schwelle überschritten ist.

        Aus meiner Sicht ist ein „Check“ immer das Hinterfragen und Beantworten, ob meine Strategie für mich (!) gut war, muss/soll ich etwas ändern und wenn ja: was soll ich ändern? Das passt auch zu Deinem „zu den eigenen Vorstellungen passen“.
        Der eine wird eben unsicher bei BlackRock in der Schwächephase, der andere sagt: ist mir egal, ich will nur die Dividenden. Das darf aber jeder mit sich selbst ausmachen. Dass allerdings eine Gewinnmitnahme automatisch dem B+H+C Ansatz widerspricht, da würde ich Veto einlegen.

        Für manche wären mein Durchschnitt der Haltedauer (über 1900 Tage) eben „Traden“, andere würden sagen, dass ich „hold“ realisiere.
        Ein Ruhmesblatt ist die Zahl nicht, es gab aber auch unruhigere Zeiten bei mir. ;)
        Kostolany wäre stolz auf mich mit der Haltedauer… ^^

        Manchmal erscheint mir das B+H+C wie eine Religion. Das sollte es aber nicht sein. Für mich ist es: bewusst Kaufen, bewusst den Check durchführen.

  6. Avatar von Andreas P.
    Andreas P.

    Für überzeugte Buy and Hold Anleger sollte es meiner Ansicht nach grundsätzlich nur drei Handlungsdevisen geben:
    1. Gewinne laufen lassen.
    2. Verluste aussitzen.
    3. Niemals Nr. 1 und 2 vergessen.

    Ausnahmen hiervon können lediglich begründet sein in
    1. Es gibt, nach den individuellen Maßstäben des Anlegers, eine „bessere“ Anlagealternative (z.B. mehr Sicherheit, höhere Rendite).
    2. Man benötigt das Geld dringend für etwas anderes (z.B. Haus, Auto, Weltreise).
    3. Das Geschäftsmodell des Unternehmens befindet sich in ernsthafter Gefahr (z.B. Disruption, Konkurs).

    That‘s it.

    Jetzt muss man als Selbstentscheider nur noch seine verdammte Psyche, vor allem in stark volatilen Märkten, im Griff haben. Es wird ja nicht umsonst als Alternative empfohlen, stur und stetig in ETF-Sparpläne zu investieren. Anlegen sozusagen im Programm „Autopilot“

    Viele Grüße

    Andreas P.

  7. Avatar von Tobs
    Tobs

    @Andreas:
    Ich kann Deinem Approach sehr viel abgewinnen. :-) Und ich selbst bin daran teilweise schon gescheitert und ärgere mich sehr darüber. Umso wichtiger, dass man an seinen Skills lebenslang arbeitet. Gute Investoren haben das ihr ganzes Leben lang getan.

    Und ist aber natürlich auch ok, wenn man ein Check einbauen will.

    Ich bin kein Dogmatiker…

    …nur mein Punkt ist dann @Börsenhai: Die Konsistenz in der Anwendung ist eine Herausforderung. Dafür ist es eigentlich gleichgültig, welche Kriterien man individuell im Check einbaut und für sich dokumentiert. Die Grenze zwischen methodisch sauberer Regel und doch zu starkem (psychologisch getriebenem) Aktionismus gehen schnell in einander über.

    Beispiel Blackrock von Ben, in dessen Kopf ich nicht reinschauen kann und auch nicht will, wir könnten ihn durch jeden anderen Anleger von uns ersetzen: Besteht beim Teilverkauf wirklich die Sorge, dass sich das Geschäftsmodell nachhaltig verschlechtert? Oder ist es subtiler eine Sorge gewesen, der Kurs könnte runterkommen? Investiert man denn als B+H Anleger kursprognostisch, oder eher bezogen auf das Geschäftsmodell und hält den Kurs für etwas, dass eher willkürlich ist und irgendwie schon der Geschäftsentwicklung nachfolgen wird? Will sagen, hat mich beim Check echt eine sauber fundierte Analyse oder eher ein Sentiment getrieben? Sind sehr unterschiedliche Dinge, und man kann sie selbst mangels kritischer Distanz zu sich selbst nicht wirklich gut begreifen.

    Sollte aber auch nur ein Denkanstoß sein…Damit höre ich aber jetzt auch auf und gebe hier Ruhe… :-)

    1. Avatar von Andreas P.
      Andreas P.

      Auch von mir noch eine letzte Bemerkung dazu:

      Der größte Feind des Aktieninvestors ist
      – er selbst.

      Es sind nicht schlechte Unternehmensmeldungen, hohe Inflation, steigende Zinsen, überraschende Gewinneinbrüche, pessimistische Konjunkturprognosen, Rückgänge des BIP und internationale Konflikte. Nicht einmal der Börsencrash ist ein Feind des Anlegers.

      Es lohnt sich, einmal in einer stillen Stunde darüber nachzudenken. Es könnte daraus vielleicht ein interessantes Stück Selbsterkenntnis erwachsen.

      Viele Grüße

      Andreas P.

      1. Avatar von Claudio
        Claudio

        Hallo Andreas
        Das kann ich voll und ganz unterschreiben, ich war in meiner langen Zeit als Investor auch davon betroffen. Was man noch ergänzend hinzufügen kann, dass der große Fehler ist, viel zu viel nach den täglichen Kursen zu schauen!
        Hat man sich nach gründlicher Recherche für eine Aktie entschieden sollte man ihr einfach die Chance geben sich zu entwickeln und zu reifen ( wie ein Apfelbaum) und nicht täglich nach dem Kurs zu sehen, oder ich kenne sogar Leute die schauen mehrmals am Tag nach den Kursen ihrer Aktien, und werden dann oft unsicher und nervös.
        Wer hat nochmals gesagt: Auf dem Hosenboden wird das meiste Geld verdient?

        Schöne Woche allerseits

  8. Avatar von Hansi
    Hansi

    Es ist für viele auch einfach nur kleines Hobby. Die Marktpsyche kann dein bester Freund sein, die eigene Psyche der größte Stolperschein. Buy , Hold, Sell! Kann richtig, kann falsch sein! Je nach persönlichen Szenario können sich unterschiedliche Ergebnisse ergeben. Jede Handlung wird fehlerhaft sein, weil keiner den optimalsten Zeitpunkt beim Kauf oder Verkauf treffen wird. Darum geht es auch gar nicht! Man sucht doch nur Cash-Flow-Quellen, die langfristige Anleihen schlagen. Wenn diese Voraussetzung vorliegt, schlägt die Beteiligung Anleihen dank der Inflation immer. Berichte können wir uns bei der Masse unserer Aktie gar nicht mehr alle ansehen, dann würde es ein Fulltime-Job werden. Wenn man sich wie ETF-Halter verhält und einmal getätigte Käufe gar nicht mehr überwacht, dann schützt man sich vermutlich am wirkungsvollsten vor der eigenen Psyche.

    1. Avatar von Franky
      Franky

      Sehr wichtige Diskussion ! Was ist der Anlass für einen B-H-C? Für mich jedenfalls niemals der gerade aktuelle Kurs. Und damit ist die Frage aufgeworfen, welche Bedeutung – im Sinne eines zweifelsfreien Indikators zum Handeln – der Kurs im Rahmen meiner Anlagestrategie überhaupt hat und haben darf: für mich eher weniger bedeutend.
      Danke an alle Diskutanten, die hier sehr wichtige Aspekte eingebracht haben. Da jeder anders aufgestellt ist und verschiedene Strategien verfolgt, gibt es hier sicher kein schwarz und kein weiß. Aber Denkanstöße allemal !

  9. Avatar von UrsprungsFrank
    UrsprungsFrank

    Da heute Kaffeekränzchen bei Ben ist, lege ich verspätet noch die Petit Fours auf den Tisch.

    Mal eine Frage: Was macht man denn eigentlich mit all den Buy and Hold-Werten, wenn man irgendwo in den höheren 6stellgen schwebt? Oder wünscht man sich weit hoch 7stellig zu werden, um dann, ja was? Ich höre schon: Alterssicherung und noch einmal Alterssicherung. Meine Erfahrung mit älteren Herren mit dicken Taschen (Frauen sind mir über die Jahrzehnte nur mit Seide ausgeschlagene Handtäschchen begegnet) ist allerdings der, dass sie die Vermögenszahl weiter nach oben schrauben wollen. Entsparen, von Dividenden leben etc., tut ja gerade denen weh, die sich eben wie die meisten von uns mühsam ein prächtiges Depot über Jahrzehnte aufgebaut haben. Ich liege da im übrigen auf der gleichen Linie wie Thomas und BörsenHai, die ihr Vermögen an die eigenen Kinder weitergeben wollen. Die Sorge, dass der eigene Nachwuchs es einmal schlechter haben wird als man selbst, ist gleichermaßen aber auch die wunderbare mentale Sperre sich über die Verwendung weiter keine Gedanken zu machen. Was waren das noch für wunderbare Zeiten als man auf dem Wiener Zentralfriedhof oder in Stahnsdorf hier bei Berlin sein Geld für Sinnvolles besparen konnte …

    Blackrock – ebenfalls 2,5% im Depot. Die Kinder wird’s eines Tages freuen. Säulchen und Granit werden die für ihren Vater nicht spendieren.

    Noch etwas: Im Oktober schon mal langsam darüber nachdenken, Verlusttöpfe, so Vermögen bei mehreren Banken, vielleicht glatt zu stellen.

    Gruß Frank

    1. Avatar von BörsenHai
      BörsenHai

      UrsprungsFrank,

      ich weiß nicht was andere machen.
      Ich wollte neben der Rente einen Geldfluss, wenn möglich ohne Realisieren/also Verkauf.
      Mit 1 Mio. in Aktien kann man monatliche 2000 Netto erhalten. Hängt halt vom Portfolio ab. Das macht entspannter. Aber dieses Ziel zu verfolgen und dann überall knapsen, halte ich zumindest für ziemlich bescheuert. Vorsorge ja aber nicht um jeden Preis.

      Ich kenne Personen, die immer mehr und mehr wollen. Die letzte Tasche ist leer; das kapieren die wahrscheinlich nicht. Oder sie haben Profilneurose. :)
      Mit 30 Jahren waren wir doch froh, wenn die Eltern zu der Immobilie etwas beisteuerten. Also was solls. Ist doch gut den Nachwuchs zu unterstützen, wenn sie es brauchen und es nicht weh tut. Mit 50 brauchen Sie das Geld hoffentlich nicht mehr. Und Enkel kosten ja auch einiges.
      Mal abgesehen von der Erbschaftssteuer. Hat der Staat das verdient? ;)

      Wer hat eigentlich dein Petit Four geklaut? Ich habe keines abgekriegt.

  10. Avatar von Thomas
    Thomas

    @Ursprungsfrank,
    wie sehe ich das?
    Ich sehe ,das die Inflation mir steigende Kosten verursacht. Ich möchte den Spieß umkehren und die Rendite oberhalb der Inflation halten. Wenn man das Prinzip erkannt hat, kann man es sich zunutze machen. Ich möchte entspannt sein, das ich mir das leisten kann, was ich will und brauche. nicht mehr. nicht weniger. Dafür habe ich lange gearbeitet. 44 Jahre ununterbrochen zur Zeit und bin weiter beschäftigt.
    Investieren nicht mit einem speziellen Ziel, sondern eher als eine Art Gegenwehr zum System. Genau so abgedroschen der Spruch auch ist : Investieren ist wie Rudern gegen den Strom. Hört man auf damit, fällt man zurück. Genauso wahr ist er auch.
    Was wissen wir denn, wie hoch in zehn Jahren die Stromrechnung, die Arztrechnung, oder die Installateurrechnung ist? In meiner Familie geht die Erzählung rum, das in den 1920- er Jahren ein Haus verkauft worden ist (das heute noch steht), für den Erlös konnte man sich ein halbes Jahr oder ein Jahr später nur noch ein Brot dafür kaufen.
    Das habe ich mir gemerkt. Investieren ist einfach eine feste Routine geworden, die beibehalten wird, um nicht arm zu werden. Gehört zum Programm dazu.
    Ist unveränderlich im Navigationssystem eingetragen. Werde ich wohl auch noch mit 80 machen, so ich das erleben sollte. Die Kinder wirds freuen, wer Enkel hat, die einem unberechnete Liebe entgegenbringen, wirds ´verstehen.

    Frugalismus hatte ich auch für völlig falsch.

    Ich will einfach so frei wie möglich in meinen Entscheidungen sein und das geht nur mit einem gewissen Polster, frei von Schulden/Krediten. Thats all.

    btw ich hab auch kein Petit Four gesehen…)))

  11. Avatar von Andreas P.
    Andreas P.

    Hallo UrsprungsFrank,

    Deine Kritik an Personen, die immer mehr und mehr wollen und eine Profilneurose haben, kann ich gut nachvollziehen.

    Ich möchte allerdings zu bedenken geben, dass wir alle nicht wissen, wie alt wir werden und wie das „Ende“ dann aussieht. Kurz und schmerzlos oder lange unter widrigen Umständen.

    Ich möchte hier kein Unheil an die Wand malen. Aber es gibt da auf unserer Welt ein paar sehr unangenehme Krankheiten, die noch dazu relativ selten sind. Für die Arzneimittelindustrie gibt es in diesen Fällen keinen echten finanziellen Anreiz, in die Forschung für entsprechende Medikamente zu investieren. So die ernüchternde Aussage eines behandelnden Arztes vor Jahren mir gegenüber. Bestenfalls könne man auf Wunsch des Patienten Medikamente einsetzen, die sich noch in der klinischen Testphase befinden, nicht zugelassen sind und noch dazu schweineteuer sind. Ein Erstattungsantrag bei der Krankenkasse wäre zwecklos. Ein sechsstelliges Depot würde in Nullkommanix, wie die Eiskugel in der Sommersonne, dahin schmelzen.

    Sorry, bitte nicht falsch verstehen, aber ich werde jedenfalls mein Depot – auch ohne Profilneurose – so lange es geht als Vorsorge für die Eventualitäten des Lebens laufen lassen. Mich beruhigt das ungemein. Wie heißt es: Am Ende wird abgerechnet.

    Viele Grüße

    Andreas P.

Kommentar verfassen


Neueste Kommentare auf Divantis: