Was Dich hier erwartet:
Vor einem guten Jahr habe ich eine der teuersten Aktien der Welt nachgekauft. Und das – wie ich jetzt weiß – leider zu teuer. Denn heute ist die Aktie rund 1.000 € billiger. Wohlgemerkt: 1 Aktie!
Dafür kann das Unternehmen selbst ja nichts, aber klar ist nun, dass die Börse einfach eine viel zu hohe Bewertung angesetzt hatte. Und ich irrigerweise davon ausging, dass sich diese hohe Bewertung halten würde.
Denn von der Prognose her sollte die starke Inflation keine größeren Auswirkungen auf die Geschäfte haben. Diese Annahme ist zwar auch so eingetreten. Und trotzdem hat sich das Umfeld massiv verändert.
Wie ich heute zu dem Investment stehe und wie hoch die letzte Dividendenzahlung ausgefallen ist, erfährst Du in diesem Beitrag.
Die Aktie, um die es heute geht, hat – selbst nach dem deutlichen Kursrückgang – den höchsten absoluten Kurswert in meinem Dividendendepot: Givaudan. Der Schweizer Duftstoffhersteller ist ursprünglich ein Spin-Off von Roche gewesen, aber seit mehr als 20 Jahren eigenständig börsennotiert. Und hat sich in dieser Zeit bis zum Weltmarktführer entwickelt. Das Unternehmen habe ich hier ausführlich vorgestellt.
Im 10-Jahres-Chart siehst Du meine Kaufzeitpunkte – ich habe jeweils 1 Aktie gekauft. Immerhin waren die ersten beiden Käufe vergleichsweise günstig, nur im letzten Jahr lag ich ziemlich daneben:

Dividendenzahlung
Givaudan hat seine Jahresdividende von 2016 bis 2022 jedes Jahr um 2 CHF erhöht. In diesem Jahr gibt es allerdings nur 1 CHF mehr. Die Dividende steigt damit auf 67 CHF. Das entspricht einer Erhöhung von 1,5%. Für die erstmals 3 dividendenberechtigten Aktien in meinem Depot ergibt das eine Brutto-Dividende von 201 CHF. Sie wurde von der ING zum Kurs von 0,997488 und von maxblue zum Kurs von 1,002 in Euro umgerechnet. Nach Abzug der Steuern verbleibt eine Netto-Dividende von 109,57 €. Sie wurde von der ING rückwirkend mit Wertstellung 29.03.2023 überwiesen. Bei maxblue wurde mit Wertstellung 31.03.2023 überwiesen.



Wie ich mir die Quellensteuer zurückhole, habe ich hier berichtet. Mit diesem kleinen Zusatzaufwand sind die Steuerabzüge dann auch nicht höher als bei einer deutschen Aktie.
Aktienverkauf
Direkt nach Erhalt der Dividende entschied ich mich, die im letzten Jahr so teuer nachgekaufte Aktie wieder zu verkaufen. Für die Entscheidung kamen mehrere Faktoren zusammen:
- Ich war über die halbierte Dividendenerhöhung enttäuscht.
- Ich halte die Bewertung immer noch für ziemlich ambitioniert.
- Durch die unterschiedlichen Depots konnte ich exakt die zuletzt gekaufte Aktie wieder verkaufen und so einen steuerlichen Verlust generieren. Meine „alten“ beiden Aktien stehen weiterhin mit niedrigen Anschaffungskosten in der Statistik.
- Wie in meinem letzten Monatsbericht geschrieben, habe ich den Verkaufserlös direkt am gleichen Tag vollständig in Aktien von Kabel Deutschland investiert und diese meinem Zitronen-Depot zugeordnet. Ich brauchte also den Verkaufserlös und wollte nicht mehr länger warten.
So verkaufte ich am 30.03.2023 1 Aktie von Givaudan zum Kurs von 2.946 €. Abzüglich Provision erhielt ich eine Gutschrift von 2.937,10 €. Der steuerliche Veräußerungsverlust lag bei 899,90 €. Aber das ist für mich nur eine statistische Größe. Ich hätte auch 1 Aktie aus dem ING-Depot verkaufen können und dann einen steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn von 1.233,51 € generieren können. So ist es mir aber lieber!

Perspektiven
Bisher war Givaudan der Marktführer unter den Duftstoffherstellern. Ein wichtiger Wettbewerber ist die deutsche Symrise, die als Alternative für kleinere Käufe einen Blick wert ist.
Die Marktverhältnisse verschieben sich allerdings gerade. Denn durch die Fusion des Schweizer Unternehmens Firmenich mit dem niederländischen Konzern DSM entsteht eine neue Nr. 1.
Der Duftstoffmarkt ist hochattraktiv. Denn nur wenige große Unternehmen (neben den genannten noch die US-Amerikanische IFF) teilen den Markt unter sich auf und kaufen kleinere Unternehmen regelmäßig auf. Die Margen sind hoch und das wird von der Börse mit insgesamt hohen Bewertungen für alle in dem Markt aktiven Unternehmen honoriert.
Givaudan hat im abgelaufenen Geschäftsjahr den Umsatz um 6,5% auf 7,1 Mrd. CHF gesteigert. Das EBITDA blieb dabei allerdings konstant bei 1,48 Mrd. CHF. Denn die EBITDA-Marge sank von 22,5% auf 20,9%. Es waren vor allem höhere Produktionskosten, die Givaudan insofern belasteten.
Der freie Cashflow (Cashflow aus operativer Tätigkeit nach Investitionen und Zinszahlungen) ging deutlich auf 479 Mio. CHF zurück (Vorjahr: 843 Mio. CHF). Immerhin stieg der Nettogewinn noch um 4,2% auf 856 Mio. CHF.
Auf Sicht des vergangenen Jahres war es leider ein leeres Versprechen, dass Givaudan die höheren Produktionskosten vollständig durch Preiserhöhungen kompensieren kann. Trotzdem hat das Management diese Aussage erneuert und geht offenbar davon aus, dass es die Preiserhöhungen nun mit einem zeitlichen Versatz vornehmen kann.
Für mich ist unklar, wie die Lieferverträge im B2B-Bereich ausgestaltet sind und welche Preisanpassungen Givaudan tatsächlich vornehmen kann. Womöglich ist das erst bei Neuabschlüssen oder Vertragsverlängerungen möglich. Deshalb bleibt es abzuwarten, ob und wann die EBITDA-Marge wieder steigen wird.
Insgesamt notiert die Givaudan-Aktie immer noch auf einem erstaunlich hohen Niveau. Der Gewinn pro Aktie lag 2022 bei 92,83 CHF (2021: 89,03 CHF). Bei einem Aktienkurs von zuletzt 3.087 CHF entspricht das einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 33.
Und das bei einem nur noch schwach ausgeprägten Gewinnwachstum!
Für mich ist Givaudan damit nun nur noch eine Halteposition. Die Reduzierung meines Bestandes um ein Drittel war aus den genannten Gründen für mich sinnvoll. Trotzdem bin ich weiterhin von der Attraktivität der Branche überzeugt.
Givaudan hat eine herausragende Marktstellung in einem nachhaltig wachsenden Markt. Ich habe zudem die Hoffnung, dass die Preiserhöhungen tatsächlich umgesetzt werden können und freier Cash-Flow, Gewinn und damit auch die Dividende wieder deutlicher steigen.
Sollte die Dividendenerhöhung von nur 1,5% allerdings zum neuen Standard werden, dann werde ich mein Engagement in 2024 erneut hinterfragen und womöglich in andere Titel umschichten. Denn auf Dauer ist mir das zu wenig Wachstum, vor allem da die Dividendenrendite ja auch nur bei 2,2% liegt.
Ich suche bei meinen Aktienengagements hinsichtlich der Dividende bekanntlich entweder eine hohe Steigerung bei niedriger Dividendenrendite oder aber eine hohe Dividendenrendite mit kleinerer Steigerung. Bei Givaudan ist aktuell keiner dieser Faktoren erfüllt.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Givaudan |
| ISIN: | CH0010645932 |
| Im Divantis-Depot seit: | 18.01.2017 |
| Letzter Nachkauf am: | — |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 1 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 1.703,59 € |
| Gesamtkaufpreis: | 1.703,59 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 289,18 € |
| Realisierter Gewinn aus Teilverkauf am 30.03.2023 und am 04.04.2025: | 1.302,20 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |

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