Was Dich hier erwartet:
Ich investiere in Unternehmen mit überzeugender Dividendenhistorie. Im besten Fall erhöhen sie jährlich ihre Dividende. Oder zahlen wenigstens in unveränderter Höhe aus.
Bei Dividendenkürzungen gehen bei mir die Alarmglocken an und es braucht schon sehr gute Gründe, damit ich die Aktie nicht verkaufe. Neu kaufe ich sie bestimmt nicht.
Wie einige Aktien in meinem Depot hat nun auch einer der großen Titel seine Dividende gekürzt. Trotzdem – und das erstaunt mich – hat sich der Aktienkurs vom Corona-Crash einigermaßen erholt.
Wie die Dividende ausfiel und ob die Kurserholung gerechtfertigt ist, beschreibe ich in diesem Beitrag. Außerdem ein Ausblick auf die Zukunft der Dividende.
Als letztes französisches Unternehmen in meinem Depot zahlt nun auch VINCI seine Dividende. Die Aktie habe ich hier ausführlich vorgestellt.
Dividende
VINCI zahlt eine Dividende von 1,25 € je Aktie. Im Vorjahr wurden noch 1,92 € gezahlt und ursprünglich war eine Erhöhung auf 2,26 € angekündigt. So wurde es eine Kürzung um 34,9%. Für die 130 Aktien in meinem Depot bedeutet das eine Brutto-Dividende von 162,50 €. Wie üblich zieht der DKB-Broker (anders als die anderen Banken!) nur 12,8% Quellensteuer ab und rechnet sie voll auf die deutsche Kapitalertragsteuer an. So erhalte ich eine Netto-Dividende von 120,78 €. Sie wurde mit Wertstellung 16.07.2020 überwiesen.

Französische Aktien im Dividendenvergleich
Hinsichtlich der Dividendenkontinuität gibt es mit Danone einen klaren Sieger unter meinen französischen Aktien:
Danone: Die angekündigte Dividendenerhöhung um 8,2% wurde aufrecht erhalten!
L’Oréal: Statt der angekündigten Dividendenerhöhung wurde die Dividende konstant gehalten.
Veolia: Statt der angekündigten Dividendenerhöhung wurde die Dividende um 45,7% gekürzt.
VINCI: Statt der angekündigten Dividendenerhöhung wurde die Dividende um 34,9% gekürzt.
Französische Aktien im Kursvergleich
Welchen Einfluss hat die Dividendenpolitik auf den Aktienkurs im Jahr 2020 bisher gehabt? Auf einmal sieht der Sieger unter den vier Aktien anders aus. Es ist L’Oréal:
Danone: Aktienkurs von 73,90 € auf 60,40 € (-18,3%)
L’Oréal: Aktienkurs von 265,50 € auf 290,10 € (+9,3%)
Veolia: Aktienkurs von 23,71 € auf 19,50 € (-17,8%)
VINCI: Aktienkurs von 99,00 € auf 82,40 € (-16,8%)
Perspektiven
In dem Vergleich der Dividenden und der Aktienkurse wird deutlich, dass es – zumindest kurzfristig – fast egal ist, wie das Unternehmen mit der Dividende umgeht. Die Dividendenerhöhung von Danone hat auf den Aktienkurs jedenfalls keinen sichtbaren Effekt. Die Aktie hat YTD den höchsten Kursverlust.
Und bei VINCI bin ich überrascht, wie gut sich der Aktienkurs wieder erholt hat. Das Jahrestief lag im Corona-Crash am 18.03.2020 bei 57,00 €. Und da VINCI seine Erträge vor allem aus dem Konzessionsgeschäft mit Flughäfen und Mautstraßen zieht, war der Kursrückgang auch nachvollziehbar.
Die Erholung sehe ich jedenfalls nach wie vor skeptisch. Der Flugverkehr wird – wenn überhaupt – noch Jahre brauchen, um in die früheren Zahlen zurückzukehren. Und der konjunkturelle Abschwung hat auch einen negativen Einfluss auf die Verkehrsdichte und die damit verbundenen Mauteinnahmen.
Folgerichtig steht die Dividendenzahlung für 2020 bei VINCI in den Sternen. Üblicherweise erfolgt im November eine Zwischendividende. Im veröffentlichten Finanzkalender fehlt sie aber. Und für die Schlussdividende im nächsten Mai gibt es zwar einen Eintrag, der ist aber ausdrücklich mit „voraussichtlich“ gekennzeichnet.
Nachdem VINCI seine makellose Dividendenhistorie – keine Kürzung seit 2007 – verloren hat, kann es für Aktionäre nächstes Jahr noch schlimmer kommen.
Auf der Hauptversammlung im Juni hat VINCI ein Update zur Entwicklung des Geschäfts gegeben, aus dem sich die Dramatik der Situation zeigt:
Der Verkehr ging im April um 80% zurück, im Mai um 56% und selbst nach Ende des Lockdowns in Frankreich lag er im Jun noch 25% unter Vorjahr.
Im Flughafenbereich gingen die Passagierzahlen im April und Mai um 98% zurück. Im Juni starteten zumindest wieder einige Inlandsflüge in Frankreich, Japan und den USA.
Immerhin ist das Orderbuch im Baubereich auf einem Rekordstand und VINCI konnte auch in den letzten Monaten einige Ausschreibungen gewinnen.
Konkrete Geschäftsergebnisse nennt VINCI noch nicht. Die Halbjahresergebnisse werden am 31.07.2020 publiziert und mit großer Spannung erwartet.
VINCI ist für mich aktuell nicht mehr als eine Halteposition. Immerhin ist die Substanz so groß, dass ich mir um das Fortbestehen des Unternehmens keinerlei Sorgen mache. Ich beobachte die Entwicklung aber sehr genau und kann nicht ausschließen, dass ich eine weitere Kurserholung sogar zu einem Teilverkauf nutze. Aber erst mal gebe ich dem Unternehmen noch etwas Zeit und bin gespannt auf die Halbjahreszahlen.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | VINCI |
| ISIN: | FR0000125486 |
| Im Divantis-Depot seit: | 25.08.2016 |
| Letzter Nachkauf am: | 11.06.2024 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 150 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 81,79 € |
| Gesamtkaufpreis: | 12.268,60 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 2.469,75 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |

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