Als regelmäßiger Leser des Divantis-Blogs kennst Du sicher mein Faible für Infrastrukturaktien. Ich liebe es einfach, wenn Unternehmen eine Alleinstellung besitzen und aus den Erlösen ihre Aktionäre mit Dividenden beglücken.
Mautstraßen gehören genauso wie Flughäfen in diese Kategorie. Natürlich kann man auch mit dem Zug fahren und hat damit eine Alternative. Will man aber fliegen, dann gibt es meist nur einen erreichbaren Flughafen in der Nähe. Und bei den Straßen ist es genauso: Mautstraßen lassen sich meist umfahren – aber nur zum Preis höherer Benzinkosten und vor allem längerer Fahrtdauer.
Auf der Suche nach solchen Infrastrukturperlen bin ich weltweit unterwegs und u.a. in Australien fündig geworden. Seit 2016 gehört eine solche Aktie zu meinem Portfolio und bereitet mir – im Durchschnitt – viel Freude.
Vor allem jetzt – bei hoher Inflation – zeigt sich die Vorteilhaftigkeit des Geschäftsmodells.
Wie sich das auf die Erträge auswirkt und wie stark die Aktionäre am neuen Erfolg beteiligt werden, erfährst Du in diesem Beitrag.
Die Transurban Group betreibt Mautstraßen in Australien und den USA. Vorgestellt habe ich die Aktie hier.
Wie Du im Chart siehst, hat Corona die Aktie stark getroffen, nach der folgenden Erholung hat sie sich im Mittel bei 9 €, dem aktuellen Kursniveau, eingependelt:

Dividende
Die Transurban Group zahlt eine Zwischendividende von 0,265 AUD je Wertpapier. Gegenüber dem Vorjahr ist das eine Erhöhung um 76,6% (zuvor: 0,15 AUD). Für die 666 Stück in meinem Dividendendepot ergibt das eine Brutto-Dividende von 176,49 AUD. Die Consorsbank rechnete die Dividende zum Kurs von 1,569 in Euro um. Wie bei jeder Dividendenzahlung der Transurban Group gab es verschiedene Abrechnungen mit unterschiedlichen Quellensteuersätzen. Das liegt daran, dass es sich um ein gestapeltes Wertpapier aus Aktien und Schuldverschreibungen handelt. Diese Mal erhielt ich wieder 4 Abrechnungen, mit Quellensteuersätzen von 0 bis 30%. Bis auf die 30%-Abrechnung wurde aber alles komplett auf die deutsche Kapitalertragsteuer angerechnet. Und der 30%-Quellensteuersatz fiel nur auf einen Mini-Teil an, so dass mich die dortige Nichtanrechnung von 15% lediglich 0,19 € kostete. Insgesamt hatte ich sogar eine um 0,2% leicht bessere Nachsteuerrendite als bei deutschen Dividenden (bedingt durch den niedrigeren Solidaritätszuschlag). Nach Abzug aller Steuern verbleibt addiert eine Netto-Dividende von 83,03 €. Sie wurde rückwirkend mit Wertstellung 13.02.2023 überwiesen.




Perspektiven
Im August gab es schon eine Dividendenerhöhung von 21%, jetzt sind es 76,6%. Damit nimmt die Transurban Group Kurs auf die früheren Dividenden und stellt ihre Ausschüttungen auf die Nach-Pandemie-Zeit ein.
Der Aktienkurs kratzte im letzten Jahr mehrfach am Allzeithoch vor dem Corona-Crash. Das Niveau war aber nicht zu halten und so endete das Jahr 2022 unterm Strich enttäuschend mit einem Total Return von -2,3%. Das war dann aber auch durch einen schwächeren australischen Dollar mitverursacht.
Der Start in 2023 war jedoch – wie aber auch bei vielen anderen Aktien – positiv und bisher steht da ein Plus von 11%.
Ich selbst habe meine Käufe glücklicherweise fast komplett unter dem aktuellen Kursniveau getätigt und liege – auch durch die stetigen Dividendenzahlungen – rund 25% im grünen Bereich.
Vor wenigen Tagen berichtete Transurban seine Zahlen zum „1. Halbjahr 2023“. Gemeint ist damit allerdings aufgrund des abweichenden Geschäftsjahres das 2. Halbjahr 2022. In diesen 6 Monaten verzeichnete Transurban einen Rekordverkehr und erzielte das bisher höchste EBITDA-Halbjahresergebnis seiner Unternehmensgeschichte. Angetrieben wurde die Entwicklung durch die Inflation, die nahezu vollständig auf die Preise aufgeschlagen werden konnte.
Die Zunahme im Verkehr zeigte sich besonders deutlich bei den Zunahmen der Flughafenzubringer. In Sydney waren das 9%, in Melbourne 5%. Damit profitiert Transurban weiter von der Covid-Erholung und einer Rückkehr zu alten Reisegewohnheiten.
Der Free Cash Flow erreichte 0,275 AUD je Wertpapier, die Dividendenzahlung ist damit zu 104% gedeckt. Die Schlussdividende (wird im August gezahlt) wird nun mit 0,305 AUD prognostiziert.
Damit kommt Transurban jetzt wieder auf eine Dividendenrendite von 4,0%. Das ist erfreulich!
Negativ ist aus meiner Sicht allerdings zu sehen, dass der aktuelle CEO der Transurban Group Scott Charlton zur Jahresmitte aufhören wird. Er hat das Unternehmen 11 Jahre geleitet und steht für ein kontinuierliches Wachstum. Natürlich sind mit einem Chefwechsel immer auch Chancen verbunden. Aber die Nachfolge ist bisher nicht geregelt und bringt deshalb Unsicherheit über die zukünftige Ausrichtung mit sich.
Insgesamt gehört Transurban zu den Gewinnern des aktuellen Umfelds: der Verkehr erholt sich nach der Pandemie und die Inflation lässt die Erlöse steigen. Dabei ist mit einem gewissen Zeitversatz zu rechnen. Die Konzessionsverträge sehen einen Zeitraum von etwa 18 Monaten vor, bis die neuen Preise wirksam werden. Denn zuerst muss die Inflationsrate entsprechend steigen, dann werden die neuen Preise kalkuliert und treten danach in Kraft. 68% des Umsatzes sind vollständig inflationsindexiert. 27% haben einen Cap bei 4,25% pro Jahr.
Auf der Gegenseite stehen natürlich steigende Kosten und Zinsen. Zumindest das letzte Thema scheint Transurban ganz gut im Griff zu haben. Gegen steigende Zinsen ist das Unternehmen gehedged, die durchschnittliche Zinsrate ist bei 4,6% konstant geblieben. Die Kosten sind jedoch im letzten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 16,8% gestiegen.
Für mich hat die Transurban Group weiterhin ihren festen Platz in meinem Dividendendepot. Ich schätze die Diversifikation nach Australien, sowohl von der Wirtschaftskonjunktur als auch von der Währung her. Ausbauen möchte ich das Engagement aber nur noch dann, wenn es wieder zu Kapitalerhöhungen kommt. Dann würde ich meine Bezugsrechte ausüben. Ich habe ja bereits zweimal an Kapitalerhöhungen teilgenommen und weiteres Wachstum in Form neuer Konzessionen wird Transurban auch nur darüber finanzieren. Insofern halte ich mein Pulver trocken.
Mein Fokus bei den australischen Aktien liegt stattdessen aktuell auf den beiden neu im letzten Jahr hinzugekommenen Titeln Fortescue Metals Group und GrainCorp. Sie sollen im Ziel ein ähnlich hohes Depotgewicht wie die Transurban Group (derzeit 1,4%) erhalten.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Transurban Group |
| ISIN: | AU000000TCL6 |
| Im Divantis-Depot seit: | 16.08.2016 |
| Letzter Nachkauf am: | 11.10.2021 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 666 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 8,12 € |
| Gesamtkaufpreis: | 5.407,58 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 848,38 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |

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