Es muss schon frustrierend für das Management sein: trotz Konzernumbaus und steigender Gewinne dümpelt der Aktienkurs seit 2 Jahren vor sich hin. Denn über allem ist die weiterhin die Ungewissheit über Schadensersatzklagen in Milliardenhöhe.
Und für Aktionäre ist das auch nicht einfach. Denn woher die Geduld nehmen, wenn in der Zwischenzeit attraktive Unternehmen vorbeiziehen? Da hilft eigentlich nur der Blick auf die Dividende und die Hoffnung auf weitere Erhöhungen.
Nun stehen wir kurz vor der nächsten Erhöhung und es ist Zeit für einen Blick auf die Ertragslage. Was ist möglich und was wiederum realistisch?
Und wie entwickelt sich das Unternehmen operativ? Wie ich die Situation einschätze, erfährst Du in diesem Beitrag.
Das Chartbild des Gesundheitskonzerns Johnson & Johnson (JNJ) zeigt seit 2 Jahren ein Auf und Ab. Anfang 2023 stand die Aktie noch bei 180 US$. Seitdem geht es in Schritten abwärts, gefolgt von einer Erholung. Nur um dann wieder den Rückwärtsgang einzulegen. Aktuell befinden wir uns wieder in einer Erholungsphase, die die Aktie nun auf 165 US$ zurückgeführt hat.
JNJ habe ich hier ausführlich vorgestellt und in der Vorstellung ist noch die Sparte Verbrauchergesundheitsprodukte enthalten. Sie wurde 2023 dann als Kenvue abgespalten. Thematisch ist die Abspaltung mittlerweile komplett vollzogen und JNJ konzentriert sich auf die verbliebenen Sparten „Innovative Medicine“ und „MedTech“.

Meine ersten 25 Aktien von Johnson & Johnson habe ich am 9. August 2012 zum Kurs von 55,20 € gekauft. In US$ lag der Aktienkurs damals bei 67,90, der Wechselkurs zum Euro war für einen Kauf deutlich günstiger als heute: 1,2301.
Dividende
Johnson & Johnson zahlt erneut eine Quartalsdividende von 1,24 US$ je Aktie. Für die 150 Aktien in meinem Dividendendepot ergibt das eine Brutto-Dividende von 186,00 US$. Sie wurde von flatex zum Kurs von 1,0557 in Euro umgerechnet. Das entspricht dem offiziellen Referenzkurs der EZB am Zahltag. Nach Abzug der Steuern verbleibt eine Netto-Dividende von 131,18 €. Sie wurde rückwirkend mit Wertstellung 04.03.2025 überwiesen.

Annualisiere ich die Quartalsdividende, dann zahlt Johnson & Johnson eine Jahresdividende von 4,96 US$. Bei einem Aktienkurs von 165,42 US$ (Schlusskurs Dividendenzahltag) ergibt das eine Dividendenrendite von 3,0%. Bei einem heutigen Kauf der Aktie dürfte die Dividendenrendite allerdings noch etwas höher liegen, da Johnson & Johnson als Dividendenaristokrat traditionell im Juni seine Dividende erhöht. Dafür gibt es aber natürlich keine Garantie, genauso wie für die zukünftigen Quartalsdividenden.
Meine persönliche Dividendenrendite (Yield on Cost) ist spürbar höher, da ich durch die lange Haltedauer einen vergleichsweise niedrigen Einstand habe. Unterstelle ich den identischen Dollarkurs bei vier Quartalsdividenden (was so nicht eintreten wird, sich aber anders nicht hochrechnen lässt), dann liegt meine Jahres-Brutto-Dividende bei 704,75 €. Auf meinen Einstand von 13.619,23 € ergibt das dann ein YoC von 5,2%.
Auf meinen allerersten Kauf (siehe oben) zum Kurs von 67,90 US$ liegt der YoC in der Originalwährung übrigens bei 7,3%.
Perspektive
Seit 2 Jahren das gleiche Bild bei der JNJ-Aktie: Freue ich mich über eine Erholung, geht es im Anschluss wieder nach Unten. Und genau deshalb verspüre ich aktuell auch keine Euphorie. Obwohl natürlich die kurzfristige Sicht für JNJ spricht. Mit einem Total Return seit Jahresbeginn von 11,2% befindet sich die Aktie in der Spitzengruppe meines Depots.
Man könnte natürlich meinen, dass es mit den guten Zahlen für das 4. Quartal 2024 und damit auch das Gesamtjahr 2024 zu tun hat. Aber – wie gesagt – es ist nur eine Erholung und bisher hat sie immer nur zu neuen Rückschlägen geführt. Deshalb bin ich diesmal wirklich vorsichtig.
Denn überzeugt von JNJ bin ich ja schon die ganze Zeit. Ich habe stets die starke Ertragslage herausgestellt und durch die Abspaltung von Kenvue eine neue Dynamik kommen sehen. Inzwischen vermute ich, dass das aber erst dann eintritt, wenn ich nicht mehr damit rechne.
Für das letzte Quartal berichtete JNJ über einen operativen Umsatzanstieg von 6,7% (adjustiert: 5,7%). Für das Gesamtjahr lag der Umsatzzuwachs insgesamt bei 4,3%, operativ sogar bei 5,9% und angepasst operativ bei 5,4%. Und ohne den Covid-19-Impfstoff lag das operative Wachstum bei 7,0%. Egal welche Zahl man nun für die relevanteste hält, es sind alles ordentliche Wachstumsraten für einen solch großen Konzern.
Beim Gewinn je Aktie gibt es hingegen eine starke Spreizung zwischen dem tatsächlichen Ergebnis von 5,79 US$ (+11,3%) und dem adjustierten Ergebnis von 9,98 US$ (+0,6%).
Ein wichtiger Grund für den deutlichen Unterschied zwischen dem wirklichen Gewinn und dem angepassten Ergebnis sind die Kosten für die Übernahme von V-Wave. Diese Kosten wurden in den angepassten Gewinnzahlen nicht vollständig berücksichtigt, da sie als außergewöhnliche Posten behandelt wurden. Von V-Wave (ein minimalinvasives Implantat zur Behandlung von Herzinsuffizienz) verspricht sich das Management eine weiter verbesserte Stellung im Bereich der Herzinsuffizienz. Ebenfalls herausgenommen wurden Abschreibungen auf immaterielle Vermögenswerte aufgrund einer Fokussierung auf erfolgsversprechendere Patente.
Ich bin bekanntlich kein Freund solcher Anpassungen. Vor allem, weil die Größenordnung nun exorbitant ist und schon das zweite Jahr in Folge der tatsächliche Gewinn nur etwa der Hälfte des ausgewiesenen Gewinns entspricht. Ich hoffe sehr, dass sich das nun für 2025 nicht mehr wiederholt.
Die Prognose für das Jahr 2025 sieht ein operatives Umsatzwachstum von 2,5% bis 3,5% und einen angepassten Gewinn je Aktie von 10,75 US$ bis 10,95 US$ vor.
Nimmt man die Prognose ernst und rechnet mit einem Erreichen der Prognosemitte (10,85 US$), dann ist die JNJ-Aktie bei 165 US$ weiterhin nicht hoch bewertet. Denn das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei moderaten 15,2.
Trotzdem ist mit einer höheren Bewertung zunächst kaum zu rechnen, so lang die Rechtsstreitigkeiten um das Babypuder nicht erledigt sind. Im Raum stehen immer noch hohe Schadensersatzforderungen wegen des Vorwurfs, dass das Babypuder des Unternehmens mit Asbest verunreinigt war und dadurch schwere Krebserkrankungen wie Eierstockkrebs und Mesotheliom verursacht wurden.
Dieses Risiko besteht und lässt sich auch nicht wegdiskutieren. Als Aktionär bleibt mir nur, es zu akzeptieren oder die Aktien zu verkaufen. Ich habe mich schon vor längerer Zeit entschieden, voll investiert zu bleiben und mich auf die Geschäftsentwicklung zu konzentrieren. Für die Schadensersatzklagen wird es irgendwann eine Lösung geben und sie wird JNJ eine Stange Geld kosten. Aber andere Beispiele (z.B. bei 3M) zeigen, dass es irgendwann auch Lösungen gibt, die ein Fortbestehen des Konzerns gewährleisten und die Zahlungspflichten über eine Vielzahl von Jahren strecken.
Denn niemand, auch nicht die Kläger, haben ein Interesse daran, dass JNJ die Forderungen nicht bezahlen kann. Also wird es eine Lösung geben, mit der alle Seiten zurecht kommen.
Umso wichtiger ist es, dass JNJ mit seinen Produkten weiter und auch zukünftig gutes Geld verdient. Und da sehe ich durchaus Fortschritte. Zuletzt wurde über bedeutende Fortschritte in der Produktpipeline berichtet. So wurden positive Ergebnisse aus Phase-3-Studien vorgestellt, die zu höheren Überlebensraten bei gewissen Arten von Lungenkrebs führen. Und JNJ hat einen Zulassungsantrag für ein intravesikales Medikamentenabgabesystem zur Behandlung von Blasenkrebs gestellt. Schließlich erhielt JNJ die Genehmigung für klinische Studien an einem robotergestützten chirurgischen System. Sollten sie am Ende zur Marktzulassung führen, könnte das System den Markt für chirurgische Robotik revolutionieren.
Kurzfristig bin ich nun gespannt, welche neue Quartalsdividende JNJ demnächst verkünden wird. Ich rechne fest damit, dass die Erhöhungshistorie von 62 Jahren um ein weiteres Jahr fortgeschrieben wird. Und nachdem es vor einem Jahr einen Aufschlag von 4,2% oder 5 Cent gab, rechne ich in diesem Jahr mit einem ähnlichen Satz.
Aufgrund des nun schwächeren US-Dollar-Kurses dürfte die Erhöhung dann aber leider netto zunächst nicht spürbar sein. Aber während Wechselkurse über Jahre schwanken, ist eine einmal erhöhte Dividende bei einem solchen Dividendenaristokraten wie Johnson & Johnson für die Zukunft eingeloggt.
Und mein Blick geht tatsächlich weiter in die Ferne. Ich bin nun in meinem 13. Jahr als Aktionär von Johnson & Johnson. Und ich habe nicht vor, diese Verbindung jemals zu trennen. Das Unternehmen ist mit seinen steigenden Dividenden ein gern gesehener Teil meines Einkommens. Gleichzeitig würde ein Dividendenausfall aufgrund der Rechtsrisiken mich nicht umwerfen.
Insgesamt ist das eine Konstellation, mit der ich ruhig schlafen kann und der ich nur alle drei Monate zur Dividendenzahlung wirklich Beachtung schenke. Mit 150 Aktien, für die ich inzwischen aufgrund der erhaltenen Nettodividenden weniger als 10.000 € bezahlt habe, fühle ich mich ausreichend investiert. Aufgrund des Anstiegs in diesem Jahr liegt das Depotgewicht jetzt wieder bei 4,3%. Eine – Achtung Wortspiel! – gesunde Größe.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Johnson & Johnson |
| ISIN: | US4781601046 |
| Im Divantis-Depot seit: | 09.08.2012 |
| Letzter Nachkauf am: | 23.01.2018 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 150 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 90,79 € |
| Gesamtkaufpreis: | 13.619,23 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 4.267,18 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |


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