Das ist mal eine Überraschung! Fast 1,5 Mrd. € weniger Nettogewinn als von den Analysten erwartet. Und dafür die Dividende unerwartet um 4% erhöht.
Was mache ich als Langfristinvestor jetzt mit diesen beiden Tatsachen? Freue ich mich über die höhere Ausschüttung oder bin ich wegen des rückläufigen Gewinns betrübt?
So ganz entschieden habe ich mich noch nicht, kann aber sagen, dass ich über die Dividendenerhöhung wirklich erfreut bin. Denn letztes Jahr gab es erstmals keine Erhöhung und das hatte mich enttäuscht.
Wie die Zahlen aber nun zu sehen sind und welche Perspektiven ich der Aktie einräume, erfährst Du in diesem Beitrag.
Unilever hat eine bewegte Zeit in meinem Portfolio hinter sich. Den Konsumgüterkonzern habe ich hier vorgestellt. Ich hatte die Position mal auf 250 Stück ausgebaut, dann panikartig alles verkauft. Und bin dann mit 100 Stück wieder eingestiegen. Und seit Anfang des Jahres befinden sich weitere 100 Stück in meinem neuen Optionsdepot und sollen dort Optionsprämien generieren.
Dividendenzahlung
Unilever zahlt erstmals eine Quartalsdividende von 0,4268 € je Aktie. Das ist eine Erhöhung um 4%! Für die 100 Aktien in meinem Dividendendepot ergibt das eigentlich eine Brutto-Dividende von 42,68 €. Nach dem die Unternehmensstruktur geändert wurde und es jetzt nur noch einen Hauptsitz gibt, kommt die Dividende aber aus Großbritannien und nicht mehr aus den Niederlanden. Damit entfällt zunächst die Quellensteuer. Die comdirect hat aber auch die Dividende in britischen Pfund ausgewiesen und in Euro umgerechnet. So war das eigentlich nicht von Unilever angekündigt… In diesem Fall profitiere ich aber davon und die Brutto-Dividende beträgt 43,83 €. Da ich noch etwas Guthaben im Steuertopf habe, werden mir keine Steuern abgezogen. So ergibt sich eine Netto-Dividende von 43,83 €. Sie wurde mit Wertstellung 19.03.2021 überwiesen.

In meinem Options-Depot halte ich ebenfalls 100 Unilever-Aktien und habe dort tatsächlich exakt die angekündigten 42,68 € Brutto-Dividende erhalten. Die dortige Dividende zähle ich aber nicht zu meinen Dividendeneinkünften, sondern sie gehört gedanklich zu den Optionsprämien und wird von mir gesondert berichtet.
Perspektiven
Beim Lesen von Geschäftszahlen finde ich es immer wieder interessant, wie überraschend schlechte Ergebnis positiv verpackt werden. Oder wie das zumindest versucht wird. Ist Dir das auch schon mal aufgefallen? Wenn ein Geschäftsjahr enttäuschend war, dann beginnen die entsprechenden Meldungen meistens einem positiven Ausblick auf das neue Geschäftsjahr.
So soll der Leser schon mal positiv gestimmt werden und sich über die hervorragenden Perspektiven freuen, bis er dann mit der harten Realität konfrontiert wird. Genauso hat es Unilever mit dem Bericht zu den Zahlen des Jahres 2020 gemacht. Klar, erst gibt eine Tabelle mit den Highlights. Aber dann der Ausblick und erst danach auf vielen Seiten die Details zum abgelaufenen Geschäftsjahr.
Und der Ausblick liest sich tatsächlich gut: 35% des Umsatzes kommen aus den USA, Indien und China. Und er soll in diesen Ländern weiter ausgebaut werden. Die wachstumsstärksten Marken sind in den USA Knorr, Hellmann’s, Ben & Jerry’s und Rexona. Und insgesamt soll der Fokus ganz klar auf Wachstum gelegt werden. So sollen Marken, die nicht zum Wachstum beitragen, verkauft werden. Im Mehrjahreshorizont soll so der Umsatz um 3-5% p.a. wachsen. Vorrang hat jedoch das Gewinnwachstum, das diesen Wert übertreffen soll. Und die Dividende soll weiterhin steigen.
Im letzten Jahr war bei Unilever kein Wachstum zu verzeichnen. Der Umsatz ging um 2,4% zurück. Davon sind 5,4% jedoch auf Währungsverluste zurückzuführen. In lokalen Währungen hat Unilever also ein Wachstum von 3% erreicht, was aber bei der Bilanzierung in Euro nicht ausreicht.
Der operative Gewinn sank im Jahr 2020 um 5,8%, 6,5% sind durch die Wechselkurse bedingt.
Ich bin kein Freund davon, die Geschäftszahlen um Währungsverluste zu bereinigen. Denn wer weltweit tätig ist, der hat nun einmal ein Wechselkursrisiko. Und in Jahren, in denen es genau anders rum läuft, feiert sich das Management in der Regel auch. Obwohl es dann massiv von Wechselkursgewinnen profitiert hat.
Für 2021 sieht es an der Wechselkursfront übrigens auch nicht gut aus für Unilever. Denn nach den eigenen Berechnungen hat sich beispielsweise der US$ von einem Durchschnittswert 2019 von 1,12 auf einen Durchschnittswert von 1,135 in 2020 verschlechtert. In diesem Jahr liegen wir aber schon konstant über der Marke von 1,17. Das wäre, nur für Umsätze in diesem Währungsraum, eine negative Veränderung um 3,1%. Immerhin profitiert der Wareneinkauf analog von der Veränderung.
Für mich ist Unilever auf dem aktuellen Niveau trotzdem eine attraktive Aktie. Denn die Perspektiven stimmen schon. Das Unternehmen ist besonders in den asiatischen Wachstumsmärkten gut aufgestellt. Allerdings heißt es Geduld zu haben. 2021 kann man wahrscheinlich schon abhaken, immerhin entschädigt die Dividende mit einer Dividendenrendite von 3,6% für die Wartezeit.
Ich halte Unilever deshalb weiter mit 100 Aktien im Dividendendepot. Im Optionsdepot versuche ich mit den weiteren 100 Aktien Zusatzerträge durch den Verkauf von Call-Optionen zu erzielen. Und würde die Aktie bei Kursen über 50 € auch wieder abgeben. Aber das ist nach dem Kurssturz erstmal nur Wunschdenken.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Unilever |
| ISIN: | GB00B10RZP78 |
| Im Divantis-Depot seit: | 01.11.2017 |
| Letzter Nachkauf am: | 07.02.2018 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 100 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 47,39 € |
| Gesamtkaufpreis: | 4.739,09 € |
| Insgesamt erhaltene Netto-Dividenden: | 444,69 € |
| verkauft am: | 20.07.2021 |
| Durchschnittsverkaufserlös abzgl. Gebühren und Steuern: | 49,62 € |
| Gesamtverkaufserlös: | 4.962,14 € |
| Gewinn/Verlust: | 667,74 € |
| Gewinn in Prozent: | 14,09% |

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