Vor nunmehr 10 Jahren kaufte ich die ersten Aktien des deutschen Versicherungskonzerns in mein Depot. Münchener Rück und Allianz hatte ich damals bereits und ich suchte nach einer Ergänzung.
Eigentliche Triebfeder war dann der Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Meine Idee dahinter: ich wollte so viel Dividende erhalten, dass ich damit die Beiträge für meine eigene Versicherung komplett bezahlen könnte.
Bei Kursen zwischen 25 € und 29 € baute ich die Position deshalb zu einer meiner damals größten Depotpositionen aus. 2022 reduzierte ich mein Investment dann bei Kursen von 40 € und 35 € deutlich. Und wie sollte es anders sein – für die Aktie ging es kurz darauf nur noch aufwärts.
Aber statt mich zu ärgern, freue ich mich heute darüber, dass ich damals schon meinen kompletten Einstand wieder herausgezogen habe und trotzdem noch 150 Aktien behalten habe. Sie hatten mich also quasi nichts gekostet und heute notiert die Aktie bei 115 €.
Aber selbst wenn ich die Teilverkäufe nicht berücksichtige, komme ich inzwischen auf eine zweistellige Dividendenrendite auf meinen Einstand.
Vorstellbar war das für mich beim Erstkauf alles nicht. Die Berufsunfähigkeitsversicherung habe ich übrigens immer noch. Und die Beiträge sind deutlich weniger gestiegen als die Dividendenausschüttungen.
Wie ich die weiteren Perspektiven nun einschätze und ob sich aus meiner Sicht jetzt noch ein Einstieg lohnt, erfährst Du in diesem Beitrag.
Klar, seit 2022 sind viele Versicherungsaktien durchgestartet. Aber die Entwicklung des deutschen Versicherungskonzerns Talanx ist schon außergewöhnlich. Hier ausführlich vorgestellt habe. Und 2023 wurde das Unternehmen aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst. Seitdem wird eine aktive Politik zugunsten der Aktionäre betrieben.
Das Ergebnis ist im Chartbild deutlich zu sehen:

Von 2016 bis 2022 hatte ich mit 520 Aktien eine richtig große Depotposition in dem Titel. Ohne die Reduzierung auf 150 Aktien wäre die Position nun 60.000 € groß und damit mein zweitgrößter Depotwert. Aber kein Grund zum Ärgern: auch die „Ersatzposition“ Protector Forsikring, die ich 2022 u.a. mit dem Talanx-Verkaufserlös aufbaute, hat sich auch sehr gut entwickelt.
Dividendenzahlung
Talanx zahlt erstmals eine Dividende von 2,70 € je Aktie. Gegenüber dem Vorjahr (2,35 €) ist das eine Erhöhung um 14,9%. Für die 150 Aktien in meinem Dividendendepot bedeutet das eine Brutto-Dividende von 405,00 €. Nach Abzug der Steuern erhalte ich eine Netto-Dividende von 298,19 €. Sie wurde mit Wertstellung 13.05.2025 ausbezahlt.

Die Dividendenrendite von Talanx liegt – ausgehend von dieser Dividendenzahlung – bei einem Aktienkurs von 115,40 € (Schlusskurs vom 04.06.2025) aktuell bei 2,3%. Wer die Talanx-Aktie heute kauft, kann zudem mit weiteren Dividendenerhöhungen rechnen. Das Management hat als Ziel ausgegeben, die Dividende bis 2027 weiter auf 4,00 € zu erhöhen.
Meine persönliche Rendite auf meinen Einstand (Yield on Cost) sieht schon ziemlich gut aus und wird Jahr für Jahr noch besser. Für die 150 Aktien in meinem Depot habe ich 4.060,17 € bezahlt. Darauf habe ich eine Brutto-Dividende von 405,00 € erhalten. Das ergibt einen YoC von 10,0%. Bis 2027 wird dieser Wert dann auf 14,8% ansteigen. Wenn ich auch noch berücksichtige, dass ich für diese 150 Aktien nun bereits 1.953,38 € als Netto-Dividenden zurückerhalten habe, dann liegt meine Nettokapitalbindung nur noch bei 2.106,76 €. Und darauf entspricht die Dividende dann sogar jetzt schon einer Rendite von 19,2%. Und es ist absehbar, dass ich in wenigen Jahren meinen kompletten Einsatz bereits zurück haben werde.
Und wenn ich die Gewinne aus den beiden Teilverkäufen mit einrechne, dann ist das ja auch schon der Fall: Dem Kaufpreis von 4.060,17 € stehen realisierte Kursgewinne und erhaltene Nettodividenden von inzwischen 7.525,81 € gegenüber. Anlegerherz, was willst Du mehr?
Perspektiven
Wie gut die jüngere Performance von Talanx ist, merke ich an der Depotgewichtung. Im letzten Jahr lag sie bei der Dividendenzahlung noch bei 2,1% – auch damit war ich zufrieden. Jetzt allerdings hat sie sich auf 3,2% hochgeschoben. Und das sogar bei einem etwas größeren Gesamtdepotvolumen.
So richtig greifbar ist für mich die positive Entwicklung allerdings nicht. Die Geschäfte laufen sehr gut bei Talanx und die eigenen Prognosen werden immer wieder übertroffen. Aber das ist bei den anderen Versicherern aktuell ähnlich und die Kursperformance von Talanx ist noch mal deutlich besser. Offenbar gibt es hier einfach einen langjährigen Nachholeffekt, der immer noch nicht abgearbeitet ist.
Ein Beispiel dafür ist der bekannte Dividendenabschlag. Die Hauptversammlung war in diesem Jahr am 8. Mai mit einem Schlusskurs von 105,10 €. Am nächsten Tag wurde die Aktie exDividende gehandelt und hätte deshalb bei 102,40 € stehen sollen. Der Schlusskurs am 9. Mai war aber 104,30 €, also nur ein Abschlag von 0,80 €. Und nun, 4 Wochen später, steht der Kurs bei 115,40 €. Die anderen beiden deutschen Versicherungsschwergewichte Münchener Rück und Allianz stehen hingegen noch unterhalb ihrer Kurse vor der Dividendenzahlung.
Der Lauf der Talanx-Aktie wird durch die Geschäftszahlen gestützt. Das Jahr 2024 war so gut, dass das Jahresergebnis sogar schon höher lag als eigentlich erst für 2025 geplant. 1,977 Mrd. € wurden verdient, ein Plus von 25% gegenüber dem Vorjahr.
Die so wichtige Schaden-/Kostenquote verbesserte sich deutlich von 94,3% auf 90,3%. Die Schaden-/Kostenquote (auch Combined Ratio genannt) ist die zentrale Kennzahl der Versicherungswirtschaft und drückt das Verhältnis der Aufwendungen zu den erzielten Prämieneinnahmen aus. Sie setzt sich zusammen aus den Kosten für eingetretene Schäden (Schadenaufwendungen) sowie den Ausgaben für Verwaltung und Abschluss der Versicherungsverträge (Betriebskosten) im Verhältnis zu den Prämieneinnahmen. Eine Schaden-/Kostenquote von unter 100 % zeigt an, dass die Versicherung mit ihrem Kerngeschäft profitabel arbeitet, weil die Einnahmen die Aufwendungen übersteigen. Liegt sie über 100 %, macht das Unternehmen im Versicherungsgeschäft Verluste.
Die Schaden-/Kostenquote liegt z.B. bei Kfz-Versicherern oft über 100%, da diese Versicherungen selten kostendeckend angeboten werden. In der äußerst profitablen Rückversicherung liegt sie hingegen eher in den 80er Prozentwerten.
Die 90,3% für den Talanx-Konzern, in dem auch die Zahlen der Hannover Rück mitverarbeitet sind, sind deshalb insgesamt ein sehr guter Wert für das Erst- und das Rückversicherungsgeschäft.
Die Ziele für 2025 wurden deshalb auch erhöht und Talanx will nun ein Konzernergebnis von „mehr als 2,1 Mrd. €“ erreichen. Bis 2027 soll dann ein Konzernergebnis von mehr als 2,5 Mrd. € erzielt werden und die Dividende bis dahin auf 4 € je Aktie angehoben werden.
Im 1. Quartal 2025 ist Talanx auf dem Weg zur Zielerreichung gut vorangekommen. Es war das stärkste Quartalsergebnis der Konzerngeschichte! Zwar ist die Schaden-/Kostenquote auf 92,8% angestiegen, aber das ist erst recht beachtlich. Denn darin ist mit den Waldbränden in Kalifornien einer der größten Naturkatastrophen-Schäden der Konzerngeschichte bereits enthalten.
Im Vorjahresquartal waren für Großschäden nur 76 Mio. € erforderlich. Nun sorgten allein die Waldbrände für 640 Mio. € Schaden bei Talanx. Insgesamt stiegen die Großschäden sogar auf 881 Mio. €.
Anders als kleinere Versicherer (meinen Depotwert Conduit Holdings hat es fast zerrissen, hier mein Bericht dazu) konnte Talanx das gut verkraften und ist zuversichtlich bis zum Jahresende die Schaden-/Kostenquote wieder ins Lot zu bringen.
Was mich an Talanx auch fasziniert ist die globale Aufstellung. Natürlich schaue ich immer zuerst auf Deutschland, wenn ich an eine Versicherung denke. Und sehe dann Ergo (Münchener Rück), Allianz oder HDI (Talanx). Bei Talanx ist das aber nur ein Bruchteil des Geschäfts. Tatsächlich kommen nur 15% des Umsatzes aus Deutschland. Die USA sind mit 24% Anteil die größte Region, aber auch Lateinamerika (13%), UK (11%) oder Asien und Australien (11%) sind gewichtig. Talanx ist damit weltweit diversifiziert und ein wahrer Global Player.
Eine wirkliche Einschätzung zum Aktienkurs und der Frage, ob sich ein Kauf jetzt noch lohnt, kann ich nicht abgeben. Denn bei einem Chartbild, das zwangsläufig an eine Fahnenstange erinnert, kommt oftmals irgendwann ein Einbruch. Dann setzen Gewinnmitnahmen ein und die Aktie konsolidiert. Was für Bestandsaktionäre ein normaler Prozess ist, ist dann für Neueinsteiger extrem ärgerlich. Denn 20% Kursverlust müssen dann erstmal wieder aufgeholt werden.
Für mich persönlich und alle Investoren, die schon länger an Bord sind, ist es natürlich eine komfortable Situation. Gewinne laufen lassen und jedes Jahr eine höhere Dividende.
Talanx gehört für mich deshalb zu den Positionen in meinem Depot, die nicht zur Disposition stehen. Die Aussicht auf 4,00 € schon in Kürze und damit eine Einstandsrendite von 14,8% lässt mich alle möglichen Kursrückgänge völlig entspannt erleben.
Auf einen Blick:
| Unternehmen: | Talanx |
| ISIN: | DE000TLX1005 |
| Im Divantis-Depot seit: | 07.09.2015 |
| Letzter Nachkauf am: | 26.01.2016 |
| Stückzahl im Divantis-Depot: | 150 |
| Durchschnittskaufkurs inkl. Gebühren: | 27,07 € |
| Gesamtkaufpreis: | 4.060.17 € |
| durch Teilverkauf am 28.3.2022 realisierter Gesamtgewinn (Kurs & Dividenden): | 3.480,63 € |
| durch Teilverkauf am 22.8.2022 realisierter Gesamtgewinn (Kurs & Dividenden): | 2.091,80 € |
| Bisher erhaltene Netto-Dividenden: | 1.953,38 € |
| Aktuelle Strategie: | Halten und Dividende kassieren |
| für diesen Beitrag verwendete Quellen: |
| Talanx Gruppe startet sehr gut in das Jahr 2025 |
| Talanx erzielt 2024 Konzernergebnis von 1.977 Mio. EUR und stärkt Resilienz |


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